Kundschafterdienst (4. Mose 13, 17-25)

17 Als nun Mose sie sandte, damit sie das Land Kanaan auskundschafteten, sprach er zu ihnen: Zieht hier hinauf an der Südseite und steigt auf das Bergland;18 und seht euch das Land an, wie es beschaffen ist, und das Volk, das darin wohnt, ob es stark oder schwach, gering oder zahlreich ist,19 und was es für ein Land ist, in dem sie wohnen, ob es gut oder schlecht ist, und was für Städte es sind, in denen sie wohnen, ob sie in offenen Siedlungen oder in befestigten Städten [wohnen],20 und was es für ein Land ist, ob es fett oder mager ist, und ob es Bäume darin gibt oder nicht. Seid mutig und nehmt von den Früchten des Landes! Es war aber eben die Zeit der ersten Trauben.21 Und sie gingen hinauf und kundschafteten das Land aus, von der Wüste Zin bis nach Rechob, von wo man nach Hamat geht.22 Und sie gingen hinauf an der Südseite und kamen bis nach Hebron; dort waren Achiman, Scheschai und Talmai, Söhne Enaks. Hebron aber war sieben Jahre vor Zoan in Ägypten erbaut worden.23 Und sie kamen bis in das Tal Eschkol und schnitten dort eine Weinrebe ab mit einer Weintraube und ließen sie zu zweit an einer Stange tragen, dazu auch Granatäpfel und Feigen.24 Jenen Ort nannte man das Tal Eschkol wegen der Weintraube, welche die Kinder Israels dort abgeschnitten haben.25 Und nachdem sie das Land 40 Tage lang ausgekundschaftet hatten, kehrten sie zurück.

4. Mose 13, 17—25

Autor: Adolf Heller, nach seinem gleichnamigen Artikel in GuH.

Ehe ganz Israel in das Land der Verheißung einzog, eilten Kundschafter voraus und erforschten Kanaan und seine Frucht. Vierzig Tage blieben sie im verheißenen Land und brachten eine riesige Weintraube, Granatäpfel und Feigen mit zurück.

Schon die rein geschichtlich-natürliche Betrachtung dieser Begebenheit ist fesselnd und lehrreich. Denn der in Kanaan bei Pflanzen und Menschen damals herrschende Riesenwuchs (Vers 25, 32’b. 33), bedingt durch die physikalischchemisch äußerst wirksame Zerstörung von Sodom und Gomorra durch Feuer vom Himmel, also durch kosmische Kräfte, wiederholte sich in ganz ähnlicher Weise an den Orten, an denen 1945 die ersten beiden Atombomben abgeworfen wurden.

Wesentlicher als der äußere Ablauf ist uns die geistig-geistliche Bedeutung dieser Begebenheiten. Ehe Gott die Masse seiner Geschöpfe zum Heil führt, nimmt er sich der Erstlinge an, die gewissermaßen Kundschafter und Zeugen dessen sind, wie es im Land der Verheißung ist und was es darinnen gibt. Sind wir als Gemeinde des Leibes Christi nicht jetzt schon versetzt inmitten der Himmelswelten? (Eph. 2, 6.) Allerdings erst im Glauben und dem Geiste nach! Aber auch wir dürfen von der Frucht des Geistes etwas offenbar werden lassen, so wie jene Kundschafter von der Frucht des verheißenen Landes etwas mitbrachten und aufzeigten.

Trauben‘, Granatäpfel und Feigen, also Früchte, die es in der Wüste nicht gab, brachten die Ausgesandten zurück. So dürfen auch wir als Erstlinge Schon jetzt köstlicher, für die Masse noch zukünftiger Segnungen und Heilsgüter teilhaftig werden, dürfen durch den Glauben mittels des Wortes und des Gebietes in himmlische Sphären eindringen, von denen die Welt nichts weiß.

Wir dürfen nicht nur etwas davon sehen und berichten, sondern auch von der Frucht etwas aufzeigen und offenbaren. Gerade dadurch beweisen wir die Glaubwürdigkeit unsres Zeugnisses. Das Herrenwort „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ galt ebenso für die von Mose ausgesandten Boten, wie es geistlicherweise auch von uns gilt. —

Was bedeuten Trauben, Granatäpfel und Feigen? Wie alles in der Schrift, haben auch diese Früchte sinnbildliche Bedeutung. Trauben sind ein Bild der Freude. „Der Wein erfreut der Menschen und der Engel Herz“, sagt Gottes Wort. Jesus nennt sich den „Wesenhaften Weinstock“, den wahren Freudenbringer in dieser Welt der Bitterkeit und der Verzweiflung. Darum wird auch die Freude eine Frucht des Geistes genannt (Gal. 5, 22). Bringen wir als göttliche Kundschafter die Frucht heiliger Freude mit, wenn wir aus unsern Versammlungen unter dem Evangelium, der Freudenbotschaft, und vom einsamen oder gemeinsamen Gebiet in die uns umgebende Welt zurückkehren, um ihr Botschafter und Führer zu werden?

Der Granatapfel ist ein Bild der Schönheit und Liebe. Das ersehen wir am besten aus dem Hohelied. Schlagen wir nur folgende Stellen nach: „Wie ein Schnittstück einer Granate ist deine Schläfe hinter dem Schleier. Was dir entsprosst, ist ein Lustgarten von Grannen mit edlen Früchten. Wir wollen uns früh aufmachen nach den Weinbergen, wollen sehen, ob der Weinstock ausgeschlagen ist, die Weinblüte sich, geöffnet hat, ob die Granaten blühen; dort will ich dir meine Liebe geben.“ (4. 3b. 13 a; 7, 12.)

Sieht man auch von uns etwas von der Schönheit Gottes und der Liebe Christi? Tränken wir auch unsern geliebten Herrn mit dem „Most unsrer Granaten“ (8, 2b)? Erfahren wir geistlicherweise das, was 6, 11 sagt: „Ich ging, um zu sehen, ob der Weinstock ausgeschlagen wäre, ob die Granaten blühen.“? Es ist von tiefer Bedeutung, dass am Saum des Obergewandes des Hohepriester je ein Granatapfel und eine Schelle abwechselnd befestigt waren. Wenn wir wissen wollen, was das bedeutet, so brauchen wir nur 1. Kor. 13, l zu lesen. Dort werden die Liebe und die schallende Glocke nebeneinandergestellt. Beide gehören zusammen. Ohne die Liebe sind Worte und Werke wertlos. Aber andrerseits drängt und treibt uns die Liebe zur Darstellung und Entfaltung ihrer selbst in Wort und Werk und allem Wesen. Darum sind Granatäpfel und Glocken abwechselnd im Gleichmaß und in heiliger Harmonie vorhanden. Wie wunderbar erklärt sich doch Gottes Wort selbst, wenn wir uns liebend in seinen unerschöpflichen Reichtum versenken!

Die Feige ist ihrer vielen Kerne wegen ein Symbol der Fruchtbarkeit. Der Herr erwartete vom Feigenbaum Frucht. Das unter dem Fluch stehende, unfruchtbare Israel wird durch einen Dornbusch dargestellt, als Geistesträger ist es der Ölbaum, denn das Öl ist ein oft gebrauchtes Sinnbild des Heiligen Geistes; aber in seiner gottgewollten, zukünftigen Fruchtbarkeit wird es als Feigenbaum bezeichnet.

Noch gilt für Israel und die große Masse der Menschheit der Klageruf aus Joel l, 12: „Der Weinstock ist verdorrt und der Feigenbaum verwelkt, Granate, auch Palme und Apfelbaum, alle Bäume des Feldes sind verdorrt: denn verdorrt ist die Freude von den Menschenkindern.“ Aber die Zeit ist nicht mehr fern, da sich im messianischen Königreich das herrliche Wort von Joel 2, 31. 22 buchstäblich erfüllen wird: „Fürchte dich nicht, Erde; frohlocke und freue dich!…Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes,.. denn der Feigenbaum und der Weinstock geben ihren Ertrag.

Welch ein Vorrecht, schon jetzt in Christo Jesu ein Leben des Glaubens zur Ehre Gottes führen zu können und Weintrauben, Granatäpfel und Feigen als Frucht aus dem Lande der Verheißung vorzeigen zu dürfen! Mit Freude, Liebe und Fruchtbarkeit will der Herr unser Leben zieren und krönen inmitten einer Welt des Leides, des Hasses und der Fruchtlosigkeit, die zum Verderben ausreift. Möchten wir hier und dort als gottbeglaubigte Kundschafter und Botschafter an Christi Statt erfunden werden!