Ich verfolgte Gemeinde Gottes über die Maßen (Gal. 1, 13)

11 Ich lasse euch aber wissen, Brüder, daß das von mir verkündigte Evangelium nicht von Menschen stammt; 12 ich habe es auch nicht von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi. 13 Denn ihr habt von meinem ehemaligen Wandel im Judentum gehört, daß ich die Gemeinde Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte 14 und im Judentum viele meiner Altersgenossen in meinem Geschlecht übertraf durch übermäßigen Eifer für die Überlieferungen meiner Väter. 15 Als es aber Gott, der mich vom Mutterleib an ausgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, 16 seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn durch das Evangelium unter den Heiden verkündigte, ging ich sogleich nicht mit Fleisch und Blut zu Rate, 17 zog auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ging weg nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus zurück.

Gal. 1, 13-17

Autor: Adolf Heller, auszugsweise aus seinem Artikel „Überschwänglichkeit“

Paulus verfolgte die Gemeinde Gottes über die Maßen

Saul von Tarsus war ein übermäßiger Eiferer für seine väterlichen Überlieferungen und wurde dadurch zum Feind und Zerstörer vieler christlicher Gemeinden. In fanatischem Hass fluchte er der Sekte der Nazaräer und suchte sie mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln auszurotten. Wenn er sich daher den größten aller Sünder nennt, so ist das keine Übertreibung. Denn auch dieser Ausspruch ist inspiriertes Gotteswort.

Wir wollen hier nicht auf die letzte und tiefste Bedeutung eingehen, die in dieser Selbstbezeichnung des Apostels verborgen liegt, wollen nicht weiter klarlegen, dass darin ein symbolischer Hinweis auf den, der der Erz- und Urfeind Gottes ist, enthalten ist. Wir wollen nur auf den starken und reichen Trost hinweisen, der in dieser Benennung des Paulus zu finden ist: wenn dem Feind und Verfolger der Gottgemeinde als dem größten Sünder Gnade und Errettung zuteil wurden, so reicht Gottes Heil und Huld auch für alle andern Sünder aus. Das ist eine ganz schlichte und einwandfreie Überlegung, die der Glaube anstellen darf.

In dem Hinweis, dass der treueste und gesegnetste Diener Christi der größte Sünder war und die Gemeinde Gottes über die Maßen verfolgte und zerstörte, liegt die Garantie, dass Gottes Erbarmen für alle da ist und auch Seine größten Gegner überwinden und zu gewinnen vermag.

Dazu kommt ein Zweites.

Nur wenige Verse nach dem Urteil, das der Apostel über sich fällt, bezeugt er, dass es Gott „wohlgefiel“, Seinen Sohn in ihm zu offenbaren. Nicht voll Grimm und Groll und mit zögernden Vorbehalten, sondern voll Freude und Wonne enthüllt der Vater Seinen Sohn in dessen größtem Feind und Widersacher. Gott empfindet Wohlgefallen und Seligkeit darüber, in dem gehässigen Gegner Seines geliebten Christus dessen Heil und Herrlichkeit niederzulegen. Wie tief lässt uns das in das Vaterherz unsres Rettergottes hineinschauen! Wie müssen im Anschauen solcher Heilstatsachen die letzten heimlichen Befürchtungen und Zweifel gegenüber der Liebe Gottes schwinden!

„Über die Maßen“ verfolgte einst Saulus von Tarsus die Gemeinde Gottes. Sein Wüten und Toben gegen die Heiligen und Geliebten des Herrn war nicht mehr menschlich; es war inspiriert von unten. Es geschah ja über menschliche Maßstäbe hinaus! Aber gerade dieser Feind des Evangeliums, der die Gläubigen zu lästern zwang, wurde ein auserwähltes Werkzeug, das sich im Auftrag Gottes andern als nachahmenswertes Vorbild hinstellen durfte und die Fülle der allgenugsamen Gnade pries, wie nie ein menschlicher Mund zuvor.