Ein Retter aller Menschen (1. Tim. 4, 10)

6 Wenn du dies den Brüdern vor Augen stellst, wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, der sich nährt mit den Worten des Glaubens und der guten Lehre, der du nachgefolgt bist. 7 Die unheiligen Altweiberlegenden aber weise ab; dagegen übe dich in der Gottesfurcht! 8 Denn die leibliche Übung nützt wenig, die Gottesfurcht aber ist für alles nützlich, da sie die Verheißung für dieses und für das zukünftige Leben hat.9 Glaubwürdig ist das Wort und aller Annahme wert; 10 denn dafür arbeiten wir auch und werden geschmäht, weil wir unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben, der ein Retter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen.11 Dies sollst du gebieten und lehren! 12 Niemand verachte dich wegen deiner Jugend, sondern sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Geist, im Glauben, in der Keuschheit!

1. Tim. 4, 10

Autor: Heinz Schumacher, aus GuH

»Alle Menschen« – was bedeutet das?

Wir sprechen gern und oft – auch in dieser Zeitschrift – von »allen

Menschen«. Wir weisen in der Verkündigung darauf hin: »Allen Menschen« ist die heilbringende Gnade Gottes erschienen; für alle ist sie da (Tit. 2,11). Zwar sind Sünde und Tod zu »allen Menschen« durchgedrungen (Röm. 5,12), doch Gottes Heilsprogramm sieht vor: Wie es durch eine Übertretung für »alle Menschen« zur Verurteilung kam (zu einem Nein Gottes), so soll es auch durch eine Gerechtigkeit (die Christus am Kreuz erwarb) für »alle Menschen« zur Rechtfertigung des Lebens kommen (Röm. 5,18).

Wir sollen Gott Flehen, Gebete, Fürbitten – und sogar auch Danksagungen – darbringen für »alle Menschen«. Er will ja, dass »alle Menschen« errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim. 2,1.4), und weil Er Seinen Heilswillen durch Gericht und Gnade letztendlich auch durchsetzen wird, kann Ihn Paulus in 1. Tim. 4,10 den »Retter aller Menschen« nennen.

»Alle Menschen« – was für ein Wort! Machen wir uns einmal klar, wer dazugehört und wer nicht dazugehört! Wer gehört nicht dazu? Kein Mensch! »Alle Menschen« sind eben alle Menschen, nicht nur die zur Zeit auf Erden lebenden Milliarden, sondern auch die schon gestorbenen Milliarden sowie alle noch kommenden Geschlechter. »Alle Menschen« – dazu gehören dein Ehepartner und deine Kinder, deine Vorgesetzten oder Untergebenen, dein Unfallgegner auf der Autobahn ebenso wie dein Prozessgegner vor Gericht. »Alle Menschen« – das sind die Bösen wie die Guten, die Mörder wie die Mordopfer, die Lebenden wie die Toten, die durch Christus Erretteten wie auch die Unwissenden und bis heute Unerretteten, die Kinder wie die Erwachsenen, die Reichen wie die Armen, die Hungernden wie die Satten, die Regierenden wie die Regierten. Für alle ist die Gnade da. Sie alle will und wird Gott retten.

Das kann man als einer, der dem Worte Gottes voll vertraut, summa summarum schnell und leicht bejahen; doch im Konkreten wird es schwierig. Gehören auch Leute wie Hitler, Stalin, Mao u. a. schreckliche Gewaltherrscher dazu? Mit einem Gewaltherrscher namens Nebukadnezar, der »tötete, wen er wollte, leben ließ, wen er wollte, erhob und erniedrigte, wen er wollte« (Dan. 5,19), ging Gott erstaunlich milde um. Er, der immerhin Jerusalem und den Tempel zerstört und die Juden in die 70-jährige babylonische Gefangenschaft geführt hatte, wurde zwar von Gott gedemütigt und erzogen und »sieben Zeiten lang« zu einer Wahnsinns-Krankheit verurteilt, sodass er Gras fraß wie die Rinder, wurde aber danach noch zu seinen Lebzeiten wiederhergestellt. Er lernte willig seine Lektionen und gab letztendlich Gott die Ehre (Dan. 2–4).

Wie aber wird es einem Hitler ergehen? Auch er wird einmal das Schreien um göttliche Hilfe lernen und nach Gnade und Erbarmen fragen; auch er wird einmal seine Knie beugen und Jesus Christus als den Herrn preisen; denn Phil. 2,10.11 betrifft auch ihn. Dann erst ist Gottes Triumph über ihn vollkommen, da ja Gott alle Feinde nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich überwinden will und wird. Doch die auf Erden unbelehrbaren Machtmenschen werden nicht heute oder morgen errettet, sondern nach Äonen. Gottes Erbarmen nimmt sich erst einmal der Opfer an, bevor es sich den Tätern zuwendet.

Gott ist der »Retter aller Menschen«. Ich wollte uns, denen dieser Ausdruck vielleicht manchmal allzu leicht über die Lippen kommt, mit diesen Ausführungen bewusst machen, was für ein gewaltiges, lange währendes, aber auch großartiges Gottesprogramm dies ist. Geben wir Ihm dafür Dank und Ehre – und auch für den Zusatz in 1. Tim. 4,10, der lautet: »besonders (vor allem) der Gläubigen«. Wir dürfen als Glaubende heute schon und nicht erst nach langen Gerichtszeiten im Heil stehen, im Bereich Seines Lichts und Seiner Liebe leben – was für ein Vorzug!