Vorgerückte Nacht – Was heißt das? (Röm. 13, 12)

Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Lasst uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen!“

Röm.13,12

Autor: Karl Layer, aus seinem gleichnamigen Artikel bei GuH

Offensichtlich hat sich Jochen Klepper (1903–1942) von diesem Wort anregen lassen, sein wunderschönes Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ zu dichten. Ob dieses Wort auch bei Johann Christoph Blumhardt (1805–1880) mitgewirkt hat, den folgenden Satz zu prägen: „Ehe das Ende der Welt kommt, ist mit der Welt nichts anzufangen“?

Nun, das klingt ja eigenartig pessimistisch und ruft sofort bei allen Weltverbesserern Widerspruch hervor. Aber wir haben es immerhin mit dem Begriff „Nacht“ zu tun. Heißt das denn, alles tatenlos laufen zu lassen? Gewiss nicht. Aber es heißt, nüchtern die Weltlage einzuschätzen. Wir müssen natürlich schon fragen, wie Blumhardt zu einer solchen Aussage kommt. Darauf antworte ich kurz: durch das prophetische Wort der Bibel. Dazu rechnen wir auch das Wort aus Römer 13,12:

„Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen.“

Um das mit der „Nacht“ zu klären, nehmen wir noch ein Wort Jesu dazu:   „… es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“ Joh.9,4

Wenn wir das prophetische Wort der Bibel lesen, sehen wir am Ende eine Zuspitzung

1. Die Bibel kündigt eine Zuspitzung des Finsterniszustandes an.

Das kann man an zwei Begriffen festmachen:
Der erste Begriff heißt: Gesetzlichkeit = falsche Frömmigkeit

1. Tim. 4, 1-5:
1 Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden 2 durch die Heucheleivon Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind. 3 Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat, damit sie mit Danksagung gebraucht werden von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen. 4 Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung empfangen wird; 5 denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.

Der zweite Begriff heißt: Gesetzlosigkeit = sittlicher Verfall

2. Tim. 3,1-5:
1 Das aber sollst du wissen, daß in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. 2 Denn die Menschen werden sich selbst lieben, geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, 3 lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind, 4 Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; 5 dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab!

Wir sollten dankbar dafür sein, dass uns die Bibel diesen Ankündigungsdienst tut. Das hat einen gläubigen Zeitgenossen veranlasst, zu sagen: „Nur Mut, Brüder, es wird nicht besser!“

Wir erfahren eine Zunahme der Endzeitzeichen. Erleben wir eine Häufung der Katastrophen nur, weil die Medien fast überall präsent sind? Als ich einmal einen Kollegen auf die Zunahme der Erdbeben hinwies, reagierte er ablehnend: „Ach was, das kommt daher, dass es heute mehr Seismografen gibt.“ Ich sagte darauf: „Dann hat eben das prophetische Wort der Bibel dies auch vorausgesehen!“
Die Zunahme der Endzeitzeichen nicht wahrnehmen zu wollen, ist fahrlässig. Es sind doch Warnzeichen Gottes! Deren Zunahme bedeutet auch Häufung der Verführungsgefahren. Wie oft vernimmt der aufmerksame Bibelleser in den prophetischen Reden Jesu das Warnwort: „Seht zu, dass euch nicht jemand verführe!“

Der Endpunkt dieser Nachtentwicklung ist eine von Satan beherrschte Welt. Offenbarung 13 kündigt eine politische, wirtschaftliche, religiöse Einheit an. Das wird Wirklichkeit!
Wer ist denn der Treiber bei der heutigen „Fusionitis“, wenn man meint, die Probleme nur noch durch Zusammenschlüsse lösen zu können? Da sprechen wir unbekümmert vom Zeitgeist, als ob dieser harmlos wäre. Wer ist denn dieser „Geist, der sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens“ (Eph.2,2)? Es ist der von Satan gesteuerte Geist von unten!

2. Wir leben an der Grenze zwischen vorgerückter Nacht und genahtem Tag.

Vorgerückt heißt: Die Nacht ist bald vorbei! Dabei ist das Wörtlein „bald“ interessant. Kann das stimmen, nachdem Paulus diesen Satz bereits vor 2000 Jahren geschrieben hat? „Bald“ bedeutet doch für uns morgen, übermorgen, nächste Woche! Immer wieder hat man Paulus und den ersten Christen eine enttäuschte Naherwartung zuschreiben wollen, deren sie erlegen seien. Dabei gehört das Warten und Erwarten zu allen Zeiten zu einem lebendigen Christsein. Vielleicht hilft uns die Grundbedeutung von „bald“ zu einem besseren Verständnis. Bald, das heißt plötzlich, schnell, überraschend. Es betrifft also gar nicht unser schwankendes Zeitempfinden von lang oder kurz.

Vielleicht hilft uns auch die Tatsache, dass eine Grenze immer zwei Ausdehnungen hat. Sie ist einerseits kilometerlang. Es kann aber auch nur ein Schritt sein, mit dem man eine Grenze überschreitet. Lang – das wären dann die 2000 Jahre. Kurz – das ist dann der Augenblick. Bei uns Christen ist dies in der Tat so; denn wir leben ja im Feindesland. Warten auf den Tag ohne Wachen gelingt deshalb nicht. Wach bleiben wir am besten, wenn wir die Zeit für den Herrn Jesus auskaufen, das heißt Ihm dienen.

Ich habe ein schockierendes, aber wahres Wort gelesen: „Wer Christus nicht dient, der wird vom Teufel beschäftigt.“ Wollen wir das? Weil wir das gewiss nicht wollen, will ich ein paar positive Dienstanweisungen geben:

Wir können und sollen:

  •  als Erleuchtete leuchten  = als Lichter in der Nacht scheinen
  • als Gerettete retten          = die anderen nicht einfach laufen lassen
  •  als Geliebte lieben         = Liebe in die Welt hineintragen
  • als Gesegnete segnen    = die anderen in den Segensbereich Gottes bringen.

Diese allgemeinen Grundregeln gilt es praktisch umzusetzen. Gelegenheit haben wir dazu jeden Tag.

3. Der Abschluss der Nachtzeit und der Anbruch des Tages stehen unmittelbar bevor.

Das ist eine kühne Behauptung zum Thema „bald“. Jetzt sagen wir „unmittelbar“. Unser Textwort sagt hierfür „nahe“. Wieso können wir das sagen, ohne dass uns der Vorwurf der Selbsttäuschung oder der Panikmache treffen muss?

Bedenken wir dabei immer, dass unser Zeitempfinden relativ und deshalb nicht verlässlich ist: Im Alter ist ein Jahr kurz, im Kindesalter sehr lang. Deshalb binden wir die drei Begriffe „nahe“, „bald“, „unmittelbar“ an einen festen Punkt und – das ist das Endzeitzeichen Israel.

Das Endzeitzeichen „Israel“ ist seit 1948 weltweit gegenwärtig. Eigentlich genügt dieses eine Zeichen. Um es als Endzeitzeichen bewerten zu können, braucht es eine Gesamtschau des prophetischen Wortes. Man braucht nur die vielen Verheißungen im Alten Testament zur Sammlung und Wiederherstellung Israels ernst nehmen, um zu dieser Behauptung zu kommen. Wer sich mit der Vorgeschichte zur Staatwerdung Israels beschäftigt, kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie sich da Wunder an Wunder reiht. Erst recht, was seine Erhaltung bis heute betrifft. Die geistliche Erneuerung ist verheißen – steht aber noch aus.

Wir rechnen nüchtern mit einem Zeitablauf. Das Endziel unserer Errettung ist heute näher als gestern. Wir müssen dabei nicht in Endzeithysterie oder Berechnungsspiele verfallen. Leider ist dies immer wieder geschehen und hat vielen das prophetische Wort der Bibel unglaubwürdig gemacht. Nüchternheit ist das Gebot der Stunde, weil fromme Verführung die Gefahr der Stunde ist! Ich las von einer Sekte in Uganda, die in den Tod geht, weil Jesu Wiederkunft nahe bevorsteht. Das ist Schwärmerei pur und absolut nicht nachahmenswert. Damit macht man dem Herrn Jesus keine Ehre.

4. Wer Christus gehört, erwartet Seinen Tag.

„Das war sein Tag“, sagen wir manchmal, wenn sich ein Sportler im Augenblick seines Einsatzes zur Höchstform steigerte. Wenn wir auf den „Tag Jesu Christi“ warten, dann ist dies Sein Tag! Dabei wird Er zeigen, was Er als Welterlöser vollbracht hat und was für eine Machtentfaltung Ihm zu Gebote steht. Dieser Tag ist natürlich nicht mit einem 24-Stunden-Tag gleichzusetzen, auch nicht mit einem Wochentag – obwohl Sein Eingreifen in den jetzigen Zeitablauf geschieht.
Das kann ein Augenblick sein (siehe 1.Kor.15,52; alte Übersetzung: „in einem Nu“) oder 1000 Jahre umfassen (Offb.20,4), wenn wir an Seine Regierungszeit im gekommenen Reich Gottes denken. Immer wird Er zeigen, was Er kann!

Bei dem Begriff „Tag“ finden wir in der Bibel zwei Ausdrücke, die sich auf die Machtoffenbarung Christi beziehen:

Der Tag Jesu Christi – Vor allem in den Paulusbriefen wird dieser Ausdruck in Verbindung mit der Gemeinde Jesu Christi gebraucht. Klassisch ist die Formulierung „der Tag wird es klar machen“ von 1.Korinther 3,13. Es geht um die Auferstehung der „Toten in Christus“ und um die Leibesverwandlung der „Lebenden in Christus“ (auch Entrückung genannt). Jesus kommt zu den Seinen und vereinigt Sich mit ihnen. Hier geht es um das Aufgehen des Morgensterns, der noch im Morgengrauen leuchtet, bevor der volle Tag mit dem Sonnenaufgang anbricht. Dieser Tagesanbruch ist nahe herbeigekommen.

Die andere Formulierung lautet:

Der Tag des Herrn – Das ist der Ausdruck, den die alttestamentlichen Propheten verwenden, wenn sie den Gerichts- und Rettungstag für Israel ankündigen. Es ist das Aufgehen der Sonne über der Finsternis der Welt.

Jesaja sagt es klar. „Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“Jes.60,1

Ausdrücklich wird Israel angesprochen. Nun kommt Jesus mit den Seinen, das heißt mit Seiner Gemeinde zu Israel, dessen Erwählung durch Gott nie aufgehoben wurde. Jetzt erscheint sichtbar der Messiaskönig zur Errichtung des Reiches für Israel, das das Zentrum des Reiches Gottes wird. Die Staatwerdung Israels 1948 ist hierfür nur das vorbereitende Vorspiel.

Schluss

Wenn wir uns die vier Leitsätze noch einmal vergegenwärtigen, stellen wir uns zum Schluss die Frage: „Können wir fest damit rechnen?“
Antwort: Es ist Gottes Wort, das uns als gewisses Hoffnungswort gegeben ist. Es gibt auch ein heidnisches „Hoffnungswort“. Es stammt von dem griechischen Philosophen Plato, der 347 vor Christus gestorben ist. Er sagte: „Wir wollen auf einen warten, sei es ein Gott oder ein gottbegeisterter Mensch, der uns unsere religiösen Pflichten lehrt und die Dunkelheit von unseren Augen nimmt.“ Warten auf irgendeinen?
Gott sei Dank: nein! Wir warten auf den, der gekommen ist und wiederkommen wird, dessen Tag Seiner sichtbaren Machtergreifung nahe gerückt ist: Jesus Christus!