Wie in den Tagen Noahs und Lots (Luk. 17, 28-30),

»Gleichwie es in den Tagen Noahs war, so wird es auch bei der Wiederkunft (Parusie) des Menschensohnes sein: So lebten sie in den Tagen vor der Sintflut: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten und feierten ihre Hochzeiten bis zu dem Tage, an dem Noah in die Arche ging. Sie aber dachten an nichts weiter, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin. So wird es auch sein bei der Wiederkunft des Menschensohnes« .

Matth. 24,37–39 nach Bruns

»Gleicherweise auch, wie es geschah in den Tagen Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, pflanzten und bauten; an dem Tage aber, da Lot von Sodom ausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um – desgleichen wird es an dem Tage sein, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird« .

(Luk. 17,28–30)

– »Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife … Also lasst uns nun nicht schlafen wie die Übrigen, sondern wachen und nüchtern sein«

(1. Thess. 5,4–6)

Autor: Gerhard Herbst, Berlin

Als Jesus bei Seiner Endzeitrede auf dem Ölberg (Matth. 24) von Seinen Jüngern gefragt wird: Sage uns, wann wird dieses sein und was ist das Zeichen Deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters?, nennt Er ihnen kein Datum, sondern warnt sie zunächst vor der Verführung durch endzeitliche falsche Propheten. Danach kündigt Jesus ihnen eine ganze Reihe von Kennzeichen an, die Seiner sichtbaren Wiederkunft vorausgehen werden und die Er bewirken wird. Das wichtigste Kennzeichen werde das Grünen des Feigenbaums, die Sammlung Israels im Land der Verheißung, sein (Matth. 24,32–34).

Die Ankündigung dieser Vorzeichen verbindet Jesus mit der Ermahnung: »Siehe, Ich habe es euch vorhergesagt!« (Matth. 24,25). Deshalb kann Jesus diejenigen, die Sein Wort kennen und ihm glauben, mit der Aufforderung ermuntern: »Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blicket auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht« (Luk. 21,28).

Wenn die Gemeinde Jesu Christi erkennt, dass wir heute bereits in den Anfängen der von Jesus genannten Vorzeichen Seiner sichtbaren Wiederkunft leben, dürfen auch wir mit großer Freude an dieser Ermunterung Jesu teilhaben,  weil  unsere  Entrückung  zu  Ihm  hin (1. Thess. 4,15–17) auf jeden Fall noch vor Seiner sichtbaren Wiederkunft zu Israel stattfinden wird. Weil wir die Lampe des prophetischen Wortes haben (2. Petr. 1,19), die uns inmitten einer finsteren Welt das Ziel taghell erkennen lässt, und weil wir dem untrüglichen prophetischen Wort glauben, werden wir vom Tag des Herrn nicht – wie die Übrigen – wie von einem Dieb in der Nacht überrascht, sondern sehen unsern wiederkommenden Herrn voller Sehnsucht und Freude nahen.

Jesus weist Seine Jünger nicht nur auf diejenigen Vorzeichen Seiner Ankunft hin, die Er bewirkt, sondern auch auf die geistliche, sittliche und moralische Verderbtheit der Menschen, die vor Seiner Wiederkunft genauso groß sein wird wie in den Zeiten Noahs und Lots, wo sie zur Vernichtung der Menschheit in der Sintflut und – später – zur Zerstörung der Städte Sodom und Gomorra durch Feuer und Schwefel vom Himmel führte. 1. Mose 6,5–8.11: »Und Jahwe sah, dass des Menschen Bosheit groß war auf Erden, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. Und es reute Jahwe, dass Er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte Ihn in Sein Herz hinein. Und Jahwe sprach: Ich will den Menschen von der Fläche des Erdbodens vertilgen. Und die Erde war voll Gewalttat. Noah aber fand Gnade in den Augen Jahwes.« Jesus kündigt an, dass die Menschen der Letztzeit gleichermaßen wie die zur Zeit Noahs ihr Sinnen und Trachten vor allem auf Essen, Trinken, Heiraten, Sex, Festefeiern richten und die Warnungen vor dem kommenden Gericht Gottes in den Wind schlagen werden. Ähnliche Erfahrungen musste auch Mose mit dem Volk auf der Wüstenwanderung machen: Als er auf dem Berg Horeb verzog, »setzte sich das Volk nieder, um zu essen und zu trinken, und sie standen auf, um sich zu belustigen (um zu spielen)« (1. Kor. 10,7) und um das Goldene Kalb zu tanzen. Leben wir nicht auch heute in einer Spielund Spaßgesellschaft? Der Apostel Petrus warnt in 2. Petr. 2,9–14 mit ernsten Worten: »Der Herr wird die Ungerechten aufbewahren auf den Tag des Gerichtes, um bestraft zu werden, besonders aber die, welche in der Lust der Befleckung dem Fleisch nachwandeln … Diese aber, wie unvernünftige Tiere … werden in ihrem eigenen Verderben umkommen, indem sie den Lohn der Ungerechtigkeit empfangen, welche eine eintägige Schwelgerei für Vergnügen achten … welche Augen voll Ehebruch haben und von der Sünde nicht ablassen.« Angesichts des  nahenden Endes des Zeitalters ermahnt Petrus in 1. Petr. 4,3.4.7.8 (nach Bruns): »Es ist wahrlich genug, dass ihr die vergangene Zeit wie die Nationen gelebt und bei Ausschweifungen, Lüsten, Trinkgelagen, Zechereien und schändlichem Götzendienst mitgemacht habt. Natürlich sind sie jetzt ganz erstaunt, dass ihr euch nicht mehr in denselben Strom des Lasters mitreißen lasst, und sie beschimpfen euch deswegen.« V. 7.8: »Das Ziel aller Dinge ist bald erreicht. Haltet euch darum in Zucht und seid nüchtern!«

Wenn Jesus die Zeit vor Seinem Wiederkommen mit den Tagen Noahs vergleicht, so muss auch daran erinnert werden, dass sich in den Tagen Noahs Engel mit den Töchtern der Menschen sexuell verbanden (1. Mose 6,2.4). Für Gott waren diese Verbindungen ein Gräuel und ein weiterer Grund, die Menschen durch die Sintflut zu vernichten. Aber auch die sündigenden Engel verschonte Er nicht. Judas 6: »Der Herr hat Engel, die ihren ersten Zustand nicht bewahrten, sondern ihre eigene Behausung (griech. oikätärion wie 2. Kor. 5,2) verlassen haben, zum Gericht des großen Tages mit äonischen Ketten unter der Finsternis (im Abgrund, im Tartarus) verwahrt.« Nach 1. Petr. 3,20 ereignete sich der Ungehorsam der Engel, »als die Langmut Gottes in den Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde«. Das Gericht über die im Abgrund verwahrten Engel steht noch aus. Heute ist der Mensch dicht davor, durch die Gen-Technik und durch Klonen menschliche Embryonen nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu »produzieren«. Darüber hinaus erhalten okkulte Kreise und Satansanbeter, deren Kulthandlungen meist mit sexuellen Verirrungen verbunden sind, immer mehr Zulauf. Noch wartet die Langmut Gottes wie in den Tagen Noahs ab, aber zu Seiner Zeit wird Er die Eingriffe des Menschen in die göttliche Schöpferordnung ins Gericht bringen und dem Treiben der Finsternismächte ein Ende setzen.

Die Tage vor der Wiederkunft Jesu Christi sollen nicht nur den Tagen Noahs gleichen, sondern auch der Zeit Lots. Zusätzlich zum geistigen und geistlichen Verfall war die Zeit Lots von Homosexualität und Sodomie geprägt (1. Mose 19). Nach Judas 7 haben sich Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte – wie die Engel, die sich mit Menschentöchtern einließen – der Hurerei ergeben und sind anderm Fleisch nachgegangen. Der gerechte Lot, der im Stadtrat von Sodom saß, wurde von dem ausschweifenden Wandel der Gottlosen gequält. Durch das, was er sah und hörte, quälte er Tag für Tag seine gerechte Seele mit ihren gesetzlosen Werken (2. Petr. 2,7.8). Gott führte Lot rechtzeitig aus Sodom heraus, bevor Er die Stadt durch Feuer und Schwefel vom Himmel einäscherte.

Der Vergleich Jesu zwischen der Zeit vor Seiner Wiederkunft und der Zeit Noahs und Lots ist von höchster Aktualität, sowohl für die Gemeinde als auch für Israel. Wir können aus ihm vier Erkenntnisse gewinnen:

  1. Wir leben heute bereits in einer Zeit, die den Tagen Noahs und Lots gleicht.
  2. Noah und Lot sind Vorbilder dafür, dass Christus die Glieder Seines Leibes vor den kommenden Zornesgerichten rettet (1. Thess. 1,10; 5,9).
  3. Die große Drangsal, durch die das jüdische Volk zu gehen hat (Matth. 24,21), ist »Geburtswehen des Messias« gleich, die zur Wiedergeburt ganz Israels führen (Röm. 11,25.26).
  4. Die Generation, die am Ende Zeiten und Zustände wie in den Tagen Noahs und Lots erlebt, wird die letzte Generation dieses Zeitalters sein.

Darum fordert uns Jesus auf: »Wachet also und seid bereit!« (Matth. 24,42.44). Und Paulus schreibt: »Die Nacht ist weit vorgerückt und der Tag ist nahe!« (Röm. 13,11–14). »Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so lasst uns uns selbst reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes!« (2. Kor. 7,1).