Von den Elementen der Welt (Gal. 4, 1-11; Kol. 2, 8-10; 2. Petr. 3,10-13)

Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Knecht, obwohl er Herr ist von allem; sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist. So auch wir: Als wir Unmündige waren, waren wir geknechtet unter die Elemente der Welt; als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die, die unter Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen. Weil ihr aber Söhne seid, so hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater! Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott. Aber damals freilich, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind; jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber von Gott erkannt worden seid, wie wendet ihr euch wieder um zu den schwachen und armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt? Ihr beachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, dass ich etwa vergeblich an euch gearbeitet habe.

Gal 4,1-11

Gebt acht, dass nicht jemand da sei, der euch als Beute wegführt durch die Philosophie und durch eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid vollendet in ihm, der das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist;

Kol 2,8-10

Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an dem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brand werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt werden. Da nun dies alles aufgelöst wird, welche solltet ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit! – indem ihr erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, dessentwegen die Himmel, in Feuer geraten, werden aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden. Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.

2. Petr. 3,10-13

Autor: Adolf Heller, nach seinem gleichnamigen Artikel in GuH

Nach unseres Vaters unerforschlichen Rettungsgedanken sind in den Ablauf der Ewigkeiten Machte und Gewalten zwischengeschaltet, die oft eher negative als positive Dienste zu haben scheinen, d. h., die manchmal mehr hemmend und zerstörend als aufbauend und vollendend wirken. Zu diesen Kräften gehören auch die stoicheia, die Grundstoffe oder Elemente der Natur, die Anfangsgründe weltlicher und göttlicher Lehre.

Stoidieion bedeutet Buchstabe oder Grundstoff. Die Mehrzahl, stoicheid, in Verbindung mit Kosmos (Weltsystem) ist eine Bezeichnung für Elementargeister. Diese sind wohl gewisse Gruppen von Engelmächten, durch deren Vermittlung das Gesetz gegeben wurde. Das scheint aus einer Anzahl von Schrift zusammenhängen hervorzugehen. Vielleicht wird uns das am besten klar, wenn wir bedenken, wie das Wort stoicheo = wandeln in Apg. 21, 23. 24 gebraucht wird. Dort lesen wir: „Tue dieses, was wir dir sagen: Wir haben vier Männer, die ein Gelübde auf sich genommen haben. Diese nimm zu dir und reinige dich mit ihnen und trage die Kosten für sie, damit sie das Haupt scheren lassen, und alle werden erkennen, dass nichts an dem ist, wessen sie über dich berichtet sind, sondern dass du selbst auch in der Beobachtung des Gesetzes wandelst.“ Das letzte Wort, stoicheo heißt: in einer Reihe nebeneinander oder hintereinander hergehen; bedeutet aber auch: jemandes Beispiel folgen oder ihm nachahmen. In diesem Sinn wird es in Römer 4, 12 von Abraham und allen Gläubigen gebraucht. Eine weitere Bedeutung ist: nach einer gewissen Norm oder Vorschrift seinen Lebenswandel einrichten (Gal. 5, 25; 6, 16; Phil. 3, 16).

Stoicheia sind also Anfangslehren, Grundnormen und Regeln. Tiefer gesehen sind es Elementargeister, die irgendwie in den Ablauf des kosmischen Geschehens hemmend oder gestaltend eingreifen dürfen Fragen wir nun Gottes Wort, was es über diese Elemente lehrt! Zunächst schlagen wir Hebr. 5, 12 auf und lesen: „Da ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, bedürfet ihr wiederum, dass man euch lehre, welches die Elemente des Anfangs der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die der Milch bedürfen und nicht der festen Speise.“ Der Vorwurf, der hier den gläubig gewordenen Priestern in Jerusalem gemacht wird, hat uns viel zu sagen. Diese Männer blieben immer in den gesetzlichen Anfangsgründen stecken, da sie im Hören träge waren (Vers 11 b). Sie waren hinsichtlich des Wortes der Wahrheit unerfahren und unmündig (Vers 13) und konnten Gutes und Böses noch nicht unterscheiden (Vers 14). Es handelt sich wohl um bewusstes Verharren im Gesetz, in dem ja so viele gefangen sind, ohne dass sie es wissen. Dazu kommt, dass die judenchristlichen Gemeinden neben dem Evangelium auch die Handhabung des Gesetzes festhielten, was für diese Gruppe von Gläubigen dem Willen Gottes zunächst durchaus entsprach. Dennoch werden diese Leser des Rundschreibens an die Hebräer ermahnt, das Wort des Anfangs zu lassen und fortzufahren zum vollen Wuchs oder zu den Vollkommenheitswahrheiten.

Buße und Glaube, Taufe und Handauflegung, Auferstehung und ewiges Gericht sollten nicht ausschließlich verkündigt werden, da sie zum „Wort des Anfangs“ zählen. Die Gemeinde sollte diese grundlegenden Dinge lassen (wörtlich: von sich abtun, hintenansetzen, verabschieden). Das bedeutet nicht, dass man es hier nicht mit wichtigen grundlegenden Wahrheiten zu tun hätte! Das ist durchaus der Fall. Aber es sind nur Grundlagen, Anfänge, Elemente. Es ist genau so, wie wenn man junge Männer auf der höheren Schule oder in der Universität nur im kleinen Einmaleins und im Lesen und Schreiben unterrichten wollte. Die Elemente der Zahlen und Buchstaben brauchen sie dauernd, aber sie bleiben darauf nicht stehen, sondern benützen sie auf einer höheren geistigen Ebene. Genau so verhält es sich mit den biblischen Wahrheiten. Was aber erlebt man in Kirchen und Freikirchen, Gemeinschaften und Bruderkreisen, wenn man über diese sechs Grundelemente der Verkündigung hinausgeht und zu den Fülle Wahrheiten fortschreiten will? Die Antwort möge sich jeder selber geben, dem je das Herz brannte, wenn Gott ihm solche Zeugnisse in den Geist prägte, wie wir sie in Eph. 1, 9; 3, 19; 1. Tim. 4, 10. 11 u. v. a. m. lesen und wie sie uns Richtschnur und Auftrag sind.

Bewusst festgehaltene Unmündigkeit ist etwas, was der Apostel scharf bekämpft. Lesen wir nur etwa Gal. 4, 1—3: „Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Knechte, wiewohl er Herr ist von allem; sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist. So auch wir, als wir Unmündige waren, als wir geknechtet waren unter die Elemente der Welt.“ Wie ernst klingt dieses „geknechtet unter die Elemente der Welt“! Man kann diesen Zustand über-wunden haben und dann wieder in ihn zurückfallen. Das ersehen wir aus dem 9.—11. Vers: „Jetzt, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber von Gott erkannt worden seid, wie wendet ihr wieder um zu den schwachen und armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre! Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe/‘ Das Hineinwachsen in die göttlichen Fülle- und Zielwahrheiten der Schrift ist also durchaus keine Liebhaberei einiger Sonderlinge; es bewegte schon das Herz des Apostels Paulus.

Bereits den Korinthern musste er den Vorwurf machen, dass sie Unmündige seien, die nur die Milch, d. h. die Anfangsgründe biblischer Lehre zu fassen vermochten (1. Kor. 3, 1—3). Wäre sein Vorwurf heute nicht noch viel mehr angebracht? Was wird das einmal geben vor Christi Preisrichterbühne, wenn die geschmähten und verleumdeten Zeugen und Märtyrer der Füllewahrheiten ihren frommen Gegnern und Verfolgern gegenübergestellt werden! Auf welcher Seite werden wohl du und ich stehen?

Nach den beiden wichtigen Zeugnissen von Gal. 4 wollen wir noch je zwei Schriftzusammenhänge aus Kol. 2 und 2. Petri 3 betrachten, die uns etwas zu sagen haben über die stoicheia, die Anfangsnormen, Grundregeln oder Elementargeister.

Vernehmen wir zunächst die eindringliche Warnung von Kol. 2, 8: „Sehet zu, dass nicht jemand sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und durch eitlen Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christo.“ Der Apostel schreibt hier von einem Hinweggeführtwerden als Kampfbeute oder als Kriegsgefangene! Drastisch und plastisch übersetzt Theobald Dächsel: „Gebt recht acht, dass euch niemand wegkapern möge mit Hilfe von Weltweisheit und nichtiger Betrügerei in Sachen von religiösen Vorschriften und menschlicher Mache, die auf Natur dinge und nicht auf den Messias hinauslaufen!“ Sehr fein sagt die französische SegondBibel: „Gebet acht, dass niemand euch als Beute ergreife durch Philosophie und eitle Täuscherei, indem er sich auf die Tradition (Überlieferung) der Menschen stützt, auf die Rudimente (Grunderkenntnisse, Anfangsgründe) der Welt anstatt auf Christus.“ Der folgende Vers ist kennzeichnend: „Denn in ihm (d. i. in Christo) wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig!“ Es handelt sich also darum, dass das Vollmaß oder die Fülle Gottes erkannt und ergriffen werden sollen. Dass im Gesetz und in den natürlichen Ordnungen dieser Zeit und Welt vieles edel, gut und göttlich ist, gewissermaßen einen Rest vom Paradies darstellt, wird wohl niemand bezweifeln. Wir sind aber für Gott und den ganzen Reichtum seiner selbst ins Dasein gerufen. Und darum sind wir auch verordnet oder ins Leben gestellt für Gottes eigne Herrlichkeit.

Wer das freilich ablehnt und genug hat an dem, was diese verfinsterte, gefallene Welt bietet, mit dem soll man nicht streiten. Er steht eben noch im Bann der stoicheia, der Elementargeister, die uns von der Fülle des Vaters abhalten wollen. Und solcher gibt es viel, viel mehr, als man glauben sollte. Wer durch die Verkündigung der Füllebotschaft des glückseligen Gottes etwas davon erlebt und erlitten hat, wird das bewegt zugeben.

Wie sollen wir uns nun zu den stoidieia, den Grundregeln und Elementen der natürlichen und göttlichen Welt, einstellen? Der 20. Vers unsres Kapitels gibt uns die Antwort: „. . . mit Christo hinweg von den Elementen der Welt gestorben sein . . .“ Wir sollen den „Naturmächten des Weltalls“ (Dächsel), den „dürftigen Anfangsgründen“ (L. Reinhardt), den „Weltelementen“ (Dr. Rösch) absterben. Absterben bedeutet aber nicht nur seelische und geistige, sondern vielmehr geistliche Überwindung! Und diese vollzieht sich nie ohne Demütigungen, Einsamkeiten und Schmerzen.

Es ist viel leichter und einfacher, frisch-fromm-fröhlich-frei in den von den Vorvätern her gewohnten Geleisen „in einer Linie hintereinander herzugehen“ (denn das bedeutet, wie wir sahen, stoicheo!), als sich von einer Klarheit zur ändern führen zu lassen (2. Kor. 3, 18), von Fass zu Fass geschüttet zu werden (Jer. 48, 11). Es ist durchaus kein Lob, das im nächsten Vers dafür gegeben wird, wenn Gott feststellt, dass Moabs Geschmack ihm geblieben ist und sein Geruch sich nicht geändert hat (Jer. 48, 12).

Jede Heils- und Herrlichkeitserkenntnis, die nicht, von Gott aus gesehen, eine Offenbarung und, von uns aus betrachtet, ein Demütigungs- und Sterbensweg ist, taugt nicht viel. Jeder Durchbruch in eine höhere Sphäre des Glaubens bedeutet Vereinsamung, ist ein Absterben von dem Vorhergehenden.

Das ist schon im Irdischen so! Wenn das Kind noch unter dem Herzen der Mutter ruht und beide völlig eines sind, ist das Verhältnis beider völlig ungetrübt. Mit dem Geburtsakt und den damit verbundenen Wehen und Gefahren wird die Lage, zunächst nach außen hin, kritisch. Und mit der Erziehung und dem allmählichen Loslösen des Kindes von Mutter und Elternhaus sind immer Spannungen und Schmerzen verbunden. Nur sind in diesen Naturprozessen Tiere meist viel vernünftiger als wir verblendeten, selbstsüchtigen und seelisch missbildeten Menschen.

Halten wir fest: Die Grundnormen und Anfangsregeln alles Lebens, auch des geistlich-göttlichen, sind notwendig. Aber wir dürfen nicht darin verhaftet bleiben! Denn wir sollen „zur ganzen Gottesfülle erfüllt“ werden (Eph. 3, 19). Geistesmächte der Engel weiten wollen uns, z. T. sicherlich in bester Absicht, davon abhalten. Ihnen gilt es abzusterben. Das führt in viele Schmerzen und manches Herzweh. Aber es kann niemand erspart bleiben. Unser ganzes Leben läuft eben durch Geburtsprozesse und Wehen hindurch (Gal. 4, 19).

Das gilt nicht nur für unsere persönliche Glaubensexistenz, sondern, um nur eine Wahrheit aus dem naturhaften Leben herauszugreifen, auch für die zweite Volk wer düng Israels in der Endzeit. Darum sagt der Herr in Matth. 24, wenn er von den Kriegen und Revolutionen in der Völkerwelt spricht, die ernsten Worte: „Alles dieses ist erst der Anfang der Wehen“ (Vers 8). Jedes neue und gesunde Leben wird nur aus Wehen geboren. Das gilt es zu erfassen und willig zu bejahen. —

Schlagen wir noch zwei Worte aus 2. Petri 3 nach, den 10. und den 12. Vers. Sie lauten: „Es wird der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden

Erwartet und beschleunigt die Ankunft des Tages Gottes, dessentwegen die Himmel, in Feuer geraten, werden aufgelöst und die Elemente im Brande zerschmelzen werden.“ Nach dem ersten Wort werden die stoicheia am Tage des Herrn aufgelöst. Die Himmel werden vergehen oder zerfließen. Die Elemente jedoch werden weggetan, aufgehoben oder beseitigt. Nach dem 12. Vers werden die stoicheia verschmachten oder vor Gram vergehen, hinschwinden, vermodern oder zerschmelzen.

Diese Zeugnisse lassen uns erkennen, dass stoidieia nicht nur philosophische Begriffe sind, sondern zutiefst Mächte, Wesen, Geister. Ihre Abschaffung bedeutet die Einführung der sichtbaren Königsherrschaft Christi. Wir ersehen daraus, dass die stoicheia nicht nur in einem gewissen Gegensatz zu den paulinischen Füllewahrheiten vom Leib Christi und der Versöhnung der Welt stehen, sondern auch zu der Königreichsbotschaft, wie sie Israel gegeben ist.

Vielleicht leuchtet uns jetzt das Wort in Hebr. 2, 5 in hellerem Lichte auf: „Nicht Engeln (Boten oder Beauftragten) hat er (d. i. Gott) unterworfen (oder unterstellt) den zukünftigen bewohnten Weltkreis.“ Das heißt, dass die gegenwärtige oikumene, also alles, was in der Schöpfung irgendwie bewohnt ist, Engeln unterstellt ist. Dass die Herrschaft dieser Wesen und Gewalten nicht nur eine rein geistige ist, sondern sich in furchtbaren Entladungen von Kriegen und Revolutionen, Gewalttaten, Schrecken und Verbrechen auswirkt, Erdbeben und Überschwemmungen, Hungersnöte und Seuchen herbeiführt, weiß jeder, der offnen Auges in die Welt schaut oder, was dazu gehört, bzw. noch weit besser ist, seine Bibel kennt.

Wie aber stellt es Gott an, um diese stoicheia zu entmachten? Wie erledigt er sie und setzt sie auf die Seite, damit die ersehnte Königsherrschaft seines Sohnes komme? Er hält einfach seinen Atem zurück! So lesen  wir z. B. in Hiob 34, 14. 15: „Wenn er (nämlich Gott) sein Herz nur auf sich selbst richtete, seinen Geist und seinen Odem an sich zurückzöge, so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden und der Mensch zum Staube zurückkehren.“

Das bestätigt der Herr durch Paulus in Apg. 17, 24. 25, wenn dieser sagt: „Der

Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, dieser, indem er der Herr des Himmels und der Erde ist, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, noch wird er von Menschenhänden bedient, als wenn er noch etwas bedürfe, da er selbst allen Leben, Odem und das All gibt.’* Doch nicht nur Menschen leben durch den Odem Gottes, haben in ihm Kraft und Dasein, Sinn und Verstand; — in der Endzeit gibt er, um das Sündenmaß Satans und der ihm Geweihten voll werden zu lassen, „dem Bilde des Tieres (d. h. des Verbündeten des Antichristen) Odem (oder Geist), auf dass das Bild des Tieres redet und bewirkt, dass alle getötet werden, die das Bild des Tieres nicht anbeten. Und er bringt alle dahin, die Hohen und die Geringen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Knechte, dass sie ein Malzeichen annehmen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, und dass niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens“ (Offb. 13, 13. 17).

Hier haben wir den letzten großen Versuch Satans, die jetzige Welt des Fluches in ihrem gegenwärtigen Zustand zu halten und auf seinem eigenwilligen Hochmuts weg zu verbessern und zu erneuern. Da entfalten sich noch einmal alle kosmischen Mächte und Gewalten, z. T. in frommem Gewande, sodaß selbst die Auserwählten verführt zu werden drohen. Wir dürfen uns die antichristliche Endzeit durchaus nicht als ein chaotisches Drunter und Drüber vorstellen. Das wird sie gewiss einmal werden, denn dort muss sie nach innewohnenden Gesetzen letztlich münden. Aber zunächst ist sie ein raffiniertes, blendendes Täuschungsmanöver, das die ganze Welt bezaubert.

Ähnlich ist es ja in allen irdischen Bezirken, die, von Gott gelöst, eigne Wege gehen, ob es sich um Kunst und Wissenschaft, um Politik und Weltanschauung, um Wirtschaft und Welteinheit handelt. Alles beginnt als verführerisches Blendwerk und endet im totalen Zusammenbruch. Haben wir nicht etwas davon erlebt und erleben es im Großen wie im Kleinen immer wieder? —

Gott haucht! Und was geschieht? „Durch seinen Hauch wird der Himmel heiter!“ (Hiob 26, 13.) Dass damit nicht nur das Verwehen von Wolken gemeint sein kann, geht aus dem zweiten Teil dieses Verses hervor, der uns berichtet: „Seine Hand durchbohrt den flüchtigen Drachen.“ Dass dieser Drache letztlich der Feind ist, wissen wir aus dem Schriftganzen.

Was hinsichtlich der Schöpfung gilt („Durch des Herrn Wort sind die Himmel gemacht und all ihr Heer durch den Hauch seines Mundes“: Ps. 33, 6), das gilt auch bezüglich der Auflösung und Beseitigung all der Wesen und Gewalten, die als unbewusste Werkzeuge Gottes nur für kurze Zeit ihre Verderbensaufgaben ausrichten dürfen. Darum lesen wir in 2. Thess. 2, 8 von dem Antichristen, dem fleischgewordenen Satan, dass der Herr Jesus ihn verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft. das deckt sich ganz mit der großen Satanologie in Hiob 15, deren 30. Vers lautet: „Er (d. i. der Gesetzlose) muss weichen durch den Hauch seines (d. i. des Herrn) Mundes.“ —

Wir sehen staunend, wie tief und gewaltig, alles menschliche Denken weit überragend, die biblische Schau vom Wesen der Dinge ist. Das Wort Gottes gibt uns durchaus kein lückenloses Schema über Mächte und Gewalten und ihr bewusstes und unbewusstes Hinein wirken in den Ablauf alles kosmischen Geschehens. Es lässt uns aber in heiliger Ehrfurcht erschauern und zeugt und gebiert in uns Glauben und Vertrauen, Hingabe und Treue zu dem großen, wunderbaren Vatergott, der zutiefst nur Liebe ist und sein Heil und seine Herrlichkeit allem, was er erschaffen, zu geben gewillt und befähigt ist. Er sei hochgepriesen in Christo Jesu, unserm Herrn und Haupt!