Von den letzten Dingen (Hiob 29, 24)

1 Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut und was unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens 2 – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns erschienen ist –, 3 was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. 4 Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei. 5 Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. 6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; 7 wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. 8 Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.

1 Joh. 1, 1-8

14 Wir ermahnen euch aber, Brüder: Verwarnt die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen jedermann! 15 Seht darauf, daß niemand Böses mit Bösem vergilt, sondern trachtet allezeit nach dem Guten, sowohl untereinander als auch gegenüber jedermann!
16 Freut euch allezeit!
17 Betet ohne Unterlaß!
18 Seid in allem dankbar; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.
19 Den Geist dämpft nicht!
20 Die Weissagung verachtet nicht!
21 Prüft alles, das Gute behaltet!
22 Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt!

1. Thess. 5, 14-22

22 Auf mein Wort folgte kein Widerspruch, und meine Rede träufelte auf sie. 23 Sie harrten auf mich, wie auf einen Regen, und sperrten ihren Mund auf wie nach einem Spätregen. 24 Ich lächelte ihnen zu, wenn sie kein Zutrauen hatten, und das Licht meines Angesichts konnten sie nicht trüben. 25 Ich wählte für sie den Weg aus und saß an ihrer Spitze und thronte wie ein König inmitten seiner Schar, wie einer, der die Traurigen tröstet.

Hiob 29, 22-25

6 Und Sarah sprach: Gott hat mir ein Lachen bereitet; wer es hören wird, der wird mir zulachen!

1 Mose 21, 6

Autor: Gerd Heinz-Mohr, aus seinem vergriffenen Büchlein „Sermon, ob der Christ etwas zu lachen habe“, 4. Aufl. 1965

Warum ist die Traurigkeit eine Hauptsünde? Sie macht offenbar, dass es im tiefsten nicht stimmt zwischen mir und Gott. Sie ist müde Mutlosigkeit des Herzens, Hoffnungslosigkeit, ja, schlimmer, Absage an die Hoffnung. Sie traut Gott nicht zu, ‚dass er hält, was er verspricht. Sie traut Christus nicht zu, dass er derselbe ‚gestern, heute und in Ewigkeit ist, der ‚Erste und der Letzte. Sie will sich nicht zur Freiheit und Fröhlichkeit erlösen lassen.

Für ein Erdendasein, das nicht mit dem für uns auferstandenen Christus rechnet, ‚gilt das alte Wort: „Ich komm, weiß nit woher. .Ich geh, weiß nit wohin. Mich wundert, dass ich fröhlich bin.” Unsere Freude beruht darauf, dass wir wissen, wo wir zu Hause sind, und dass wir den kennen, der uns heimholt. Wir wissen, warum wir fröhlich sind. Fröhlich, mutig und geduldig.

Diese getroste Heiterkeit entspricht der «Dialekt des Glaubensvorgangs. .Sie übersicht nichts von den peinlich zu tragenden Irdischkeiten und nimmt ganz ernst, was diesen Äon mit Schuld und Abfall bestimmt, das Dasein in Gegensätzen, die Brüchigkeit, Leiden und Vergänglichkeit. Aber sie riskiert es, darüber hinaus zu sehen. Sie bejaht die Zukunft Gottes. Darum ist sie mitten in der Welt ein Zeichen für die Überwindung der Welt und leuchtet umso hell-er vor dem dunklen Hintergrund der Verlorenheit und Furcht.
Erst aus diesem Wagnis des Glaubens entspringt die Gelassenheit und damit der weite Atem auch angesichts des Todes.

Einer der alten Wüstenmönche lag, im Sterben. Trauervoll, weinend standen die Brüder um sein Lager. Da hat er die Augen auf und lachte mehrmals nacheinander. Betroffen fragten die Brüder: „Sprich, Vater, warum lachst du, während wir weinen?” Da antwortete er: „Ich habe gelacht, weil ihr den Tod fürchtet; ich habe gelacht, weil ich von großer Arbeit zur ewigen Ruhe gehe.” Mit diesen Worten schloss er die Augen und starb. Nur ein Herz, das daheim ist, hat wirklich gut lachen. „Lacht der finstern Erdenkluft, lacht des Todes und der Höllen . . .”

Die Frage, ob ein Christ etwas zu lach-en habe, entscheidet sich letztlich bei der rechten Vorstellung vom Tode. „Es geht beim Lachen des Christen wahrhaftig um die letzten Dinge, seine letzten Dinge und die letzten Dinge der Welt. Die Fröhlichkeit des Christen ist — wir wiesen schon darauf hin — eine eschatologische Tugend. Sie ist nicht ohne die Zeit, aber auch nicht ohne die Ewigkeit denkbar, die die Zeit umschließt. Der Glaube wird im Schauen aufgehoben sein; die Hoffnung erfüllt sich und endet, wenn Gott alle Tränen von unseren Augen abwischen und der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein wird.

3 Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. 4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Off. 21, 3-4.

Gottes gutes Lachen aber wird bleiben, Und dann wird unser Mund endgültig voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Beginnen kann und soll das schon hier, ein fröhliches, rühmendes Einverständnis mit der heilen Ordnung Gottes. Wer auf die Ruinen eines Weltreich-es blickt, wie sie etwa in Rom so anschaulich zutage treten, der lernt, was Vergänglichkeit ist und welche realistische Einsicht aus dem Wort spricht, das beim feierlichen Einzug jedes neuen Papstes in St. Peter gesprochen wird: Sic transit gloria mundi! So vergeht die Herrlichkeit der Welt! Wer aber dann hinabsteigt in die unabsehbaren Gänge der Katakomben und an den Grabnischen und Gruft: räumen vorbeiwandert, lesend “und schauend, was da geschrieben und gemalt ist, der lernt, was Zukunft ist. Dem dringt ein anderes Gloria entgegen: „Gloria in excelsis Deo! Ehre sei Gott in der Höhe!” Welche Atmosphäre der Gewissheit und Fröhlichkeit: die das schlichte christliche Grab ohne weitere kennzeichnende Inschrift „In Frieden!”; die Symbole für den Paradiesgarten, den Lebensbaum; der Hirsch an der Quelle; die Vogelbilder als ‘Gleichnis der erretteten Seelen; der Fisch, dessen griechische Bezeichnung Namen und Bedeutung Jesu umhüllt; der Gute Hirte; Jona, der dem Walfisch entsteigt; die Auferweckung des Lazarus; und vor allem: das Freudenmahl, dessen überaus häufige Abbildung zu  gleich die Bedeutung des Abendmahls Christi, die Freude der Gemeinschaft bei den Liebesmahlen der ersten Christen und die Vorausfreude auf das Abendmahl im Reich Gottes heraushebt. So viele Gleichnisse, so viele eschatologische Freude.

„Bekleide dich also mit der Fröhlichkeit!” Unser Lachen ist unser Ja zum Humanum, zur Geschöpflichkeit; unser Ja zur Widerfahrnis der großen Freude, der Menschwerdung Gottes für uns; unser Amen zum Kommen des Reiches, da Fried und Freude lacht, zum ewigen Gottes: lob. Jesu Wort ist unmissverständlich: „Solches rede ich zu euch, auf dass meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde.” Wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.

Der französische König Heinrich IV. befreite einmal auf der Reise nach Oberitalien einen Einsiedlermönch, der in die Hände der Soldateska geraten war, und sagte, er möge sich etwas wünschen. Darauf erwiderte der Mönch: „So wünsche ich, dass du freudig seiest jeden Tag!”  Der gleiche Wunsch soll diese Rede beschließen: Fröhlichkeit des Herzens an jedem Tag! An jedem Tag sagen können: Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein! Und wissen, heute schon täglich Wissen, dass wir auch zuletzt, am besten, lachen dürfen — Fröhlichkeit des Herzens an dem Zeitpunkt, von dem das letzte Buch der Bibel spricht: „Der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen. Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben!”

Seid fröhlich in Hoffnung, in Bedrängnis haltet stand, seid beharrlich im Gebet!

Römer 12,12

4 Freut euch im Herrn allezeit; abermals sage ich: Freut euch! 5 Eure Sanftmut lasst alle Menschen erfahren! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. 7 Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus! 8 Im übrigen, ihr Brüder, alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was wohllautend, was irgend eine Tugend oder etwas Lobenswertes ist, darauf seid bedacht! 9 Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut; und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Phil. 4, 4-8