Er aber kam zu sich selbst (Luk, 15, 17)

17 Er kam aber zu sich selbst und sprach: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluß, ich aber verderbe vor Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, 19 und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

Lukas 15, 17-19

Autor: Heinz Schumacher, aus seinem gleichnamigen Artikel in GuH

Der schwarze und der weiße Punkt

Zum »Fall Satans« (Jes. 14,12–14; Hes. 28,11–17) schrieb seinerzeit Professor Friedrich Bettex (1837-1915):

»Über die Schöpfung der Urerde haben wir das Wort Jehovahs an Hiob: Wo warst du, da ich die Erde gründete, da mich die Morgen- sterne miteinander lobten und jauchzten alle Söhne Gottes?« (Hiob 38,4.7) … »In dieser Lichtschöpfung von herrlichen Wesen, mächtig an Kraft, groß an Weisheit, die im Ozean des absolut Guten lebten, selber durch und durch Licht, entstand im Herzen eines Lichtfürsten ein schwarzer Punkt. Es entstand das Böse. Mitten im Meer der Liebe der Hass; in der Wahrheit die Lüge, im großen, seligen Ja-Chor der Geschöpfe ein Nein! – Wie unfasslich, dass ein selig, gut und wissend Erschaffener, von nichts und niemandem außer ihm dazu verführt, in der Schöpfung kein Böses findend, das Böse in sich und aus sich gebar; dass er bei höchster Weisheit und Voraussicht, die ihm sagt, der Kampf sei vergeblich, die Schlacht schon verloren, den Gedanken fasst, neben Gott auch Gott zu sein!« (Soweit  F. Bettex.)

Man nennt es die Ursünde, dass Luzifer sein wollte wie Gott, sich dem Höchsten gleich machen wollte. An eben diesem Punkt begann dann auch der Sündenfall des Menschen (1. Mose 3,1–6). Satan flüs- terte der Eva ein: »Ihr könntet werden wie Gott, aber Gott gönnt es euch nicht. Ihr müsst es euch schon selber nehmen – indem ihr das Verbotene tut!« Das ist die »Teufels-Theologie«, die alles auf den Kopf stellt. Gott zwang die Menschen keineswegs zum Sündigen, aber Er gab die Möglichkeit dazu frei (vgl. meinen Artikel in Heft 3/2003, S. 112–117: »Sieben Thesen über das Böse«). Und der Licht- fürst, der zum Satan wurde, machte als Erster von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Ich möchte dem von Bettex so genannten »schwarzen Punkt« einen »weißen Punkt« gegenüberstellen: Es ist der Entschluss, zum Vatergott um- und heimzukehren. Da entsteht plötzlich, ebenfalls ohne Zwang, im Herzen eines Geschöpfes die Einsicht und der Wil- le: Ich sollte umkehren und ich will es auch tun! – Wo wäre dies schöner beschrieben als im Gleichnis Jesu vom »Verlorenen  Sohn«, wo es heißt (Luk. 15,17–19): »Zu sich selbst kommend aber sagte  er: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot  im  Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger noch um! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht länger wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!«

So rätselhaft der »schwarze Punkt«, so wunderbar der »weiße Punkt«, der den schwarzen für immer aufhebt! Wunderbar, wenn ein Mensch erkennt: »Ich sollte mein Leben ändern!« – und es dann auch tut. Mir ist nicht wohl in der Gottesferne, losgelöst vom Vaterhaus; dies bringt mir nichts als Verderben ein; ich möchte stattdessen Ge- meinschaft mit Gott erleben, heimkehren ins Vaterhaus!

Eben diese Gemeinschaft möchte Gott uns ja schenken, Gemein- schaft mit dem Vater und dem Sohn (lies: 1. Joh. 1,3 und 1. Kor. 1,9). Viele Geschöpfe nehmen wie der »Verlorene Sohn« einen weiten, Verderben bringenden Umweg auf sich, weil sie, wie der Sohn im Gleichnis, »endlich einmal frei sein« wollen – weil sie Sünde für Freiheit halten, obwohl sie das Gegenteil ist (Joh. 8,34). Wohl jedem, der umkehrt und heimkehrt!