Versiegelt auf den Tag der Erlösung (Eph. 4, 30)

 „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid für den Tag der Erlösung!“

Eph. 4, 30

Autor: Adolf Heller

In Eph. 4, 30 lesen wir: «Betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes, durch (oder in) welchen ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung.» Diese pauli-nische Ermahnung lehrt uns verschiedene wichtige Wahrheiten. Zunächst hören wir, dass wir den Heiligen Geist betrüben, kränken oder Ihm Schmerz bereiten können. Das ist überaus ernst! Eine tote Sache kann man nicht betrüben; ein Stück Holz kann man nicht kränken, einem Stein keinen Schmerz zufügen. Aber dem Geist Gottes kann man wehe tun und Traurigkeit bereiten. 

Es ist unmöglich, dass ein Gläubiger Ihn lästert, wie es einst die Pharisäer ta-ten, die die Wunderwerke Jesu dem Teufel zuschrieben (Matth. 12, 22—32). Aber wir können durch Ungehorsam und Widerstreben Ihn dämpfen oder unterdrücken (1. Thess. 5, 19). Darum gilt es, auf Sein Wehen und Wirken zu ach ten und sich von Ihm überführen, lehren und erfüllen zu lassen. Das ist kein mit Wundern und Zeichen verbundenes pfingstliches Erlebnis, wie manche mei-nen, sondern ein verborgener, stiller Vorgang, wie ihn Paulus in Eph. 5, 18—21 beschreibt. 

Die zweite Wahrheit, die wir hier lernen, ist die, dass wir durch (wörtlich: in) den Heiligen Geist versiegelt sind. Das mit versiegeln übersetzte Wort sphragizoo könnte man auch durch beglaubigen oder bestätigen verdeutschen. Wie oft wollen wir wegen unsrer Schwachheit und Ohnmacht, ob der mannigfachen Widerstände und Hemmungen in und um uns verzagen! Wie manchmal möchten wir verzweifeln, ob wir das Ziel der Herrlichkeit auch erreichen und den Tag der Erlösung unsres Leibes auch wirklich erleben! Gar manche Kinder Gottes wollen bange werden über die Macht der Finsternis und die ständig stärker werdende Entfaltung des Feindes. 

Da ist es wichtig und nötig, dass wir immer wieder glaubend fassen und festhalten, dass wir in Gottes Augen so wert gehalten sind, dass Er uns gleich einem kostbaren Wertgegenstand versiegelt hat, so dass wir unantastbar werden für den Feind. Wertlose Dinge versiegelt man nicht. Was einem aber kostbar ist und was man nicht verlieren möchte, das versiegelt man. So sind auch wir geistversiegelte, gottbeglaubigte Christusglieder, für die der Vater selbst die Verpflichtung übernommen hat, uns ans Ziel der Vollendung zu bringen. Wer wollte es wagen, etwas, was Gott selbst versiegelt hat, anzutasten und seines Inhaltes zu berauben? Das versiegelte Buch von Offb. 5, l—4 wagte nie-mand auch nur anzublicken, geschweige denn zu erbrechen. So wirkungsvoll und unantastbar ist ein Siegel Gottes! Wie wert müssen wir doch in Seinen Au-gen geachtet sein, da Er uns durch Seinen Heiligen Geist versiegelt hat! Wie-viel muss Gott selbst daran liegen, dass wir endlich, nachdem wir dem Geiste nach gerechtfertigt und geheiligt sind, nun auch dem Leibe nach die Vollerlösung erfahren möchten! 

Der Loskaufakt Christi ist für Ihn selbst von großer Bedeutung. Denn während Er jetzt nur von Seinen Heiligen und Gläubigen verherrlicht und bewundert wird, so wird Er an jenem Tag, da Er Seine Herrlichkeit und Kraft enthüllt und entfaltet, in den Seinen verherrlicht und bewundert werden (2. Thess. l, 10). Unsre Verherrlichung ist die Seine, und das Staunen der Schöpfung über uns, Seinen verklärten Leib, gilt Ihm. In diesem Licht können wir begreifen, dass wir auf jenen Tag, da wir endlich voll und ganz mit Christo vereint sein werden, ver-siegelt, beglaubigt oder bestätigt sind. 

Jenen Augenblick unsrer völligen Gleichgestaltung mit Christo nach Geist, Seele und Leib vermag keine Macht der Finsternis trotz aller Anstürme zu hintertreiben. Er wird und muss kommen! Gott hat, töricht geredet, alle Vorkehrungen und Maßnahmen getroffen, dass der Feind uns nichts anhaben darf und uns nicht aus der herrlichen Stellung, in die wir in Christo versetzt sind, herauszudrängen vermag. 

Die erste vollendete Körperschaft im weiten Weltenall wird der Leib des Chris-tus sein. Mit ihm und durch ihn werden dann die großen umfassenden Rettungspläne und Heilsziele Gottes ausgeführt werden. Denn wir sind die Fülle dessen, der das All in allen Stücken (oder in jeder Beziehung) in die Fülle führt (Eph. 1,23). Darum verstehen wir auch, dass ein Apostel Paulus, dem diese herrliche Botschaft anvertraut war, von einem Engel Satans mit Fäusten geschlagen wurde und bis zur Stunde verlästert wird. In wunderbarer Liebestreue hat Gott solches verordnet; je höher und herrlicher das Ziel, um so steiler und mühsamer der Weg. 

Lasst uns nicht müde und mutlos werden! Denn «weder Tod noch Leben, we-der Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn» (Rom. 8, 38.39). Durch Gottes Macht sind wir unantastbar für den Feind, der wohl Leib und Seele bedrängen, aber nie und nimmer unser mit Christo in Gott verborgenes Geistes- und Glaubensleben antasten darf. Wir sind versiegelt auf den Tag der Erlösung.