Indem ich allezeit, in jedem meiner Gebete für euch alle mit Freuden Fürbitte tue (Phil 1,4)

 indem ich allezeit, in jedem meiner Gebete für euch alle mit Freuden Fürbitte tue,

Phl. 1,4

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen darbringe für alle Menschen, für Könige und alle, die in hoher Stellung sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit;  denn dies ist gut und angenehm vor Gott, unserem Retter,  welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

1. Tim. 2, 1-4

Denn ich weiß, dass mir dies zur Rettung ausschlagen wird durch eure Fürbitte und den Beistand des Geistes Jesu Christi,

Phil. 1,19

Autor: Prof. E.F. Ströter, Auszugsweise aus seiner Schrift „Das erste Buch Mose, Kap. 42“ (ca. 1911)

  Hier ist ein anschauliches Bild gegeben von dem, was Paulus (Röm. 11,8), der Herr Selbst (Matth. 13,15) und Jesaja (Kap. 6,10), gesagt haben: „Mit ihren Augen werden sie nicht sehen, noch mit ihren Ohren hören, so dass sie nicht verstehen mit ihrem Herzen“.  Das ist aus der Herrlichkeit Gottes heraus geredet (Jes. 6, 1-4). Vergessen wir zukünftig dieses Wort nicht. So gewiss dieses Wort aus der Herrlichkeit geboren, erzeugt ist, so gewiss wird die Herrlichkeit des Gottes, der Jahrhunderte, Jahrtausende lang sein Volk in Verstockung, Verfinsterung gelegt, wieder erscheinen, um es in den vollen Glanz Seiner Herrlichkeit zu führen.

  Fährt man durch den St. Gotthard, so vernimmt man nur das Rollen und Donnern, aber niemand ist beunruhigt, denn jedermann weiß es, dass, sobald man das Ende des Tunnels erreicht haben wird, die Sonne Italiens lacht. Längs der Jahrtausende währenden Beiseitestellung Israels bewegt es sich in äußerster Finsternis, wo Heulen und Zähneklappen ist, aber am Ende der Bahn erstrahlt ihm der Glanz der Gnade.

  So werden die Brüder nach Ägypten getrieben durch die Not, aber den Benjamin lässt Jakob nicht mitgehen (Vers 4), was ja leicht begreiflich ist. Das war ein Umstand, der für die Geschichte von Bedeutung ist; denn da hakt der Große Joseph ein.

  Seine älteren Brüder erkennt er auf den ersten Blick (Vers 7), wie ja auch ältere Männer in dreizehn Jahren sich nicht so verändern, wie Jüngere zwischen siebzehn und dreißig Jahren. Doch sah er sofort, dass Einer fehlte, sein eigner Bruder, der Sohn der Rahel, der seiner Mutter das Leben gekostet hat.

  Es war vorauszusehen und ganz natürlich, dass die Brüder zum zweiten Male nach Ägypten kommen mussten, und jener Umstand muss ihm dazu dienen, ihr Gewissen aufs Tiefste zu durchdringen, durchbohren (Vers 21.22).  Gott versteht es, Seine Führungen und Fügungen so zu gestalten, wie Er den Menschen, die Er haben will, auf die wirksamste Weise beikommen kann. Das dürften wir besser lernen, weil wir ohne Frage es auch mit Menschenkindern zu tun haben, die uns schwer auf der Seele liegen, von denen wir wünschen, dass etwas an ihnen geschähe. Da werden wir nun so leicht versucht, das selbst zu tun oder andern zu schreiben, damit sie sie herumkriegen. Oder man hat einen schweren Druck in Bezug auf jemand, den man nicht mitteilt und so lässt man sein Gemüt niederdrücken Wochen, Monate, Jahre lang. Das ist auch so eine Gattung von Unglauben, die bei Kindern Gottes sehr zu Hause ist.

  Und dann bildet sich bei uns leicht die Meinung heraus, als ob Gott es nicht verstehe, dem Menschen beizukommen oder als ob Er die Sache aus dem Auge verloren habe. Gewiss wollen wir unsere Angelegenheiten Gott vorlegen. Man soll uns nicht so missverstehen, als ob wir auf Fürbitte keinen Wert legten. Wir sind nur der festen Überzeugung, dass unsere herzliche Fürbitte durchzogen sein soll von der klaren, zuversichtlichen Gewissheit, Gott habe diese Seele viel lieber als wir und Er werde Seine Zeit und Gelegenheit viel besser wahrnehmen als wir.

  Unser Gebet ist nie verloren. Wir beten nicht zu einem Loch ohne Boden, noch in die Luft hinaus. Wir haben vor dem Angesichte des Vaters jederzeit doppelte Vertreter. Einen haben wir bei dem Vater, den ewigen Hohenpriester, Der Seines Amtes unausgesetzt waltet, was aber unsere Fürbitte nicht überflüssig macht, doch auch den Gedanken nicht aufkommen lässt, Er könne unser Anliegen vergessen und wir müssten sie Ihm immer wieder sagen; und dann haben wir den Geist, Der in uns ist, Der uns vertritt mit Seufzern, die unaussprechlich sind, so wie es Gott gefällt.

  Unser fürbittender Dienst will mit sehr großer Keuschheit getan sein, nicht mit Drängen und Stürmen gegen den lebendigen Gott. Das soll indes nicht bedeuten, wir wollten die Hände in den Schoß legen. Bringen wir unsere Fürbitte immer wieder vor Sein Angesicht, weil das Verheißung hat, doch lassen wir in sie nie den hässlichen Beigeschmack von Unglaube oder Ungeduld hineinkommen. Wir haben viel gebetet in Unglauben, dem die tiefgreifende Zuversicht fehlte, dass Gott unter allen Umständen Seine Wege gehen wird und dass Er die besten Mittel und die beste Zeit dafür weiß. Ernstes Gebet in treuem Glauben wird Wunderdinge erleben. Dem gibt Gott ganz deutliche Proben Seines Vermögens zu helfen.

  Viel Seufzen, Plagen und Druck aber hätten wir uns sparen können. Wir haben unter keinen Umständen den Beruf, die Last so zu tragen, dass sie uns drückt, wund macht, sondern so, dass das Bewusstsein bleibt, Er trägt das dicke Ende, Er trägt die Hauptlast und wir fassen ein bisschen mit an. So trägt der Herr, und Er weiß ganz genau Bescheid, wann und wie Er eingreifen soll, den Schwierigkeiten beizukommen.

  Auf Einzelheiten unsers Kapitels wollen wir nicht eingehen. Die Geschichte ist uns geläufig. Es genüge, sie kurz zusammen zu fassen. Wir vernehmen, wie Joseph redet mit seinen Brüdern, doch erkennen sie ihren eignen Bruder nicht, als er ihnen gleichsam entgegentritt wie ein Feind, in seiner Weise, die hart, durchtrieben genannt werden kann, so dass er ihnen das Herz schwer und das Gewissen heiß macht, und sie in die Klage ausbrechen: „Das haben wir an unserm Bruder Joseph verschuldet, da wir sahen die Angst seiner Seele und wollten ihn nicht erhören“ (Vers 21).  Zu einem klaren Durchbruch aber kommt es bei ihnen noch nicht.