Warum und worauf Jesus wartet (Hebr. 10, 13)

11 Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt oftmals dieselben Opfer dar, die doch niemals Sünden hinwegnehmen können; 12 Er aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, das für immer gilt, zur Rechten Gottes gesetzt, 13 und er wartet hinfort, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt werden.14 Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden. 15 Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist; denn nachdem zuvor gesagt worden ist: 16 »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie in ihre Sinne schreiben«, 17 sagt er auch: »An ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten will ich nicht mehr gedenken.«18 Wo aber Vergebung für diese ist, da gibt es kein Opfer mehr für Sünde.

Hebr. 10, 13

Autor: Heinz Schumacher, Warum und worauf Jesus wartet

In dem Neukirchener Kalender, der gewiss auch viel Gutes bringt, fand ich kürzlich einen Fehler. Der Verfasser ging von Ps. 72,17 aus:

»Durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker, und sie werden ihn preisen.« Er schrieb, dieses Wort deute nicht nur auf einen König Israels hin, denn von welchem israelitischen König könne man so reden? Das Wort finde seine Erfüllung in Jesus Christus. So weit, so gut. Dann aber meint er: »Durch Ihn werden bis zum heutigen Tag ›alle Völker‹ gesegnet, und eine weltweite Christenheit ›preist‹ Ihn rund um den Globus.«

Das klingt so, als sei Ps. 72,17 bereits erfüllt, zumal irgendein Hinweis auf die Zukunft fehlt. Das führt zu der Frage: Sind heute wirklich  »alle Völker gesegnet« und preisen den Herrn? Sind alle Menschen weltweit erlöst? Dass eine »weltweite Christenheit« (welch schwammiger Begriff, keineswegs deckungsgleich mit »Gemeinde Jesu«!) Gott preist, ist doch noch keine Erfüllung von Ps. 72,17! Das Wort ist erst erfüllt, wenn einmal der Messias Jesus von Jerusalem aus über die Völker herrscht (Jes. 2,2–4) und im Vollumfang erst, wenn nach Verlauf vieler Äonen jede Zunge Gott preist, das All Christus untergeordnet und Gott alles in allen ist (Phil. 2,9–11; 1. Kor. 15,27.28).

Dass Jesus wartet, ist mir ein starker Trost. Nicht nur wir warten (1. Kor. 1,7; 1. Thess. 1,10), sondern auch Er. Das heißt doch: Er gibt sich mit der gegenwärtigen Situation der Menschen und der Welt keineswegs zufrieden, sie ist auch für Ihn unhaltbar und auf die Dauer unerträglich. Denn noch regiert der Satan, der »Fürst dieser Welt«  und »Gott dieses Äons«, auf Erden. Die Gemeinde, der Leib des Christus, ist nur ein Brückenkopf Gottes in einer gottlosen und gottfeindlichen Welt. Ja, die Gottlosigkeit ist auf dem Vormarsch – mit Hass und Krieg und Brutalität, zunehmender Gesetzlosigkeit und Verführung – und scheint zu gewinnen. So sieht es doch heute in der Welt aus!

Doch Gott und Sein Sohn Jesus Christus haben einen langen Atem. Sie wissen, dass Satan nur noch wenig Zeit hat, und er selbst weiß es auch (Offb. 12,12). Die große Äonenwende kommt. Das Gottesreich wird erscheinen, zunächst als »Tausendjahrreich« (Millennium) auf dieser alten Erde. Alle Seine Feinde wird Christus überwinden – zunächst äußerlich (2. Thess. 1,8.9; Offb. 19,11–21), aber dann, als Folge der Gerichte, die immer einen erzieherischen, heilsamen Zweck haben, auch innerlich. Alle wollen Gott gehorchen und Ihn preisen.

Dann ist keine Opposition gegen Gott und Christus mehr da. Die gottfeindliche dämonische Willensmacht wurde besiegt und völlig überwunden. Ein Vorbild dafür ist Nebukadnezar in Dan. 4, wie er, durch Gericht gedemütigt und erzogen, Gott aus vollem Herzen lobt und preist (4,31.32.34).

Auf diesen Endsieg wartet Jesus, und auch wir warten und beten (mit den Worten des vorletzten Verses der Bibel): Amen, komm, Herr Jesus!

Wir schließen mit einem Wort von E. F. Ströter:

»Es müssen einmal alle die schreienden Missverhältnisse zurechtgebracht, alle die unerträglichen Zwiespalte zwischen menschlichem Sein und Schein restlos aufgelöst werden und in heilige Akkorde befriedigter Rechtfertigung aller Wege Gottes austönen. Jede Zunge muss einstimmen, dass Gott allein gerecht sei und den Gottlosen gerecht mache, der seine Knie beugt in Jesu Namen.«