Zwei Heilskörperschaften — zwei Ziele (Röm. 11, 32)

25 Denn ich will nicht, meine Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt bleibt, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Israel ist zum Teil Verstockung widerfahren, bis die Vollzahl der Heiden eingegangen ist; 26 und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: »Aus Zion wird der Erlöser kommen und die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden, 27 und das ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde«. 28 Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen, hinsichtlich der Auserwählung aber Geliebte um der Väter willen. 29 Denn Gottes Gnadengaben und Berufung können ihn nicht reuen.30 Denn gleichwie auch ihr einst Gott nicht geglaubt habt, jetzt aber Barmherzigkeit erfahren habt um ihres Unglaubens willen, 31 so haben auch sie jetzt nicht geglaubt um der euch erwiesenen Barmherzigkeit willen, damit auch sie Barmherzigkeit erfahren sollen. 32 Denn Gott hat alle miteinander in den Unglauben verschlossen, damit er sich über alle erbarme. 33 O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege! 34 Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? 35 Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß es ihm wieder vergolten werde?36 Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.

Römer 11, 32

Autor: Gerhard Herbst, Berlin – nach seinem gleichnamigen Artikel in GuH

Wenn wir Gottes Heilsplan mit der Menschheit auf eine Kurzform bringen und ihn mit einem einzigen Satz ausdrücken wollen, dann finden wir diese Kurzform in Rom. 11, 32: „Denn Gott hat alle zusammen in den Unglauben eingeschlossen, auf dass Er alle begnadige.” In diesem einen Satz ist Gottes Absicht mit der Menschheit seit Grundlegung der Welt bis zum Abschluss der Äonen zum Ausdruck gebracht.

Drei grundlegende Dinge erfahren wir aus diesem Satz:

  1. Es ist Gott, der alle Menschen in den Unglauben eingeschlossen hat, und es ist Gott allein, der sie begnadigt.
  2. Es ist kein einziger Mensch vom Unglauben und kein einziger Mensch von der Begnadigung ausgenommen.
  3. Gottes Gerechtigkeit erfordert es, dass, wenn Er sie alle in den Unglauben einschließt, Er auch für die Begnadigung aller verantwortlich ist.

Dieser Satz lässt aber noch die Frage offen, wann und wie dies geschehen soll. Hierauf gibt uns 1. Kor. 15, 21—24 eine Antwort, ebenfalls in einer Kurzfassung:

„Denn da ja durch einen Menschen der Tod kam. so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling Christus, sodann die, welche des Christus sind bei Seiner Ankunft, dann das Ende, wenn Er das Reich dem Gott und Vater übergibt…”

Aus diesem Satz erfahren wir wiederum drei wesentliche Dinge:

  1. Gott rettet alle Menschen.
  2. Gott rettet nicht alle Menschen auf einmal, sondern in bestimmten Ordnungen nacheinander.
  3. Gott rettet zunächst eine Auswahl oder Erstlinge, die Masse folgt später. Von der Vertreibung Adams aus dem Garten Eden an lässt Gott 2000 Jahre lang die Menschheit ihre eigenen Wege gehen, die im Turmbau zu Babel ihren Höhepunkt erreichen. Mit dieser Zeit befassen sich die ersten elf Kapitel der Bibel. Dann greift sich Gott einen Mann heraus, Abram, den Er auserwählt, um mit ihm und seinen Nachkommen Geschichte zu machen, während Gott die übrige Menschheit weiter ihre eigenen Wege gehen lässt. Ab Kapitel 12 beschäftigt sich die Schrift nur noch mit den Auserwählten.

1. Mos. 12, 1: „Und Jehovah sprach zu Abram: Gehe aus deinem Lande und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in las Land, das Ich dir zeigen werde. Und Ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und Ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Und Ich will segnen, die dich segnen, und /er dir flucht, den werde Ich verfluchen, und in dir sollen gesegnet sein die Geschlechter der Erde.”

Mit diesem Abram schließt Gott Seinen ersten Bund. Von diesem lesen wir 1. Mos. 15, 18: „An selbigem Tage machte Jehovah einen Bund mit Abram und sprach: Deinem Samen gebe Ich dieses Land vom Strome Ägyptens bis an den großen Strom, den Euphrat.” (Der „Strom Ägyptens” wird in den beiden Parallelstellen Jos. 15, 4 und Hes. 47, 19 auch „Bach Ägyptens” genannt. Dieser mün det bei El Arish in das Mittelmeer, einer Stadt von höchster politischer Aktualität.)

Einzelheiten über den Bund Gottes mit Abram finden wir in 1. Mos. 17. Vers 4: „Siehe, mein Bund ist mit dir, und du wirst zum Vater einer Menge Nationen werden. Hinfort soll dein Name Abraham heißen” !§= Vater einer Menge). Vers 7: „Und Ich werde meinen Bund errichten zwischen mir und dir und deinem Samen nach dir, nach ihren Geschlechtern, zu einem äonischen Bunde. Und Ich werde dir und deinem Samen lach dir das Land deiner Fremdlingschaft geben, das ganze Land Kanaan, zu äonischen Besitztum, und Ich werde ihr Gott sein.” Vers 10: „Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt: Alles Männliche bei euch werde beschnitten.”

Vers 19: „Sarah, dein Weib, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Isaak geben, und Ich werde meinen Bund mit ihm errichten zu einem äonischen Bunde.”

Vers 20: „Und um Ismael habe Ich dich erhört: Siehe, Ich habe ihn gesegnet und werde ihn fruchtbar machen und ihn sehr, sehr mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen, und Ich werde ihn zu einer großen Nation machen. Aber meinen Bunde werde Ich mit Isaak errichten.”

Die Araber stehen keinesfalls unter dem Fluch. Gott segnet sie sehr, macht sie sehr zahlreich, aber das Land Kanaan gibt Er Israel, und Seinen Bund schließt Er mit Israel.

2000 Jahre lang macht Gott Geschichte mit diesem Volk. Israel ist die erste Heilskörperschaft. (Das ist zwar kein biblischer Ausdruck, ist aber nicht besser zu bezeichnen.)

2000 Jahre lang wartet Israel auf seinen Messias, aber als Er erscheint, da verwerfen sie Ihn: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche! Sein Blut komme über uns und unsre Kinder!” (Matth. 27,25).

Gott setzt sie darauf zur Seite. Der Prophet Jesaja hatte das bereits vorausgesagt. Jesaja 6, 10 lesen wir: „Mache das Herz dieses Volkes fett, mache seine Ohren schwer und verklebe seine Augen, damit es mit seinen Augen nicht sehe und mit seinen Ohren nicht höre und sein Herz nicht verstehe und es nicht umkehre und geheilt werde. Und ich sprach: Wie lange, Herr? Und Er sprach: Bis die Städte verwüstet sind, ohne Bewohner.” Jesus wiederholt diese Gerichtsankündigung in Matth. 23, 37. 38: „Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind. Wie oft habe Ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch öde gelassen.” Das ist im Jahre 70 Wirklichkeit geworden und hat sich bis heute nicht geändert. Nach 2000-jähriger Geschichte mit Israel setzt Gott dieses Volk beiseite und erwählt sich eine neue Heilskörperschaft, die ecclesia, die herausgerufene Gemeinde, den Körper des Christus.

Eph. 1, 22. 23: „Gott hat Ihn (den Christus) als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, welche Sein Körper ist, die Vervollständigung dessen, der alles in allen erfüllt.”

Für die Nationen ist Christus der Richter, für Israel ist Er der König, für die Gemeinde ist Er das Haupt. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob ein Mensch als Untertan vor dem Thron des Königs niederfällt, oder ob er, mit seinem Haupt or ganisch verbunden, als Herrscher auf dem Thron sitzt. Darum ist es töricht zu sagen: Israel und die Gemeinde ist dasselbe, da gibt es keine Unterschiede.

Allerdings gibt es eine bedeutsame Verknüpfung zwischen beiden Heilskörperschaften. Von ihr lesen wir in Rom. 11, 11: „Durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden.” Wäre Israel nicht gefallen, gäbe es für uns, die Nationen, in diesem Zeitalter noch keine Hoffnung.

So währt nun die Zeit der Gemeinde aus den Nationen ebenfalls schon fast 2000 Jahre. Sicherlich ist es kein Zufall, sondern von Gott weise geplant, dass die Zeit von Adam bis zur Auswahl Abrahams 2000 Jahre (= 2 Gottestage, Ps. 90, 4) währte, die Zeit Israels 2000 Jahre und die Zeit der Gemeinde ebenfalls nun schon fast 2000 Jahre. Das sind 6 Gottestage, denen der 7. Tag, entsprechend den 7 Schöpfungstagen der Ruhetag, das Tausendjahrreich der Ruhe für Sein Volk, folgt.

Haben die Nationen in diesen 6000 Jahren ihr Ziel erreicht? Nein!

Hat Israel in seinen 2000 Jahren sein Ziel erreicht? Nein!

Hat die Gemeinde in den ablaufenden 2000 Jahren ihr Ziel erreicht? Nein! Das Erreichen des Ziels steht für alle noch aus. Aber werden alle auf einmal das Ziel erreichen, und haben denn alle dasselbe Ziel? Beide Fragen müssen mit nein beantwortet werden.

Aber nun erkennen wir einen wunderbaren göttlichen Grundsatz: Die Ersten werden die Letzten und die Letzten Erste sein. Das ist kein menschliches Sprichwort, sondern das sagt der Herr in Luk. 13, 30: „Es sind Letzte, welche Erste sein werden, und es sind Erste, welche Letzte sein werden.” Das widerspricht unserer menschlichen Logik. Wir sagen: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bei Gott ist es anders. Die Letzten werden die Ersten sein, die das Ziel erreichen. Warum Gott das so macht, wissen wir nicht. Er ist souverän. Diesen göttlichen Grundsatz der Umkehrung finden wir nicht nur hier. Ihm entspricht auch der pyramidenhafte Aufbau der gesamten Heiligen Schrift sowie der einzelnen Bücher. Der erste Gedanke im Römerbrief z. B. entspricht dem letzten, der zweite dem vorletzten usw., bis sich beide an der Spitze der Pyramide treffen. Den Höhepunkt des Römerbriefes bilden die Verse 38 und 39 des 8. Kapitels.

2000 Jahre sind die Nationen gelaufen, ehe Gott sich Israel als Heilsträger auserwählte. 2000 Jahre lief Israel, ehe Gott Sein Werk mit der Gemeinde begann. Ihre 2000 Jahre nähern sich der Vollendung.

Das nächste Ereignis, das wir zu erwarten haben, ist die Entrückung der Gemeinde. Sie wird die erste sein, die ihr Ziel erreicht: die Offenbarwerdung vor der Preisrichterbühne und die Darstellung vor dem Vater. Erst wenn das geschehen ist, wird Israel errettet werden. Das steht Rom. 11, 25: „Israel ist Verstockung zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird, und also wird ganz Israel gerettet werden.” Wenn Gott Seinen Geist über Sein Volk Israel ausgegossen haben wird und sie an einem Tage ihre Wiedergeburt erlebt haben werden, dann werden sie als Missionare in alle Welt gehen und den Missionsbefehl Jesu aus Matth. 28, 19 ausführen: Gehet nun hin und machet alle Nationen zu Jüngern. Dann werden alle Völker gerettet werden. So werden Erste Letzte und Letzte Erste sein.

Wieso sprechen wir von zwei Heilskörperschaften, obwohl es doch nach göttli cher Ordnung drei Gruppen von Menschen gibt?

Nun: es gibt nur zwei Heilsträger, Segensträger: die Gemeinde und Israel. Sie sind von Gott dazu auserwählt, die frohe Botschaft den Nationen zu bringen. Die Nationen sind keine Segensträger, sondern Segens-empfänger.

Welche Ziele hat sich Gott mit den beiden Heilskörperschaften „Israel” und „Körper des Christus” gesetzt? Haben sie beide das gleiche Ziel, wie manche behaupten, oder unterscheiden sich die Verheißungen und Ziele voneinander? Um es in einem Satz vorwegzunehmen: die Ziele der beiden Heilskörperschaften gehen himmelweit auseinander, im wahrsten Sinne des Wortes.

Sehen wir uns zunächst an, was Gott Seinem Volk Israel verheißen hat, was es bis heute noch nicht erlangt hat:

Das Ziel Israels

  1. 5. Mos. 28, 2—13: „Alle diese Segnungen werden über dich kommen, wenn du der Stimme Jehovahs, deines Gottes, gehorchst. Gesegnet wirst du sein in der Stadt und auf dem Felde. Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes und die Frucht deines Landes und die Frucht deines Viehs. Gesegnet wird sein dein Korb und dein Backtrog. — Jehovah wird deine Feinde, die wider dich aufstehen, geschlagen vor dir hingeben. Auf einem Wege werden sie wider dich ausziehen, und auf sieben Wegen werden sie vor dir fliehen. Jehovah wird dir den Segen entbieten in deine Speicher und zu allem Geschäft deiner Hand. Jehovah wird dich als ein heiliges Volk für sich bestätigen, und alle Völker der Erde werden sehen, dass du nach dem Namen Jehovahs genannt bist. Und Jehovah wird dir Überfluss geben an der Frucht deines Leibes, deines Viehs und deines Landes. Und Er wird dich zum Haupte machen und nicht zum Schwanz, und du wirst nur immer höher kommen und nicht abwärts gehen, wenn du den Geboten Jehovahs, deines Gottes, gehorchst.” Dem Volke Israel wird Segen für das Feld, das Vieh, die Leibesfrucht, die Arbeit und Schutz vor den Feinden verheißen. Sie sollen das erste Volk der Erde werden.
  2. Joel 2, 18—19: „Dann eifert Jehovah für Sein Land, und Er hat Mitleid mit Seinem Volke. Und Er spricht zu Seinem Volke: Siehe, Ich sende euch das Korn und den Most und das öl, dass ihr davon satt werdet. Und Ich werde euch nicht mehr zum Hohne machen unter den Nationen.” Vers 28: „Und danach wird es geschehen, dass Ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen.”
    Kap. 3,1: „Denn siehe, in jenen Tagen und zu jener Zeit, wenn Ich die Gefangenschaft Judas und Jerusalems wenden werde, dann werde Ich alle Nationen versammeln und sie in das Tal Josaphat hinabführen. Und daselbst werde Ich mit ihnen rechten über mein Volk und mein Erbteil Israel, welches sie unter die Nationen zerstreut haben, und mein Land haben sie geteilt.” Auch hier wird wieder Segen für Korn, Most und öl verheißen. Nach der Geistesausgießung werden die Söhne Israels weissagen, Greise Träume haben, Jünglinge Gesichte sehen.
  3. Hes. 37, 21—28: „Siehe, Ich werde die Kinder Israel aus den Nationen herausholen, wohin sie gezogen sind, und Ich werde sie von ringsumher sammeln und sie in ihr Land bringen. Und Ich werde sie zu einer Nation machen im Lande, auf den Bergen Israels… Und mein Knecht David wird König über sie sein.

Und sie werden wohnen in dem Lande,

das ich meinem Knechte Jakob gegeben, worin eure Väter gewohnt haben. Und sie und ihre Kinder und Kindeskinder werden darin wohnen für den Äon. Und Ich werde einen Bund des Friedens” (den zweiten) „mit ihnen machen, ein ewiger Bund wird es mit ihnen sein. Und Ich werde sie einsetzen und vermehren und werde mein Heiligtum in ihre Mitte setzen. Und die Nationen werden wissen, dass Ich Jehovah bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum in ihrer Mitte sein wird.”

David wird König über Israel sein, Gott wird mit Seinem Volk einen zweiten Bund, einen Bund des Friedens, schließen. Der Tempel wird in ihrer Mitte sein. Bevor diese Segnungen über das Volk Israel kommen, wird der Herr ihre Ungerechtigkeit zwiefach vergelten. Jer. 16, 16—18: „Siehe, Ich will zu vielen Fischern senden, dass sie sie fischen, und danach will Ich zu vielen Jägern senden, dass sie sie jagen. Denn meine Augen sind auf alle ihre Wege gerichtet. Und zuvor will Ich zwiefach vergelten ihre Ungerechtigkeit und ihre Sünde.” An dieser Schriftaussage ist der große Unterschied zwischen den beiden Heilskörperschaften in ganz besonderer Weise zu erkennen: Gibt es irgendeine ähnliche Ankündigung für die Glieder am Leibe des Christus, dass Gott deren Ungerechtigkeit und Sünde zwiefach vergelten wird? Wir sind reingewaschen durch Sein Blut. Unsere Ungerechtigkeit hat Er auf Golgatha auf sich genommen, und den Schuldbrief hat Er zerrissen!

Nun wollen wir noch drei neutestamentliche Zielverheißungen Israels betrachten:

Luk. 22, 28: „Ihr aber seid es, die mit mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen, und Ich verordne euch, gleichwie mein Vater mir verordnet hat, ein Reich, auf dass ihr esset und trinket an meinem Tische in meinem Reich und auf Thronen sitzet, richtend die zwölf Stämme Israels.”

Hier verordnet der Herr Seinen Jüngern ein Reich. Damit ist zweifellos das Königreich der Himmel gemeint, das der Herr besonders im Matthäus-Evangelium Seinen Jüngern an Hand zahlreicher Gleichnisse erläutert. Das Königreich der Himmel heißt nicht so, weil es sich im Himmel befindet, sondern weil es vom Himmel her durch den wiederkommenden Christus auf dieser Erde aufgerichtet wird. Es ist das sogenannte 1000-jährige Reich, das Millennium. (Eine umfassende biblische Untersuchung dieses so wichtigen, in christlichen Kreisen allerdings weithin unbekannten Begriffs enthält das im Paulus-Verlag erschienene Buch von Heinz Schumacher „Das tausendjährige Königreich Christi auf Erden”.)

In diesem Reich sollen die 12 Jünger Jesu auf 12 Thronen sitzen und die 12 Stämme Israels richten. In diese Verheißung lässt sich nirgendwo die Gemeinde aus den Nationen einordnen. Und dennoch gibt es Versuche dieser Art. Aus einer zweiten neutestamentlichen Zielverheißung für Israel sehen wir, dass Gott auch auf dem Boden Israels zunächst eine Auswahl rettet, die dann ausgesandt wird, dem ganzen Volke die frohe Botschaft zu verkünden. Offb. 7, 2—4: „Und der Engel, der das Siegel des lebendigen Gottes hatte, rief mit lauter Stimme den vier Engeln, welchen gegeben worden war, die Erde und das Meer zu beschädigen, und sagte: Beschädiget nicht die Erde, noch das Meer, noch die Bäume, bis wir die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen versiegelt haben. Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144 000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels 12 000.” 144 000 Erstlinge aus Israel werden versiegelt, damit sie durch die Gerichte der großen Drangsalszeit nicht zu Schaden kommen. Sie werden die sichtbare Wiederkunft Christi im Lande Israel erleben.

Noch eine dritte Zielverheißung für Israel finden wir im Neuen Testament, und zwar für diejenigen, die im Laufe der Jahrtausende vor der Wiederkunft Christi verstorben sind: die erste Auferstehung. Diese ist nicht zu verwechseln mit der Auferstehung aus den Toten für die Gemeinde (1. Thess. 4, 13—17), dieschon davor sein wird.

Offb. 20, 5—6: „Die übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die 1000 Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit Ihm herrschen 1000 Jahre.”

Das war nur eine kleine Auswahl aus vielen Schriftzeugnissen.

Ich fasse die Aussagen über das Ziel Israels in Stichworten zusammen: Zwiefache Vergeltung von Ungerechtigkeit und Sünde, Sammlung des zerstreuten Israel aus allen Völkern durch Fischer und Jäger, Rettung einer Auswahl von 144 000, sichtbare Wiederkunft Christi auf dem Ölberg, Aufrichtung der 1000jährigen Königsherrschaft Christi in Jerusalem, Auferstehung der Toten aus Israel, Gericht über die Völker wegen der Behandlung Israels, Israel das erste Volk der Erde, 12 Apostel auf 12 Thronen richten die 12 Stämme Israels. Segen für Acker, Vieh, Leibesfrucht, Schutz vor Feinden, Erhöhung des Lebensalters, Frieden und Sicherheit, Einschränkung der Sünde, Missionierung ganzer Völker, Weissagungen, Träume, Gesichte und der Tempel in Jerusalem: alles insgesamt wunderbare irdische Verheißungen für Israel!

Nun könnte vielleicht jemand denken: Ach, da möchte ich auch dabei sein! Dieser Wunsch mag verständlich sein. Aber hören wir zunächst, welches Ziel die Gemeinde, der Körper des Christus, nach der Schrift hat. Ich bekenne offen, dass ich trotz allem nicht tauschen möchte.