Die Freiheit als vollkommene Lebensordnung ‭‭(Jakobus‬ ‭1:25‬)

„Wer aber hineinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin bleibt, dieser [Mensch], der kein vergesslicher Hörer, sondern ein wirklicher Täter ist, er wird glückselig sein in seinem Tun.“
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‭‭Jakobus‬ ‭1:25‬ ‭SCH2000

Autor: Karl Geyer, auszugsweise aus seinem gleichnamigen Artikel in GuH

Freiheit besitzt letzten Endes in absolutem Sinne nur Gott. Kein einziges Geschöpf kann für sich selbst im Voraus den Tag seiner Geburt bestimmen, noch die ihm erwünschte Umgebung, das Milieu, in dem es aufwachsen möchte, noch Freisein und Freibleiben von Krankheit und Tod. Und wenn Nietzsche dem Menschen als einzige Freiheit den Selbstmord vorstellt, so ist dies leider eine Freiheit mit negativem Vorzeichen d. h. eine Möglichkeit. Leben zu verkürzen und zu vernichten, nicht aber wie in der Auferstehung, eine positive Kraft zur Rettung und Befreiung der Geschöpfe aus der Gewaltherrschaft des Todes. Leben vernichten ist aber teuflisch. Der Geist, der stets verneint, ist der Zerstörer der Erstgeburt, der Satan, und sein oberster Kriegsmann ist der Tod, der bei der wahren Befreiung des Kosmos einmal weggetan wird als letzter Feind alles Erschaffenen. Solange Sünde und Tod die Herrschaft führen und alles geschöpfliche Dasein begrenzen, kann von wahrer Freiheit nicht geredet werden. An dieser Grenze wird es klar, dass die in diese Grenzen Gebannten von sich aus die Fesseln nicht zu sprengen vermögen. Keiner von ihnen vermag die Schranken zu durchbrechen und für sich und alle Mitgefangenen die Freiheit zu erringen. Rettung kann nur von einem kommen, der nicht selbst in diesen Banden gefesselt ist. Nur einer, der selbst frei ist und dazu größer ist als alles, vermag denen zu helfen, die gefangen sind. Die Rettungstat Christi begann deshalb damit, dass er dem Tode und seinem Oberherrn, dem Teufel, die Macht nahm und alle die befreite, die ihr ganzes Leben durch Todesfurcht der Knechtschaft unterworfen waren (Hebr. 2, 14. 15). Darum lauten auch die drei ersten Worte des Evangeliums: „Fürchtet euch nicht“. Und die Fortsetzung heißt: „Siehe, ich verkündige euch große Freude die allem Volk widerfahren soll!” Und weiter: ..Denn alles Fleisch soll das Heil Gottes sehen.” Deshalb nahm er dem Tode die Macht und befreite uns von den Verkrampfungen der Angst und der Todesfurcht und gab uns den Geist der Sohnschaft, damit wir uns nicht abermals fürchten müssen, sondern in unserem Kindschafts- und Sohnesverhältnis nur in der  freiwilligen Bindung der Liebe zu unserem Gott und Vater stehen’.

Das Böse kann nur mit Gutem überwunden werden (Rom. 12, 21). Nur Güte leitet zur Buße (Rom. 2, 4). Nur die Liebe hält die Wahrheit fest, und nur die Wahrheit macht frei (Joh. 8, 32). Daher war die Befreiung von Angst und Schuld und Leid und Not nur möglich, weil Gott selbst in Christo war und die Welt mit sich selbst versöhnte, und weil der Sohn Gottes seine Liebe im Opfer vollendete und alle Gerechtigkeit erfüllte (Matth. 3, 15; Joh. 17, 4: 19, 28. 30).

Liebe — Gerechtigkeit — Freiheit, das ist der gottgemäße Weg!

Die Triebkraft zur Selbsthingabe und Selbstaufopferung des Sohnes Gottes war die Liebe, sowohl die seine, als auch die seines Vaters. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glau-ben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben” (Joh. 3, 16). Die Liebe erfüllte alle Gerechtigkeit und brachte die Freiheit.

Das ist die vollkommene Methode Gottes, durch die er das Geschöpf zu seiner eigenen göttlichen Freiheit emporhebt. So entspricht es seiner Gottnatur, und nur so handelt er in Übereinstimmung damit und in Treue gegen sich selbst. Gott ist Liebe, d. h. sein Wesen ist Liebe. Gott übt Gerechtigkeit, d. h. all sein Handeln ist recht und gerecht und richtig. Gott schenkt Freiheit, d. h. er vermittelt dem Geschöpf die höchste Wonne des Schöpfertums, indem er uns die von ihm geplanten größeren Werke im kom-menden Äon in schöpferischer Freiheit ausführen und vollenden lässt (Joh. 14, 12; 2. Kor. l, 20; Hebr. 2, 5—8; 11, 39. 40: Rom. 8, 18—23). Was dies Erhoben werden zu göttlicher Größe für das Geschöpf bedeutet, kam nie in eines Menschen Herz, und selbst die Glaubenden vermögen in dieses wunderbare Geheimnis nur schrittweise hineingeführt zu werden durch den Geist Gottes, der alle Tiefen der Gottheit erforscht und sie den liebenden Geliebten erschließt (1. Kor. 2, 6—16; Joh. 16, 12—14). Vergl. auch Kol. l, 24—29; Eph. 3, 19; 1. Joh. 3, 2.) Freiheit ist Teilhaberschaft an der Gottnatur (2. Petr. l, 4), ist das Hingeführt-werden zum vollen Manneswuchse in Christo (Kol. l, 27. 28), ist das Erhoben-sein in den Stand der Herrlichkeit (Rom. 8, 21), ist das Einsgemachtsein mit dem Lichts- und Herrlichkeitswesen Gottes selbst, mit seiner Doxa, seiner un-vergänglichen Klarheit und Lichtnatur. Welch eine Freiheit des Wollens! Welch eine Herrlichkeit des Könnens! Welch eine  Freiheit der Herrlichkeit! Und  für diese Freiheit hat Christus uns freigemacht (Gal. 5, 1). Um in göttlicher Freiheit gottgemäß handeln zu können, müssen zuvor alle ge-schöpflichen Bindungen gelöst werden. Wer Teufel austreiben will muss selbst frei sein von Teufeln. Wer noch verstrickt ist in Schein und Trug, in Triebhaftigkeit und Gier, vermag sich nicht frei zu entfalten und kann nicht in Geistesvollmacht göttlich groß in Freiheit und Herrlichkeit handeln. Nur der, der die Sünde im Fleische überwindet, kann dann später befreit vom Fleische, als Königspriester in der Freiheit der Doxa Gottes handeln, ohne dadurch erneut in die Gefahr zu kommen. sich selbst zu überheben wie der Teufel und in das gleiche Gericht zu verfallen (1. Tim. 3, 6). Deshalb gab uns Gott zunächst nur die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Vergehungen nach dem Reichtum seiner Gnade (Eph. l, 7). Die Erlösung durch den Geist, der unseren Leib der Niedrigkeit und Demüti-gung umgestalten wird, sodaß das Verwesliche Unverweslichkeit anziehen wird und das Sterbliche Unsterblichkeit, steht noch aus (l. Kor. 15, 53. 54; Rom. 8, 23; Phil. 3, 20. 21). Bis dahin tragen wir den Geist als Unterpfand, als Garantie für die Volleinlösung aller Verheißungen und den Vollbesitz unseres Erbes als Söhne Gottes (Eph. l, 13. 14; Rom. 8, 9—17). Erst dann, wenn wir durch den Geist die Verwandlung des Leibes erfahren haben, die den Leib der Niedrigkeit, das irdene Gefäß der Schwachheit und Demütigung, zu einem Gefäß der Kraft und Herrlichkeit werden lässt, sodaß dem Geist der Herrlichkeit, den wir heute schon in diesem irdenen Gefäß tragen, dann auch ein Leib der Herrlichkeit zur Verfügung steht, stehen wir in der vollen Freiheit, die Gott uns zugedacht hat.

Wo aber der Geist der Liebe alle treibt, herrscht Freiheit (2 Kor 3, l7) Und für diese hat Christus uns freigemacht So ist die Liebe des Gesetzes Erfüllung (Rom 13, 10). Darum ist es auch das größte Gebot, Gott zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele und aus dem Verstande und aus ganzer Kraft, und den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Wer so liebt übt von innen heraus das Rechte und steht in der wesenhaften Freiheit der  Kinder Gottes. Er ist von der königlichen Lebensordnung der Liebe (Jak. 2,8) zur vollkommenen Lebensordnung  der Freiheit gekommen (Jak.1,25).