Nicht bleibt Finsternis (Jesaja‬ ‭9, 1)

Adolf Heller, Auszugsweise aus seiner gleichnamigen Schrift

„Doch nicht bleibt Finsternis dem Lande, welches Bedrängnis hat. Um die erste Zeit hat er das Land Sebulon und das Land Naphtali verächtlich gemacht; und in der letzten bringt er zu Ehren den Weg am Meere, das Jenseitige des Jordan, den Kreis der Nationen.“

Jesaja‬ ‭9, 1‬ ‭ELB

Das Thema lautet: »Vom Totalsieg des Lichtes über die Finsternis«, wir könnten auch sagen: »Der totale Sieg der Gnade, der Liebeszuneigung Gottes über die Bosheit der Finsternismächte.«

Ich lese dazu zwei Schriftstellen, einen Schriftzusammenhang aus dem Propheten Jesaja (Kap. 9, 1-7) und ein Epheserwort (5, 8). Zunächst Jesaja 9. Das Kapitel beginnt mit den Worten: »Nicht bleibt Finsternis …« –

Das ist ein gewaltiges Wort. Es gibt Dinge, die bleiben, die unvergänglich sind und nie ihren Charakter und ihr Wesen verlieren, und es gibt andere Dinge, die bleiben nicht, die vergehen und zerfallen, zerbrechen in sich selbst, und dazu gehört auch die Finsternis; dazu gehört auch die Sünde; dazu gehört auch der Tod. »Nicht bleibt Finsternis.« Diese drei Worte können dem, der anfängt, etwas von ihrer Weite und ihrer Tiefe zu ahnen, zu einem unaussprechbaren Trost werden.

Wenn du in Finsternis steckst, Bruder und Schwester, wenn dein Herz belastet und gequält ist, dann glaube: Nicht bleibt Finsternis, oder umgestellt: Finsternis bleibt nicht! Aber es gibt Dinge, die bleiben, die hören nimmer auf. Wisst ihr etwas, das nimmer aufhört? (Zuhörer: die Liebe.) Jawohl, die Liebe Gottes höret nimmer auf! Auch Gott hört nicht auf und ändert sich nicht. Er bleibt derselbe, voll abgrundtiefen Erbarmens, voll von Inbrunst und Zuneigung, von Kräften und Segnungen, von Güte und Barmherzigkeit, die kein Menschenmund auszusprechen vermag.

Nicht bleibt Finsternis.« – Aber das erste Wort des Kapitels Jesaja 9 lautet nicht »nicht«, sondern »doch« oder »denn«; und wenn wir in unserer Bibel ein widersprechendes »doch« oder ein begründendes »denn« finden, dann müssen wir lesen, was vorher steht. Wir müssen in großen Schriftzusammenhängen denken lernen und nicht nur einzelne Stellen herauspicken, die uns besonders gefallen, die uns besonders süß dünken und unser Herz ansprechen. »Denn nicht bleibt Finsternis« oder »Doch nicht bleibt Finsternis.« Und deshalb wollen wir einmal sehen, was Gott unter Finsternis in diesem Zusammenhang versteht, indem wir die vorhergehenden Verse 19-22 des 8. Kapitels lesen. Dann erst werden wir die unerhörte dynamische Kraft des 9. Kapitels verstehen.

Vers 21 spricht dann von dem Volk, das nicht fragt nach Gottes Wort. In erster Linie ist hier Israel gemeint, es gilt aber auch für dich und für mich: »Und es wird darin umherziehen, schwer gedrückt …« Man nennt dies Gedrücktsein mit einem Fremdwort Depressionen. Die meisten Gläubigen leiden unter gewissen Depres-
sionen, sie werden gedrückt von Sorge, Furcht und Angst und werden gar nicht froh! Es gibt auch christliche Redner, die starren in ein Loch und strahlen keine Lösung und Freude aus. – »Schwer gedrückt und hungernd.« Viele hungern im Grunde nach Liebe und nach dem lebendigen Gott und nach dem Brot des Lebens und müssen doch immer wieder nörgeln und kritisieren und richten. Das ist schlimm, dieser ungestillte Hunger, zu lieben und geliebt zu werden! Auf der untersten Stufe empfand das schon Goethe: »Doch welch ein Glück, geliebt zu werden, und lieben, Götter (das heißt: Engel, da ruft er die Engel und Dämonen an!), welch ein Glück!« – »Glücklich allein ist die Seele, die liebt.«

Du bist insoweit glücklich, als du lieben kannst, deine Freunde und deine Feinde. Wer aber nicht alle lieben kann, der ist ein armer und unerlöster Mensch. Die zu segnen, die uns lieben und uns anerkennen, das ist kein Kunststück, das tun auch die Heiden; aber wenn du deine Schwiegermutter und deine Schwiegertochter
und deinen Schwiegersohn und deine bösen Untermieter oder Hausbesitzer lieben kannst – nicht indem du ihnen Honig um den Mund schmierst, aber so, daß du innerlich keine Opposition gegen sie hast -, dann bist du ein erlöster Mensch und kannst ein Siegesleben führen.

Und jetzt kommt die Hauptsache. Jetzt kommt eine zwölffache Begründung, warum das alles so kommt, warum wir aus den Zaubereisünden, warum wir aus dem Fluch gegen Gott und das Schicksal herauskommen können und müssen, warum die Finsternis nicht bleibt, warum die Todesschatten weichen und es zu einem Totalsieg des Lichtes kommt. Warum kommt es dazu? Weil die Finsternis zu schwach ist? Weil wir so brav sind? Weil wir es verdient haben?

Nein, aus einem ganz anderen – 12fachen Grund. Ich lese die Verse 6 und 7 in Jesaja 9. Sie beginnen wieder mit einem begründenden »denn«:

»Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf Seiner Schulter; und man nennt Seinen Namen: Wunderbarer, Berater, starker El (El heißt: der über alles verfügende, alles verwaltende, alles für Seine Zwecke benützende Gott), Vater der Äonen, Friedefürst. Die Mehrung der Herrschaft (dieser Gottes-, Geistes-, Gnadenherrschaft) und der Friede werden kein Ende haben (die Finsternis wird ein Ende haben, aber die Mehrung der Herrschaft und des Gottesfriedens nicht) auf dem Throne Davids und über sein Königreich (jetzt wird wieder Israel ins Blickfeld gerückt, aber alles, was Israel geschieht, ist ein Vorbild für uns und alle anderen Wesen und Welten), um es zu befestigen und zu stützen durch Gericht und durch Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen (des Herrn, der sowohl die Heerschar der Finsternis als auch die Heerschar des Lichtes für Seine Zwecke benützt) wird dieses tun.«

Gottes Licht und Liebe und Güte siegen über jede Finsternis! Und nun nimm das für dein Leben und lobe und danke!

Ich schließe mit einem neutestamentlichen Wort aus dem Epheserbrief, Kap. 5, 8: »Ihr waret einst Finsternis; jetzt aber seid ihr ein Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichtes!«

Wir alle waren Finsternis, und wir alle dürfen jetzt Lichtesmenschen sein! Gott segne euch, dass keiner mehr hier sei, der die Sünde, das Böse, heimlich festhält. Tu es nicht! Du gehst daran zugrunde nach Geist und Seele und Leib. Wage es, zu Jesus zu kommen, und du wirst genesen und frei und glückselig werden nach Geist und Seele und Leib. Das bezeuge ich aufgrund der Schrift; das bezeuge ich aufgrund meines persönlichen Lebens; das bezeuge ich aufgrund hundert- und tausendfacher Erfahrungen und Erlebnisse. Gott segne euch, meine lieben Freunde, vollende euch und mache euch zu strahlenden, begnadeten Lichtsmenschen. Amen!


Quelle: Büchlein “Gottes wunderbares weltweites Heil” vom Autor Adolf Heller, Paulus-Verlag Karl Geyer.

https://data.kahal.de/pdf/276-AH-TLF.pdf

https://data.kahal.de/mp3/83200%20-%20A.Heller%20-%20Vom%20Totalsieg%20des%20Lichtes%20ueber%20die%20Finsternis%2C%20Jes.8-9%2C%20Eph%208%2C8%2C%20Hohelied%208%2C6f%2C%201968.mp3