Die Auferstehung Jesu Christi als Anbruch kosmischer Erneuerung (Off. 21, 5)

„Und der auf dem Throne saß sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht [zu mir]: Schreibe, denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig.“

Off. 21, 5

Autor: Adolf Heller (Nach einem Wortdienst in Berlin)

Meine Brüder und Schwestern, ihr Heiligen und Auserwählten, und ihr lieben Freunde! Lasst mich heute ein Zeugnis sagen von der kosmischen, d. h. von der erdwei-ten und weltumspannenden Auswirkung der Auferstehung Jesu Christi. Wir können diese geschichtliche Tatsache gar nicht hoch genug einschätzen. Was darin enthalten ist, ist schwer mit unserem verfinsterten Verstande zu erfassen. Lasst mich zuerst drei Gottesworte an den Anfang stellen: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesum aus den Toten auf erweckt hat, in euch wohnt, so wird Er, der Christum aus den Toten auf erweckt hat, auch eure sterblichen Leiber (nicht nur: die gestorbenen Leiber!) lebendig machen wegen Seines in euch wohnenden Geistes.” Rom. 8,11 „Wenn ihr nun mit dem Christus auf erweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes” Kol. 3, l „Und der auf dem Throne saß, sprach: ,Siehe, Ich mache alles neu’ (oder: Ich wirke aus allem ein unerhörtes, die bestehenden Ordnungen umstürzendes Kunstwerk).” Offb. 21, 5 Der Anfang der Erneuerung des Alls war die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten. Jesus macht alles neu. Der Erneuerungsprozess beginnt in unseren Herzen und hat zur Grundlage die Auferstehung Jesu aus den Toten. Als der Herr Jesus auferstand, hat Er nicht erst bei Pontius Pilatus oder bei den geistli-chen Führern Israels angefragt, ob Er das dürfe. Er hat sich auch nicht um das Staatssiegel an Seinem. Grabe gekümmert. (Es gibt heute noch Staaten in Amerika, wo das Aufbrechen plombierter Wagen mit dem Tode durch sofortiges Erschießen bestraft wird.) Christus ist auferstanden und hat das Staatssiegel an Seinem Grabe aufgebrochen. Er ist in dem Bewusstsein auferstanden, dass Gottes Wille und Programm stärker sind als alle menschlichen Kräfte. Und so, wie der Herr Jesus damals ohne Unterstützung der Menschen auferstand, so stehen auch wir heute in dieser Welt und sagen unser Zeugnis den Menschen, allein in der Kraft der Auferstehung. Denn die Osterbotschaft bedeutet für uns: Wir sind mit Ihm. auferstanden. Dieselbe Kraft, die Ihn aus den Toten auferweckte, wohnt in uns. Und deshalb suchen wir, was droben ist. Ich will nun versuchen, dieses Werk der Erneuerung, das mit der Auferstehung Jesu Christi begonnen hat, in sieben Spiralen uns so vor Augen zu stellen, dass durch die Botschaft etwas von der lösenden, segnenden Kraft der Auferstehung in unsere Herzen fällt. 

1. Ein neues Herz 

Gott fängt immer ganz innen an, Deshalb beginnt diese Gotteskraft in deinem und meinem Herzen zu wirken. „Ich will ihnen ein neues Herz geben” (Hes. 36, 26). Aus unserem alten Herzen kommen Mord, Neid, Ehebruch, falsche Zeugnisse, Lästerungen. Deshalb tut sich die Kraft der Auferstehung zuerst an unseren Herzen kund. Wir brauchen diese bewegende Strahlkraft des auferstandenen Herrn. Darum suche Kontakt mit den Lebenskräften des Auferstandenen! Das, was wir von Natur aus sind, bleibt, solange wir in diesem Leben sind. Aber die Siegeskraft des Auferstandenen vermag unsere alte Natur im Tode zu halten, und wir dürfen neue Kräfte empfangen nach Geist, Seele und Leib. 

2. Eine neue Zunge 

Eine weitere Auswirkung dieser Auferstehungskraft muss sich auch an unserer Zunge vollziehen. Unsere Zunge ist wie ein Feuer, das einen ganzen Wald anzünden kann. Haben wir aber die Kraft des Auferstandenen in uns, dann loben und danken wir. Wäre Christus nicht auferstanden, dann könnte niemand von uns Gott loben und preisen. Wer es wie Hiob doch schon vorher tat, tat es im Blick auf die vor ihm liegende Auferstehung des Sohnes Gottes. Weil Christus auferstanden ist und wir mit Ihm auferstanden sind, darum können wir loben und danken, jubeln und jauchzen. Ein neues Lied ist in unserem Herzen und auf unseren Lippen. Wir dürfen es singen trotz allem Leid und Weh. Wenn davon nichts in unserem Leben zu spüren ist, dann haben wir die Kraft der Auferstehung noch nicht erfahren. Das neue Lied schafft den Durchbruch vom Tode in das Leben. 

3. Ein neuer Name 

Mit dem neuen Lied auf unserer Zunge verbindet sich ein neuer Inhalt oder ein neuer Name. Nomen est omen, sagt der Lateiner, d. h. in dem Namen liegt eine Bedeutung. Die Namen der Schrift z. B. sagen etwas über das Wesen der betreffenden Personen aus. Wenn ein Mensch zu einem neuen Menschen wird, erhält ein solcher in der Schrift oft auch einen anderen Namen, der den neuen Wesensinhalt offenbart. So wurde Abram in Abraham verwandelt. Aus dem „Vater der Höhe” wurde ein „Vater der Menge”. Auch auf Gott, den Vater, trifft diese Deutung zu. Er fühlte sich nicht wohl dabei, allein zu sein; Er wollte ein Vater der Menge sein. So offenbart sich schon in diesen beiden Namen Gottes Liebesabsicht mit Seiner Schöpfung. Wir müssen aber erst durch Tiefen und Ängste gehen, ehe unsere neue Wesensart zum Durchbruch kommen kann. So geschah es auch im Leben Abrahams. – Denken wir weiter an Jakob, dessen Name in „Israel” geändert wurde. Jakob = der Fersenhalter, der Gauner, der Betrüger. So sind wir alle von Natur aus. Israel = der Gotteskämpfer. Jakob, der selbstsüchtige Gauner, wurde zum Gotteskämpfer! – Und aus Saulus, dem Begehrer (oder dem Begehrten), wurde Paulus = der Kleine. Ist hier noch ein Saulus? Du kannst zu einem Paulus werden! 

4 . Eine neue Kraft 

Mit dem neuen Namen offenbart sich auch eine neue dynamische Kraft. Statik und Dynamik gehören zusammen. Wir brauchen in unserem Leben ein festes, klares Lehrgebäude, gewissermaßen die Statik. Wir müssen wissen, dass die Auferstehung Jesu Christi eine Tatsache ist. An diesen Dingen halten wir fest und geben nicht nach. Wir brauchen aber zur Statik auch die Dynamik, die Anpassungsfähigkeit, die Energie und die Kraft. Wir müssen den Römern ein Römer sein können und den Griechen ein Grieche, wie Paulus es ausdrückt. Vor allem brauchen wir die Kraft der Auferstehung (Phil. 3, 10). In Jesaja 40, 30 und 31 heißt es: „Jünglinge ermüden und ermatten, und junge Männer (die das Bild der Kraft sein sollten) fallen hin; aber die auf Jehova harren, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler; sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.” Ein Adler erfährt etwa mit 60 Jahren eine erneute Jugend. Ich weiß diese Tatsache von einem Adlerforscher. (Vergleiche „Was sagt die Schrift vom Adler?”, „Gnade und Herrlichkeit” 1966, H. 2 und 3). 

Wir verstehen das Wort jetzt besser: „Du wirst wieder jung sein wie ein Adler.” (Ps. 103, 5.) „Sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht”, das kann die Kraft der Auferstehung in unserem Leben bewirken. Sie schenkt uns Kraft zum Leben, Kraft zum Tragen, Kraft zum Gehorsam, Kraft zur Freude in allem Leid. Wer diese Kraft nicht hat, soll sich nicht rühmen, die Kraft der Auferstehung zu besitzen! Die Auferstehung Jesu Christi muss an uns sichtbar werden; sonst glaubt uns niemand. Wir dürfen uns wie Paulus ausstrecken nach dieser Kraft der Auferstehung (Phil. 3, 10), die uns wieder jung macht wie Adler. 

5 . Ein neuer Mensch 

Die Schrift kennt auch die Botschaft von einem neuen Menschen. Zu diesem neuen Menschen gehört auch das neue Herz, die neue Zunge, der neue Name, die neue Kraft. Dieser neue Mensch ist jedoch zutiefst nicht nur ein Einzel-mensch, sondern er ist der Mensch, dessen Haupt Jesus Christus ist und dessen Körper wir sind. Er hat uns – die Glaubenden aus Israel und den Nationen -zu einem neuen Menschen geschaffen (Eph. 2, 15). An diesem neuen Menschen dürfen wir Glieder sein. Christus ist das Haupt, wir sind die Glieder, Haupt und Glieder zusammen bilden den neuen Menschen. Was ist das doch für eine gewaltige Botschaft! Zuerst wird unser Herz erneuert, dann unsere Zunge, dann unser Wesen, dann erfahren wir neue Kraft und wachsen nun als Glieder in diesen neuen Menschen hinein. Zuerst schaut man hinein, dann aber wächst man hinein. 

Es gibt drei Kanäle, durch die wir die Kraft der Auferstehung in uns haben und behalten können. 

Diese drei Kanäle sind: 

a) Gottes Wort. Wir müssen es lesen und hören. 

b) Gebet. Wir müssen es einsam und gemeinsam pflegen. 

c) Gemeinschaft. Da, wo Gott uns hingestellt hat, sollen wir die Ge-meinschaft mit anderen Gotteskindern treu üben. 

Wenn diese drei Kanäle verstopft sind, gehen wir zugrunde. Das Wort Gottes ist das Brot des Lebens. Man verhungert ohne Brot. -Das Beten ist das Atmen der Seele; ohne Gebet erstickt man. -Ohne die heilige Glut der Gemeinschaft aber erfriert man. Darum sind diese drei Kanäle lebensnotwendig für uns. Der neue Mensch lebt davon. Es kommt aber noch anderes hinzu: das Brotbrechen, das Sündenbekenntnis, das Glaubensbekenntnis und der Dienst für den Herrn. 

6. Eine neue Erde und neue Himmel 

Auf Grund der Auferstehung Jesu Christi wird es auch eine neue Erde (für Israel und die Völker) und neue Himmel (für die Gemeinde) geben. Vor unserer jetzigen Welt gab es schon einmal eine große Schöpfung (1. Mose l, l und 2. Petr. 3, 5-7), aus deren Trümmern unsere augenblickliche Schöpfung besteht. Nach der Urschöpfung und der jetzigen Schöpfung wird es aber noch eine dritte Schöpfung, die Neuschöpfung geben, Die neue Erde, die kommen wird, ist in erster Linie für Israel da. Die neuen Himmel außerhalb der Erde sind dann das Wirkungsgebiet für die Gemeinde Jesu. – Gott wird einmal über Israel frohlocken. Wird Er auch über uns, Seinen Fülle-Sohn, frohlocken? Ganz gewiss. Eine Mutter freut sich über ihr ganzes Kind, nicht nur über sein Köpfchen, So freut sich Gott nicht nur über das Haupt oder die Braut Seines Sohnes, sondern über Seinen ganzen Christus, der aus Haupt und Gliedern besteht. 

7. Eine neue Schöpfung 

Nicht nur Erde und Himmel, die ganze Schöpfung mit allen Wesen und Welten wird auf Grund der Auferstehung Jesu Christi einmal erneuert. Das hat Gott in klaren Worten verheißen (Offb. 21, 5; Rom. 8, 21). Um sie jetzt schon im Geiste schauen zu können, müssen wir selbst in eine doppelte „Neuheit” eingetreten sein: a) in die Neuheit des Lebens (Rom. 6, 4) und b) in die Neuheit des Geistes (Rom. 7, 6). 

In unserem sterblichen Leibe soll die Auferstehung Jesu Christi zur Auswirkung kommen. Wir bekommen dann ein neues Herz, eine neue Zunge, einen neuen Namen, eine neue Kraft, werden ein neuer Mensch und dürfen die neue Erde und die neuen Himmel und die ganze neue Schöpfung schauen. Gelobt und gepriesen sei der, der auferstand und mit dem wir auferstanden sind! Amen.