Vom Frieden (Joh. 14, 27)

„Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“

Joh. 14, 27

Autor: Karl Merz, nach seinem gleichnamigen Artikel bei GuH

In einer Arbeit über das 1000jährige Reich heißt es: „Friede! Allüberall tönt uns dieses Wort entgegen. Sei es, dass es in bitterem Hohn oder heißer Sehnsucht, mit froher Zuversicht oder mit müdem Herzen gesprochen wird, aber als begehrenswertes Ziel steht jedem Einzelnen mehr als je das Ziel vor Augen: Friede!“ Dann wird nachgewiesen, dass dieses Ziel in seiner umfassenden Bedeutung allerdings erst durch den wiederkommenden Herrn, erreicht werden wird. Erich Sauer bezeichnet Ihn einmal treffend als den Schiedsrichter unter den Völkern und den Schirmherrn des Friedens. Ja, „Es kann nicht Friede werden, bis Jesu Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu Seinen Füßen liegt“. Dies gilt jedenfalls im Blick auf den Völkerfrieden. Den Herzensfrieden kann indes der Einzelne heute schon haben.

1. Was ihn bedingt. Das obige Wort hat der Herr kurz vor seinem Tode gesprochen. Er stand im Begriff, diese Welt zu verlassen und zum Vater zurückzukehren. Dies teilte Er Seinen Jüngern mit. Was aber sollte nun aus ihnen werden? Sie mussten sich schütz- und hilflos dem Hass der Welt preisgegeben sehen. Zwar sprach der Herr davon, dass Er ihnen einen ändern Parakleten (Tröster, Helfer, Anwalt) senden werde. Nichtsdestoweniger wollte sich, ihrer Herzen eine begreifliche Unruhe bemächtigen. Ganz ähnlich ist die Lage, in der wir uns heute befinden. Auf dem Völkermeer stürmt es gewaltig; und Wind und Wellen schlagen auch an unser Schifflein.

2. Wer ihn vermacht. Der Herr Jesus nahm im Jüngerkreis auch äußerlich in etwa die Stellung eines Vaters ein. Von da aus verstehen wir am besten, was Er meint, wenn Er sagt: „Den Frieden lasse (eigentlich: hinterlasse) ich euch.“ Er kann den Seinen keine irdischen Reichtümer hinterlassen, wohl aber etwas, was viel mehr wert ist als diese, nämlich Frieden. Und zwar will Er ihn verstanden haben, als eine Frucht Seines Opfertodes; siehe Römer 5, 1. „Hast du Frieden?“, so pflegte man in unseren Kreisen früher die Leute zu fragen. Der Sinn war der: Bist du innerlich zur Ruhe gekommen? Ja, „Hast du Jesus, hast du Frieden? Seele, sage, hast du ihn?“

3. Worin er besteht. Man hat den Frieden schon als inneres Wohl- und äußeres Geborgensein umschrieben. Und das ist nicht unrichtig. Vielleicht ist es aber noch besser, zu sagen: Friede ist Harmonie, nämlich Harmonie des Menschen mit Gott, Harmonie mit sich selbst und Harmonie mit den ändern. Wie aber komme ich dahin? Doch nur dadurch, dass ich allen Widerstand gegen Gott aufgebe. Ich. lasse mich durch Christus mit Ihm aussöhnen und habe nun wieder Gemeinschaft mit Ihm. Die Folge davon ist, dass meine Zerrissenheit geheilt wird und ich mein Möglichstes tue mit allen Menschen Frieden zu halten. Trifft dies nicht alles auf dich zu?

4. Wovor er bewahrt. Die Jünger waren durch die Äußerungen, die der Herr gemacht hatte, erschreckt und geängstet worden. Darum teilt Er ihnen seinen Frieden mit. So ruhig wie Er in allen Lagen war, so ruhig sollen sie auch sein können. Er gibt ja nicht nur den Frieden des Gewissens, sondern auch den der Seele, die in den Stürmen des Lebens oft so unruhig ist. Und zwar gibt Er anders, als die Welt es tut. Diese grüßt zwar: „Friede sei mit dir!“ Aber sie ist nicht imstande, ihn auch tatsächlich mitzuteilen. Anders der Herr. Sein Friede bewahrt (nicht: bewahre, also möge bewahren) unsere Herzen und Sinne in Ihm, Phil. 4, 7. O dass wir in unserer bewegten Zeit dies noch mehr erfahren dürften! Wir kennen „Des Wanderers Nachtlied“ von Goethe. Er gab es Frau v. Stein zum Lesen. Diese wieder zeigte es ihrer Mutter, die dann darunter schrieb: „Joh. 14, 27.“ Wie ergreift doch der Sehnsuchtsschrei Goethes heute noch Viele: „Süßer Friede, komm, ach komm in meine Brust!“ Wir antworten: „Und willst du ihn haben, der Herr gibt ihn dir!“