Keine Versuchung geht über unser Vermögen (1. Kor. 10, 13)

„Keine Versuchung hat euch ergriffen, als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, sodaß ihr sie ertragen könnt.”  

1.Kor. 10;13

Autor: Karl Geyer, aus GuH

Die Frage nach der Versuchung (= Prüfung, Erprobung) der Gläubigen, die an vielen Stellen der Heiligen Schrift gestellt wird und schon das Grundthema des ältesten Buches der Schrift bildet, des Buches Hiob, ist eine der wichtigsten

Fragen im Blick auf unseren Glauben und unseren Wandel. Wir sollen ja in den Versuchungen weder mutlos noch gleichgültig oder gar leichtsinnig werden. Daher müssen wir sowohl ihre Ursachen kennen, als auch ihren Ausgang, um unser praktisches Verhalten entsprechend zu gestalten.

Die Ursachen einer Versuchung können sehr verschiedenartig sein. Wir können von unserer eigenen Lust gereizt und gelockt werden. Weiter kann die im Fleische wohnende Sünde uns reizen und locken. Die Versuchung kann durch andere Menschen an uns herangetragen werden. Auch die Umstände, in denen wir stehen, vermögen uns zu irgend etwas zu reizen, das wir unter anderen Verhältnissen nicht tun würden, z. B. Diebstahl aus Hunger oder Totschlag aus Notwehr. Sodann aber gibt es auch direkte Versuchungen vonseiten Satans, des Bösen, und ebenso wohl durch das Böse. Im Bunde mit Satan versuchen uns auch die Dämonen, deren Oberster ja Beelzebub, der Satan, ist.

Auch Gott prüft uns, aber er versucht uns nie zur Sünde, sondern prüft uns nur dann, wenn er im Voraus den Ausgang so sicher gestellt hat, dass dem Satan gegenüber ein Triumph aus der Prüfung wird.

Schon die Prüfung Hiobs zeigt, dass es außer menschlichen Versuchungen auch satanische gibt. Dort wird diese Prüfung aber nicht den schwachen Freunden Hiobs auferlegt, sondern allein dem Manne, der in jeder Hinsicht als der Gereifteste und Vollkommenste seiner Zeit vor Gott stand und auch von Gott Selbst als solcher bezeichnet wurde. Seinesgleichen gab es nicht mehr im Lande (oder auf Erden) (Hiob 1, 8).

Hiob ertrug die Prüfung. Gott wurde verherrlicht, und daraufhin verherrlichte er auch seinen treuen Knecht. Die Endabsicht des Herrn mit Hiob war dessen Segnung und die Darstellung eines völligen Triumphes über Satan, der durch das Glaubenszeugnis Hiobs und dessen Lobpreis zum Schweigen gebracht wurde mit seinen falschen Behauptungen, dass Frömmigkeit nur Geschäftssache sei und nur solange bestehe und funktioniere, als Gott sie durch Gunsterzeigungen und Wohltaten sich von seinen Geschöpfen erkaufe.

In allem aber zeigte es sich, wie barmherzig und mitfühlend der Herr mit seinem treuen Knecht umging. Vergleiche zu den Schlusskapiteln des Buches Hiob auch noch Jak. 5, 11.

Demgegenüber waren die Korinther noch Unreife, Unmündige, die eine solche Versuchung nicht zu ertragen vermochten. In 1. Kor. 3, 1—3 wird uns das deutlich bezeugt. Dort heißt es: „denn ihr vermochtet es noch nicht, aber ihr vermöget es auch jetzt noch nicht.” —

Vergleichen wir damit die Stelle in 1. Kor. 10, 13, so wird uns klar, was das heißen soll: „Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet. ” — Sie waren ja noch nicht einmal in der Lage gewesen, auch nur die allergröbste menschliche Versuchung zu überwinden und den Sauerteig aus ihrer Mitte hinauszutun (1. Kor. 5, 1—10). Ihr Zustand war so, dass Paulus in 1. Kor. 4, 21 fragen muss, ob er mit der Rute zu ihnen kommen soll, oder in Liebe und mit dem Geist der Sanftmut. Bei ihnen war keine Kraft, das Böse zu überwinden. Damit kennzeichneten sie sich selbst als solche, die noch nicht den Reifestand eines Jünglings in Christo erreicht hatten, dessen Merkmal ja dies ist, dass er stark ist, das Wort Gottes bewahrt und den Bösen überwunden hat (1. Joh. 2, 14 b), während die Kindlein in Christo einfach nur Vergebung der Sünden haben, aber noch keinen Sieg über die Sünde, die ja im Fleische wohnt und daher auch im Fleische überwunden werden muss. Dies geschieht durch die Kraft des in uns wohnenden Geistes, die wirksam gemacht wird durch den Glauben.

Die Epheser dagegen waren Heilige und Treue, bei denen Paulus über Solche Fragen nicht mehr zu reden brauchte. Ihnen konnte er, da sie auf dem Wege zur geistlichen Reife waren und sich ausstreckten, erfüllt zu werden mit der ganzen Gottesfülle (Eph. 3, 19), nicht nur das Geheimnis des Willens Gottes kundtun, sondern ihnen auch offenbaren, dass ihre Kämpfe an eine andere Front verlagert waren, nämlich an die himmlische bzw. die kosmische. Sie waren nun bereit zum Einsatz an der vordersten Front, die ja hier die Front nach der Geisterwelt bedeutet (Eph. 6, 10—18).

Gott, der selbst nicht vom Bösen versucht werden kann, versucht auch von sich aus niemand zum Bösen. Der Anlass zur Versuchung kommt nie aus dem Unwandelbaren, sondern liegt immer im Wandelbaren, im Geschöpflichen. Vergl. Jak. 1, 13—15. Damit aber das Böse im Fleisch über- wunden wird, lasst Gott uns auf jedem Lebensgebiet gerade von solchen Geschöpfen prüfen oder erproben oder versuchen, die dort Meister sind und daher das Letzte aus uns herauspressen oder in Erscheinung treten lassen, was auf diesem Gebiet in uns ist. Darum übergibt er Lästerer dem Lästerer (Satan), damit sie durch Zucht unterwiesen würden, nicht mehr zu lästern (1. Tim. l, 20). Und gerade in Korinth hatte er ja schon das- selbe getan mit jenem Fleischesmenschen und Blutschänder, den er dem Satan übergab zum Verderben des Fleisches, damit der Geist errettet werde am Tage des Herrn (1. Kor. 5, 1—5).

Also, die Endabsicht Gottes ist selbst in diesem schwersten Falle von Prüfung, in der er einen Gläubigen durch die apostolische Vollmacht des Paulus und die Vollmacht der versammelten Gemeinde (Vers 4) unter Zucht und Gericht stellen lasst, nicht die Vernichtung des Betreffenden, sondern seine Errettung. Dies gilt auch ganz allgemein für die größte Prüfung und Bewährung der gläubigen Gesamtgemeinde am Preisrichterstuhl (bäma Christi), wo selbst der, dem alles verbrennt, gerettet wird, — doch so wie durchs Feuer (1. Kor. 3, 12-15).

Der Geist des Menschen soll errettet werden, weil er aus Gott ist! Daher ging Christus auch nach seiner Lebendigmachung im Geiste der Auferstehung hin ins Gefängnis und predigte den Geistern, die einst ungehorsam waren. Die Toten, die einstmals in den Tagen Noahs gerichtet wurden dem Menschen gemäß nach dem Fleische, sollten dennoch Gott gemäß leben im Geiste (1. Petr. 3, 18 —20; 4, 6; Sach. 9, 11. 12; Eph. 4, 8—10; Psalm 68, 18 (bei Luther Vers 19); Psalm 107, 10—16; 1. Sam. 2, 6; Jes. 57, 16: Hes. 16, 44—55; dazu viele andere).

Zur Erreichung dieses Zieles, den Geist des Menschen zu retten, ist auch der Weg der Zerstörung des Fleisches durch den Zerstörer bzw. des Verderbens des Fleisches durch den Verderber ein Mittel in der Hand Gottes, der sich hier als der erweist, der selbst im Gericht der schwersten Prüfung den Ausgang schafft. Denn die Bestimmung des Ausgangs überlässt er weder dem Satan noch irgend einem anderen Geschöpf. Er benutzt die Geschöpfe (ihrem Charakter entsprechend) als Zuchtruten; aber das Ziel der Züchtigung, den Zweck der Prüfung, das Endergebnis der Versuchung bestimmt er! Hierin besteht ja gerade die Tiefe der Weisheit, die seinen Gerichten innewohnt (Rom. 11, 33). In Christus gibt es nicht „Ja” und „Nein”, sondern in ihm ist alles lauter „Ja”! Alles! Auch Versuchung und Erprobung. Auch Gericht und Verderben des Fleisches! Und jede Versuchung der Glaubenden dient nur dazu, sie auch hierin in allem ihm gleich zu machen, der ja versucht wurde in allem gleichwie wir (Hebr. 4, 13). Unsere Erkenntnis soll gemehrt, unser Glaube gefestigt, unser Verständnis für andere vertieft, unser Mitleid mit dem Bruder verinnerlicht, unsere Hilfsbereitschaft und unser Helfenkönnen verstärkt, unser Vertrauen zu Gott bereichert und unsere Freude geläutert und gekräftigt werden.

„Darum achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet, da ihr wisset, dass die Bewahrung eures Glaubens Ausharren bewirkt! Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, auf dass Ihr vollendet und vollkommen seid und in nichts Mangel habt!”

„Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet! denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche er denen verheißen hat, die ihn lieben.”

Gott ist treu, der nicht zulassen wird, dass wir über Vermögen versucht werden! Gott ist treu, der uns berufen hat, und seine Gnadengaben und Berufungen sind unbereubar! Gott ist treu, selbst wenn wir untreu sind! Und seine Treue ist nicht nur die Grundlage unseres Friedens und unserer Vollgewissheit der Errettung, sondern auch die einzige Garantie fürjenen Ausgang alles Weltgeschehens, der seiner eigenen Gottesmajestät und Herrlichkeit entspricht! Sein Name sei gelobt für alles! Amen!