Wie weit ist es in der Nacht? Unser Standort im Ablauf der Endzeit (Jes. 21, 11-12)

„Aus Seïr ruft man mir zu: Wächter, wie weit ist es in der Nacht? Wächter, wie weit in der Nacht? Der Wächter sagt: Es kommt der Morgen und auch die Nacht. Wollt ihr fragen, so fragt! Kommt noch einmal her!“

Jes.21,11-12

Autor: Holger Stoye, aus seinem gleichnamigen Artikel bei GuH / seiner Predigt in 2020

 Der Wächterdienst der Gemeinde und für die Gemeinde

Wächterdienst

Das ist ja ein merkwürdiger Text, den wir da lesen. Wir finden uns hier mitten in der Nacht in einer bewachten Stadt wieder – wahrscheinlich ist es Jerusalem, die Hauptstadt Judas, wo Jesaja als Prophet gewirkt hat. Auf der Mauer oder auf dem Wachturm steht ein Wächter. Es ist der Prophet Jesaja.
Propheten werden in der Bibel häufig mit Wächtern verglichen, die in der Nacht die Stadt bewachen. Auch der Prophet Jesaja hatte von Gott so einen geistlichen Wächterdienst aufgetragen bekommen. Gott schenkte ihm nicht nur einen Blick für das Volk Gottes (Israel), sondern auch für die Nationenwelt um Israel herum.
In Jesaja 21,11.12 wird die prophetische Botschaft, die Jesaja von Gott empfangen hat, in die Form von Frage und Antwort gekleidet. Vom Gebirge Seïr aus dem Land Edom, wo die Nachfahren Esaus lebten, erreicht Jesaja die verzweifelte Frage:

„Wächter, wie weit ist es in der Nacht? Wächter, wie weit in der Nacht?“

Die Nacht steht für das Gericht Gottes. Die Wiederholung der Frage zeigt die angstvolle Dringlichkeit. Der Fragende wünscht nichts mehr, als dass es doch schon recht spät in dieser Nacht des Gerichts sein und dieses bald vorbei sein möge. So wie ein Kranker in unruhiger Nacht den Anbruch des Morgens kaum erwarten kann, sehnt sich der Fragende nach dem Ende der göttlichen Gerichts-Nacht und dem Anbruch des göttlichen Heils-Morgen. Dieser Text hat mich in diesen Tagen besonders angesprochen. Denn so wie dem Rufer aus Edom geht es doch auch uns in dieser Nacht der CoronaKrise.
Wir sehnen deren Ende herbei. Wir können es kaum aushalten. Wir schauen jeden Tag auf die Statistiken, ob die Gefahr nicht bald vorüber ist und wir wieder zur Normalität zurückkehren können. Wir fragen die Virologen und die Politiker: Wie weit ist es in der Nacht? Aber so genau weiß das keiner.
Doch uns als Christen bewegt in diesen Tagen eine viel grundsätzlichere Frage: „Wie weit ist es in der Nacht?“ Das heißt:

  • Wo stehen wir im Heilsplan Gottes?
  • Wie können wir das Geschehen dieser Tage biblisch einordnen?
  • Haben jetzt die Gerichte der Apokalypse begonnen?
  • Sind die vier apokalyptischen Reiter aus Offenbarung 6 bereits unterwegs?
  • Kommt jetzt die Zeit des Antichristen?

Krisenzeiten sind immer auch Zeiten der seelischen Erschütterung, der Angst, der Aufregung, der überhitzten Spekulationen. Auch die Frommen machen da keine Ausnahme. Was für eine Flut von Alarmmeldungen hat uns in diesen Tagen über die sozialen Medien erreicht. Deshalb ist es gut, wenn wir ganz nüchtern das Wort Gottes befragen:

 „Wie weit ist es in der Nacht?“

Zunächst einmal sagt uns die Bibel ganz grundsätzlich, dass diese Welt seit dem Sündenfall und der Trennung von Gott geistlich gesehen schon seit Jahrtausenden in der Nacht lebt. Eine Welt ohne Gott ist eine Welt in der Nacht. Wir leben also nicht erst seit der Corona-Krise in der Nacht.

Auf diesem Hintergrund ist auch die merkwürdige Antwort Jesajas in Vers 12 zu verstehen: „Es kommt der Morgen und auch die Nacht.“ Das heißt, die Freude über den Morgen wird zunächst nur von kurzer Dauer sein. Auch wenn der Morgen anbricht, wird dieser doch sofort wieder von der Nacht verschlungen werden.

Dieses geheimnisvolle Wort hat sich beim ersten Kommen Jesu erfüllt: Mit dem Kommen Jesu als Licht der Welt brach für diese Welt der Morgen an. Doch dieser Morgen der Ankunft des Messias dauerte nicht lange. Durch die Verwerfung Jesu wurde der kaum angebrochene Morgen gleich wieder von der Nacht verschlungen. Als Jesus am Kreuz hängt, kommt am helllichten Tag eine große Sonnenfinsternis über das Land. Damit zeigt Gott zeichenhaft, was hier geschieht: Es wird wieder Nacht auf dieser Erde.

Joh.3,19 „Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“

Erst bei Seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit wird die Nacht in dieser Welt endgültig besiegt werden. Der bleibende Heils-Morgen Gottes wird mit dem wiederkommenden Christus anbrechen. Bis dahin wird auf dieser Erde jeder Morgen immer von der Nacht verschlungen werden.

Wir wissen nicht, ob dies auch für die Lockerungen der Corona-Krise gilt. Wir wissen aber sicher, dass jeder Morgen der Hoffnung in dieser Welt immer wieder von der Nacht verschlungen werden wird. So war es nach dem Zweiten Weltkrieg. So war es nach dem Mauerfall. So wird es auch nach der Corona-Krise sein. Darauf müssen wir uns innerlich einstellen. Die endzeitlichen Geburtswehen werden nicht aufhören, sondern an Intensität zunehmen und in immer kürzeren Abständen kommen. Was wir in diesen Tagen erleben, ist nur ein Vorspiel – nur eine erste Wehe.

Ein Wächter darf nicht schlafen. Er muss das Geschehen wach beobachten. Er muss weit schauen und den Feind sehen, bevor dieser direkt vor der Stadt steht. Aber ein Wächter darf auch nicht bei jeder Fledermaus Alarm blasen. Sonst nimmt man ihn nicht mehr ernst, wenn der Feind wirklich kommt.

Deshalb ist es wichtig, ganz nüchtern zu bleiben und mehr auf die Bibel als auf die vielfältigen Irrlichter in Internet und (sozialen) Medien zu hören. Auch in diesem Sturm gilt wieder, auf den Herrn und nicht auf die Wellen zu schauen. Das Wort Gottes ist für uns das Auge im Sturm – der Ort der Ruhe und Geborgenheit. Lassen wir uns deshalb von der allgemeinen (auch frommen) Hysterie nicht anstecken.

Lasst uns deshalb einen Blick in das prophetische Wort der Bibel werfen, um unseren heilsgeschichtlichen Standort zu bestimmen und eine Antwort auf die Frage zu erhalten, wie weit es in der Nacht ist.

Der Blick auf das prophetische Wort

Nach meiner Schau befinden wir uns in diesen Tagen noch nicht in der Zeit der apokalyptischen Reiter von Offenbarung 6 und damit auch noch nicht in der Zeit der Ereignisse, wie sie uns dann ab Offenbarung 6 geschildert werden.

Ich möchte dies kurz stichwortartig begründen. Dabei ist es euer gutes Recht und sogar eure Pflicht, das von mir Gesagte an der Schrift zu prüfen. So wie es von den Christen in Beröa gesagt wird: „Diese aber waren edler als die in Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf und untersuchten täglich die Schriften, ob dies sich so verhielte (Apg.17,11).“

Vier Punkte möchte ich nennen, warum wir uns meines Erachtens noch vor Offenbarung 6 befinden:

  1. Die endgeschichtliche Bedeutung der Offenbarung Ich verstehe das Buch der Offenbarung endgeschichtlich. Das heißt, dass alles, was Offenbarung 4 – 19 beschreibt, im Rahmen der 70.Jahrwoche nach Daniel 9,27 stattfindet – also in den letzten 7 Jahren vor der Wiederkunft des Herrn in Macht und Herrlichkeit. Alles, was Offenbarung 4 – 19 beschreibt, drängt sich also in dem kurzen Zeitraum der letzten 7 Jahre zusammen. Es wird nach Offenbarung 1,1 „mit Geschwindigkeit“ geschehen (griech. tachos). Das hohe Tempo der Abläufe ist das Hauptmerkmal des endzeitlichen Geschehens. Genau das merken wir doch schon in diesen Tagen. Die endzeitliche Entwicklung nimmt Fahrt auf. Die Ereignisse überschlagen sich. Der Umbau unseres Rechtsstaates und die Suspendierung wesentlicher Grundrechte brauchen nicht Jahre, sondern nur Tage – und ein kleines Virus.
  2. Die Gliederung der Offenbarung Wir finden die Gliederung der Offenbarung in dem persönlichen Schreibbefehl des Herrn an Johannes aus Offenbarung 1,19:

    Schreibe nun, was du gesehen hast,
    = Offb.1; Christus als der auferstandene und verherrlichte Herr und

    was ist“’
    = Offb.2 – 3; die Gemeinde, hier konkret: die sieben Sendschreiben an die sieben kleinasiatischen Gemeinden, die stellvertretend für die Gemeinden aller Zeiten und aller Orte stehen und die Zeit der Gemeinde repräsentieren.

    und was nach diesem geschehen wird.
    = das Geschehen ab Offb.4, „nach diesem“, das heißt nach der Zeit der Gemeinde, nach deren Entrückung!

Wenn wir uns an diese vom Herrn Selbst vorgegebene Gliederung der Offenbarung halten, erkennen wir, dass wir heute in der Zeit der Gemeinde leben – also in der Zeit von Offenbarung 2 – 3.

Wir warten nicht auf den Antichristen, sondern auf die Entrückung der Gemeinde. Diese erfolgt nach meiner Schau am Übergang zu Offenbarung 4 und wird an dem Apostel Johannes symbolisch dargestellt in Offenbarung 4,1.

Offb.4,1 „Nach diesem [!] sah ich: Und siehe, eine Tür, geöffnet im Himmel, und die erste Stimme, die ich gehört hatte wie die einer Posaune, die mit mir redete, sprach: Komm hier herauf! [= Darin sehe ich einen symbolischen Hinweis auf die Entrückung der Gemeinde.] Und ich werde dir zeigen, was nach diesem [!] geschehen muss [= nach der Zeit der Gemeinde, nach deren Entrückung].“

3. Der Beginn der 70. Jahrwoche

Die 70. Jahrwoche beginnt mit dem Friedensbund des Antichristen mit Israel nach Daniel 9,27.

Dan.9,27 „Und stark machen wird er [der Antichrist] einen Bund für die vielen [des Volkes Israel], eine Woche lang [7 Jahre]; und zur Hälfte der Woche [nach 3,5 Jahren] wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören lassen [den zunächst erlaubten Opferdienst in dem dann bestehenden dritten Tempel].“

Die letzten 7 Jahre werden durch einen Friedensbund des Antichristen mit Israel eingeleitet. Dieser Friedensbund existiert noch nicht, also hat auch die 70. Jahrwoche noch nicht begonnen. Dann haben aber auch die Ereignisse ab Offenbarung 6 noch nicht begonnen.

4. Die zwei Reiter auf einem weißen Pferd

Offb.6,2 „Und ich sah: Und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf

saß, hatte einen Bogen; und ihm wurde ein Siegeskranz gegeben, und er zog aus, siegend und um zu siegen.“

Offb.19,11 „Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, heißt Treu und Wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit.“

Zwei Reiter auf einem weißen Pferd. Mit dem ersten beginnen die apokalyptischen Gerichte der Offenbarung, mit dem zweiten enden sie.

Wer sind diese beiden Reiter auf einem weißen Pferd?

Ich sehe in dem ersten apokalyptischen Reiter aus Offenbarung 6,2 den Antichristen (= den Anstatt-Christus). Dieser ist das Gegenstück, das heißt die verführerische Nachahmung und Vorwegnahme zu dem Reiter auf dem weißen Pferd, von dem Offenbarung 19,11 berichtet, den Christus bei Seiner Wiederkunft in Macht und Herrlichkeit.

Die apokalyptischen Abläufe (und damit auch die 70. Jahrwoche) beginnen also in Übereinstimmung mit Daniel 9,27 mit dem Siegeszug des Antichristen (Offb.6,2). Da dieser Siegeszug des Antichristen bislang noch nicht stattgefunden hat, ist auch die Zeit der apokalyptischen Reiter insgesamt noch nicht angebrochen.

Fazit

Wir leben heute noch in der Zeit von Offenbarung 2 – 3, nicht in Offenbarung 6 ff. Damit klären sich auch viele Folgefragen, die mit Offenbarung  6 – 19 zusammenhängen.

Doch auch wenn wir heute noch nicht in der Zeit der apokalyptischen Reiter leben, bin ich doch überzeugt, dass wir uns dieser Zeit insbesondere durch die Folgewirkungen dieser Tage einen wesentlichen Schritt genähert haben.

Nebenbei noch eine kleine Pointe: Der erste Reiter (= Antichrist) hat ja eine Krone auf dem Haupt (wörtl. Siegeskranz; griech. stephanos, lat. corona). Damit will ich nicht sagen, dass dieser Siegeskranz des Antichristen das Corona-Virus ist. Aber das Virus ist meines Erachtens sehr wohl ein Wegbereiter für die antichristlichen globalen Strukturen, die sich der Antichrist zunutze machen wird und die seine Herrschaft erst möglich machen werden.

Lasst uns also ganz nüchtern festhalten:

Das aktuelle Geschehen ist nicht die eigentliche Endgeschichte, sondern die Vorbereitung darauf. Wir erleben in diesen Tagen, dass es zum Umbau unseres Staatswesens in eine antichristliche Diktatur keine jahrelange Entwicklung benötigt, sondern nur ein kleines Virus – und schon ist unser Staat binnen weniger Tage beziehungsweise Wochen in wesentlichen Teilen in eine Diktatur umgebaut. Ich denke, wir werden – ähnlich wie in der Weimarer Republik vor der Machtübernahme Hitlers – in eine globale „Depression“ hineingeführt, aus der sich dann die Herrschaft des Antichristen erheben wird.

Diesem Szenario haben wir uns insbesondere durch die Folgewirkungen dieser Tage einen wesentlichen Schritt genähert. Diese „Corona-Strukturen“ sind das Modell für die kommende, antichristliche Herrschaftsanbahnung. Das müssen wir klar sehen. Aber genauso klar müssen wir festhalten: Das Geschehen heute ist erst der Testlauf, das Modell – nur eine erste Wehe.

Die Bedeutung des Wächterrufes

Was folgt denn nun aus diesem Wächterruf des Propheten Jesaja für uns und unseren Wächterdienst in diesen Tagen? Auf den Posten treten.

Hab.2,1 „Auf meinen Posten will ich treten und auf den Wall mich stellen und will spähen, um zu sehen, was Er mit mir reden wird und was für eine Antwort ich auf meine Klage erhalte.“

Der Prophet Habakuk macht es uns vor. Er lässt sich von nichts ablenken, sondern er tritt auf seinen Posten, auf eine erhöhte Stelle der Mauer, um von dort aus seinen Wächterdienst als Prophet Gottes zu erfüllen. So wollen auch wir uns auf die feste Mauer des Wortes Gottes stellen – auf den Turm des prophetischen Wortes – und Ausschau halten auf den wiederkommenden Herrn. Zugleich wollen wir aber auch das Geschehen unserer Tage als Wächter Gottes wach beobachten. So wie der Herr es uns in Seiner Endzeitrede gesagt hat:

Mth.24,42 „Wacht also! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“

Wachbleiben ist die Grundvoraussetzung für einen Wächter. In diesem Sinn sind wir als Gemeinde alle zum Wächterdienst berufen, auch wenn einige unter uns hier sicher einen besonderen Auftrag von Gott als Wächter für die Gemeinde haben. Die Bibel sagt, dass wir in eine Zeit großer Verführung und in eine Zeit des Abfalls hineingehen. Wir erwarten also nicht eine große Welterweckung, sondern eine große Weltverführung und einen großen Abfall. Das müssen wir klar erkennen, damit wir uns nicht verführen lassen.

2.Thess.2,3 „Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag [des Herrn] kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und geoffenbart worden sei der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens.“

Verführung und Abfall brechen auch in die Gemeinde ein. Deshalb braucht es auch in der Gemeinde Wächter, die diese Gefahren frühzeitig erkennen und vor ihnen warnen. Hier stehen insbesondere die Leiter der einzelnen Gemeinden in der Verantwortung vor Gott. Von den Wächtern Israels, den Leitern Israels, muss Jesaja sagen:

Jes.56,10 „Seine Wächter sind blind, sie alle erkennen nichts. Sie alle sind stumme Hunde, die nicht bellen können. Sie träumen, liegen da, lieben den Schlummer.“

Aber es kann auch andersherum sein. Die Wächter sehen die Gefahr, aber das Volk Gottes glaubt ihnen nicht:

Jer.6,17  „Ich habe Wächter über euch bestellt, die rufen: Achtet auf den Schall des Horns! Aber sie [das Volk] sagen: Wir wollen nicht darauf achten.“

Wie ernst die Verantwortung dieses Dienstes ist, sehen wir bei Hesekiel.

            ̶     Einsetzung von Hesekiel in den Wächterdienst

Hes.3,17 „Menschensohn, Ich habe dich für das Haus Israel zum Wächter gegeben. Und hörst du ein Wort aus Meinem Mund, so sollst du sie von Mir verwarnen!“

            ̶     Verantwortung des Wächterdienstes

Hes.33,3 „Sieht er [der Wächter] das Schwert über das Land kommen und stößt ins Horn und warnt das Volk,

V.4 wenn dann einer den Schall des Horns hört, sich aber nicht warnen lässt, und das Schwert kommt und rafft ihn weg: so wird sein Blut auf seinem Kopf bleiben.

V.5 Er hat den Schall des Horns gehört, hat sich aber nicht warnen lassen; sein Blut wird auf ihm bleiben. Doch hat er sich warnen lassen, so hat er seine Seele gerettet.

V.6 Wenn aber der Wächter das Schwert kommen sieht, und er stößt nicht ins Horn, und das Volk wird nicht gewarnt, und das Schwert kommt und rafft von ihnen eine Seele weg: so wird dieser um seiner Schuld willen weggerafft; aber sein Blut werde ich von der Hand des Wächters fordern.“

Hesekiel 33,3-6 nennt zwei Konstellationen:

  1. Wenn der Wächter vor der Gefahr warnt und man hört nicht auf ihn, dann ist er von seiner Verantwortung frei.
  2. Wenn der Wächter aber nicht ins Horn stößt, dann steht er vor Gott für die Folgen seiner unterlassenen Warnung in der Verantwortung.

Der Kern des Wächterdienstes besteht also in dem frühzeitigen Erkennen der Gefahr durch das Wort Gottes und dem deutlichen Warnen vor dieser Gefahr. Wie diese Warnung aufgenommen wird, liegt dann nicht mehr in seiner Verantwortung.

Biblischer Wächterdienst

Der biblische Wächterdienst beinhaltet aber noch mehr. In Seiner Endzeitrede sagt der Herr:

Lk.21,36 „Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr imstande seid, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen!“

Unser Wächterdienst ist also auch ein Gebetsdienst.

So lesen wir schon in Jesaja 62.6.

Jes.62,6 „Auf deine Mauern, Jerusalem, habe ich Wächter bestellt. Den ganzen Tag und die ganze Nacht werden sie keinen Augenblick schweigen. Ihr, die ihr den HERRN erinnert, gönnt euch keine Ruhe.“

Beides bedingt sich gegenseitig: Wer wach ist, betet und wer betet, bleibt wach. Unser Gebetsleben ist also ein Gradmesser für unseren Wach- oder Schlafzustand – ein Thermometer für unsere geistliche „Körpertemperatur“. Wir sollen den Herrn an Seine Verheißungen „erinnern“ und uns dabei keine Ruhe gönnen. Wir sollen im ständigen Dienst der Fürbitte stehen. Der Wächterdienst ist also ganz wesentlich auch ein Gebetsdienst.

Der Wächterdienst ist aber auch ein Ermutigungsdienst.

Jes.52,8 „Horch! Deine Wächter erheben die Stimme, sie jubeln allesamt. Denn Auge in Auge sehen sie, wie der HERR nach Zion zurückkehrt.“

Die Verkündigung des kommenden Herrn als frohmachende Jubelbotschaft gehört auch zum Wächterdienst. Der Wächter sieht nicht nur die Gefahr, er sieht den kommenden Herrn und begrüßt ihn jubelnd schon von ferne.

Wir warten nicht auf die kommenden Katastrophen und nicht auf den Antichristen. Wir warten auf die Ankunft unseres Herrn. So wie es Bundespräsident Gustav Heinemann 1950 gesagt hat: „Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen – unser Herr aber kommt!”

Wir haben mit der Frage begonnen: Wie weit ist es in der Nacht?
Schließen möchte ich mit der Antwort, die uns der Apostel Paulus auf genau diese Frage in Römer 13,12 gibt:

„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen!“
Amen!