Hirtendienst vom Wesenszentrum des Menschen aus (1. Petr. 5,2)

„Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führet, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig, nicht als die da herrschen über ihre Besitztümer, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid. Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“‬ 

‭‭1. Petrus‬ ‭5:2-4

Autor: Karl Geyer, aus seiner Schrift „Vom seelischen Menschen zum Geistesmenschen”

„Und ich habe andere Schafe, die nicht aus diesem Hofe sind; auch diese muß ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein.“ Johannes‬ ‭10:16‬ 

„Denn ihr ginget in der Irre wie Schafe, aber ihr seid jetzt zurückgekehrt zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen.“ 1. Petrus‬ ‭2:25‬

„Der Gott des Friedens aber, der aus den Toten wiederbrachte unseren Herrn Jesum, den großen Hirten der Schafe, in dem Blute des ewigen Bundes, vollende euch in jedem guten Werke, um seinen Willen zu tun, in euch schaffend, was vor ihm wohlgefällig ist, durch Jesum Christum, welchem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Ich bitte euch aber, Brüder, ertraget das Wort der Ermahnung; denn ich habe euch auch mit kurzen Worten geschrieben.“ Hebräer‬ ‭13:20-22‬

„Freuet euch allezeit; betet unablässig; danksaget in allem, denn dieses ist der Wille Gottes in Christo Jesu gegen euch. Den Geist löschet nicht aus; Weissagungen verachtet nicht;“ 1. Thessalonicher‬ ‭5:16-20‬ 

„Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus;“ Epheser‬ ‭4:11-13‬ 

Wo in einer klaren Hinkehr zu Gott, besser Rückkehr (Bekehrung), durch Buße und Glauben der Wiederanschluss des Geschöpfes an den Schöpfer stattfand, ist die unterbrochene Verbindung im Geiste unseres Gemüts wiederhergestellt. Der Mensch hat damit eine ganz neue Stellung zu Gott bekommen (2. Kor. 5, 17). Das Leben aus Gott durchströmt nun wieder von seiner Quelle aus den Menschen und erneuert ihn von innen her auch in der praktischen Darstellung des neuen Wesens nach außen. Die Erneuerung im Geiste unseres Denksinns ist daher die Gewinnung einer völlig neuen Einstellung zu Gott. Sie ist göttliche Neuschöpfung des inneren Menschen, sie ist Wiedergeburt im Geiste aus dem Geiste. Von hier aus, vom Pneuma unseres Nous aus (Eph. 4, 23 Grundtext), durchströmt das göttliche Sein unser menschliches Dasein und erfüllt mehr und mehr alle Lebensgebiete, bis „in Wort und Werk und allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen”. Von dieser Stelle aus, an der der Mensch seinen Wiederanschluss an die Quel-le des wesenhaften Lebens fand, hat unser Hirtendienst zu beginnen. Meist wird dieser Dienst mit Seelsorge bezeichnet. Er ist auch ein Dienst derer, die Rechenschaft ablegen sollen für die ihnen (anvertrauten Seelen (Hebr. 13, 16 —17). Doch ist das Wort Seelsorge nicht umfassend genug. Christus wird ge-nannt: der Bischof (Aufseher) und Hirte unserer Seelen (1. Petr. 2, 25). Nachdem wir zu Ihm bekehrt wurden, übt Er die Aufsicht über unsere Seelen und wacht als der Erzhirte über uns (1. Petr. 5, 4). Darum befiehlt auch Paulus den Ältesten von Ephesus, die der Heilige Geist als Aufseher in der Gemeinde ge-setzt hatte, sie sollten die Herde weiden (Apg. 20, 28). Von hier aus ist es auch gut zu verstehen, warum alle seine Briefe, vor allem die Füllebriefe, nach der lehrhaften Offenbarung unserer neuen Stellung, die Gott uns in Christo gab, uns in der zweiten Hälfte anleiten zur praktischen Darstellung des neuen Wesens, damit es durch Wachstum und Übung in die Fülle geführt werde. Zum Wachstum gehört Nahrung und zur Übung Anleitung. Dieses Hinführen auf die grünen Auen des Wortes und zu den frischen Quellen des Lebenswassers ist das Amt des Hirten (Ps. 23). Er führt im Blick auf das volle Ziel auf rech-ter Straße. Sein Vorbild haben wir nachzuahmen, wenn wir andere auf dem gleichen Wege leiten wollen, auf dem Er uns führte. Da unsere Erneuerung im innersten Zentrum unseres Wesens begann, im Pneuma unseres Nous (Eph. 4, 23) (im Bilde gesprochen: in der Bundeslade unseres Allerheiligsten, wo die neue Bindung an Gott vollzogen würde, wo der neue Bund in der Lade aufbewahrt wird, wie die Gesetzestafeln in der Lade; vergl. hierzu auch: „Ich werde Mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben”, Jer. 31, 33), — darum kann auch jeder echte Hirtendienst nur von dort ausgehen, wie auch Paulus in 1. Thess, 5, 23 sagt: Euer Geist ganz, samt Seele und Leib.

Hirtendienst umfasst also den ganzen Menschen. Es ist die Fortführung des Werkes Gottes im Menschen, das Er im Pneuma unseres Nous begann. Von dieser Stelle aus dienen auch wir an dem erneuerten Menschen. Unser Dienst ist daher zunächst ein „In-den-Nous-hinein-Reden”, ist ein „nou-thetein”, ist „nouthesia”. Wir suchen dem erneuerten Menschen eine Wegleitung durch die Verheißungen zu geben, ihn so auf grünen Auen führend, um ihn, als Erben dieser Verheißungen, zu ermuntern, sie in Besitz zu nehmen, sie durch Glauben und Ausharren zu erlangen und zu genießen, um ihn so zur geistlichen Reife und zum vollen Mannes wuchs in Christo zu führen, zur ganzen Fülle Gottes (Eph. 3, 19), mit der zunächst der Erstgeborene der Brüder erfüllt war (Kol. 2, 9), in dessen Bild und Wesensherrlichkeit wir umgestaltet werden sollen (Rom. 8, 29; 2. Kor. 3, 17. 18; 1. Joh. 3, 2. 3). Es handelt sich also nicht um Seelenführung allein (am allerwenigsten durch Psychologie, Psycho-Analyse und Psycho-Therapie nach den Methoden des Psychikos, des unerneuerten seelischen Menschen), sondern um ein Hinführen zur geistlichen Reife durch den Hirtendienst der Nouthesia. Zwar erscheint es oft so, als ob man mit den seelischen Hilfsmitteln einen schnelleren Effekt erzielen könnte, und das ist auch in der Tat so, weil die Symptome bald verschwinden. Darin liegt aber gerade die Täuschung. Die Heilung erfolgt nicht vorn innerstem Wesenszentrum aus, von der Lade im Allerheiligsten, wo die Wesensherrlichkeit Gottes wohnt, sondern an der Oberfläche. Man staubt gewissermaßen nur die Dachsfelle der Stiftshütte ab, beseitigt die unangenehmen Erscheinungen des Seelenlebens, die Folgen der Komplexe. Aber jenen Teil, in den man nur als ein zuvor selbst Versöhnter mit Versöhnungsblut hineingehen kann, wenn man dazu gerufen wird, betritt man nicht, weil man instinktiv fühlt, dass es gefährlich ist, diesen Ort eigenmächtig zu betreten. Gott wacht über dem Ort der Gegenwart Seiner Herrlichkeit und tötet die, die ihn entweihen. Siehe Nadab und Abihu! Hirtendienst ist Priesterdienst in der königlichen Vollmacht des Geistes, ist Königspriestertum von Gottes Gnaden. (Aus der empfehlenswerten neuen Schrift „Vom seelischen Menschen zum Geistesmenschen” von Karl Geyer = Heft2 der Schriftenreihe „FÜR LEBEN UND GLAUBEN”. Näheres wolle man der 3. Umschlagseite entnehmen!)