Verwesliche und unverwesliche Leiblichkeit (1. Kor. 15, 42-44)

42 So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Es wird gesät in Verweslichkeit und auferweckt in Unverweslichkeit; 43 es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferweckt in Kraft; 44 es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib

1. Kor. 15, 42-44

Autor: Prof. E.F. Ströter, aus seinem Buch “Der Fürst des Lebens muss einst alles erben.”

In diesen Worten des Apostels Paulus sehen wir sehr anschaulich und einleuchtend die großen Gegensätze zwischen der Leiblichkeit, die (im Tode) gesät wird, und derjenigen, die auferstehen soll.

Zuvor aber stellen wir fest, dass der einfache Wortlaut keinen Zweifel darüber aufkommen lässt, dass das, was gesät wird, auch auferstehen soll und wird. Hier ist kein Raum für die beliebte Annahme, dass es für den ins Grab oder in die Gluten des Krematoriums hinabgelassenen toten Körper nie mehr eine Verwendung geben könne und werde.

Das erste Gegensatzpaar heißt; verweslich und unverweslich. Nichts ist leichter zu verstehen, so unbegreiflich uns auch das göttliche Verfahren erscheinen mag, unsere leibliche Stofflichkeit so radikal umzuwandeln. Seit Jahrtausenden ist die Menschheit rat- und hilflos an den Rand des Grabes getreten und hat ungezählte geliebte Menschenleiber der unaufhaltsamen Verwesung überlassen müssen. Gewiss, man hat schon vor Jahrtausenden in Ägypten das Gerüst und Gehäuse des wunderbaren Menschenleibes durch Einbalsamierung vor der so entsetzlichen Verwesung zu schützen gewusst. Aber ist eine Mumie ein entsprechender Ersatz, so dass man sie bei sich im Hause oder im Zimmer haben möchte? Gottes Verfahren lautet anders: „Und wird auferstehen unverweslich.” Wieder haben es die Alten verstanden, ihre Gedanken und Erlasse, ihr Wissen und Können auf tönernen Täfelchen unversehrt bis auf unsere Tage zu überliefern. Der Zahn der Zeit hat sie weder vergilben noch zermürben können. Aber unverweslich ist doch noch etwas anderes als starr und tot und gefühllos, wenn auch wunderbar haltbar. Ein lebendiger Organismus, dem der Tod in keinerlei Gestalt jemals mehr nahen kann, der keinem Verfall, keinem Welken und Hinsiechen je wieder ausgesetzt sein wird. Das kann nur unser Gott wirken.

Gesät in Unehre, auferstehen in Herrlichkeit. Es ist ja doch eine namenlose Schmach, dass das wunderbarste Gebilde, das wohl je aus des großen Schöpfers Hand hervorgegangen, der Mensch, aus dem Staube der Erde gebaut und geformt, zu einem Gegenstand unbeschreiblichen Grauens und Entsetzens wird, den man nach wenigen Tagen, trotz allem tiefen Weh darob, schleunigst aus dem Gesichtskreis entfernen muss, den Würmern zur Speise. Und eben dieses Gebilde soll auferstehen in Herrlichkeit. Es ist kaum zu fassen. Doch die Schrift sagt klar: „welcher den Leib unserer Niedrigkeit verwandeln wird in Übereinstimmung mit dem Leibe Seiner Herrlichkeit” (Phil. 3, 21).

Gesät in Schwachheit, auferstehen in Kraft, Gestern noch ein Hüne an Gestalt und Wuchs, ein Riese an Körperkräften und Ausdauer, der allen Feinden Trotz bieten konnte, und morgen hilfloser als ein Neugeborener, als ein Würmlein im Staube. Und auferstehen in Kraft? In wessen Kraft? Des Allmächtigen, des allein Gewaltigen, der Himmel und Erde gemacht hat, der alle Dinge trägt mit dem Wort Seiner Macht, der große Wunder tut, und ist niemand, der tun könnte wie Er. Der dem Sohne alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden und Ihm alles unterworfen. In Seiner unerschaffenen, unerschöpflichen Kraft sollen sie auferstehen, um nie mehr zu ermüden, nie zu erlahmen, nie zu wanken noch zu weichen angesichts aller erdenklichen Gegenkräfte oder -mächte. Das ist Gottes Ziel mit denen, die Er aus dem Staube ruft. O ein wunderbarer Gott! Gesät ein seelischer Leib, auferstehen ein geistlicher Leib. Der letzte Ausdruck kann leicht dahin missdeutet werden, dass es sich um eine geisthafte, unstoffliche Körperlichkeit handeln könnte. Um dieser Missdeutung entgegenzutreten, brauchen wir nur zu fragen, was ein seelischer Leib sei, wie wir ihn nach den Worten des Apostels in der Gegenwart an uns tragen. Das ist nicht etwa ein Leib, der aus lauter Seele besteht, sondern eine Leiblichkeit, deren Lebensbestand in der sogenannten Seele liegt, deren Träger der wunderbare rote Saft ist, Blut genannt. Unsere Seele liegt im Blute, lehrt die Schrift mit Nachdruck von Anfang an (3. Mose 17, 11; 5. Mose 12, 23). Am Kreuz hat unser Herr und Heiland Sein Leben, das ist Seine Seele für uns ausgeschüttet (Ps. 22, 15). So ist nun ein geistlicher Leib ein solcher, dessen Lebensbestand nicht länger im Blute ist, sondern allein in dem lebendig machenden Geiste, der unmittelbar alle körperlichen Funktionen unterhält, nährt, beherrscht und sich völlig Untertan macht, also dass meine Leiblichkeit nun nicht mehr das geringste Hindernis, nicht mehr die leichteste Fessel bedeutet für alle Bewegungen und Unternehmungen meines erlösten Geistes, vielmehr das willigste und gefügigste und entsprechende Organ ist zur vollendeten Ausführung alles dessen, was mein Geist bestimmt und bezweckt.