Die Tiere: Auch die seufzende Kreatur soll befreit werden (Röm. 8, 19-22)

19 Denn die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei. 20 Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, 21 dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mit seufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt; 

Röm. 8, 19-22

Autor: Prof. E.F. Ströter, auszugsweise aus seinem Buch „Das Hohelied der Sohnschaft“, bearbeitet von Heinz Schumacher

Wohin führt uns nun der weitere Gedankengang des Apostels Paulus? Der Zusammenhang seiner Rede ist in keiner Weise unterbrochen. Was nun folgt, ist dazu bestimmt, uns Aufschluß zu geben über den Charakter eben der Herrlichkeit, zu der wir berufen sind als Söhne Gottes. Und was erfahren wir da? Man möchte eine ganz großartige Aufzählung und Vorführung all der hohen himmlischen Wesen und Geschöpfe erwarten, der starken Helden Gottes, der unbezwinglichen Heerscharen machtvollster Engel, Seraphim, Cherubim und wie sie genannt sind vor Dem, der sie alle geschaffen hat und mit Namen nennt. Eine glühende, strahlende Schilderung der Schönheiten, Lieblichkeiten, Schätze und Güter der himmlischen Welten, der Behausungen jener Millionen heiliger Engel. Wenigstens gehen die Gedanken vieler Christen mit einer solchen Beharrlichkeit in diese Richtung, daß man meinen sollte, es könne nichts anderes geben für unser Sehnen und Hoffen nach der zu offenbarenden Herrlichkeit.

Wohin weisen uns aber die Worte der Schrift? Nicht über alle Himmel hinaufsondern hinabin den Jammer der seufzenden Kreatur, die sich in Wehen windet bis auf den heutigen Tag. Da steht es massiv und handgreiflich vor uns: Die gespannte Erwartung der Kreatur sehnt die Offenbarung der Kinder Gottes herbei. Das ist der Leitgedanke des Apostels für die ganze nun folgende Abhandlung. Und vom schönen Himmel mit all den lieblichen Engelchen und anderen reizenden Geschöpfen ist auch nicht mit einer Silbe die Rede. Ob unser Gewährsmann die Sache wohl ganz richtig erfaßt hat? Er war doch selber einmal verzückt ins Paradies (2. Kor. 12,4), und wenn er auch die Worte nicht wiedergeben durfte, die er dort gehört, so wird ihm doch wohl noch im Geiste gegenwärtig geblieben sein, was er dort von der erlösten Kreatur gesehen. Denn das Paradies ist doch gar nicht zu denken ohne eine aus den Banden der Sterblichkeit und Knechtung befreite Kreatur. Die theologische Erfindung, daß ein Teil des Totenreiches das Paradies sei, ist auch nicht durch einen Faden Schriftzeugnis zu stützen.

Was sagt und singt und jubiliert doch der 8. Psalm von dem zuerst erniedrigten, dann aber hoch erhöhten Menschensohn? »Du wirst ihn herrschen lassen über die Werke Deiner Hände, alles hast Du unter seine Füße gelegt.« Und was kommt dann? Wieder nicht Engel oder Erzengel, sondern die ganze Reihe der von uns ohne weiteres als »unvernünftig« abgetanen Geschöpfe: Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel des Himmels, die Fische im Meer. Und dazu wird gesagt: »Jehovah, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde!« Wer kann sich denn bei unsern sehr frommen Christen überhaupt für die Tierwelt begeistern und etwas Großes darin finden, daß der Menschensohn einmal als der zweite und letzte Adam über all diese wimmelnden Geschöpfe Seines Vaters herrschen soll, aus denen wir kaum viel mehr zu machen wissen als Reit- und Lasttiere, Schlachttiere, die wir uns gut schmecken lassen, und als sehr nützliche Lieferanten von famosem Schuhzeug und von warmen Kleidern und von allerliebsten Federchen, mit denen die Frauen ihre Hüte schmücken? Und doch muß unser großer Schöpfergott sich damals etwas Großes gedacht haben, als Er bestimmte, daß der in Seinem Ebenbild geformte Mensch über diese ganze bunte, reiche Schöpfung herrschen solle.

Was verstehen wir denn überhaupt noch von ihr? Wer von unseren bedeutendsten Gelehrten und Naturforschern kann uns auch nur von einem einzigen Würmlein im Staube oder einem einzigen Vogel auf den Dächern oder von einem der Milliarden stummer Fische in den Meerestiefen sagen, was der Gedanke Gottes gewesen sei, der in diesem Geschöpf seinen entsprechenden Ausdruck gefunden hat? Oder hat Gott gedankenlos alles dies nur so von selbst werden lassen? Ist nicht jedes Werk Gottes, sei es noch so klein, ein Ausdruck Seines heiligen und vollkommenen Wollens und Planens? Ja, es war einmal eine Zeit – O wie weit liegt sie doch hinter uns! -, da gab es einen Menschen auf der Erde, der im Buche der Schöpfung zu lesen verstand. Er war die Krone der ganzen Schöpfung, das Ebenbild des lebendigen Gottes, wenn auch aus Erdenstaub geformt. Es gehörte mit zu seinem anerschaffenen Adel, zu seiner königlichen Würde, daß er jedes auf Gottes Schöpferwort entstandene Wesen mit seinem richtigen Namen benennen konnte (1. Mose 2, 19.20). Und etwas benennen können heißt es beherrschen. Wer kann denn das heute noch? Es ist ja ein babylonisches Durcheinander von allen erdenklichen, schrecklich gelehrt klingenden Namen, die unsere hochgepriesene Naturwissenschaft den Tieren beizulegen beliebt. Aber was sagen sie uns von Gottes Gedanken, die in den Wesen ihren Ausdruck finden? Nicht einmal den Schatten einer Ahnung haben wir mehr davon. Wir sind entsetzlich tief gesunkene Majestäten. Das ist auch hieran erschreckend deutlich zu erkennen. Nur was wir selbst fabrizieren -Tintenfässer, Regenschirme, Stecknadeln und anderen toten Kram können wir mit entsprechenden Namen benennen. Aber nicht einmal unseren eigenen Kindern, die unser Fleisch und Blut sind, können wir richtige Namen beilegen, die ihr wahres Wesen und ihren Beruf im Leben bezeichnen.

Was finden wir denn an jenen wunderbaren Lebewesen, die den Thronwagen der himmlischen Schöpfermajestät bilden? Von ihren vier Angesichtern ist nur eines ein menschliches (Offb. 4, 7). Daneben, auf gleicher Höhe, ist der Löwe, der Stier, der fliegende Adler. Was haben denn die da zu suchen? Ja, wer von uns stolzen Menschen das noch wüßte! Aber eins ist gewiß: Da sind sie, und da werden sie wohl auch bleiben, ob uns diese Gesellschaft ganz sympathisch ist oder nicht. Denn unser Gott hat auch mit der Tierschöpfung noch ganz unergründliche Gedanken, sonst befänden sie sich nicht dort, wo es sich um Seine herrliche Machtentfaltung handelt. Wir werden wohl noch umzulernen haben, was die Wertschätzung der jetzt noch seufzenden Kreatur anbetrifft. Wir kommen uns sehr fromm vor und halten es für eine »himmlische« Gesinnung, wenn wir singen und seufzen: Fort, fort von hier gen Himmel! Aber das allein ist noch lange keine himmlische Gesinnung! Die bedeutet vielmehr, daß wir gesinnt sind wie Jesus Christus, Menschensohn und Gottessohn, der den Vater besser verstanden hat als unsere frömmsten Theologen und Dichter. Was Gott von Seiner Schöpfung denkt, sollen wir Ihm nachdenken – das gehört zur himmlischen Gesinnung, und nicht nur das beständige Denken an den eigenen überschwenglichen Genuß unaussprechlicher Seligkeit im Himmel.

Hat es uns nichts zu sagen, daß die Schrift, dieser getreue Spiegel der wahrhaftigen Gedanken unseres Gottes, von einem LammeGottes redet und von einem Löwen aus Juda und daß sie den persönlichen Heiligen Geist erscheinen läßt in Gestalt einer Taube? Sind diese der tierischen Schöpfung entnommenen Bezeichnungen etwa ganz unpassend und unzulänglich? Es wäre doch ein Stück Vermessenheit, das behaupten zu wollen. Es muß im Wesen dieser Geschöpfe etwas ausgesprochen liegen, was mit dem göttlichen Wesen harmoniert und für dieses als Symbol gewählt werden kann.

Zur Vervollständigung des Gesagten über Gottes Gedanken mit der zu befreienden Kreatur sei noch auf Jes. 11,6-8 hingewiesen: Es wird der Wolf bei dem Lämmlein wohnen, der Leopard bei dem Böcklein liegen. Das Kalb, der junge Löwe und das Mastvieh werden beieinander sein, so daß ein kleiner Knabe sie treiben kann. Kuh und Bärin werden miteinander weiden und ihre Jungen zusammen lagern. Der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Der Säugling wird spielen am Loch der Otter, der Entwöhnte seine Hand ausstrecken nach der Höhle des Basilisken. Das sind gar liebliche und erquickliche Bilder einer glücklichen Zeit, da die Todfeindschaft zwischen Tier und Mensch sowie zwischen Tier und Tier aufgehoben sein wird. Das ist das verlorene und dann wiederhergestellte Paradies, in dem der reumütige Verbrecher, wie der Gekreuzigte es ihm verhieß, zu Seiner Seite Ihm begegnen wird.

Auch begegnen uns im Leben Jesu wenige, doch vielsagende Proben von der ursprünglich gottgewollten Herrschaft des Menschen über die Kreatur. Wind und Meer sind Ihm gehorsam. Die tückische Wasserflut, die vor Vergnügen gurgelt, wenn sie wieder einen »Herrn der Schöpfung« verschlungen hat, muß des Menschen Sohn und Seinen Jünger gehorsam tragen auf des Meisters Wort. Jesus bedarf eines Eselsfüllens, damit die Schrift erfüllt werde. Wer den orientalischen Graurock kennt, weiß, wie anders der geartet ist als unser zahmes Langohr. Aber trotz allem Getöse und Gejubel der berauschten Menge trägt Ihn das Tier, das in Ihm seinen Meister erkennt, ruhig in die erregte Stadt der Tochter Zion. Das sind nur ein paar Proben von der willigen Unterwerfung der Kreatur unter des Menschen Sohn. Wem das nicht »himmlisch« und »geistlich« genug vorkommt, mit dem wollen wir nicht streiten; aber uns erscheint das weit himmlischer als alles süßliche Gerede von seligen Gefühlen, in denen man da schwelgen will, und wozu die lieben Engelchen die Dekorationen und die Sphären die Musik liefern sollen. Wenn Winde Seine Engel und Feuerflammen Seine Diener sind – nach der Schrift, die nicht gebrochen werden kann -, dann werden manche fromm-ästhetischen Phantasiegebilde wohl den Weg alles Fleisches zu gehen haben. Unser Gott ist ein ganz großartig praktischer Realist, der von der kreatürlichen Leiblichkeit eine etwas andere Vorstellung hat als die supergeistigen Frommen unserer Tage, die am liebsten alles vergeistigen möchten, was geschrieben steht. Gott selbst übernimmt alle Verantwortung für die kreatürliche Leiblichkeit und schiebt sie keineswegs dem Teufel zu oder den Dämonen und »Äonen« der Gnostiker.

Wenn Er Seinen inspirierten Propheten von der zukünftigen Neuordnung der Dinge, von der ganz neuen Kultur und Kunst und Wissenschaft und Technik weissagen läßt, dann spricht Er: »Ich will Gold anstatt des Erzes und Silber anstatt des Eisens bringen und Erz anstatt des Holzes und Eisen anstatt der Steine« (Jes. 60, 17). Nicht statt Erz, Stein und Holz wunderbare Empfindungen, überschwengliche Stimmungen, entzückende Vorstellungen und Ideenbilder. Leiblichkeit ist das Ende Seiner Wege. Gott »geoffenbart im Fleisch« (1. Tim. 3, 16) ist die höchste Stufe Seiner Selbstkundgebung an die Menschheit und die Engelwelt. Aus dem Staube der Erde formt Er Sein eigenes Bild. Das ist Gottes Methode und Ziel.

Hat man denn aus der Bibel oder Natur irgendwelchen Beweis dafür gefunden, daß es irgendwo oder irgendwann im Bereich der göttlichen Schöpfung Wesen, Zustände und Verhältnisse geben kann und soll, die sich im tiefsten Grunde ihrem Bestande nach grundsätzlich von dem unterscheiden, was wir hier auf der Erde und im Lufthimmel kennen und haben? Die Sternkunde gibt nur ein einziges Zeugnis dafür ab, daß auch die glänzendsten Himmelskörper aus genau den gleichen Gasen, Substanzen, Atomen und Molekülen bestehen, wie unser Erdball. Man  spanne doch einmal seine Phantasie vor den hochfliegendsten Wagen, um sich »himmlische« Zustände auszumalen – wird man je über das hinauskommen können, was diese Erde sein würde, wenn nur keine Sünde, kein Tod, kein Verderben, kein Leid und kein Geschrei hier wären? Was für Sprachgefäße gebraucht denn der Geist der Weissagung, wenn es sich um die Schilderung der Stadt Gottes handelt, die Grundfesten hat? Gewiß, wenn man den Mut hat, das alles in Stimmung und frommes Gefühl umzudeuten, was dort von goldenen Gassen, von edlen und glänzenden Steinen und kostbaren Perlen geredet ist, dann mag man es ja tun. Aber dann höre man auch auf, Gottes Wort anderswo für bare Münze zu nehmen. Wenn das nicht Realitäten sind, wo soll es denn welche geben? Dann kommt das Reich der unvergänglichen Wirklichkeiten, die keinem Tode, keinem Siechen, Welken und Verblassen mehr ausgesetzt sind in Ewigkeit.

Geheimnisvoll ist uns ja die Sprache des Apostels, wenn er von der gespannten Erwartung der Kreatur spricht. Wie wenig verstehen wir von ihrem Sehnen, wie wenig kümmert uns ihr unausgesprochener, aber gewiß tief empfundener Schmerz! Gar zu sehr von oben herab urteilen wir über ihr Seufzen, ihre ergreifenden Wehen. Wie haben wir doch so ganz vergessen, daß wir Menschenkinder die alleinige Schuld an ihrem Jammer, ihrer Unterworfenheit unter die Sterblichkeit tragen! Denn die Kreatur hat nicht gesündigt, wohl aber wir. Wie laut und ergreifend ist doch diese stumme Predigt von unverschuldetem Leiden, das sie um unsertwillen zu ertragen hat!

Und das Wort erklärt, die Erwartung der Kreatur sehne die Offenbarung der Kinder Gottes herbei. Liegt darin nicht auch wieder ein gerechter Vorwurf an so viele Kinder Gottes, die nicht einmal selber ihre »Offenbarung« herbeisehnen, sondern nur die Stunde, da sie der geängsteten Kreatur den Rücken kehren und sich in den »schönen Himmel« zu den Engeln zurückziehen, wo sie nur in lauter Seligkeiten schwelgen, sich aber gar nicht um die zurückgebliebene Kreatur kümmern wollen? Was aus der wird, daran liegt ihnen nichts, wenn sie nur selig sind! Aber der große Schöpfer- und Rettergott, der die Kreatur aus Erbarmen gegen uns der Sterblichkeit mit unterwarf, der hört und vernimmt ihr Sehnen nach unserer Offenbarung, und Er wird es nicht vergessen noch versäumen. Der HERR erbarmt sich aller Seiner Werke, auch der seufzenden unvernünftigen Kreatur. Sie ist auf Hoffnung hin unterworfen. Und wenn unser Verständnis für eine solche kreatürliche Hoffnung auch sehr beschränkt und unentwickelt ist, das Seinige ist dafür desto besser. Ihm, unserem Herrn, hat der Vater alles unter die Füße getan und Ihm Vollmacht gegeben über alles Fleisch.

Stellen wir uns wohl jemals vor, was für ein furchtbares Los es für die Menschheit geworden wäre, wenn die übrige Kreatur, die nicht gesündigt, rings um uns her nicht der Sterblichkeit unterworfen wäre? Wie unsäglich viel bitterer wäre uns das Sterben geworden, wenn wir, die berufenen Herren der Kreatur, dem Tode fort und fort Tribut zu entrichten gehabt hätten, sie aber wäre davon frei gewesen. Wie würden wir sie dann gehaßt, verwünscht, verflucht haben und hätten ihr dennoch nichts anhaben können. Jedes Lob der gefiederten Sänger wäre ein unausstehlicher Hohn auf uns Knechte der Todesfurcht gewesen! Es war eine unbeschreibliche Gnade und Freundlichkeit Gottes, als Er die Kreatur mit unterwarf. Und wie dankbar dürfen wir sein, daß es »auf Hoffnung« geschah, wie geschrieben steht.

»Denn auch die Kreatur soll frei werden von der Knechtschaft der Sterblichkeit zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. « Ausdenken und ausmalen können wir uns das nicht. Der bloße Gedanke an unsterbliche Tiere – Pferde, Hunde, Vögel, Fische – kommt uns so unerhört, fast abgeschmackt vor, daß wir uns damit gar nicht vertraut gemacht haben. Und doch sind ihre Urbilder und Repräsentanten schon äonenlang in den Cherubim die Träger und Zeugen göttlicher Schöpferherrlichkeit und -majestät. Das haben wir kaum beachtet. Wir sind eben furchtbar belastet durch die herkömmliche philosophische Behandlung besser Mißhandlung – aller biblischen Begriffe und Vorstellungen. Der uralte heidnische Dualismus, den man in die Schöpfung hineinphilosophiert hat, wonach nur der Geist gut sei, die Materie aber inhärent böse, sitzt entsetzlich tief im heutigen christlichen Denken.

Mit gesunder Entrüstung wendet sich F. Bettex in »Symbolik der Schöpfung und Ewige Natur« gegen diese Unart der Verflüchtigung biblischer Realitäten:

»Einen natürlichen und vor allem einen leiblichen Himmel lehrt die Bibel. Denn Gott hat den Menschen nach Leib, Seele und Geist geschaffen und will ihn einst in Seinem Reich nach Leib, Seele und Geist aufnehmen, bewirten, erquicken und unendlich erfreuen. Weil das aber Wahrheit ist, wird keine Lehre so eifrig und beharrlich von dem Geist, der stets verneint, bekämpft, verfälscht und verdeckt… Weg mit den platten Vernebelungen der herrlichen, von Gottes Wort uns verkündigten ewigen Natur! Haben wir den Mut, es diesem lieben Vater zu glauben, wenn Er uns etwas davon sagt, wie gut wir es einst bei Ihm haben sollen…!«

Weiter bezeugt der Apostel, daß die seufzende Kreatur in Wehen liege bis jetzt. Wehen sind schmerzlich. Aber sie sind der unerläßliche Durchgang zu neuem Leben. Das wissen wir schon aus dieser alten Schöpfung. Es liegt also schon in dem hier gewählten Ausdruck die Zusicherung eines ganz neuen Wesens und Lebens. Lassen wir darüber wieder dem wackeren Bettex das Wort: »Was soll sie denn gebären? Die neuen Himmel und die neue Erde. Warum kreist rastlos die Erde um die Sonne, kehrt immer wieder in die Sonnennähe zurück, schöpft dort neue Kräfte und fängt unermüdlich neuen Umlauf an? Warum rollt eintönig seit Jahrtausenden die Welle am Strande die Millionen Kiesel auf und ab und schleift sie glatt und rund in mühevoller Sisyphusarbeit? Warum streben die Flüsse ohne Ruhe nach dem Meer, und Winde und Wolken kreisen ewig um die Welt? – Wie müht sich jedes Jahr, wie am dritten Tag der Schöpfung, die Erde mit rührender Treue, Gras hervorgehen zu lassen und Bäume, die ihren Samen bei sich tragen, und arbeitet stets daran, gute Früchte zu bringen; und verderben sie ihr immer wieder Fröste und das Heer des Zerstörers, oder versengt sie die Trockenheit, oder frißt sie im Keim der Wurm des Verderbens, so versucht sie es immer wieder und treibt und treibt zur Frucht im Sonnenlicht als Offenbarung ihrer Fruchtbarkeit… Oder meinst du, diese ungeheure, unbegreifliche, alle Geschöpfe erdrückende Arbeit und Last des Daseins sei umsonst und vergeblich? Glaubst du, es plagen sich die Fixsterne am Himmel und die Atome im Wassertropfen, es keuchen die Planeten in ihren Bahnen und die Menschen hinter dem Pflug um nichts und wieder nichts, nur damit dieser Betrug des irdischen Lebens und dieses elendeste aller Dasein sich durch die Jahrtausende hin weiterspinnt? Dann allerdings „lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot“ (1.Kor. 15,32)!«

So hört das dem Glauben geöffnete Ohr im Seufzen der in Wehen liegenden Schöpfung deutlich die Stimme dessen, der gesagt hat: »Siehe, ich mache alles neu!«