Alles traf ein! (Josua 21, 43-45)

43 So gab der Herr Israel das ganze Land, von dem er geschworen hatte, es ihren Vätern zu geben, und sie nahmen es in Besitz und wohnten darin. 44 Und der Herr verschaffte ihnen Ruhe ringsum, ganz so, wie er ihren Vätern geschworen hatte; und keiner ihrer Feinde konnte vor ihnen bestehen, sondern der Herr gab alle ihre Feinde in ihre Hand. 45 Es fehlte nichts an all dem Guten, das der Herr dem Haus Israel verheißen hatte; alles war eingetroffen.

Josua 21, 43-45

Autor: Adolf Heller, aus GuH

Nach 40 Jahren des Murrens und der Untreue brachte Gott sein Volk und Erbe dennoch in das Land, das er ihm verheißen hatte. Trotz Israels Sünde und dauernden Versagens erfüllte er „alle die guten Aussprüche”, die er geredet hatte. So wahr und köstlich diese drei Worte „Alles traf ein” auch damals waren, so sind sie doch zutiefst Prophetie. Denn wenn auch Israel damals das ihm zugesagte Land besetzte und seine Segnungen genoss, so waren doch die einst seinem Stammvater Abraham verheißenen Grenzen noch lange nicht erreicht und sind es auch heute noch nicht.

Gott hatte ja Abraham versprochen, seinem Samen das Land vom Nil bis zum Euphrat zu geben (1. Mose 15, 18). Das ist aber, wie uns ein flüchtiger Blick auf die Landkarte bestätigt, ein wesentlich größeres Gebiet als das heutige kleine Palästina. Darum haben diese Worte „Alles traf ein” neben ihrer zeitgeschichtlich beschränkten auch eine prophetische Zukunftsbedeutung.

Nun bezeugt uns Gottes Wort, dass die Echtheit göttlicher Prophetie dadurch bewiesen wird, dass das, was ein Prophet verheißt, auch wirklich eintrifft, und dass umgekehrt das Nichteintreffen der Erfüllung einer Prophetie der Beweis dafür ist, dass kein wirklicher Prophet gesprochen hat. Lesen wir etwa: „Der Prophet, der sich vermessen wird, in meinem Namen ein Wort zu reden, das ich ihm nicht geboten habe zu reden, oder der im Namen andrer Götter reden wird: selbiger Prophet soll sterben. Und wenn du in deinem Herzen sprichst: Wie sollen wir das Wort erkennen, das der Herr nicht geredet hat?: wenn der Prophet im Namen des Herrn redet und das Wort geschieht nicht und trifft nicht ein, so ist das das Wort, welches der Herr nicht geredet hat; mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet, du sollst dich nicht vor ihm fürchten!” (5. Mose 18, 20—22; vgl. Jer. 28, 9 u. a.!)

Andrerseits kann, gerade beim Nahen der Endzeit, nicht ernst und deutlich genug darauf hingewiesen werden, dass das Eintreffen einer Verheißung noch lange kein eindeutiger Beweis dafür ist, dass ein Prophet Gottes gesprochen hat (vgl. 5. Mose 13, l—3!). Denn auch die Dämonen können voraussagen und Wunder und Zeichen tun, wovon ja die ägyptischen Zauberer Proben gaben (2. Mose 4, 1—9; 7, 10—12).

Wer sich nicht mit dem lebendigen Gotteswort begnügen will, dafür aber Zeichen und Wunder sucht, wird dem Betrug der Dämonen verfallen und früher oder später daran elend zugrunde gehen. Das kann gerade in unsrer Zeit, in der die Finsternismächte auf tausenderlei Weise von den Menschen Besitz zu ergreifen suchen, gar nicht ernst genug gesagt werden. —

Als Josua seinen Tod herannahen fühlte, bestätigte er nochmals feierlich die Zuverlässigkeit und Unverbrüchlichkeit der Zusagen Gottes mit den Worten: „Siehe, ich gehe heute den “Weg der ganzen Erde; und ihr wisset mit euerm ganzen Herzen und eurer ganzen Seele, dass nicht ein Wort dahingefallen ist von all den guten Worten, die der Herr, euer Gott, über euch geredet hat; sie sind euch alle eingetroffen, nicht ein Wort davon ist dahingefallen” (23, 14). Gott setzt seine ganze Ehre darein, dass er sein gegebenes Wort auch wirklich hält und seine Zusagen auszuführen vermag. So sagte er z. B. einmal zu Mose: Ist die Hand des Herrn zu kurz (wörtlich: verstümmelt!)? Jetzt sollst du sehen, ob mein Wort dir eintrifft oder nicht!” (IV. Mo. 11, 23), und in Jes. 42, 8. 9 bezeugt er in heiligem Eifer von sich: „Ich bin der Herr, das ist mein Name; meine Ehre gebe ich keinem andern noch meinen Ruhm den geschnitzten Bildern. Das Frühere, siehe, es ist eingetroffen, und Neues verkündige ich; ehe es hervorsprosst, lasse ich es euch hören.”

In Jes. 48, 5. 5 bestätigt er sein eignes, echtes Prophetentum mit den Worten: „Ich habe das Frühere vorlangst verkündet, und aus meinem Munde ist es hervorgegangen, und ich habe es hören lassen; plötzlich vollführte ich es, und es traf ein. Ich habe vorlängst dir verkündet; ehe es eintraf, habe ich es dich hören lassen, damit du nicht sagen möchtest: mein Götze hat es getan und mein geschnitztes und gegossenes Bild hat es geboten.”

Die eigentlichen und letzten Fragen, die das Herz eines Geschöpfes bewegen und erregen, sind diese: ist das oberste und höchste Wesen, das alles ins Dasein gerufen hat und das wir Gott nennen, ein grausamer Egoist und Tyrann oder ist er wirklich die Liebe? Und das zweite Rätsel, dessen Lösung wir mit brennendem Herzen finden mochten, lautet: hat dieser Gott genug Weisheit und Macht, um das, was er sich vorgenommen hat, auch wirklich zustande zu bringen, oder gibt es Wesen und Welten, die seinen Liebes- und Vollendungswillen durchkreuzen und verunmöglichen können?

Wenn diese beiden Fragen nicht gelöst sind, dann ist das Menschsein eine ununterbrochene Furcht und Qual. Diese Lösung kann und darf natürlich bei unserm gefallenen, sündigen Zustand nicht rein verstandesmäßig sein. Das wäre Gift für uns! Sie muss eine glaubens- und liebesmäßige sein, die, von menschlicher Seite gesehen, auf unserm Glaubensgehorsam und unsrer Liebeshingabe beruht.

 Nun hat uns Gott sein Wort gegeben und uns dadurch sein ganzes Herz enthüllt. Es gibt ja viele Menschen, die in scheinbarer Demut und in heiligem Ernst behaupten: „Wie Gott im tiefsten Innern seines Wesens ist und was er tut und tun wird, können Wir nicht wissen.” Wir wollen ihre Ansicht durchaus nicht schmähen. Aber wir möchten uns doch lieber an unserm gottgeschenkten Bruder und Lehrer, den Apostel Paulus halten, der die ausgesprochene Aufgabe hatte, das Wort Gottes auf sein Vollmaß zu bringen oder in die Fülle zu führen (Kol. 1, 25), der frohlockte: „Er (d. i. Gott) hat uns kundgetan (oder wissen lassen) das Geheimnis seines Willens!” (Eph. 1, 9).

Wer freilich dieses Zeugnis ablehnt und sich lieber auf den israelitischen Boden von 5. Mose 29, 29 stellt — „Das Verborgene (oder Geheimnis) ist des Herrn unsres Gottes” — und daraus folgert, die Geheimnisse Gottes gingen uns nichts an, denn wir seien nicht seine Geheimräte, der muss auch 1. Kor. 4, 1 — ..Dafür halte man uns: für Verwalter (oder Haushalter) der Geheimnisse Gottes!” — und viele andre Stellen der Schrift streichen. Ihm geschehe nach seinem Glauben, aber er sehe zu, dass es ihm nicht nach Offbg. 22, 19 ergeht! Was Gott zusagt, das hält er gewiss, und was er verheißt, das trifft auch ein. All sein Wohlgefallen wird er ausrichten in den Himmeln und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen. Sein Wohlgefallen oder Wonnewille ist aber nicht Tod und Verderben und endlose Qual, sondern Heil und Rettung, Friede und Seligkeit. Wenn Gott das nicht wollte, so wäre er nicht die Liebe, und wenn er es nicht könnte, weil er etwa vor der Dickköpfigkeit oder Dummheit der Menschen kapitulieren müsste, dann wäre er nicht allmächtig, sondern ein ohnmächtiger Götze. Das zu denken oder gar auszusprechen, grenzt aber an Lästerung.

„Alles traf ein!” Was liegt doch in diesen drei Wörtlein verborgen! Wer etwas weiß von der vorbildlichen Bedeutung des Alten Testamentes, wem die prophetischen und symbolischen Linien der Gesamtschrift aufzuleuchten beginnen, den erfüllt dieses kleine, unscheinbare Sätzlein mit tiefer, heiliger Freude. Wir wollen an einem rein äußeren, geschichtlichen Vorbild sehen, wie wichtig es ist, dass „alles eintrifft”. Schlagen wir Esra 8. 28—34 auf! Wie war doch damals die Lage? Artasasta, der König von Persien, hatte, weil Gott es ihm ins Herz gab, verfügt, dass die Israeliten nach Jerusalem zurückkehren durften und an goldenen und silbernen Schätzen mitnehmen konnten, was irgend sie bekamen. In einem Geleitbrief (man lese diese Verfügung von weltpolitischer Bedeutung wörtlich in Esra 7, 11—26 nach!) sicherte er das Wohlergehen des Volkes Gottes. Das war ein gewaltiges Ereignis in der Geschichte Israels. Vier Monate nach seiner Abreise aus Babel kam das kleine Häuflein, dieser Anbruch und Erstling aus dem wiederherzustellenden Israel, in Jerusalem an. Warum aber führte dieser Zug zum Erfolg? Die Schrift sagt von Esra und seinen Getreuen: „Er kam nach Jerusalem, weil die gute Hand Gottes über ihm war. Denn Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und in Israel Satzung und Recht zu lehren” (7, 9 b. 10).

Wegen dreier Ursachen war die gute Hand Gottes über Esra:

1.  Er hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn zu erforschen;

2. es war ihm ein brennendes Verlangen, nach diesem Gesetz persönlich zu leben und zu handeln;

3.  er wollte seinem armen, versklavten, abgeirrten Volk das Gesetz Gottes lehren.

Wo man so der Schrift gegenüber steht, dass man sie erforschen, ausleben und ihre Schätze und Segnungen weitergeben will, da ist Gottes gute Hand über uns. Aber in seinem Preisgebet rühmt Esra nicht, was er gewollt oder getan hat, sondern bezeugt in Demut und heiliger Freude: „Gepriesen sei der Herr, der Gott unsrer Väter, der solches in das Herz des Königs gegeben hat, um das Haus des Herrn zu verherrlichen, das in Jerusalem ist, und der mir Gnade zugewandt hat vor dem König und seinen Räten und allen mächtigen Fürsten des Königs!” (7, 27. 28 a.)

So wird es immer sein: Wer auf seine Leistungen und seine Tüchtigkeit, sein Wissen und Können und seine guten Absichten pocht, dem wird Gott auf die Dauer kein Gelingen schenken. Nur wer wirklich selbstlos zur Ehre des Herrn seinen Dienst tut, wird auf die Länge der Zeit Segen und Gelingen haben. Lasst uns das lernen und ohne Schielen nach Ehre und Macht, Besitz und Genuss unsern Weg gehen und unsern Auftrag erfüllen!

Als Esra die Heimkehrer am Fluss Ahawa sammelte, befand sich unter ihnen keiner der Söhne Levis! Schließlich brachte er doch eine Reihe von Leviten und Dienstwilligen zusammen; aber die weitaus meisten davon, nämlich 220, waren Nethinim, das sind ehemalige Diener der Leviten. Fürwahr, auf allen Gebieten des menschlichen Lebens ist meistens der ärmste Sohn der getreueste! Die ergreifenden Verse 21, 22 und 23 unseres 8. Kapitels sollten wir uns zur Beschämung und Ermunterung ins Herz prägen lassen. Dort be- richtet Esra: .Ich rief daselbst, am Fluss Ahawa, ein Fasten aus, um uns vor unserm Gott zu demütigen, um von ihm einen geebneten Weg zu erbitten für uns und für unsre Kinder und für alle unsre Habe. Denn ich schämte mich, von dem König eine Heeresmacht und Reiter zu fordern, um uns gegen den Feind auf dem Wege beizustehen; denn wir hatten zu dem König gesprochen und gesagt: Die Hand unsres Gottes ist über allen, die ihn suchen, zum Guten; aber seine Macht und sein Zorn sind gegen alle, die ihn verlassen. — Und so fasteten wir und erbaten dieses von unserm Gott. Und unser Gott ließ sich erbitten.”

Dann wurden von beauftragten Männern das Gold und alle Schätze vorgewogen und mit den hochwichtigen Worten von Vers 28 und 29 zu treuen Händen übergeben: „Ihr seid dem Herrn heilig, und die Geräte sind heilig. Das Silber und das Gold ist eine freiwillige Gabe für den Herrn, den Gott eurer Väter. Seid wachsam und bewahret es, bis ihr es darwäget vor den Obersten der Priester und der Leviten und den Obersten der Väter Israels zu Jerusalem, in die Zellen des Hauses des Herrn.” Wie trostreich und verheißungsvoll für uns, die wir auch mit anvertrauten Gottesschätzen und Himmelsreichtümern durch eine Welt voll Anfechtung, Feindschaft und Finsternis auf dem Wege zum Herrlichkeitsziel der Vollendung sind, klingt der Bericht in den Versen 31—34 a.: „Und wir brachen auf . . . und die Hand unsres Gottes war über uns, und er errettete uns von der Hand des Feindes und des am Wege Lauernden. Und wir kamen nach Jerusalem . . . und das Silber und das Gold und die Geräte im Hause unsres Gottes  wurden dargewogen nach der Zahl, nach dem Gewicht von allem.” „Zahl und Gewicht von allem'” stimmte, als die heiligen Heimkehrer am Ziel waren! Auch uns gilt geistlicherweise hinsichtlich des anvertrauten Gutes das Wort des Herrn „Seid wachsam und bewahret es!” (Esra 8, 29 a.) So können und dürfen und sollen auch wir den Glauben und ein gutes Gewissen (1. Tim. l, 19) und Gottes Gebot (Auftrag, wörtlich: Innenziel !) unbefleckt und unsträflich bewahren bis zur Erscheinung unsres Herrn Jesus Christus (1. Tim. 6, 14).

Der Herr verlangt und erwartet von uns, dass wir als schwache, arme, angefochtene Menschlein in einer Welt voll Versuchung und Anfechtung einem schier übermächtigen Feind gegenüber uns nicht nur selbst keusch erhalten (1. Tim. 5, 22), sondern auch das uns von ihm anvertraute Gut bewahren (1. Tim. 6, 20; 2. Tim. 1, 14), das uns doch von der gottlosen und frommen Welt dauernd verächtlich gemacht wird und das der Feind uns auf tausenderlei Weisen zu entreißen sich bemüht.

Und dennoch wissen wir, dass wir ebenso bestimmt ans Ziel der Vollendung kommen werden wie einst die Heimkehrer unter Esra. Nichts wird fehlen von dem, was der Herr uns anvertraut hat an geistlichen Schätzen und Gütern. Der Feind und der am Wege Lauernde (Esra 8,31) darf uns nichts entreißen! Wie diese Laurer am Wege des Glaubens auch heißen mögen — die gute Hand unsres Gottes istüber uns und wird mit uns sein, bis wir am Ziele sind!

Wenn aber Gott von uns erwartet, dass wir das Anvertraute bewahren und glücklich und unverkürzt ohne den geringsten Verlust an den Ort seiner Bestimmung bringen, — wievielmehr wird er selber seine Schöpfung, deren Wege und Ziele ihm ja schon von Grundlegung der Welten bewusst waren, so gestalten und dorthin führen, wo er sie hin haben will! Denn edles, was der Herr von uns verlangt und erwartet, tut er selbst in unendlich höherem Maße und herrlicherer Weise. Wer ihm das nicht zutraut, der kennt ihn nicht. Unser Vater der Herrlichkeit und Gott aller Gnade, der von seinem hohen Thronsitz seiner Feinde lacht und “ihrer spottet, dem ohne ihr Wollen und Wissen selbst die Teufel dienen, — dieser Herr aller Herrn und König aller Könige ist in seiner Macht und Weisheit, in seiner Liebe und Gnade unendlich größer, als wir es überhaupt zu ahnen wagen.

Auch bezüglich all dessen, was er je verheißen hat — und wie wenig wissen wir noch von dem Vollumfang seiner heiligen Zusagen der Errettung und Vollendung! —, wird einmal die beseligte Kreatur nach Ablauf der Äonen der Mühsal und Angst, der Sünde und des Todes frohlockend bekennen:

Alles traf ein !