Paulinische Gemeindeziele (Eph. 4, 12-13)

11 Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, 12 zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, 13 bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus14 damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen, 15 sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus. 16 Von ihm aus vollbringt der ganze Leib, zusammengefügt und verbunden durch alle Gelenke, die einander Handreichung tun nach dem Maß der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Gliedes, das Wachstum des Leibes zur Auferbauung seiner selbst in Liebe.

Eph. 4, 11-16

Autor: Adolf Heller, auszugsweise aus seiner gleichnamigen Schrift

Wie verschieden werden die Ziele gedeutet, die der Apostel Paulus hatte! Die Einen glauben, er habe eine weltumspannende christliche Kirche organisieren wollen, und andere meinen, es sei ihm um die Christianisierung von Kunst und Wissenschaft, von Politik und sozialen Verhältnissen der damaligen Kulturwelt zu tun gewesen.

Bis zu einem gewissen Grade und für gewisse Zeiten und Umstände mögen solche Dinge begleitende Nebenauswirkungen des Evangeliums gewesen sein – das eigentliche Ziel des Apostels Paulus aber war ein ganz anderes, ein viel höheres.

Erst eine entartete und vermischte Christusbotschaft erstrebt und erreicht gewisse zivilisatorische und kulturelle Ziele im großen Ausmaß. Dass sich aber ein solches Weltchristentum im Laufe der Zeit als bloße Tünche erweist, die die Nationen früher oder später abschütteln, ist eine Tatsache, die wir ebenfalls erleben. Was die Völker wirklich bewegt, ist nicht die jüdische Prophetie, sondern Sehnsucht. Nicht das mosaische Gesetz, sondern die Schöpfung berührt das Gewissen der Nationen, die darum immer wieder Sonne, Mond und Sterne zum Gegenstand ihres Sinnens machen, wie die Schrift bezeugt und die Geschichte beweist.

Denken wir nur an Römer 1,20:

„Das Unsichtbare von Ihm (d. i. Gott), sowohl Seine ewige Kraft als auch Seine Göttlichkeit, die von der Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen werden, wird geschaut, damit sie (d. Nationen) ohne Entschuldigung seien ….“

Oder schlagen wir 5. Mose 4,19 auf, wo wir lesen:

„Dass du deine Augen nicht zum Himmel erhebest und die Sonne und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, sehest und verleitet werdest und dich vor ihnen bückest und ihnen dienest, welche der Herr, dein Gott, allen Völkern unter dem ganzen Himmel zuerteilt (zugeteilt oder zur Verehrung zugewiesen!) hat.“

Dass dieses Zuerteilen wirklich eine religiöse Bedeutung hat, ersehen wir aus dem Wörtlein „aber“ des folgenden Verses.1

Der Auftrag, den der verherrlichte, zur Rechten des Vaters erhöhte Herr Seinem Knecht Paulus, dem besonderen Werkzeug zum Dienst an den Nationen, gab, bestand darin, den Leib des Christus aufzuerbauen und die Heiligen zu vollenden, damit zur gottverordneten Zeit und Stunde der volle Wuchs der Fülle des Christus in die Erscheinung trete, der vollkommene Mann, der zum  Ausführungsorgan aller Gottesverheißungen zuvor bestimmt ist.

In Eph 4,11 zählt Paulus fünf Dienste auf, die der Herr gegeben hat: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Diese Gaben sind nicht zur Verchristlichung der Welt gegeben, nicht zur religiösen Belebung der Völker oder „sauerteigartigen“ Durchdringung der Nationen mit christlicher Kultur, sondern „zur Vollendung der Heiligen,für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus“  (Eph 4,12.13).

In diesen beiden kurzen Versen ist von sieben Stücken die Rede. Es sind dies:

  1. Die Vollendung der Heiligen.
  2. Das Werk des Dienstes.
  3. Der Aufbau des Christusleibes.
  4. Die Einheit des Glaubens.
  5. Die Erkenntnis des Sohnes Gottes.
  6. Der erwachsene Mann.
  7. Der volle Wuchs der Christusfülle.

Von dieser ausgesprochenen Heilsbotschaft an die Nationen weiß kein Schreiber heiliger Buchrollen etwas Genaues zu sagen außer dem Apostel Paulus! Es war sein Sonderauftrag!, den er immer wieder betont und allen Gefahren und Anfeindungen gegenüber aufs Schärfste verteidigt. Denken wir nur an den Galater- und Kolosserbrief, in denen er sein Evangelium von der Herrlichkeit der Gnade, die Kunde von dem hoch erhöhten und verherrlichten Christus, gegen die jüdische Gesetzlichkeit der Selbsterlösung und die heidnische Schwärmerei des Gnostizismus verteidigt. Wir wollen versuchen, anhand dieser sieben Punkte von Eph 4,12.13 einiges Licht über die Gemeindeziele des Apostels Paulus zu bekommen, auf dass unser Dienst und Zeugnis kein ungewisses Tasten voller Luftstreiche sei, sondern ein rechter und ordnungsgemäßer Kampf. Dann aber dürfen wir uns in heiligem Begehren danach ausstrecken, die Krone zu erlangen, von der wir in 2Tim 2,5 lesen.


1 5Mo 4.20: „Euch aber hat der Herr genommen und euch herausgeführt aus dem eisernen Schmelzofen, aus Ägypten, damit ihr das Volk Seines Erbteils wäret, so wie (es) heute (ist).“