Ein hörendes Ohr (Spr. 20, 12)

 Ein hörendes Ohr und ein sehendes Auge, die hat beide der Herr gemacht.

Spr. 20,12

12 Es ist ja kein Unterschied zwischen Juden und Griechen: alle haben denselben Herrn, der reich ist für alle, die ihn anrufen, 13 denn: »Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden«.14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger? 15 Wie sollen sie aber verkündigen, wenn sie nicht ausgesandt werden? Wie geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füße derer, die Frieden verkündigen, die Gutes verkündigen!«

Römer 10, 14

Autor: Heinz Schumacher, GuH

Wenn über Versammlungen der Gemeinde Gottes gesprochen wird, stehen in der Regel – neben Fragen nach der Besucherzahl, Heizung, Lüftung, Dauer der Zeit – die Verkündiger im Mittel- punkt des Interesses: »Hat er gut gesprochen – lebendig, verständlich? Konntest du gut folgen oder hat es dich ermüdet? War es gesunde Lehre? War er zu leise, zu langsam, zu schnell?« usw. – Als Verkündiger aber merken wir, dass es auch sehr darauf an- kommt, wie das Wort abgenommen und aufgenommen wird. Wurde vorher inbrünstig gebetet? Ich kann an zwei Orten über das- selbe Thema reden: das eine Mal »kommt es gut an«; die Hörbereitschaft und Aufmerksamkeit ist groß; so kann der Geist Gottes ein »fließendes« Zeugnis schenken; ein anderes Mal fehlt die rechte Sammlung und Aufmerksamkeit; das Zeugnis ist schwächer. Das kann am Verkündiger liegen; vielleicht hat er gerade eine stundenlange Autofahrt hinter sich oder er wurde bis in die letzten Minuten vor dem Dienst in Gespräche verwickelt. Es kann aber auch an den Hörern liegen; statt still und betend die Stunde vorzubereiten, hat man lautstark geredet (um nicht zu sagen »geschwätzt«), bis der leitende Bruder – manchmal nach mehreren vergeblichen Versuchen – endlich Gehör findet mit der Mahnung: »Geschwister, lasst uns still werden!« Ach ja, man hat sich doch so viel zu sagen! Und diese Anteilnahme ist ja auch ein Stück Gemeinschaft. Aber muss das kurz vor der Versammlung sein? Ist da die betende Stille nicht wichtiger?

Hören mit den Ohren und dem Herzen

Das rechte Hören ist ebenso wichtig wie das rechte Reden des Verkündigers. Müssen wir es in unserer aufgeregten, lärmerfüllten Zeit neu lernen? Die Schrift betont immer wieder die Wichtigkeit des Hörens; vgl. Spr. 20, 12; Matth. 7, 24; 11, 15; Joh. 10, 27; Röm. 10, 14; Offb. 2, 7. 0hne Hören kein glaubendes Aneignen, kein Verstehen, kein Gehorchen, kein Gehorsam.

Es beginnt beim Äußerlichen: Spricht der Verkündiger laut und deutlich? (Liebe Brüder, hier ist ein ermahnendes Wort vonnöten: Sprecht ihr so laut und deutlich, dass auch die Älteren euch verstehen können – möglichst alles und nicht nur Bruchstücke? Die Klage »Ich habe ihn nicht verstanden« höre ich immer wieder. Leises Reden wirkt zwar demütig und bescheiden, als wollte der Redner zu verstehen geben: Ich bin nicht so wichtig und meine Botschaft ist es auch nicht! – Jedoch: Wer keine wichtige Botschaft zu bringen hat, schweige lieber! Gottes Wort ist ungeheuer wichtig! Da- rum: Auch wenn du noch jung bist oder vom Charakter her ein leiser Mensch, rede laut und deutlich! Verschlucke möglichst keine Silben; rede auch nicht zu schnell – das muss ich mir auch selber immer wieder sagen lassen – und bedenke, dass nicht jeder deinen Dialekt gut versteht!)

Dazu kommt dann noch die rechte Lautsprechereinstellung im Saal. Wenn natürlich mancher Leute Hörgeräte nicht richtig funktionieren, kann der Verkündiger nichts dazu.

Das hörende Herz

Doch noch wichtiger als das hörende Ohr ist das hörende Herz.

Heinrich Langenberg schrieb das  Buch  »Das  hörende  Herz«  (3. Auflage 1994, Ernst Franz Verlag, neu bearbeitet von Erich Lu- bahn). Einige Sätze möchte ich hier gern zitieren:

»Hören ist eine Herzenssache. Es kommt dabei alles auf die rechte Herzenseinstellung an. Diese ist eng verbunden mit dem auf- richtigen Willen zum Tun (Matth. 7, 24).

Durch das Hören Gottes unterscheidet sich ein Jünger Jesu von der ganzen übrigen Welt, die nicht hören kann, weil ihre Ohren noch ›unbeschnitten‹ sind (Jer. 6, 10). Die Hörfähigkeit ist ein Gnadengeschenk des Vaters, denn: ›Wer aus Gott ist, der hört die gesprochenen Worte Gottes. Deshalb hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid‹ (Joh. 8, 47).

Die so oft wiederholte Aufforderung Jesu: ›Wer Ohren hat zu hören, der höre‹ will uns doch wohl auf eine ganz einfache, aber vielfach übersehene Tatsache aufmerksam machen, nämlich die, dass das Hören durch Gebrauch und Übung geschult wird.

Wer ein musikalisches Gehör hat, der übt es. Unbewusst tut dies wohl jeder, sonst würde er mit der Zeit ganz diese wertvolle Fähigkeit verlieren. Aber es genügt nicht, nur unbewusst das musikalische Gehör zu pflegen, man muss mit Fleiß und Ausdauer nach der bestmöglichen Ausbildung desselben trachten. Ebenso ist es mit dem Hören des Herzens.

Es ist in der Hörschule Jesu zunächst auf zweierlei zu achten: ›Sehet zu, was ihr höret!‹ (Mark. 4, 24) und: ›Sehet zu, wie ihr höret!‹ (Luk. 8, 18). Es ist das Was und das Wie, der Lehrstoff und die Lehrmethode in der Hörschule Jesu …

Das Wort Gottes enthält tiefernste Warnungen für solche, die ›im Hören träge geworden sind‹ (Hebr. 5, 11). (Hingegen) ist das rechte Hören etwas ungemein Beglückendes. Deshalb gehört das Wort Jesu: ›Glückselig eure Ohren, dass sie hören‹ (Matth. 13, 16) mit zu den Seligpreisungen des Königreichs der Himmel.

Vom rechten Hören hängt unser Leben ab. ›Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn‹ (Jak. 1, 19).« (Soweit Heinrich Langenberg.)

Es ist mir immer wieder ein Wunder zu erleben, dass Menschen – bekannte oder unbekannte, junge oder alte – hörwillig sind, begierig nach dem Worte Gottes. Manche nehmen heutzutage weite Fahrten auf sich, um an einer Versammlung teilzunehmen, in der nicht das »Drumherum« die Botschaft verdrängt – Pantomime, An- spiele, Tanz, wilde Musik –, sondern die Predigt des Wortes Gottes die Mitte und die Hauptsache ist und bleibt. Dies gilt auch zeitlich: Eine 50-Minuten-Predigt oder 60-Minuten-Predigt ist zumutbar!

Wem das nicht einleuchtet in unserer schnelllebigen Zeit, der muss vielleicht ganz neu – im Sinne Langenbergs – in der Hörschule Jesu hören lernen! Ich bemühe mich selber, wenn ich einer Predigt zuhöre, jeden Satz zu verstehen. Das ist anstrengend. Und es bedarf der Übung. Auf der anderen Seite sollten Verkündiger die Hörer nicht überfordern durch eine 90-Minuten-Predigt! (Das ist mir auch schon passiert.) Die gute, willige Hörbereitschaft dürfen wir nicht überfordern.

Ich wollte hier einmal neu ins Bewusstsein rücken: Rechtes Reden, gute Lehre ist lebenswichtig, ebenso aber auch das willige, konzentrierte, nicht schläfrige Zuhören! Der Herr segne beides in unseren Versammlungen und Kreisen!