Henoch wandelte mit Gott (Hebr. 11, 5.6)

„Durch Glauben ward Henoch entrückt, damit er den Tod nicht sehen sollte, und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor der Entrückung hat er das Zeugnis gehabt, dass er Gott Wohlgefallen habe. Ohne Glauben aber ist es unmöglich, Ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass
Er ist und denen, die Ihn suchen, ein Belohner ist.”

Hebr. 11,5.6


„Henoch lebte 65 Jahre und zeugte Methusalah. Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Methusalah gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage Henochs waren 365 Jahre. Und Henoch wandelte mit Gott;
und er war nicht mehr, denn Gott nahm ihn hinweg.”

1. Mose 5, 21-24.

Autor: Missionar Robert Schadt, Langensteinbacher Höhe (Nach einem Wortdienst in Berlin)

Henoch lebte inmitten einer Zeit des Abfalls. Sein Name bedeutet „dargebracht” oder „geweiht”. In jener Zeit rapiden Abfalls – viermal steht ja in 1. Mose 6, 11. 12, dass es eine gottlose Zeit war – müssen die Eltern dieses Henoch etwas davon gewusst und empfunden haben, dass Gott da ist und die Menschen haben möchte. Und daher haben sie ihren Sohn Gott geweiht. Inmitten eines untergehenden Zeitalters war er der einzige Zeuge des lebendigen Gottes. – Wir stellen fünf Punkte heraus: 1. die Zeit, in der er lebte;

  • seinen Glauben;
  • seinen Wandel;
  • seine Botschaft;
  • seine Belohnung.

1. Die Zeit Henochs

Wenn Jesus in Luk. 17, 26. 27 sagt: „Gleichwie es in den Tagen Noahs geschah, also wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen: sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet, bis zu dem Tage, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte”, so zeigt uns das die Zeit und Umwelt des Henoch, wie es uns auch andererseits ein Bild von unseren Tagen gibt. Paulus entwirft ein ähnliches Bild in 2. Tim. 3, 1-9. Die Gemeinde hat heute durch viele Spannungen und Schwierigkeiten hindurchzugehen. Mir wurde es in den Nachtstunden wichtig: Wir können weit sein in der Erkenntnis und eine Fülle von Gedanken haben; wenn der Geist es aber bei uns nicht fertig bringt, es uns so lebendig zu machen, dass es uns im Alltag eine Kraft wird, dann werden wir alle in den kommenden Jahren mit unserer Erkenntnis nicht durchkommen. Was wir brauchen, ist ein Hineinwachsen in Gottes Gedanken, die der Heilige Geist uns aufschließt.

So wie wir heute, stand auch Henoch in einer Zeit des Abfalls. In unserem Text steht, dass Henoch mit 65 Jahren einen Sohn gezeugt hat. Danach wandelte er mit Gott. So muss das 65. Jahr in seinem Leben der große Wendepunkt gewesen sein. Irgend etwas muss er da mit Gott erlebt haben.

2. Der Glaube Henochs

„Durch Glauben!” – das ist das Zeugnis, das Henoch brachte, und das im Hebräerbrief über ihn ausgesprochen wird. In einer Zeit, die noch kein geschriebenes Wort besaß, als sie nur mündlich weitergaben, was ihnen Adam vom Paradies und von der Austreibung und vom Cherub mit der Flamme des kreisenden Schwertes berichtete, da fängt ein Mann in einer gottlosen Umgebung an, nach den Händen des lebendigen Gottes zu greifen. Er glaubte! Er wusste vom Cherub, der ihn von Gott trennt, aber er durchstreicht im Glauben diesen Trennungsstrich und weiß zum ersten Male: Gott sieht den an, der an Ihn glaubt! Das allererste, was auch wir tun müssen, ist, die Hände auszustrecken nach dem lebendigen Gott, dass Er in unserem Leben eine Realität wird und es umgestaltet. Henoch glaubte an diesen Gott.

3. Der Wandel Henochs

Henoch war durch den Glauben bei Gott angenehm, und Gott hat sich in Seiner Freundlichkeit heruntergeneigt und ihn angesprochen. Wir dürfen uns das etwa so vorstellen, wie es im Paradiese war, als Gott mit Adam und Eva das Gespräch hatte. In Amos, 3, 3 steht: „Wandeln wohl zwei miteinander, es sei denn, dass sie übereingekommen sind?” Hier wandelt ein Mann mit dem lebendigen Gott!

Auch in 1. Mose 18 sehen wir, wie ein Mann ein Gespräch hat mit Gott. Als jene drei Männer zu Abraham kamen, bereitete er ihnen ein Gericht, und sie aßen. Dann gingen zwei Männer hinunter nach Sodom, einer aber blieb zurück, und dann heißt es: „Abraham aber blieb noch vor Jehova stehen.” (1. Mose 18, 22.) Das war der Christus des Alten Testamentes, der im 17. Verse sagt: „Sollte ich vor Abraham verbergen, was ich tun will?”

Auch Henoch führte einen Wandel mit Gott. Vom 65. Lebensjahr ab hat er sein ganzes Leben umgestaltet. Er hat dann noch 300 Jahre gelebt, stand als Familienvater und Patriarch mitten drin in einer Zeit des Abfalls, aber er wandelte mit Gott. Dann und wann kommen Menschen zu mir und sagen: „Ich stehe in einer so gottlosen Umgebung, ich kann nicht mehr durchkommen!” Das liegt aber nur an uns , nicht an Gott! Denn dieser Henoch stand mitten in einer gottlosen Zeit und wandelte mit seinem Gott. Das Geheimnis eines solchen Wandels besteht ja darin: Wenn Gott einen Schritt macht, dann macht Henoch auch einen; wenn Gott stehen bleibt, bleibt auch Henoch stehen; wenn Gott wartet, dann wartet auch Henoch. – Wenn zwei Freunde wandeln, springt keiner dem anderen fünf Meter voraus, sondern es ist, wie es bei Amos heißt, ein Wandeln miteinander. Das hat das Herz Gottes bewegt, dass Er einen Mann fand, der mit Ihm ging. Und das ist es, was Gott auch in unseren Tagen von uns erwartet. Die Verhältnisse, in die Er uns gestellt hat, sind verschieden; aber ob wir arm sind oder reich, diese oder jene Beschäftigung haben, Er erwartet von uns allen, dass wir anfangen, mit Ihm zu wandeln. Dann wandle ich nicht nur hier im Versammlungsraum mit Ihm, sondern überall! Auch da, wo man uns nicht kennt, sollte es unser höchstes Anliegen sein, Ihm wohlzugefallen.

Henoch wandelte mit Gott. In einer Zeit des Abfalls hatte er im Glauben den Mut und die Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Wir sind oft geneigt, Kompromisse zu machen. Gott sucht Menschen, die kompromisslos wandeln, die Ihn im Glauben ehren und versuchen, einen heiligen Wandel zu führen. Mögen die Zeiten dann auch dunkel und schwer werden, wir haben einen Gott, der durchtragen kann.

4. Die Botschaft Henochs

In dem letzten Brief in der Schrift, dem Judasbrief, lesen wir V. 14 und 15: „Es hat aber auch Henoch, der siebente von Adam, von diesen geweissagt und gesagt: .Siehe, der Herr ist gekommen inmitten Seiner heiligen Tausende, Gericht auszuführen wider alle und völlig zu überführen alle ihre Gottlosen…'”. Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass Henoch der erste Verkündiger des wiederkommenden Christus ist? In einer Zeit des Abfalls offenbart ihm Gott etwas von Seiner Herrlichkeit. Da hat er eine Vision und schaut den kommenden Christus mit Seinen Heiligen. Das war die Botschaft, das Zeugnis, das er einer untergehenden Welt zu verkündigen hatte.

Wir reden auch viel von der Wiederkunft Christi, oft habe ich den Eindruck: zu viel. Es geht uns so leicht von den Lippen. Wenn wir daran denken, was alles unserer Welt in der Zukunft bevorsteht, dann überkommt uns doch ein geheimes Zittern, und vielleicht wird der Wunsch insgeheim wach – wie beim König von Juda (Jes. 39, 8; vgl. 1. Kon. 11,12): aber nicht zu meiner Zeit!

Weil Henoch mit Gott wandelte, offenbarte ihm Gott das, was einmal kommen sollte. Je mehr wir mit dem Herrn Umgang haben, schließt Er uns Sein Wort auf und macht es uns lebendig. Wenn ich in Matth. 17 von Seiner Verklärung lese, habe ich immer den Eindruck: Wir kommen nicht durch, wenn nicht dann und wann ein heller Strahl aus Gottes Ewigkeit uns grüßt und neu entzündet. Wenn Sie über dem Wort sitzen und sinnen, dann kann es plötzlich geschehen, dass die Ewigkeit in die Zeit hineinkommt und der lebendige Gott Sie anspricht. Dann bekommen Sie eine ganz neue Schau von der Schrift, und vermöge dieser Schau kann man dann weiterwandeln. Das war es, was Henoch erlebte.

Wir als Kinder Gottes dürfen uns in diesen Tagen nicht blenden lassen durch den wirtschaftlichen Aufschwung und alles Schöne in dieser Welt. Wir müssen die großen Gottesgedanken sehen. Wer die Briefe des Paulus kennt und etwa 2. Thessalonicher 2 liest, der weiß, dass der Antichrist kommt und die Welt in Nacht und Not und Gericht hineingeht. Wir sollen in unserer Zeit etwas ausleben und bezeugen von dem wiederkommenden Herrn, der uns errettet von dem kommenden Zorn, der aber die Welt ins Gericht führt.

5. Die Belohnung Henochs

„Ohne Glauben ist es unmöglich, Ihm wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass Er ist und denen, die Ihn suchen, ein Belohner ist”, lesen wir in Hebr. 11, 6.

Wir betonen in unseren Versammlungen stark die Wahrheit von der Auswahl. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere Seite ist die der Belohnung, der Krönung. Paulus spricht davon in 1. Kor. 3, 12-15; 9, 24; Phil. 3, 10-12; 2. Tim. 4, 79. Nach diesen Stellen kommt es darauf an, wie ich laufe, ob ich das Ziel im Auge behalte. Gott hält uns eine Belohnung, einen Kampfpreis vor Augen. Wir sollten so wandeln, dass wir die Belohnung erlangen. So ging damals ein Henoch seinen Weg. Er schaute nicht die Zeit an, sondern schaute über sie hinweg und sah den kommenden Herrn und die Belohnung.

Was war seine Belohnung? „Durch Glauben ward Henoch entrückt”, sagt Hebr. 11, 5. Den Bibellesern fällt auf, dass Henoch ein Mann aus der Völkerwelt war. Noch war Abraham nicht auserwählt. Bis 1. Mose 11 läuft die Linie Gottes mit der gesamten Menschheit. Wenn hier auf dem Boden der Völkerwelt zum ersten Mal von der Entrückung die Rede ist, dann finden wir hier das große Geheimnis angedeutet, das Paulus den Heiden zu bringen hat. Wie Henoch, dieser Mann aus der Völkerwelt, der siebente von Adam, so wartet heute eine große Gottesgemeinde auf den Tag der Entrückung. Dann wird der Lohn verteilt werden. Henoch wandelte mit Gott. Er führte ein gottseliges Leben und war inmitten einer gottlosen Welt ein Zeuge des lebendigen Gottes.

Gott greift in unserer Zeit nie nach der Masse. Er holt hier und dort jemand heraus, der an Ihn glaubt. Er macht immer Geschichte mit dem einzelnen! Wenn sich die Männer des Alten Testamentes Ihm so hingegeben haben, dann sollten auch wir, die wir etwas von der Herrlichkeit Jesu Christi erfahren haben, Ihm unser Leben immer neu geben. Und es sollte unsere Bitte sein: Mache Du etwas aus mir zum Lobpreis Deiner Herrlichkeit, was immer auch kommen mag!

Amen.