Gott wandelt Fluch in Segen (5. Mose 23, 6)

Aber der Herr, dein Gott, wollte nicht auf Bileam hören; sondern der Herr, dein Gott, verwandelte für dich den Fluch in Segen, denn der Herr, dein Gott, hat dich lieb.

5. Mose 23, 6

Sie mögen fluchen – du aber segne

Ps. 109, 28

Autor: Arthur Muhl, nach einem Wortdienst in Arosa. Auch als MP3 verfügbar (https://data.kahal.de/mp3/27400 – A.Muhl – Gott wandelt Fluch in Segen.mp3)

Liebe Geschwister, wir durften in diesen Tagen darauf hinweisen, dass in Christo nicht nur alle harten Worte des Gesetzes und dunklen Stellen des Wortes Gottes zu Verheißungen werden, sondern sogar die Flüche Gottes.

Von diesen Flüchen wollen wir jetzt reden, und ich hoffe, dass wir nach dieser Betrachtung in unseren Herzen überwältigt werden zustimmen können, wenn ich sage: Gott hat es uns geschenkt, Dinge zu schauen und zu hören, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und die in keines Menschen Herz gekommen sind. Uns aber hat Gott es geoffenbart durch Seinen Geist (1. Kor. 2, 9. 10).

Wenn Gott Fluch in Segen wandelt, tut Er es nicht in der Weise, dass Er den

Fluch einfach auf die Seite legt, zum Verschwinden bringt und an die Stelle des Fluches den Segen setzt. Damit wären wir schon mehr als zufrieden. Aber Gott vermag es, den Fluch zu nehmen, wie er ist, und ihn in Segen zu verwandeln, indem Er selbst in Christo den Fluch erfüllt, sich selbst unter den Fluch stellt und die Vollmacht und Vollgewalt des Fluches sich über Seinem Haupt entladen und in Seinem Herzen voll auswirken lässt. S o wandelt Gott den Fluch in Segen.

Ein Fluch Gottes ist ein Gehängter

In Gal. 3, 13 lesen wir ein Wort, das wir ähnlich schon in 5. Mose 21, 23 finden: „Verflucht ist jeder, der am Holze hängt!“ An und für sich scheint dies eines der unbarmherzigsten Worte der Bibel zu sein, und wir könnten denken: Ist es nicht genug, dass dieser schon am Holz hängt um seiner Sünde willen, muss er, weil er am Holz hängt, auch noch einen besonderen Fluch über sich ergehen lassen?

Nun lesen wir von Christus, dass Er nicht nur den Fluch auf sich genommen hat, sondern Er wurde ein Fluch für uns, und indem Er das tat, hat Er uns losgekauft vom Fluch des Gesetzes. So sehen wir, wie eines der härtesten Worte des Alten Testamentes sich in dem Augenblick, wo wir Jesus am Holz hängen sehen, vor unseren Augen und in unseren Herzen verwandelt: Aus dem Fluch wird Segen, wird sogar die Grundlage unserer Erlösung und der ganzen Erlösung Gottes. „Wer Jesum am Kreuze im Glauben erblickt, wird heil zu derselbigen Stund1!“

Gottes Fluch im Paradies

Wir wissen, wo die ersten Flüche Gottes ausgesprochen wurden: im Paradies gegenüber der Schlange, gegenüber dem Weib und gegenüber dem Mann. Ich will nur ein Stück aus dem Fluch über Adam herausgreifen, Es lautet: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“

Hat Christus auch dieses Fluchwort auf sich genommen? Erblicken wir den Herrn Jesus je „im Schweiße Seines Angesichtes“? Wir wissen doch, dass im Garten Gethsemane sein Schweiß wie Blutstropfen zur Erde fiel. Und in Joh. 4, 34 sagt Er uns, welches Sein Brot, Seine Speise ist: den Willen des Vaters zu tun. So war der Herr bereit, im Schweiße Seines Angesichts, mit erschütterter Seele, Sein Brot zu essen, des Vaters Willen zu tun.

Wir ahnen jetzt schon, wie wunderbar der Herr alle diese Flüche auf sich genommen hat und sie an und in sich hat austoben, sich erfüllen lassen und sie dadurch in wunderbaren göttlichen Segen und in die Grundlage der Erlösung verwandelt.

Verflucht ist, wer Jericho wieder bauen wird

Wir schlagen Josua 6, 26 auf und lesen dort: „Und Josua schwur in selbiger Zeit und sprach: Verflucht vor Jehova sei der Mann, der sich aufmachen und diese Stadt Jericho bauen wird! Mit seinem Erstgeborenen wird er ihren Grund legen, und mit seinem Jüngsten ihre Tore aufstellen.“

Josua, liebe Geschwister, ist ein wunderbarer Gottesmann. Sein Name heißt ja auf griechisch Jesus. Nun hören wir hier von diesem Josua einen Fluch, der sogar mit einem Schwur bekräftigt wird. Das heißt: Was hier ausgesprochen wird, was hier schwurmäßig festgelegt und genau formuliert wird, daran wird nicht gerüttelt, das muss erfüllt werden, dabei bleibt es. Darüber gibt es gar keine Diskussion. Nun war die Stadt Jericho zerstört worden, und Josuas Fluch richtet sich gegen denjenigen, der sich untersteht, dieses Jericho wieder aufbauen zu wollen. Und jetzt kommt die genaue Formulierung dieses Fluches (wörtlich übersetzt, vgl. Elbf. Fußnote): „Um den Preis seines Erstgeborenen wird er ihren Grund legen und um den Preis seines Jüngsten ihre Tore aufstellen.“

Achten wir nun darauf, dass die Formel dieses Fluches nicht etwa im Möglichkeitsfalle geschrieben ist, sondern eine genaue prophetische Voraussage enthält: Es wird so geschehen.

Nun lässt uns die Schrift über das Weitere nicht im unklaren. Sie meldet uns in 1. Kon. 16, 34 folgendes: „In seinen Tagen baute H i e l, der Betheliter, Jericho wieder auf. Um den Preis Abirams, seines Erstgeborenen, legte er ihren Grund, und um den Preis Segubs, seines Jüngsten, stellte er ihre Tore auf, nach dem Worte Jehovas, das Er durch Josua, den Sohn Nuns, geredet hatte.“

War es also die Absicht Gottes gewesen, dass es nie wieder ein Jericho geben sollte? Nein! Wie hätte dann je Elisa die noch giftigen Quellen Jerichos segnen und in Heilwasser verwandeln können? Wie hätte dann Jesus eines Tages in Jericho einziehen können?

Nun wird uns hier in 1. Kon. 16, 34 ein wunderbarer Name genannt: In jenen Tagen baute H i e l Jericho wieder auf. Hiel bedeutet „Gott lebt“ oder „Gott des Lebens“. Wir können also lesen: In jenen Tagen baute der lebendige Gott Jericho wieder auf. Hat dieser lebendige Gott einen Erstgeborenen? Hat Er um den Preis dieses Erstgeborenen einen Grund gelegt? Jawohl, Er hat Seinen Erstgeborenen preisgegeben und unter Fluch gestellt, um „Jericho“ wieder zu bauen, d. h. um eine Schöpfung wiederherzustellen, die dem Fluch der Vergänglichkeit verfallen war. Denn Jericho ist von dem Wort „Mond“ abgeleitet und bedeutet „Mondstadt“ oder „Bollwerk des Mondes“, ein Bild also für das Bollwerk des Beherrschers der Finsternis. Es hatte früher einmal den Namen: die Palmenstadt. So wie Jericho einmal ein Bild der Liebe und des Friedens war (Palme!) und zum Bild des Finsternis-Bollwerks wurde (Mond!), so ist ja auch die ganze Schöpfung Gottes, einst ein Werk der Liebe Gottes, unter den Fluch der Vergänglichkeit gekommen. Was mit Jericho im kleinen der Fall war, ist mit der Schöpfung im großen geschehen. Und nun kann Gott das, was Er unter einen Fluch gestellt hat, nicht einfach mir nichts dir nichts wieder aufbauen, wie das auch Paulus in Gal. 2, 18 sagt: „Wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wiederum aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter dar.“ Hier liegt eine Rechtssituation vor, und Gott kann nicht einfach, weil Er der Allmächtige ist, sagen: „Ich habe die Schöpfung unter den Fluch gestellt, aber nun reut es mich, und ich baue sie morgen wieder auf.“ Dann würde Er sich selbst als Übertreter darstellen. Damit Er selbst nicht zum Übertreter wird, muss Er bereit sein, den Preis zu bezahlen, den die Formulierung des Fluches festgesetzt hat, und wir wissen, das hat Er getan, als Er Seinen erstgeborenen Sohn als Grundlage gab und damit den zuerst genannten Preis bezahlte. Nun erst ist Er in der Rechtslage, das Zerstörte, das dem Fluch Verfallene wieder aufzubauen.

Denken wir an jenen H i e l, den Menschen, der damals die Stadt wieder aufbaute: Zuerst musste er die verfallenen Mauern und Schutthaufen wegräumen. Während er da mit seinem erstgeborenen Sohn an der Arbeit ist, fällt ein Felsblock herunter und begräbt seinen Sohn. Dieser Felsblock ist so schwer, dass ihm nichts anderes übrigbleibt, als seinen erstgeborenen Sohn einfach dort liegenzulassen. Jetzt wird darauf die Stadt gebaut.

Nun kommen dort die Priester und Leviten vorbei und sagen: „Halt, was machst du da? Jericho darf nicht wieder aufgebaut werden!“ Da antwortet ihnen Hiel: „Meine Herren, lesen Sie nach, was geschrieben steht! Bereits liegt mein erstgeborener Sohn da unten begraben. Bitte, meine Herren, ich habe diesen Preis bezahlt, und nun kann mich niemand mehr, weder Erde noch Himmel, daran hindern weiterzubauen.“

Nachdem die Rechtslage des Wiederaufbaus gesichert ist von dem Augenblick an, da Gott diesen Preis zu bezahlen bereit war, kann Ihn niemand mehr hindern weiterzubauen.

Aber nun kommt das Zweite. Es ist noch von einem zweiten Preis die Rede. Als ich in Verlegenheit war und Gott diesbezüglich um Weisheit bat, stand mir plötzlich ein biblisches Haus, eine biblische Familie vor Augen: das Haus Jakobs. Da gibt es einen Erstgeborenen, und da gibt es einen Jüngsten. Der Erstgeborene ist vor Gott und dem Geiste nach nicht Rüben, sondern Joseph. Und der Jüngste ist Benjamin. Nun stellt aber Joseph im AT in wunderbarer Weise Christus dar als den Erstgeborenen unter vielen Brüdern, den Erstgeborenen der Entschlafenen und der ganzen Schöpfung. Wenn nun dieser Erstgeborene den Menschensohn darstellt, dann muss auch dieser Jüngste einen Menschen darstellen, der von Gott aus ganz besonders mit Segenslast beladen und göttlich ausgerüstet war, ein Träger des Wortes Gottes, ein Vollender des Wortes Gottes sogar, d. h. ein Toreinhänger von Jericho, denn das Toreinhängen und die Schlüsselübergabe bedeuten die Vollendung einer Sache.

Wie nun Joseph und Benjamin die beiden Haupt- und Zentralgestalten unter allen Söhnen Jakobs sind, so sind Christus und Paulus die beiden so besonders beauftragten Söhne Gottes. Christus der Abiram (d. h. „dessen Vater in der Höhe ist“!), der Erstgeborene des Hiel, mit dem der Grund gelegt wurde; Paulus der Segub = „der überragende“, der Toreinhänger, der das Wort Gottes vollenden (Kol. l, 25), d. h. die Tore der Vollendung der ehemals verfluchten Schöpfung einhängen darf.

Zwischenzeugnis von Adolf Heller: Weil Paulus der Apostel der Gemeinde ist, können wir in Segub auch die ganze Gemeinde des Körpers Christi dargestellt finden. Ihr wisst vielleicht, meine Brüder, wem der Vater alles Gericht übergeben hat: dem Sohn (Joh. 5, 22. 23). Das Tor ist ja der Ort und das Sinnbild des Gerichts. Die Gerichte fanden alle im Tore statt. Wem aber ist es nach 1. Kor. 6, 2. 3 gegeben, Welt und Engel zu richten? Der Gemeinde. Der Vater übergibt die Gerichte dem Sohn, und der Sohn übergibt sie Seinem Körper, der Gemeinde.

Als der erste Sohn gestorben war, da hat der Hiel genau gewusst: ich habe erst die Hälfte geopfert. Der Jüngste kommt auch dran. Und er hat es gewagt, um diesen hohen Kaufpreis das durchzuführen. Das ist auch wieder ein Beispiel, dass Christus und Seine Gemeinde, Sein Leib, eines sind. (Soweit A. Heller.) 4. Josuas Fluch über die Gibeoniter

Jetzt richten wir unsere Aufmerksamkeit auf ein „Lumpengesindel“, von dem uns Josua 9 Kunde gibt. Ich will es kurz berichten und dann einige Worte herausgreifen. Wir haben schon gehört, dass ganz Kanaan dem Fluch der Vergänglichkeit unbarmherzig verfallen war. Und nun kommt Josua, der Kämpfer Gottes, mit Israel, mit den Schlachtreihen des lebendigen Gottes, herangerückt. Jericho ist bereits gefallen und auch Ai ist gefallen. Die Leute von Gibeon, einer der hoch bis zum Himmel befestigten Städte Kanaans, haben das alles gehört. Was taten daraufhin diese verfluchten Kanaaniter? Sie glaubten der Kunde, die sie hörten, und sandten eine Abgeordnetenschaft nach Gilgal, ins Lager zu Josua. Nun hatten die Gibeoniter aber gehört, dass Josua, der Mann Gottes, Jericho und Ai und noch andere Städte mit List eingenommen hatte. Da sagten sie sich: Wenn ein Mann Gottes mit List eine Stadt erobert zur Zerstörung, dann dürfen wir Kanaaniter, die wir ohnehin dem Fluch verfallen sind, Gottlose von Haus aus, es doch wohl auch wagen, unsererseits mit einer List zu Josua zu gehen, um uns zu retten. Wie sehen daher diese Abgeordneten aus? Es sind keine hohen Ratsherren in Uniform, sondern sie kommen in abgetragenen Lumpen, zerrissenen Schuhen, mit schimmligem Brot und abgenutzten Weinschläuchen daher. So wollten sie den Israeliten vortäuschen, sie kämen aus fernem Lande, von einer vielleicht 500 km langen Reise, wären erschöpft und am Ende ihrer Kräfte und Habseligkeiten.

In dieser Aufmachung kommt das „Lumpengesindel“ zu Josua, dem Vorbild auf Jesus, ins Lager nach Gilgal, dem hebräischen Stichwort für das neutestamentliche Golgatha, und bittet um ein Bündnis.

Wer so als „Lump“ zum Herrn Jesus nach Golgatha kommt in der Hoffnung auf Begnadigung, der hat Aussicht gerettet zu werden und dem gerechten Gericht zu entkommen, das eigentlich an ihm vollzogen werden müsste. Waren wir nicht alle solche, als wir zum erstenmal zu dem Herrn nach Golgatha kamen?

Die Gibeoniter haben schauspielerisch dargestellt, was wir sind, und was auch sie in Gottes Augen tatsächlich waren. Als sie dort den Josua dreist und kühn belogen, haben sie, ohne es zu wissen und zu wollen, zum erstenmal die Wahrheit gesagt und sich so gezeigt, wie sie vor Gott sind. – Haben wir nicht auch alle auf unsere Weise geschauspielert, als wir zum erstenmal zu Jesus kamen?

Nun erheben sich aber Stimmen im Lager Israels, die fragen: Kommt ihr wirklich von so weit her, oder seid ihr aus diesem Lande Kanaan? Was machen daraufhin die Gibeoniter? Der Führer stellt sich vor Josua hin und sagt: „Wir sind deine Knechte. Nicht jene haben über uns zu entscheiden, sondern du.“ Geschwister, was können wir daraus lernen! Wenn unsere Sünden uns anklagen oder der Verkläger gegen uns aufsteht, was haben wir denn dann zu tun? Wir wenden uns sofort an Jesus.

Josua schließt einen Bund mit ihnen, und die Fürsten der Gemeinde schwören ihnen, sie am Leben zu erhalten. Dann machen sie sich wieder auf den Weg, und am dritten Tage merkt ganz Israel, dass es betrogen worden ist, und dass die Leute, mit denen sie einen Bund geschlossen haben, mitten unter ihnen wohnen.

Da lässt Josua diese Männer vor sich treten und spricht zu ihnen: „Warum habt ihr uns betrogen? … Verflucht seid ihr!“ Und nun stellt Euch die Gibeoniter vor! Sie hatten Hoffnung auf Rettung gehabt, aber als sie nun Josua verflucht, denken sie: Jetzt ist alles aus. Aber nun kommt das Wunderbare. Jetzt sehen wir in das Herz des Josua. Er richtet nicht, ohne sie anzuhören. Und sie erzählen Josua, wie wunderbar Gott Israel aus Ägypten gerettet hat und was Er an Wundern in der Wüste gewirkt hat. Und dann sagen sie: Wir hörten dies alles und fürchteten uns vor Jehova, eurem Gott, und taten diese Sache. Damit haben sie vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt bekannt: Wir haben eurem Gott mehr geglaubt als ihr selbst!

Hat das nicht auch die Rahab getan? Sie hat den Kundschaftern das gleiche gesagt. „Wir haben gehört, was euer Gott an euch getan hat.“ Deshalb wurde sie nicht mit den Ungläubigen umgebracht, sondern zur Glaubensheldin gestempelt. Und so werden auch diese verfluchten Gibeoniter für ihr Tun verflucht und um ihres Glaubens willen doch gerettet. Sie werden gleichsam von Josua mit einem Fluch ins Leben gezeugt.

Stellen wir uns die Situation einmal vor: Als die Gibeoniter zum zweitenmal vor

Josua stehen, hört er ringsum ein Murren der Kinder Israel; denn sie sind voller Wut und Entrüstung gegen diese Heiden, die ihnen diesen Streich gespielt haben. Als er merkt, wie das gärt und schwelt und murrt um ihn herum und sie die Gibeoniter am liebsten zerreißen wollen, da ruft er laut: „Verflucht seid ihr!“

Jetzt ist Stille ringsum. Jetzt sind die harten Herzen der Israeliten befriedigt. Aber wie heißt der Fluch weiter: „Nicht sollt ihr aufhören, Knechte zu sein, Holzhauer und Wasserschöpfer.“ Also, im Fluch hat er ihnen das Leben gesichert und den Dienst am Hause Gottes. Deshalb heißt es Vers 26: „Er tat ihnen also und errettete sie von der Hand der Kinder Israel; und sie töteten sie nicht.“ Wodurch hat Josua die dem Fluch verfallenen Gibeoniter aus der Hand der Israeliten gerettet? Durch einen FluchI Verstehen wir aus diesem Zusammenhang einen der Beweggründe unseres wunderbaren Gottes, warum Er flucht? Er flucht, um zu retten.

Jetzt erhebt sich aber die Frage: Josua, hast du da nach deinem eigenen Herzen und Gutdünken gehandelt? Was sagt nun Gott im Himmel dazu? Und nun wird es noch wunderbarer (Josua 10): In dem Augenblick, da die Gibeoniter mit Josua in diesem Bundesverhältnis stehen, ziehen sie sich die Feindschaft ihrer ehemaligen Stammesgenossen zu und werden von den übrigen Kanaanitern sofort angegriffen. Da senden sie zu Josua ins Lager nach Gilgal und bitten ihn um Hilfe. Was macht Josua? Sofort in der gleichen Nacht rüstet er Israel und zieht die ganze Nacht hinauf nach Gibeon. Und am Morgen, als die Sonne aufgeht, beginnt der Kampf zwischen den Heerscharen Israels und den Heerscharen der übrigen Kanaaniter. Und zwischendrin, im Frieden geborgen, sitzen die Gibeoniter.

Und nun steigt die Sonne – Christus darstellend – höher und höher, es wird Mittag, und die Sonne will sich bereits zum Niedergang neigen.

Da weiß Josua: Wenn dieser Kampf so weitergeht wie bis jetzt, dann neigt sich die Sonne zum Untergang, und unser Sieg ist noch nicht erfochten.

Da spricht Josua zu dem Herrn vor den Augen Israels: „Sonne, stehe still zu Gibeon! – Und sie blieb stehen ungefähr einen ganzen Tag.“ Die Sonne hat nach biblischem Bericht nur einmal stillgestanden, aber nicht wegen Jerusalem und nicht wegen Berlin und nicht wegen New York, sondern wegen des „Lumpengesindels“, wegen der Begnadeten des Josua. Wegen dieser Leute blieb die Sonne ungefähr einen Tag stillstehen und der Mond im Tale Ajjalon. (übrigens ein Schattenbild für das Tausendjährige Reich: Die Sonne, Christus, herrscht l Tag, während der Mond, Satan, die gleiche Zeit „im Tale“ gefangenliegt.)

Noch wenige Bemerkungen zu dem verfluchten und doch wunderbar begnadeten und von Gott geschützten Gibeon: Wo stand später die Stiftshütte? Das Offenbarungszelt stand auf der Höhe zu Gibeon. Wo begegnet Gott dem Salomo in jener Nacht im Traum? Zu Gibeon. Bei dem ehemaligen „Lumpengesindel“. Bei den Begnadeten Jesu Christi steht das Zelt der Offenbarung. Dort bittet man Gott um Weisheit, und Er gibt sie uns auch.

Als später David Gott nach dreijähriger Hungersnot um Aufschluss bat, warum diese Not über Israel kam, sagte ihm der Prophet (2. Sam. 21): „Es ist wegen Sauls und wegen des Bluthauses, weil er die G i b e o n i t e r getötet hat.“ Saul war es in seiner Begehrlichkeit und seinem Eifer ein Stein des Anstoßes, dass diese Heiden damals von Josua begnadet worden waren und in Israel diese Stellung am Hause Gottes haben sollten. Und da hat er in seinem Herzen beschlossen, die Gibeoniter alle auszurotten. Was hat aber Gott getan? Er hat Saul und sein Haus ausgerottet. Gott ist in einem Punkt unbarmherzig, bei denen nämlich, die keine Barmherzigkeit üben oder die dort, wo Er Barmherzigkeit geübt hat, Gericht ansetzen und es besser wissen wollen.

Nun ruft David Vertreter der Gibeoniter zu sich. Was sagt der König zu diesen Gibeonitern? „Was soll ich für euch tun, und womit soll ich Sühnung tun, dass ihr das Erbteil Jehovas segnet? “ (2. Sam. 21, 3.) Wer ist größer, der da segnet oder der gesegnet wird? Der da segnet (Hebr. 7, 7). Das Erbteil Jehovas, das Volk Israel, ist wunderbar in Gottes Augen, aber noch größer ist hier in Gottes und in Davids Augen das ehemalige „Lumpengesindel“ von Gibeon. Diese ehemals Verfluchten, nun aber Begnadigten sind allein vor Gott in der Lage, das Erbteil Gottes zu segnen.

Gott wandelt Fluch in Segen! Wie unausforschlich sind Seine Gerichte und unausspürbar Seine Wege! Amen.

Weitere Lektüre:
Gott wandelt Fluch in Segen (dargestellt an Josuas Fluch über die Gibeoniter)) (kahal.de)

https://data.kahal.de/mp3/27400 – A.Muhl – Gott wandelt Fluch in Segen.mp3