Wozu uns Christi Wiederkunft ermahnt (Kol. 3, 1-3)

1 Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist; 3 denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. 4 Wenn der Christus, unser Leben, offenbar werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.

Kol. 3, 1-4

Autor: Adolf Heller, Nachschrift eines Dienstes in Berlin am 17. 1. 63

Ihr lieben Freunde, meine Brüder und Schwestern, ihr Heiligen und Geliebten Gottes!

Es gibt in der Schrift eine ganze Reihe von Gewissheiten, die der Heilige Geist uns schenken will: die Sündengewissheit, die Heils- oder Rettungsgewissheit, die Auferstehungsgewissheit, die Entrückungsgewißheit und andere Gewissheiten. Aber jede Gewissheit, die Gott schenkt, ist zugleich verknüpft mit heiligen, sittlichen Verpflichtungen, die sich daraus ergeben. Das vergessen leider viele Menschen. Es gibt keine Wahrheit in der Schrift, die nicht ihre Verwirklichung in unserem Leben erforderte. Gott ist ein heiliger Gott. Für uns ergibt sich daraus die Verpflichtung, heilig zu werden wie Er. Gottes Verheißungen stellen Verpflichtungen dar. Ein Mann wurde eines Tages gefragt: „Warum kämpfst du immer gegen Gottes Wort?“ Und seine Antwort war: „Weil die Bibel gegen mich kämpft.“ Gottes Wort ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert.

Wir wollen deshalb heute abend davon sprechen: „Welche heiligen, sittlichen Verpflichtungen ergeben sich aus der Entrückungsgewißheit?“ Etwa 300 mal lesen wir in der Schrift von der Wiederkunft Christi. Diese wichtige Wahrheit stellt an uns eine Reihe von Forderungen, legt uns gewaltige Verpflichtungen auf. Wenn wir das nicht beachten, werden uns diese Wahrheiten zum Gericht.

1. Die Wiederkunft Christi mahnt uns zur Buße.

Wenn die Schrift von Buße redet, meint sie durchaus auch uns, nicht nur das Volk Israel. Buße tun heißt: umsinnen, auf etwas anderes sinnen, unser Wünschen, Begehren und Verlangen von etwas losreißen und auf etwas anderes richten. Die schärfste Bußforderung gilt nicht Israel und den Heiden, sondern uns, den Gliedern des Leibes Christi. Sie steht in Kol. 3, 1-3: „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnet auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit Ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.“

Unser Wünschen, Verlangen und Begehren soll schon hier auf Erden losgelöst werden von dieser Erde. Unser Herz soll auf göttliche Dinge gerichtet sein. Die Entrückungshoffnung reizt uns dazu an, unser Herz „da hineinzuschicken, wo es ewig wünscht zu sein“. Das meinte auch Stockmayer, wenn er sagte: „Nur Entrückte werden entrückt,“ Lassen wir uns losreißen vom Genuss und Besitz dieser Erde, und geben wir unser Herz ganz dem Herrn!

2. Die Wiederkunft Christi mahnt uns zur Nüchternheit.

Wir lesen in 1. Thess. 5,2-6: „Denn ihr selbst wisset genau, dass der Tag des Herrn also kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, gleichwie die Geburtswehen über die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen. – Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, dass euch der Tag wie ein Dieb ergreife; denn ihr alle seid Söhne des Lichts und Söhne des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. Also lasst uns nun nicht schlafen wie die übrigen, sondern wachen und nüchtern sein.“

Wir leben in einer Zeit der Berauschung. Vergnügungsindustrie und Reklame sind auf diese Berauschung abgestellt. Am schlimmsten ist der religiöse Rausch. Man macht sich etwas vor, was tatsächlich gar nicht so ist. Man kann sich auch an hohen geistlichen Erkenntnissen berauschen. Oder man lässt sich von Gefühlen berauschen. In einer Zeit, in der sich die Welt immer mehr in den Rausch hineinsteigert, werden wir aufgefordert, nüchtern und wachsam zu sein.

3. Die Wiederkunft Christi mahnt uns zur gegenseitigen Ermunterung.

In 1. Thess. 4, 18 wird uns gesagt, dass wir einander trösten und Mut machen sollen mit der Tatsache, dass der Herr bald wiederkommt. Diesen Dienst wollen wir uns gegenseitig tun. Wir stehen in einer trostlosen Zeit der Angst, der Schwermut und der Schlaflosigkeit. Auch viele Gotteskinder leiden darunter. Diesen Geschwistern sollen wir Trost und Ermunterung zusprechen.

4. Die Wiederkunft Christi mahnt uns zur Reinigung.

In dem bekannten Wort 1. Joh. 3, 1-3 heißt es: „.. .Wir wissen, dass, wenn Er geoffenbart werden wird, wir Ihm gleich sein werden; denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Und jeder, der diese Hoffnung zu Ihm hat, reinigt sich selbst, gleichwie Er rein ist.“

Diese praktische Reinigung wird von vielen vernachlässigt. Reinigung ist das Abtun dessen, was unrecht und unsauber ist. Diese Reinigung ist verknüpft mit der gewaltigen Botschaft, dass der Herr wiederkommt. Wir wissen, dass Er bald kommt. Wo diese Botschaft lebendig verkündigt und erfasst wird, da bewirkt sie bei uns die Reinigung.

5. Die Wiederkunft Christi bewirkt die Heiligung.

Während die Reinigung das Abtun des Negativen ist, hat es die Heiligung mit dem Positiven zu tun. Nachdem wir alles abgelegt haben, nehmen wir Seinen Frieden, Seine Freude, Seine Kraft in uns auf. Wer sich reinigt und sich dem Herrn ungeteilt hingibt, der empfängt die Kraft Gottes. Er wird ein froher Zeuge, von dessen Leibe Ströme lebendigen Wassers fließen. Die Botschaft von der Entrückung reizt uns zur Reinigung und Heiligung an.

6. Die Wiederkunft Christi bewirkt, dass wir treue Zeugen Jesu werden.

Paulus schreibt einmal an Timotheus (2. Tim, 4, 1-2): „Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christo Jesu, der da richten wird Lebendige und Tote, und bei Seiner Erscheinung und Seinem Reiche: Predige das Wort, halte darauf in gelegener und ungelegener Zeit; überführe, strafe, ermahne mit aller Langmut und Lehre.“ Der Zeugendienst ist die Frucht einer lebendigen Verkündigung der Wiederkunft Christi. Wer die Botschaft von der Entrückung wirklich erfasst, kann nicht stumm bleiben. Diese herrliche Erwartung reizt uns an, Ihn so zu bezeugen, wie es Ihm wohlgefällt.

7. Die Wiederkunft Christi bewahrt uns davor, über unsere Geschwister zu richten.

In 1. Kor. 4, 5 a steht die Ermahnung: „Richtet nicht vor der Zeit…“ Wenn die Zeit dazu gekommen ist, sollen die Heiligen die Welt und sogar Engel richten. Aber nicht vor der Zeit! Erst muss der Herr kommen und uns durchrichten vor Seinem Preisrichterstuhl, wo alles Wertlose im Feuer Seines Tages verbrennt. Danach werden wir mit Ihm richten.

Vor dem Preisrichterstuhl wird jedem von uns sein Lob werden. Jeder unter uns, auch der Elendeste, ist in irgendeinem Stück der Wertvollste. Jeder wird ein Lob empfangen, aber nicht in allen Stücken, Wir sollen uns deshalb hüten, vor der Zeit der Wiederkunft des Herrn zu richten. „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet“, sagt die Schrift (Matth. 7, 1). Hier auf dieser Erde sollen wir uns selber richten, nicht die ändern. Das lieblose Kritisieren und heimliche Reden über Brüder und Schwestern ist der Grund, dass wir oft so wenig von der Herrlichkeit des Christus ausstrahlen.Die Maßstäbe, mit denen wir andere richten, sind dieselben, nach denen auch wir gerichtet werden. Darum wollen wir nicht die ändern, sondern uns selber richten.

8. Die Wiederkunft Christi mahnt uns zur Liebe

Wir lesen in 1. Thess. 3, 12-13: „Euch aber mache der Herr völlig und überströmend in der Liebe gegeneinander und gegen alle (gleichwie auch wir gegen euch sind), um eure Herzen tadellos in Heiligkeit zu befestigen vor unserem Gott und Vater, bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen Seinen Heiligen.“
Es gibt einen heiligen Überschwang. Paulus war ein nüchterner Mann, aber er war überströmend in der Liebe. Wer hat ein festes, frohes, furchtloses Herz? Wer lieben gelernt hat. Es ist eine ernste Wahrheit, zu wissen, dass der Herr bald kommt. Alle die, die Sein Kommen liebend ersehnen, werden einmal gekrönt (2. Tim. 4, 8),

9. Die Wiederkunft Christi erinnert uns daran, dass wir als Glieder des Leibes Christi einen Lohn empfangen sollen.

Gott belohnt uns nicht für etwas, das wir geleistet oder verdient haben, sondern für das, was wir uns von Ihm schenken ließen. Ließen wir uns hier auf Erden Seinen Frieden, Seine Reinheit, Seine Freude, Seine Kraft schenken, so werden wir Lohn empfangen. Lohn, Lob, Preis und Kronen gibt es am Preisrichterstuhl! (1. Kor, 3, 14; 4, 5; 9, 24, 25.)

10. Die Wiederkunft Christi mahnt uns, mit dem nahen Kommen des Herrn zurechnen.

Der Feigenbaum, Israel, hat schon ausgeschlagen. Vieles deutet darauf hin, dass wir in der letzten Stunde leben. Darum wissen wir, dass der Herr nahe ist. Wir wollen mit Seinem baldigen Kommen rechnen und unser Leben darauf einstellen.