Jonathan und sein Waffenträger (1. Sam. 14, 13)

„Und Jonathan stieg auf seinen Händen und seinen Füßen hinauf, und sein Waffenträger ihm nach. Und sie fielen vor Jonathan, und sein Waffenträger tötete hinter ihm her“

1. Sam. 14, 13

Autor: Karl Geyer, nach seinem gleichnamigen Artikel bei GuH

Die Philister (= die Ausgewanderten, die Herumstreifenden) überfielen das Land der Kinder Israel (= Gotteskämpfer). (1. Sam. i\ 5.) Sie kamen mit 30000 Wagen, 6000 Reitern und Fußvolk, wie der Sand am Ufer des Meeres. In drei großen Heerhaufen ergoss sich der Verheerungszug durch das Land (1. Sam. 13, 17). Israel aber war ohne Waffen. Kein Schmied war im ganzen Lande. Sogar die Garten- und Ackergeräte mussten die Kinder Israel bei den Philistern schärfen lassen (L Sani. 13, 19—22). Nur Saul und sein Sohn Jonathan hatten Waffen.

Jonathan (== der von Jehova Gegebene, die Gabe Jehovas) wusste, dass gegen diese Übermacht die wenigen Waffen nicht ausreichten. Ei wusste aber auch, dass dies für den Herrn kein Hindernis ist, denn er kann durch viele oder wenige retten (1. Sam. 14, 1—6). Und sein Waffenträger war im Glauben und in der Treue eins mit ihm (Vers 7).

So durchschritten sie miteinander den Engpass zwischen den Felszacken Bozez und Sene (Bozez = Kot; Scne = Kitt oder Leim).

Der Glaube wird durch Engpässe geführt, die dem Glaubenden seine ganze Schwachheit zum Bewusstsein bringen. Nur dann, wenn wir schwach sind, sind wir stark (2. Kor. 12, 9. 10), denn die Gnade enthüllt ihre göttliche Siegesmacht nur dort, wo das Geschöpf, das Fleisch, keinen Eigenruhm mehr hat vor Gott. Wir haben diesen Schatz des Geistes und der Vollmacht in irdenen Gefäßen, auf dass die Überschwänglichkeit der Kraft sei Gottes und nicht aus uns (2. Kor. 4, 7). „Allenthalben bedrängt, aber nicht eingeengt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht umkommend; allezeit das Sterben Jesu am Leibe umhertragend, auf dass auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde“ (2. Kor. 4, 8— 10).

Was ist der Mensch an sich? — Der Mensch ohne Gott? —- Der Mensch ohne Glauben und ohne die Vollmacht des Geistes? — Der Mensch dem Fleische nach? —

In Armseligkeit geboren, geht er seinen Weg in der Schwachheit des irdenen Gefäßes, des Leibes der Niedrigkeit und der Demütigung, und an allen Engpässen seines Lebens kommt es ihm zum Bewusstsein, dass er Kot und Leim ist (Bozez und Sene). Jeder Aufstieg ist ein Weg der Mühsal auf Händen und Füßen und erinnert den vom Weibe Geborenen daran, dass der Mensch ein Wurm ist und das Menschenkind eine Made (Hiob 25, 4—6).

Und dieses irdene Gefäß ist der Träger der Gottesoffenbarung als Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor. l, 26—30), und der Streiter der Kämpfe Gottes auf Erden (Eph. 6, 10—18; Off. 17, 14) und der zukünftige Richter der Welt, der Engel und Menschen (1. Kor. 6, 2. 3; Off. 18, 20).

Nirgends aber ist man in dieser Welt, deren Gott und Fürst der Satan ist, und dessen Helfer die Dämonen sind [jene Engel, die ihr Fürstentum nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen (Jud. 6. 7) und nun als die Ausgewanderten, die Umherstreifenden (vergl. Hiob l, 7; 2, 2), als die Rebellen des Kosmos die Welt durchziehen], mehr auf die Gemeinschaft und Hilfe treuer Leute angewiesen, als in den Tagen der Kämpfe und Auseinandersetzungen mit der Macht der Finsternis. Und am nötigsten haben diese Hilfe eines treuen Kampfgenossen und Waffenträgers die, die im Kampfe vorn stehen, die dienenden Brüder, die Evangelisten, Hirten und Lehrer. Wenn sie mit dem Schwert des Geistes, dem Wort Gottes, einen Einbruch machen in das Reich der Finsternis, in die Schlachtreihen der Unbeschnittenen, der Geistermächte, er Kosmokratoren, dann ist es eine Lebensnotwendigkeit für sie, dass treue Beter hinter ihnen stehen, während sie das Wort verkündigen, damit die Weltbeherrscher der Finsternis ihnen nicht in den Rücken fallen.

Darum sandte der Herr seine Jünger je zwei und zwei (Luk. 10, 1). Und als sie wiederkamen, konnten sie ihm berichten, dass sie Sieg hatten über die Dämonen (Luk. 10, 17—19). Jesus aber frohlockte im Geiste, dass der Vater, der Herr des Himmels und der Erde, dies den Weisen und Klugen verborgen und den Unmündigen geoffenbart hat (Luk. 10, 21—24).

Größer aber, als die uns verliehene Vollmacht über die Geisterwelt (vergl. auch Kol. 2, 10), ist die Tatsache unserer Gotteskindschaft, das Wissen und die Gewissheit, dass unsere Namen im Himmel angeschrieben sind.

Als Teilhaber der göttlichen Natur (2. Petr, l, 3. 4) sind wir dem inneren Menschen nach göttlichen Geschlechts (Ap. 17, 29), sind eines Geistes und eines Wesens mit ihm und dürfen als die bevollmächtigten Söhne des Vaters unseren Weg hier gehen, um in der Übermacht der Gnade königlich zu herrschen und priesterlich zu dienen und in allem weit zu überwinden als Übersieger in jedem Kampf (Rom. 5, 17; 8, 37—39).

Paulus, der Sklave und Gesandte Jesu Christi, wusste, wie notwendig die Rückendeckung durch einen treuen Waffenträger und Kampfgenossen ist. Vergl. Phil, l, 27; Philemon 2; Rom. 15, 30; Phil. 4, 3. Nachdem er in Eph. 6, 17 als letztes Stück der frontal gebrauchten Waffen das Schwert des Geistes genannt hat, wendet er sich in Vers 18 der Rückendeckung zu. Er ist sich seiner Schwachheit bewusst, sowohl in der Rede, als auch in den äußeren Umständen, denn er lag ja im Gefängnis zu Rom als ein Gebundener Christi Jesu. So, wie Josua (= der Herr ist Heil, Jehova ist Retter) im Kampf gegen die Amalekiter (= die zerstörenden Gelüster, die Mühseligen in der Tiefe) nicht siegen konnte, wenn Moses nicht die Hände für ihn erhob (2. Mose 17, 8—13), so kann auch Paulus nicht durchbrechen im Kampf gegen die lüsternen Zerstörer der Geisterwelt ohne die Gebetshilfe der Heiligen (Eph. 6, 18—20; Rom. 15, 30 —32; Kol. 4, 3. 4; 1. Thess. 5, 25; 2. Thess. 3, 1. 2; Hebr. 13, 18. 19).

Niemand kann das! Auch du und ich nicht. Wir bedürfen der Gemeinschaft der Heiligen, wir brauchen den Dienst der Brüder, wir müssen einen treuen Beter haben, der hinter uns steht und uns den Rücken deckt und den Arm stärkt, wenn wir Kämpfe Gottes kämpfen.

Wer wacht über dich, wenn die Umherstreifenden in dein Lebensgebiet einfallen und dir den Boden der Verheißungen entweihen und verheeren? — Hast du einen Waffenträger, der hinter dir hergeht und alles unschädlich macht, was dir in den Rücken fallen will ? —

Kennst du den Segen der Gebetshilfe eines treuen Bruders, der deine schwachen Stellen kennt und sie deckt vor dem Überfall des Feindes? — Weißt du etwas von dem priesterlichen Dienst der Seelsorge, da die Liebe die Menge der Sünden bedeckt und die Schwachheit des Bruders trägt und für ihn betet, dass er geheilt werde? —

Viele wissen nicht, warum sie keinen Sieg haben oder warum so oft ihre Siege sich wieder in Niederlagen verwandeln. Es wacht keiner über ihre schwachen Stellen, weil sie dieselben heuchlerisch verleugnen. Nur dann, wenn wir mit einem Bruder ins Licht treten vor Gott und einander unsere Sünden bekennen, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, um dessentwillen Gott uns einst die Sünden, d. h. die bösen Früchte der in uns wohnenden Sünde, vergab, löst uns nun durch seine freimachende Kraft auch vom Hang zur Sünde (1. Joh. l, 7). Wenn wir unsere Sünden vor Gott bekennen, vergibt er sie uns, sodaß wir um ihretwillen nicht mehr gestraft werden. Wenn wir sie aber einander bekennen und füreinander beten, so werden wir gelöst und gereinigt und geheilt (1. Joh. l, 9; Jak. 5, 16).

Diesen Dienst der reinigenden und heiligenden Fürbitte kann man nur in priesterlicher Herzensstellung tun, und man kann ihn sich selbst auch nur tun lassen von treuen Brüdern. Die Sünde muss sofort bedeckt werden, d. h. für immer unter die Bedeckung des Blutes gebracht und damit für immer der Vergessenheit anheimgegeben werden, sonst wirkt sie ansteckend. Wer unheilig mit ihr umgeht, sie wieder ausgräbt und andere damit in Berührung bringt, indem er sie weitererzählt, infiziert sich selbst und andere. In einem Sanatorium müssen Ärzte und Schwestern vorsichtig mit dem Auswurf der Kranken umgehen und alles sofort unschädlich machen. Die ansteckendste Macht der Welt aber ist die Sünde. Wer sie nicht bedeckt, verfällt ihr selbst, und der untreue Waffenträger muss die bittere Wahrheit erleben: „Der Aussatz Naemanns wird dir anhangen!“ Lasst uns den Herrn bitten: Gib mir einen treuen Waffenträger, der über mich Wache hält und mir kämpfen hilft und hinter mir her aufräumt und meine Blöße bedeckt, so dass mein Gang ein sicherer sei und eine lichte Spur hinterlasse, und der Name des Herrn verherrlicht werde durch einen Wandel, der seines Namens und unserer Berufung würdig ist! Amen!