Durch Gottes Macht bewahrt (Joh. 17, 14-15)

“Ich habe ihnen gegeben Dein Wort, und die Welt hasst sie. Ich bitte nicht, dass Du sie von der Welt nehmest, sondern dass Du sie bewahrest vor dem Bösen.”                                    

  Joh. 17, 14. 15

3 Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns, 5 die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zu dem Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.

1. Petr. 1, 3-5

Autor: Otto Vosseler, nach seinem gleichnamigen Artikel bei GuH

Die Gemeinde – und damit jeder, der sich zu Jesus hält – wird von zerstörerischen Mächten bestürmt. Dies geschieht nicht deshalb, weil wir etwas Besonderes wären, sondern weil uns Sein Wort gegeben ist. Dieses Wort ist zutiefst Jesus selber. Er allein wird alle gegen Gott anstürmenden Mächte entwaffnen – mit Seinem Wort.

Diese Mächte wollen eindringen in die Gemeinden, indem sie das Wort entwerten. Sie wollen eindringen in die Familien, indem sie sie entzweien – in solche, die sich an das Wort halten, und solche, die sich gegen dieses Wort stellen. Es geht also nicht letztlich um ein Generationenproblem in den Familien der Gläubigen; vielmehr sagt der Herr: Die Feindschaft kommt Seines Worteswegen. Und diese Mächte wollen eindringen in das Leben der Gläubigen durch Zielverrückung, indem das tägliche Leben eine solche Fülle von Problemen mit sich bringt, daß eben das Ziel verdunkelt wird. 

Wir kennen von unserem Alltag her diese Mächte: die Sorge, die Not, die Unzulänglichkeit, in der Spannung zwischen Sollen, Wollen und Können auszuhalten und dennoch auf Gott zu schauen. – Vermutlich befinden sich auch auf dieser Prophetischen Woche zwei Gruppen von Geschwistern: die einen möchten Neues hören, und es ist ja auch gut, wenn man zu dem Alten Neues hinzulernt. Es sind aber auch andere hier, die von Mächten bestürmt wurden und darauf hoffen, dass sie hier unter dem Wort und in der Gemeinschaft eine Hilfe finden gegen diese Mächte. 

Einer unserer gläubigen Brüder hat das Bestürmtwerden von diesen Mächten in der Gefangenschaft einmal so ausgedrückt:

Wer nie den Hunger “Du” genannt,
was weiß denn der vom Brot?

Wer niemals in die Nacht verbannt,
was der vom Morgenrot?

Wer nie in harter Fron geächzt,
kennt nicht den freien Gang;

wer dürstend nie danach gelechzt,
schätzt nicht den frischen Trank.

Wer nie der Willkür ausgespielt
auf dampfenden Schafott,
von tausend Ängsten aufgewühlt,
was weiß denn der von Gott?”

Es sind unter uns auch solche, die von “tausend Ängsten aufgewühlt” sind. Sie haben “den Teufel im Genick gefühlt”. Für sie erbitte ich, daß durch Gottes Gnade durch das Prophetische Wort, das der Gemeinde Seines Leibes gilt, ihnen eine Hilfe zuteil wird.

Sicher gäbe es einen radikalen Schutz vor den bösen Mächten, indem uns der Her einfach aus der Welt herausnähme. Aber das entspricht nicht der Bitte Jesu. “Ich bitte nicht, daß Du sie aus dieser Welt herausnehmest.” Jesus hat etwas besonderes mit den Seinen vor: Er will nicht nur Seine Rettungskraft zeigen, sondern Seine Bewahrungsmacht offenbaren. Und ich frage mich: Was ist größer, die Rettung oder die Bewahrung? Wir können hier nicht eines über das andere stellen, aber sicher ist es so, daß die Rettung vergeblich wäre, wenn nicht die Bewahrung hinzukäme.

Rettung kann schnell geschehen, da bedarf es nur des glaubenden Aufblicks auf Jesus. Alle, die auf Ihn, den Erhöhten, blicken und im Glauben “Ja” sagen, werden gerettet. Das kann in einem Augenblick geschehen. Bewahrung aber erstreckt sich über Jahre und Jahrzehnte. Wir wären hier nicht beisammen, wenn uns Gott nicht bewahrt hätte.

Wir leben in einer bösen Zeit. Galater 1,4 nennt sie den “gegenwärtigen bösen Äon”. Und dieser Äon bleibt böse – daran können wir nichts ändern -, bis Jesus selber den Bösen ablöst. Und in dieser bösen Zeit erweist Gott wie in keiner anderen Zeit die Größe Seiner Macht, indem Er die Seinen bewahrt. Von Gott bewahrt, kann sogar ein Apostel Paulus sprechen (Kol. 1, 24): “Jetzt freue ich mich in meinen Leiden”. Dann folgt wenige Verse später die Offenbarung des großen Geheimnisses “Christus mitten unter euch, den Nationen”. Darum ist Er heute auch unter uns, und Sein prophetisches Wort hat es immer mit Seiner Person und Seiner hindurchbewahrenden Macht zu tun.

Für die Seinen ist Gott nichts zu teuer. Denn die Gemeinde hat Gott “für sich selbst” ersehen (Eph. 1,5), sozusagen als Sein Privateigentum, als Seinen Geliebten. Um Jesu willen sind wir Seine Geliebten, für die Er selber da ist. Das ist das prophetische Wort von Jesus, das uns betrifft. Als Seine Geliebten müssen wir nicht hier und dort herumschauen und uns zu unseren Ängsten noch tausend weitere Ängste aufbürden. “Wann kommt er denn?”, so fragen viele ängstlich – nicht Jesus, sonder der Dritte Weltkrieg. “Was kann dann in meinem Leben noch alles eintreten?”, so lautet die Frage, statt darum besorgt zu sein, daß Jesus in das Leben eintritt. Seinen Geliebten mutet Gott solche Ängste nicht zu. Für sie ist Er immer zu sprechen. Mit Seiner Gemeinde beschäftigt sich Gott selbst, das übergibt Er keinem anderen, weder einem Engel noch einem Erzengel noch einer anderen Macht. Titus 3, 14: “Er reinigt sich selbst ein Volk zum Eigentum”, das fleißig wäre in guten Werken, die Er selbst bereitgelegt hat.

Das köstlichste Wort aber – eigentlich sind es 7 Worte – finden wir in Joh. 16, 27: “Er selbst, der Vater, hat Euch lieb”. Was sind diese 7 Worte wert! Er selber hat uns lieb, und deshalb das Bemühen, die Seinen selber zu bewahren. Nehmen wir das doch mit, ganz besonders, wenn die tausend Ängste wieder anfangen wollen zu wühlen. Meistens wühlen sie ja nicht, wenn es um uns allein geht, sondern wenn wir für andere verantwortlich sind, die wir führen und leiten sollten, ihnen helfen, sie bewahren, sie zurückreißen – und wir können es nicht. Wir sind zum Nichtstun verurteilt und können nur noch die Hände falten und sprechen: “Du Gott und Vater, Du selber hast uns lieb, Du hast aber auch die anderen lieb.” Ein Gebet von Paul Le Seur anläßlich einer Evangelisation in München wird mir unvergeßlich bleiben: “Herr erbarme Dich über Deine Gläubigen! Herr, erbarme Dich über Deine Ungläubigen; denn Dein sind wir alle!”

Wie gut, daß wir schon heute Ihn erkennen und zu der Gemeinde gehören dürfen, die Gott für sich selbst bereitet, die Er bewahrt, weil Er sie gebrauchen will, weil Er ohne sie nicht weiterarbeiten möchte in den kommenden Zeiten, wenn die Erlösung in einem Maße sich ausweiten wird, wie wir das heute nicht für möglich halten. 

Diese Ausweitung der Erlösung ist der Inhalt des Prophetischen Wortes, das uns gegeben ist. Dieses Wort kann unser Herz beglücken und ruhig machen; denn dieses Wort sagt uns:

“Er selbst, der Vater, hat euch lieb!” Amen