Segnungen inmitten der Himmelswelten (Eph. 1,3)

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen [Regionen] in Christus, 4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe. 5 Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen nach dem Reichtum seiner Gnade, 8 die er uns überströmend widerfahren ließ in aller Weisheit und Einsicht. 9 Er hat uns das Geheimnis seines Willens bekanntgemacht, entsprechend dem [Ratschluß], den er nach seinem Wohlgefallen gefaßt hat in ihm, 10 zur Ausführung in der Fülle der Zeiten: alles unter einem Haupt zusammenzufassen in dem Christus, sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist 11 – in ihm, in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluß seines Willens, 12 damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit dienten, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben.13 In ihm seid auch ihr, nachdem ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eurer Errettung, gehört habt – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung, 14 der das Unterpfandunseres Erbes ist bis zur Erlösung des Eigentums, zum Lob seiner Herrlichkeit.

Eph. 1, 3-14

Autor: Adolf Heller – auszugsweise aus seinem Artikel “Suchet was droben ist

Wenn uns der Apostel Paulus auffordert, das zu suchen und auf das zu sinnen, was droben ist, so denkt er ohne Zweifel an die Heilsgüter und Herrlichkeiten, die uns, der Gemeinde des Leibes des Christus, von Gott gegeben sind. So wichtig und köstlich auch die Sachen und Dinge sein mögen, die wir seither betrachtet haben, so bilden sie dennoch nicht in erster Linie unser eigentliches Losteil oder Erbe. Darum wollen wir nocheiniges betrachten, was uns, der Gemeinde der Jetztzeit, wesentlich und im eigentlichen Sinne gilt.

In Eph. 1, 3 dankt der inspirierte Apostel dafür, daß uns Segnungen in himmlischen Örtern oder inmitten der Himmelswelten gegeben sind. Ob wir den hier gebrauchten Ausdruck „en tois epouraniois“ als Ortsbestimmung oder alsArtbestimmung auffassen, – auf alle Fälle bestehen unsre Segnungen in himmlischen Gütern, wie Luther übersetzt, und sind auch, örtlich gesehen, an die Himmelswelten gebunden. Von Vers 4 ab wird uns eine Reihe von Segnungen “inmitten der Überhimmlischen“ aufgezählt:

1.     Auserwählung in Christo vor Grundlegung der Welt.

2.     Zuvorbestimmung zur Sohnschaft durch Jesum Christum für Gott selbst.

3.     Loskauf durch das Blut Jesu Christi.

4.     Losgelassenseinvon Übertretungen.

5.     Überströmende Gnade in Weisheit und Einsicht.

6.     Erkenntnis des geheimen Gotteswillens für die Verwaltung der Zeitenfülle.

7.     Zuvorbestimmungentsprechend dem Vorsatz.

8.     Versiegelung mit dem Heiligen Geist der Verheißung.

9.     Innewohnung des Heiligen Geistes als Unterpfand des zukünftigen Erbes.

Das alles sind gar große und wunderbare Segnungen, von deren Vollumfang und Herrlichkeit nicht nur der natürliche Mensch, sondern auch das Kindlein in Christo nur wenig ahnt und weiß. Doch sind wir mit all diesen Segnungen begnadet, auch wenn wir uns dieser Tatsache kaum bewußt sind.

Hinsichtlich unsrer Auserwählung in Ihmdürfen wir wissen: Es gibt Segnungen und Ratschlüsse, die “von Grundlegung der Welt an“ beschlossen wurden (Matth. 13, 35; 25, 34; Hebr. 4, 3; 9, 26; Offb. 13, 8; 17, 8), und solche, die bereits “vor Grundlegung der Welt“ festgelegt waren (Joh. 17,24; Eph. 1, 4; 1. Petri 1, 20). Bei den ersteren handelt es sich um Israel, bei den letzteren hingegen um den Christus Gottes, zweimal um das Haupt und einmal um Seine Glieder (Eph. 1, 4).

Die Sohnschaft oder Sohneswürde für Gottselbst ist die zweite der Segnungen von Eph. 1, 3-14. Es gibt auch Söhne Gottes hinsichtlich der ganzen Schöpfung; es sind Engel und Engelfürsten (Hiob 1, 6; 2, 1; 38, 7 u. a. m.). Gottes erstgeborener Sohn im Blick auf die Völker ist Israel (2. Mose 4, 22); aber bezüglich des Vaters selbst stehen der Herr als das Haupt und die Gemeinde Seines Leibes, also Seine Glieder, in der ureigentlichen Sohnschaft der Zeugung.

Loskauf oder Freilösung ist Freigabe gegen ein Lösegeld und bezieht sich nach dem Zeugnis der Schrift nicht nur auf die Strafe für unsre Sünden und die dadurch bewirkte Rechtfertigung (Römer 3, 24), sondern auch auf den Eigentumswechsel (Eph. 1, 7. 14) sowie auf die Befreiung von allen menschlichen Hinfälligkeiten und Schwachheiten unsres Leibeslebens (Kol. 1, 14; Römer 8, 23).

Während der Loskauf auf der ein- für allemal vollbrachten Tat Christi am Kreuz beruht, ist der Grund unsres praktischen Losgelassenseins von der Sünde abhängig davon, wieweit wir dem Wirken des Heiligen Geistes Raum in unserm Herzen und Leben gewähren. Der Loskauf ist für alle der gleiche; das Losgelassensein aber, das wirkliche Freigewordensein von Übertretungen und “Betrugsmanövern“, wie das hier gebrauchte Wort am plastischsten verdeutscht werden kann, ist bei den Gläubigen sehr verschieden. Wer wüßte da nicht aus seinem eignen Leben und aus seinem Dienst viele köstliche, aber auch traurige Dinge zu erzählen?

Die uns geschenkte überströmende Gnadewirkt sich in der Jetztzeit nicht in erster Linie in Wundertaten, Macht- und Kraftentfaltungen sichtbarer Art aus, sondern vielmehr in göttlicher Weisheit und Einsicht.Diese sophia und phronesis, diese Gottesweisheit und Herzensgesinnung, ist heute viel wichtiger als alle noch so sehr in die Augen fallenden Gaben.

Die Verse 9 und 10 nennen ein Hochziel der göttlichen sophia, ein Geheimnis Seines Willens: das All emporzuhaupten in dem Christus, d.h. dem Christushaupt gleichzugestalten. Das sind gar gewaltige und wunderbare Dinge, die dem, dem sie erschlossen sind, tiefe und reiche Freuden, aber auch zugleich mancherlei Spannungen und Leiden eintragen. Wesenhafte Gnaden und Herrlichkeiten müssen immer von entsprechenden Belastungen und Leiden begleitet sein, damit sie uns nicht zur Gefahr werden. Wohl uns, wenn wir das im Glaubensgehorsam erfaßt haben und anbetend festhalten!

Die nächste Segnung inmitten der Überhimmlischen lesen wir im folgenden Vers 11. Da werden die Vorsatzlinie für die Gemeinde des Christusleibes und die Ratschlußlinie für das gesamte übrige All nebeneinandergestellt. Es ist so wichtig, daß wir einmal verstehen lernen, daß nichts ohne und gegen Gottes Willen geschieht im ganzen weltweiten Universum, daß es aber einen Ratschluß Seines Willens, einen Vorsatz Seines Willens und ein Wohlgefallen Seines Willens gibt. Erst in der Unterscheidung dieser drei Sphären des Gotteswillens lösen sich für uns so viele qualvolle Rätsel des eignen Lebens, der Völkerwelt und der gesamten Schöpfung.

Auch die Versiegelung mit dem Heiligen Geist ist eine köstliche geistliche Segnung, die von vielen nicht verstanden wird, obwohl die Schrift von mancherlei Versiegelungen (Bestätigungen oder Befestigungen), die wir als Vorbild und Abbild unsres Versiegeltseins betrachten dürfen, so klar und deutlich redet. Lesen wir nur einmal Joh. 6, 27; 1. Kor. 9,2; Eph. 1, 13; 4, 30 und 2.Tim. 2, 19 gründlich und betend nach! Da wird uns bewußt und lebendig, ob wir versiegelt sind oder nicht, durch wen die Versiegelung geschieht und worin sich die Echtheit des Versiegeltseins auswirkt.

Nach dem 14. Vers dieser Perlenschnur von Segnungen, wenn wir so sagen dürfen, die uns “inmitten der Überhimmlischen“ gegeben sind, ist der in uns wohnende Heilige Geist der Verheißung zugleich eine Anzahlung oder ein Angeld unsres zukünftigen Erbes oder Losteils, also dessen, wozu wir letztlich und eigentlich bestimmt und gesetzt sind. Alle diese Heilsgüter sind “droben, wo der Christus ist“. Ihnen wollen wir nachsinnen, uns mit ihnen beschäftigen. Denn allein dadurch werden wir gelöst von Welt und Fleisch und Sünde und werden des Wesens und Charakters Gottes teilhaftig. Kein Wunder, daß der Feind durch gottlose oder fromme Mittel versucht, uns davon abzuhalten!

Fürstentümer und Gewalten als Zuschauer

Was ist ferner droben hinsichtlich der Gemeinde des Christusleibes? Eph. 3, 10 bezeugt uns, daß Fürstentümern und Gewalten in den Himmelsregionen durch die Gemeinde die gar buntfarbige Weisheit Gottes kundgetan werden soll. Droben sind also, wenn wir in aller Demut so sagen dürfen, unsre Schüler, denen wir die mannigfaltige Weisheit Gottes darstellen.

Von großer Wichtigkeit ist in diesem Zusammenhang das unscheinbare Wörtlein “jetzt“. Gestern und heute und morgen bist du und bin ich ein Anschauungsgegenstand jener strahlenden Lichtsmächte, deren bloßer Anblick uns blenden und betäuben würde. Wie wenig sind wir uns in unsern Versuchungen und Nöten, in unsern Gewissenskämpfen und Glaubenssiegen bewußt, daß nicht nur unser Gott und Vater, nicht nur unser Herr und Haupt, sondern auch Urmächte und Ausführungsgewalten unsre Zeugen und Zuschauer sind.

Christus wurde von Gott zur Weisheit, zurGerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung gemacht (1. Kor. 1, 30). Die Himmelswelten sind noch bei der ersten Lektion: sie lernen die Weisheit Gottes. Da aber Christus “alles in allen“ werden wird, so müssen nicht nur wir, sondern auch die andern intelligenten Wesen des Weltenalls die verschiedenen gottverordneten Stufen durchlaufen. Die Gemeinde weiß etwas von der Gerechtigkeit Gottes, ja, sie soll und wird selber die Gerechtigkeit Gottes werden in Christo Jesu, wie uns in 2. Kor. 5,21 bezeugt ist. Auch in der Heiligung oder dem Geheiligtsein steht sie nach Gottes Plan und Willen, wie 1. Thess. 4, 3 darlegt. Und auf das vierte Stück, die Erlösung, wartet sie, wie in Römer 8, 23 geschrieben steht: “Wir seufzen in uns selbst, indem wir die Sohnschaft erwarten, des Leibes Erlösung.“ Wir sehen also, daß wir Christus kennen als unsre Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung, daß wir im dritten Stückstehen und das vierte seufzend ersehnen.

Ganz anders die Fürstentümer und Gewalten der Himmelsregionen! Sie sind noch bei Lektion 1 und lernen an uns die Weisheit Gottes. Diese lebendige Gewißheit, die uns viel stärker erfüllen sollte, gehört auch zu dem Sinnen und Suchen nach dem, was droben ist. Vergessen wir nicht, daß in erster Linie nicht unsre Umwelt, sondern die unsichtbare Überwelt an uns, der nach außen hin unbekannten oder verachteten Gemeinde, Anteil nimmt und die Weisheit Gottes lernt.

Das Bürgertum der Gemeinde

Was ist ferner droben in den Himmeln? Phil. 3, 20 sagt uns darüber: “Unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den Herrn Jesum Christum als Retter erwarten, der unsern Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leib der Herrlichkeit, gemäß der wirksamen Kraft, mit der Er vermag, auch das All sich untertan zu machen.“

Unsre politeuma, d.h. unsre politische Betätigung – Luther verdeutscht: unser Wandel – ist in den Himmeln. Das Gebiet, in dem wir Gläubige wirklichen Einfluß besitzen, ist nicht hier unten auf Erden, sondern droben. Nicht als ob wir vaterlandslose Gesellen wären, die ihre gottgegebenen Pflichten nicht erfüllen wollen! Im Gegenteil! Jemand, der weiß, daß er einmal für all sein Tun und Lassen Rechenschaft geben muß, wird doch ohne Zweifel viel treuer und gewissenhafter sein als einer, der sich einredet, nach dem Tode sei alles aus!

Aber die Erneuerung und endgültige Befriedung dieser leidgequälten Welt erwarten wir nichtvon Menschen und irdischen Maßnahmen, sondern von unserm wiederkommenden Herrn und Haupt. Und dieser Christus ist jetzt droben in den Himmeln, thronend zur Rechten der Majestät. An Ihn allein sind unsre Erwartungen geknüpft. Er ist der Bürge und Ausführer aller Gottesverheißungen und jeglicher Sehnsucht, die irgendein Geschöpf jemals hegte.

Und weil wir uns mit unserm verklärten Herrn eins wissen, mit Ihm so eng und wesenhaft verbunden sind wie das Haupt mit Seinen Gliedern, darum ist unser Bürgertum in den Himmeln, wo der Christus ist. In Ihm und durch Ihn sind auch wir zur Hauptstellung gegenüber jedem Fürstentum und jeder Gewalt gekommen (Kol. 2, 10). Das ist eine gar gewaltige Erhöhung in Christo, von der der natürliche Mensch nichts weiß und deren Größe und Würde ein Kindlein im Glauben kaum zu fassen wagt. Und doch bezeugt uns Gottes untrügliche Urkunde diese göttliche Wahrheit!

Mögen wir auch hier auf Erden als Narren und Toren um Christi willen gelten, als Auskehricht geachtet und für Schlachtschafe gehalten werden, denen es im tiefsten Grunde nicht anders geht als ihrem Herrn und Haupt, – im Plan und Vorsatz Gottes sind wir schon jetzt Himmelsbürger jener oberen Lichtswelt und nehmen dort in Christo den Ehrenplatz ein. –

Das in den Himmeln aufgehobene Hoffnungsgut

Kol. 1, 5 spricht von dem Hoffnungsgut, das für uns aufgehoben ist in den Himmeln. Dort oben liegt alles bereit, was wir benötigen, wenn wir unser Erbe antreten. Alles, was wir brauchen an Würde, Macht und Gewalt, ist dort aufbewahrt. Dort, in den himmlischen Vorratskammern und Arsenalen, liegt schon – im Bilde gesprochen – die goldene, schimmernde, überirdische Kräfte verleihende Rüstung, mit und in der wir auch den letzten Feind überwinden werden.

Die Hoffnung unsres Berufs erfüllt uns deshalb mit tiefer und heiliger Freude, weil die notwendigen Segnungen und Gnaden, in deren Kraft wir unsre zukünftigen Gerichts- und Rettungsaufgaben erfüllen werden, schon bereit liegen und nicht erst mühsam von uns verdient und erworben werden müssen. Die Hoffnungsgüter, die für uns aufgehoben sind in den Himmeln, beseligen unser Herz und lassen uns im Kampf gegen Fleisch und Blut, gegen Finsternismächte der Unterwelt, gegen Neid und Haß böser Menschen und falscher Brüder glaubend ausharren.

Auf eines dieser hohen Hoffnungsgüter weist 2. Tim. 4, 8 hin. Dort schreibt Paulus: “Fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tage; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die Seine Erscheinung liebhaben.” Kronengewißheit ist weit mehr als Heilsgewißheit. Das Heil besitzen alle, die glauben. Die Krone oder der Siegeskranz jedoch wird keineswegs allen unterschiedslos gegeben. Rettung gibt der Herr in Seiner Eigenschaft als gnädiger Erbarmer. Die Krone jedoch verleiht Er nach unserm Schriftwort als “gerechter Richter”. Das gilt es wohl zu beachten!

Welches ist der Maßstab, nach dem die Krone zugeteilt wird? Nicht Leistung, sondern Liebe ist das Entscheidende! “Alle, die Seine Erscheinung (oder Wiederkunft) lieben“, sollen den Siegeskranz erhalten. Selbst Jakobus, der Mann des Gesetzes, der ganz auf der Linie des Tuns läuft, sagt in seiner Seligpreisung im 12. Vers des ersten Kapitels seines Briefes, daß der Herr die Krone des Lebens denen verheißen hat, die Ihn lieben. Zum Lieben aber gehören weder Weisheit noch Macht, nicht Güter noch Gaben, sondern ein seinem Gott ganz hingegebenes Herz. Und das kann auch der Ärmste und Schwächste erlangen.

Droben ist unser Hoffnungsgut; droben liegen Kronen bereit für die, die den wiederkommenden Herrn lieben. Sinnen wir auf das, was droben ist? Suchen wir das, was in den Himmeln für uns aufbewahrt wird? Oder jagen wir nichtigen Schein- und Schattendingen nach, die hier unten auf der dunkeln, fluchbeladenen Erde sind und unser liebelechzendes Herz doch niemals zu stillen und zu füllen vermögen? –