Was von Anfang war (1. Joh. 1,1)

Von Karl Geyer

Die Schöpfung hat einen Anfang. Sie ist g e w o r d e n Alles Erschaf­fene kommt aus dem Unerschaffenen. Gott, der Schöpfer, der allein Un­sterblichkeit hat, war vor allem, das geworden ist.

Ehe die Welt ward, zeugte Er aus Sich heraus den Sohn. Der Sohn ist wesenseins mit dem Vater. Der Vater gab dem Sohne, Leben zu haben in Sich Selbst (Joh. 5, 26). Dieses Leben, das vor der Zeugung des Sohnes im Vater war, war nach der Zeugung des Sohnes auch im Sohne. Und da der Sohn bei dem Vater war, so war das gezeugte Leben, das ebenfalls in Gottgestalt war, bei Gott. Der Sohn war in Seiner vorweltlichen, voräonischen Herrlichkeit beim Vater, ehe die Welt war. (Vergl. Joh. 17, 5 mit Phil. 2, 6 u. a.).

Der Sohn ist also kein Erschaffener, sondern ein Gezeugter. Die Er­schaffung (ktisis) ist g e w o r d e n. Der Sohn w a r schon, ehe etwas wurde. In Joh. 1, 1-3 bezeugt der Apostel: ,,Im Anfang war das Wort, und das Wort w a r bei Gott, und das Wort w a r Gott. Dieses w a r im Anfang bei Gott. Alles w a r d durch dasselbe, und ohne dasselbe w a r d auch nicht eines, das geworden ist.” – Paulus schreibt hierzu in Kol. 1, 15-17: ,,. . . welcher das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung. Denn durch Ihn sind alle Dinge erschaffen

worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren unddie unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: alle Dinge sind durch Ihn und für Ihn geschaffen. Und Er ist vor allen, und alle Dinge bestehen zusammen durch Ihn.”

Es ist ein Gott, der Vater, von welchem alle ,Dinge sind, und wir für Ihn, und ein Herr, Jesus Christus, durch welchen alle Dinge sind, und wir durch Ihn (1. Kor. 8, 6).

Das Wesensgleiche entsteht aber nicht durch Erschaffung, sondern ist Lebens- und Wesensmehrung durch Zeugung. ,,Du bist Mein Sohn. Heute habe ich Dich gezeugt!” (Ps. 2, 7; Hebr. 1, 5.).

Das Leben des Sohnes hatte also seinen Bestand, seine Existenz schon im Vater, ehe es durch Zeugung aus dem Vater heraustrat und fortan bei Ihm war.

In diesem Sohne faßte der Vater den Vorsatz der Äonen (Eph. 3, 11). Und durch den Sohn hat Er auch die Äonen gemacht (Hebr. 1, 2 Grundtext).

Das Seiende war! Das Nichtseiende ist geworden! Es wurde ins Dasein gerufen (Hebr. 11, 3; Röm. 4, 17). ,,,Denn Er sprach, und es war! Er gebot, und es stand da!” (Ps. 33, 9.)

Das Nichtseiende, das Gewordene, das Erschaffene, kann wieder ,,entwerden” d. h. vergehen, zerfallen, sterben. Das Seiende hat Unsterblichkeit. Das Seiende aber ist der Seiende. Außer Gott (und Seinem Christus) gibt es nichts Seiendes. Darum hat Gott allein Unsterblichkeit (1. Tim. 6, 16). Unsterbliche Materie gibt es nicht. Nur der Geist ist unsterblich. Er ist unerschaffen. Gott ist Geist. Und der Geist ist die Wahrheit, d. h. das Wesenhafte, Seiende, Bleibende, Unvergängliche.

Da nur das Gewordene wieder zerfallen kann, ist der Tod nichts Seiendes, nichts Bleibendes. Er ist auch nur eine erschaffene Macht, etwas Gewordenes. Er wird darum wieder hinweggetan. Der Tod hat Anfang und Ende. Er war nicht, und darum wird er auch nicht mehr sein (Off. 21, 4; 1. Kor. 15, 26). Wenn das All ins Lehen gezeugt ist (1. Tim. 6, 13: zoogonountos ta panta), gibt es keinen Tod mehr, sondern nur noch Leben, und zwar Gottesleben. Das Erste, das Erschaffene, ist vergangen. Das All ist neu geworden! Alles steht im Leben Gottes. Gott ist alles in allem (1. Kor. 15, 28).

Das wesenhafte Leben ist das Seiende, das da war vor allem Gewordenen. Es war schon, ehe es in die Erscheinung trat (1. Joh. 1, 2; Joh. 1, 4). Als es erschien, konnte seine Herrlichkeit wahrgenommen werden. Aber es war schon vorher da. Es war bei Gott in Gottgestalt und vorweltlicher Herrlichkeit.

Und den, der da war, ehe etwas geworden ist, sollen wir erkennen. Indem wir den erkennen, der von Anfang war, werden wir zur Vollendung, zur geistlichen Vaterschaft geführt (1. Joh. 2, 13.14).