Überfließendes Leben! (Joh.10,10)

„Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben.“

‭‭Johannes‬ ‭10:10‬ ‭SCH2000‬‬

Autor: Karl Geyer , Auszug aus seinem Buch „Ich bin Gewiss!“

Der Glaubende, der Gott Vertrauende, empfängt durch die wiederher- gestellte Lebensverbindung mit Gott das Leben aus Gott. Dieses Leben ist so groß und tief, so hoch und weit, so herrlich und reich, so stark und überquellend, dass es oft das irdene Gefäß, das die- sen Schatz birgt, den Tempel unseres Leibes, fast sprengen möchte. Es ist ein überfließendes Leben, das alle, die ihres Heils gewiss wurden, in sich tragen. Dieses Leben hat zunächst nur Einer: Gott, der allein Unsterblichkeit besitzt (1. Tim. 6,16). Als Er aber den Sohn der Liebe vor Grundlegung der Welt aus sich selbst zeugte, hat Er durch diese Zeugung auch dem Sohn gegeben, Le- ben zu haben in sich selbst (Joh. 5,26). Deshalb konnte auch der Sohn, der dieses Leben zu uns brachte, von sich sagen: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben« (Joh. 14,6). Der Welt das Leben zu geben – das war der Zweck Seines Kommens. »Denn das Brot Gottes ist der, der aus dem Himmel herniedergekom- men ist und der Welt das Leben gibt« (Joh. 6,23). »Ich bin gekommen, dass sie Leben haben und es überfließend haben« (Joh. 10,10). Satan hat Vollmacht (oder Gewalt) über den Tod (Hebr. 2,14.15), und er benutzte diese Gewalt, um die Menschheit in den Tod zu bringen. Christus hat Vollmacht (oder Gewalt) über das Leben (Joh. 17,2), und er kam, um dieses überfließende Leben zu bringen, das die Sehn- sucht der Menschen überströmend stillt. Das ist ja das Furchtbare in unserem Dasein, dass die Sehnsucht nach Leben uns blieb, der Hunger nach Leben und das heiße Verlangen nach Erfüllung. Als Sklaven der Sünde aber tragen wir das Sklavengewand, die Zwangsjacke des Niedrigkeitsleibes, die uns daran hindert, dass wir selbst unsere Sehnsucht, die im tiefsten Grunde Sehnsucht des Geistes ist, Verlangen nach seinem Urgrund, nach Gott, wirklich stillen können. Darum liegt eine tiefe Wahrheit und ein verzweifeltes Aufschreien in dem Goethewort: »Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!« 

Einer kennt diese Sehnsucht völlig, der, der wirklich weiß, was Le- ben im Vollsinn ist, weil Er es bei dem Vater hatte, ehe die Welt war. Er kennt die Sehnsucht und zugleich den falschen Weg, sie zu stillen, weil Satan, der Gott und Fürst dieser Welt, der große Blender (2. Kor. 4,4), Ihm alle Reiche der Welt bot, um den Durst der Seele zu stillen mit vergänglichen Ersatzmitteln (Luk. 4,7). Die Not der Menschheit, die doch nach Leben hungert und nach Er- füllung dürstet, bewegte Ihn so tief, dass Er, der alle unsere Tage ein- schrieb in Sein Buch, ehe es Tage gab (Ps. 139,16), an einem be- stimmten Tage durch Samaria reisen musste, um an einem Brunnen zu sitzen, weil an diesem Tage ein Weib aus Samaria kam, um an diesem Brunnen Wasser zu schöpfen. So stand es in Seinem Buche und so ge- schah es (man lese Joh. 4,4–42). Es war ein armes Weib, das da kam. Fünf Männer hatte sie schon ge- habt, und der, mit dem sie jetzt zusammenlebte, war nicht ihr Mann. Sie hielt es deshalb auch nicht für geraten, den fast halbstündigen Weg von der Höhe der Stadt herunter ins Tal zur Quelle mit den anderen Frauen zusammen zu gehen. Die holten ihr Wasser in der Morgenfrühe, wenn es kühl war, oder am Abend nach Sonnenuntergang, damit sie es frisch nach Hause brachten. Das arme Sündenweib aber ging um die sechste Stunde, das ist nach unserer Zählung mittags um 12 Uhr, an den Brunnen, weil da sonst niemand ging um diese ungeeignetste Zeit. Der Herr aber sieht unter all dem Schutt der Sünde und der falschen Wege und der ungeeigneten Ersatzmittel ihre echte Sehnsucht. Und diese Sehnsucht berührt und weckt und stärkt Er in zartester Weise, ohne dabei den wahrheitsgemäßen Tatbestand irgendwie zu ver- schweigen. Wie zart beginnt Er mit einer Bitte! Und wie zart weckt Er die echte Sehnsucht nach dem Wasser des Lebens, das allein den Durst der Seele auf ewig stillt und in dem, der es getrunken hat, zu einer Quelle lebendigen Wassers wird, die ins ewige Leben quillt. Als dann zuletzt das Weib seine tiefste Sehnsucht offenbart und be- kennt: »Ich weiß, dass der Messias kommt, und wenn Er  kommt, dann wird Er …«, tut Er ihr kund: »Ich bin’s, der mit dir redet!« Da ließ sie ihren Krug stehen … Was war angesichts solcher Erfüllung tiefster Sehnsucht noch das ir- dische Bedürfnis? Das Wasser des Lebens aber ward in ihr zu einer Quelle lebendigen Wassers, das sofort anfing, überzuquellen und überzufließen. 

Sie ging in heiligem Liebestrieb in die Stadt und bekannte ohne Furcht und Menschenscheu: »Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei!« Und viele in der Stadt glaubten um des Wortes des Weibes willen. Überfließendes Leben! Hier eingegossen in ein armes Sünden- weiblein! Zu einer Quelle lebendigen Wassers geworden! Immerfort überquellend, viele reich machend! Überfließend in Ewigkeit! Dazu kam der Sohn Gottes, um auch dir und mir dieses Leben zu ge- ben, damit wir das Tränental zum Quellenort machen. Hast du dieses Leben? – Des Menschen tiefste Sehnsucht kennt nur Gott! Und Er bejaht sie. Er verneint nur den falschen Weg, auf dem der Mensch sie nach dem falschen Rat Satans stillen möchte. Die letzte Sehnsucht des Menschen ist die Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Nach ihr sehnt sich die ganze Schöpfung (Röm. 8,18–23). Gott selbst hat uns auf dieses Endziel hin angelegt, als Er sprach: »Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen …« Satan versprach dem Menschen, ihn ohne Wartezeit an dieses Ziel zu bringen: »Welches Tages ihr davon esset, werdet ihr sein wie Gott!« Das war der Weg des Kurzschlusses, der Versuch der Stromentnahme an falscher Stelle, und dieser brachte dem Menschen den Tod. Die Ver- bindung mit der himmlischen Kraftstation ist seitdem unterbrochen. Es ist bis heute noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wenn Er (der Herr) aber erscheinen wird, werden wir Ihm gleich sein (1. Joh. 3,1–3). Gott hat also Sein Ziel mit uns nicht aufgegeben trotz unseres Miss- trauens und unseres Ungehorsams. Wer das erkennt, dass Gott unser tiefstes Sehnen auch heute noch be- jaht und uns in Christus auch den Weg zur überströmenden Erfüllung geoffenbart hat, der traut es Gott auch zu, dass Er uns im Sohn ans Ziel bringt. Ströme lebendigen Wassers sollen von deinem und meinem Leibe fließen (Joh. 7,37–39). Sie kommen nicht aus uns, sondern aus Ihm. Er ist das Leben, nicht du oder ich! Aber in dem Augenblick, in dem wir Ihm vertrauen, ist der Kontakt da, das Kabel gelegt, durch das der himmlische Starkstrom des Heiligen Geistes aus Ihm in uns hinein- fließt und uns mit Geist und Leben erfüllt, bis es überfließend wird und Ströme lebendigen Wassers von unserem Leibe fließen. 

„Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür für die Schafe. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben. Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der kein Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin den Meinen bekannt, gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind; auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein. Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.“‭‭ Johannes‬ ‭10:7-18‬ ‭SCH2000‬‬