Die Rettung durch die eherne Schlange (4. Mose 21, 4-9, Joh. 3, 14-15)

14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muß der Sohn des Menschen erhöht werden, 15 damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.

Joh. 3, 14-15

4 Da zogen sie vom Berg Hor weg auf dem Weg zum Roten Meer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Aber das Volk wurde ungeduldig auf dem Weg. 5 Und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt, damit wir in der Wüste sterben? Denn hier gibt es weder Brot noch Wasser, und unsere Seele hat einen Ekel vor dieser elenden Speise!6 Da sandte der Herr Seraph-Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, so daß viel Volk in Israel starb. 7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, daß wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bitte den Herrn, daß er die Schlangen von uns wegnimmt! Und Mose bat für das Volk.8 Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine Seraph-[Schlange] und befestige sie an einem Feldzeichen; und es soll geschehen, wer gebissen worden ist und sie ansieht, der soll am Leben bleiben! 9 Da machte Mose eine eherne Schlange und befestigte sie an dem Feldzeichen; und es geschah, wenn eine Schlange jemand biß und er die eherne Schlange anschaute, so blieb er am Leben.

4. Mose 21, 4-9

1 Ich will aber nicht, meine Brüder, daß ihr außer acht laßt, daß unsere Väter alle unter der Wolke gewesen und alle durch das Meer hindurchgegangen sind. 2 Sie wurden auch alle auf Mose getauft in der Wolke und im Meer, 3 und sie haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen und alle denselben geistlichen Trank getrunken; 4 denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der ihnen folgte. Der Fels aber war Christus.5 Aber an der Mehrzahl von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen; sie wurden nämlich in der Wüste niedergestreckt. 6 Diese Dinge aber sind zum Vorbild für uns geschehen, damit wir nicht nach dem Bösen begierig werden, so wie jene begierig waren.7 Werdet auch nicht Götzendiener, so wie etliche von ihnen, wie geschrieben steht: »Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um sich zu vergnügen«. 8 Laßt uns auch nicht Unzucht treiben, so wie etliche von ihnen Unzucht trieben, und es fielen an einem Tag 23 000. 9 Laßt uns auch nicht Christus versuchen, so wie auch etliche von ihnen ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht wurden. 10 Murrt auch nicht, so wie auch etliche von ihnen murrten und durch den Verderber umgebracht wurden.11 Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder, und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben, auf die das Ende der Weltzeiten gekommen ist. 12 Darum, wer meint, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle!

1. Kor. 10, 1-11

Autor: Adolf Heller, auszugsweise aus seinem Artikel “Gottes Wunder in der Wüste”.
Gottes Wunder in der Wüste (kahal.de)

Trotz vielerlei Gnadenerweisen und Liebesführungen, Bewahrungen und Durchhilfen murrte Israel immer wieder.

So berichtet uns 4. Mose 21, 9: “Und Mose machte eine Schlange von Erz und tat sie auf eine Stange; und es geschah, wenn eine Schlange jemand gebissen hatte, und er schaute auf zu der ehernen Schlange, so blieb er am Leben”

Wir wollen auch aus dieser Geschichte nur einige wesentliche Züge herausgreifen und sehen, was die eherne Schlange und ihre spätere Geschichte uns zu sagen hat. 

Saraphs, brennende oder feurige Schlangen, wurden von Gott als Strafe für das Mißtrauen und Murren geschickt.

Sind diese brennenden, Schmerzen verursachenden Schlangen nicht ein treffliches Abbild unsrer Gewissens- und Gemütsvorgänge, wenn wir nicht in dankbarem Gehorsam vor Gott stehen? Haben wir nicht oft erfahren, daß unser Herz voll Angst und Unruhe, voll bohrender Zweifel und brennender Scham ist, solange unser Verhältnis zum Herrn nicht in Ordnung ist? Muß nicht selbst ein Goethe, dieses Schoßkind des Glücks und Erfolgs, in einem Brief an die Gräfin von Stolberg über eine Zeit voll Freude und Vergnügungen bekennen: “Mir wars in alledem wie einer Ratte, die Gift gefressen hat; sie läuft in alle Löcher, schlürft alle Feuchtigkeit, verschlingt alles Eßbare, das ihr in den Weg kommt, und ihr Inneres glüht von unauslöschlichem Feuer”? –

Mose wird wiederum zum Mittler des Heils. Rasch wird eine gewundene Rille in den Wüstensand gegraben; Erz wird geschmolzen und zum Erkalten in den angefeuchteten Sand gegossen. Inzwischen wurde ein langes Holz hergerichtet, die eherne Schlange daran geheftet und die Stange mit dem Sinnbild der Sünde in den Boden gerammt.

Nicht wer sich im Kampf gegen die feurigen Schlangen abmühte, nicht wer, der eignen Not vergessend, den andern half, sondern wer glaubend auf die erhöhte Schlange schaute, wurde mit einem Male gesund. Daß dieses Ereignis Golgatha vorschattet, hat der Herr selbst mit den Worten bezeugt: “Gleichwie Mose in der Wüste eine Schlange erhöhte, also muß der Sohn des Menschen erhöht werden, auf daß jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe” (Joh. 3, 14. 15).

Welche einfache, wichtige Lehre gibt doch die eherne Schlange! Nicht unsre Bemühungen und Leistungen, sondern das gläubige, vertrauende Anschauen des ans Kreuz erhöhten Herrn vermögen die brennenden Wunden der feurigen Schlangen aufs völligste und sofort zu heilen. Nicht in dem, was wir sind und tun, wird unser schreiendes Gewissen zum Schweigen gebracht, sondern in dem, was der Herr ist und was Er getan hat.

Nicht ein Gerät aus dem Heiligtum oder Allerheiligsten wurde erhöht, sondern eine Schlange. Der zur Sünde gemachte Christus und nicht das Vorbild des heiligen Menschensohnes Jesus bedeutet die Grundlage unsres Heils. Wie sehr ist diese einfache Wahrheit noch heute bis hinein in die frömmsten Kreise verschüttet und entstellt! Immer wieder macht man die Rechtfertigung von irgendeinem verdienstlichen Werk des Geschöpfes statt von der allgenugsamen Heilstat Christi abhängig. Weder Buße noch Bekenntnis, Rückerstattung noch Dulden und Dienen, sondern allein das Kreuz ist das tragende Fundament unsrer Errettung. Der Blick auf die eherne Schlange, das Anschauen des gekreuzigten Christus vermittelt uns das Heil.

Der Mensch neigt dazu, sich an sichtbare Zeichen zu hängen und das Wesen, den geistigen Inhalt einer Sache oder Wahrheit zu vergessen. Das finden wir auch, wenn wir die Geschichte der ehernen Schlange verfolgen. Die Kinder Israel nahmen nämlich die Nechustan (Kupferling, kupferne Schlange) mit und brachten ihr später Opfer dar. Statt des lebendigen Gottes verehrten sie totes Metall.

König Hiskia (zu deutsch: meine Stärke ist der Herr), der Sohn Alias, führte bald nach Beginn seiner Regierung eine gründliche Reform durch. Sie brachte eine innere Reinigung und Einigung, die Abschaffung der “Höhen”, der Stätten des Naturdienstes und Aberglaubens. Dabei zerstörte er auch die Nechustan. Vielleicht hatten die Israeliten an den ägyptischen Schlangengott Serapis gedacht oder den vielfachen Schlangenkult andrer Völker nachgeahmt, als sie die eherne Schlange anbeteten, – auf jeden Fall hatten sie den lebendigen Gott und das Wunder Seiner Rettungswege vergessen und waren in einen äußerlichen Götzendienst verfallen.

Stehen wir nicht in gleicher Gefahr? Rücken nicht auch wir gottgegebene Mittel ins Zentrum und verdrängen so den Herrn selbst? Schwindet nicht oft in unserm Leben der vertraute Umgang mit Gott vor lauter äußeren Dingen, die an und für sich weder verkehrt noch böse sind? Wie viele verfechten mit großem Eifer und Scharfsinn diese oder jene “Lehre”, opfern Zeit und Kraft, Geld und Gut für Nebensächlichkeiten.

Und wie steht es mit der Liebesgemeinschaft und Lebenseinheit mit und in Christus? Wie viele ruhen auf wirklichen oder eingebildeten Heilserfahrungen aus, die sie vor Jahren oder Jahrzehnten machten, und sind aus dem Zustand des Erwecktseins oder gar des Erfaßt- und Erfülltseins mit Gottes Geist in ein totes Zeremoniell inner- oder außerkirchlicher Art hineingeglitten! Das Wort: “Wache auf, der du schläfst”! rief Paulus nicht christusfernen Heiden, sondern Gliedern der Christengemeinden zu.

Wie heißt die Nechustan, der wir opfern? Laßt sie uns zerschlagen, damit ein Neues erstehe und Christus allein uns wirklich alles werde! Vergessen wir nicht, daß alle jene Dinge zu unsrer Ermahnung geschrieben sind!  

Gott ist für uns!
(Römer 8, 31)
Gott ist für uns! Wer könnte uns da schaden?
Mehr als ein Vater seinem eignen Sohn
Strömt Er uns zu das Vollmaß Seiner Gnaden
Und schenkt uns Seiner Liebe Licht und Lohn.
Und wenn Vertrauen mir und Freude wich:
Gott ist für mich!

Gott ist für mich! Nie steht Er fremd und feindlich
Uns gegenüber, wenn’s auch oft so scheint;
Stets ist Sein Herz uns zugeneigt und freundlich,
Und immer nur zum Besten Er es meint.
Wenn manchmal jäh mir Glück und Glanz verblich, –
Gott ist für mich!

Gott ist für uns, das wollen fest wir fassen,
Auch wenn die Seele weint in herbem Weh.
Er kann und will uns nie und nimmer lassen
Und führt uns treu, was immer auch gescheh’.
Ob tiefe Angst mich manchmal auch beschlich, –
Gott ist für mich!

Hat Gott umsonst uns Seinen Sohn gegeben,
Vergebens uns den Heilgen Geist verliehn?
Wie sollte Er da nicht Sein eignes Leben
Uns weihen, um uns ganz zu Sich zu ziehn?
Er bleibt getreu, läßt keinen je im Stich; –
Er liebt auch mich!

In größrem Umfang, als wir je begriffen,
Hat Er für uns das Beste nur ersehn,
Gleich einem Diamanten uns geschliffen,
Daß wir im hellsten Glanze vor Ihm stehn.
0 fasse es: Er will mich ganz für Sich;
So liebt Er mich!

A. H.