Vorfreude (Rö. 15, 3)

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit Frieden im Glauben, dass ihr überströmt in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes!

Rö. 15, 13

Autor: Karl Geyer, auszugsweise aus seinem Artikel in GuH

„ …welcher …. für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldete …“ Hebr. 12,2.

Die Glückseligkeit Gottes hat ihren ersten Grund darin, dass er, der Unschaubare, sich nach äonenlangem Warten offenbaren konnte im Fleisch (1. Tim. 3,16).

Niemand hat Gott jemals gesehen; der Einziggezeugte, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht (Joh. 1,18). Solange der unsichtbare Gott im Sohne der Liebe noch nicht ins Fleisch gekommen war, erfüllte ihn das sehnliche Verlangen nach diesem Augenblick, wo er von seinen Geschöpfen wahrgenommen werden konnte.

Doch nicht nur dies! Er ist sich ja aller seiner Werke von jeher bewusst. Die Schrift bezeugt es uns ausdrücklich, dass schon vor Grundlegung der Welt sein Vaterherz von Wohlgefallen erfüllt war, als er den Vorsatz fasste, viele Söhne zur Herrlichkeit zu bringen und sie sich selbst gleichzumachen, damit sie vollkommen seien wie er, der Vater im Himmel, vollkommen ist. (Matth. 5,48; 2. Tim. 3,17; 1. Petr. 5,10; Röm. 8, 29; 1. Joh. 3,2 und viele andere.

Weiterhin bezeugt uns die Schrift, dass seine Wonne von jeher von den Menschenkindern war. Weil der Sohn der Liebe, der von jeher derselbe war und ist und sein wird in alle Äonen, als Menschensohn vor ihm stand, bevor er für uns geoffenbart wurde (Ps. 80,17; Dan. 7, 9-14; Joh. 3,13), dann als Menschensohn über die Erde ging (Matth. 9,6; 18,11; Luk. 22,22; Joh. 1,51; 13,31) und ebenso als Menschensohn jetzt zur Rechten des Vaters sitzt (Matth. 24,65; Mark. 14,62; Luk. 22,69), wo ihn Stephanus kurz nach der Himmelfahrt noch stehen sah (Apg. 7,56), von dorther er auch wiederkommen wird als Menschensohn (Matth. 16,27; 19,28; 25,31; 24,30; Luk. 12,8; 17,22; 18,8 und viele andere), so ist es offenbar, dass Gott im Menschen das Urbild und zugleich das Endziel der Schöpfung sieht. An dem  M e n s c h e n  hat er sein Wohlgefallen  (Luk. 2,14).

Ist es da nicht begreiflich, dass  h e i l i g e  V o r f r e u d e  und tiefe Liebeswonne sein Herz erfüllte, als er vor Grundlegung der Welt sich solches in seinem Willen vorsetzte? – Vorfreude über die selige Hoffnung, dass er noch viele Söhne bekommt, die dem Erstgeborenen gleich sein werden! Und alle sind für ihn da, der sie bestimmt hat zur Sohnschaft für sich selbst!

Welche Freude im Herzen Gottes im Blick auf jenen Tag, wo er sie alle an sein Vaterherz nehmen darf! Ja, Gott ist unaussprechlich selig über dieses Nehmen. Aber noch seliger als das Nehmen ist das Geben. Beides ist selig. Aber das Geben ist seliger!

Er fasste den Entschluss, nicht nur alles zu geben, was er hat, sondern auch alles das, was er  i s t .  Nur so kann er, Gott, einmal alles in allem sein.

Als er zur Durchführung dieses Planes der Zeitalter die Erstlinge auserwählte und zuvorbestimmte zur Sohnschaft für sich selbst, erfüllte hohe Seligkeit und göttliche Vaterfreude sein Herz (Eph. 1, 4-11).

So wie der Vater sich im Voraus freute auf den Augenblick, da er geschaut werden konnte als „Gott geoffenbart im Fleisch“, so freute sich auch der Sohn im Blick auf die Hinausführung der ihm vom Vater übertragenen Aufgabe und die Erreichung des Zieles, dem Vater alles zu unterwerfen und dann sich selbst dem Vater zu unterwerfen, auf dass Gott sei alles in allem.

Und so, wie Paulus im Blick auf die durch seinen Dienst gläubig gewordenen Brüder sagen konnte: „Ihr seid meine Freude und meine Krone“, so kann der in ihm wohnende und lebende Christus das Gleiche sagen im Blick auf alle Glieder seines Leibes. Es bedarf erleuchtete Augen des Herzens, um etwas zu sehen von dieser Vorfreude des Christus, der den Reichtum der Herrlichkeit  s e i n e s  Erbes in den Heiligen erblickt, die der Vater ihm als Erstlingsgabe aus der Welt gegeben hat (Eph. 1,18). Vor Freude über diesen im Acker der Welt verborgenen Schatz verkaufte er ja alles, was er hatte, verließ die Herrlichkeit, die er beim Vater hatte und ging hin und kaufte den Acker. (Neben dieser symbolischen Bedeutung geht dieses Gleichnis im prophetischen Sinne auf Israel hin.)

Schon das Bewusstsein, den Willen des Vaters zu tun und sich in allem in Übereinstimmung mit dem Vater zu wissen, erfüllte das Herz des Sohnes mit hoher Freude. Aber völlig war seine Freude erst im Hinblick auf den herrlichen Ausgang alles Weltgeschehens. Er wusste,  dass keiner seiner Schritte vergebens war und dass alles zur gottgesetzten Zeit zu seinem gottgesetzten Ziele kommen wird.

Dazu kam die überaus herrliche Freude über die Liebe des Vaters, der ihm in den Heiligen eine besondere Gabe, einen Herrlichkeitsleib bereitgestellt hat, der dem Sohne einmal als williges Gefäß zur Hinausführung aller Gottesverheißungen zur Verfügung stehen wird.

Diese vor ihm liegende Freude befähigte den Sohn, das Kreuz zu erdulden. Wo solche Herrlichkeit in Aussicht stand, konnte er die Schande des Kreuzes übersehen. Er achtete sie nicht. Es war für ihn nicht der Mühe wert, sie mit der vor ihm liegenden Freude und Herrlichkeit zu vergleichen.

So schauen auch wir aus nach unserer eigenen Offenbarung mit ihm in Herrlichkeit (Kol. 3,4; Tit. 2,13; 2. Thess. 1,10). Und so, wie er zuerst den Grund der alten Welt legte, um einen Schauplatz seiner Offenbarung zu haben, so sehnen wir uns nach jener Zeit, in der eine neue Schöpfung uns die Möglichkeit gibt, die Blätter des Lebensbaumes hinauszubringen zu den Nationen, damit sie geheilt werden. Dazu sehnen wir uns weit darüber hinaus, das All zu erfüllen mit dem Leben, das er zuvor uns gegeben hat (Röm. 8, 18-23).

Der Vater konnte sich freuen, weil er sich aller seiner Werke von jeher bewusst ist und den Ausgang alles Weltgeschehens kennt. Der Sohn konnte sich freuen, weil ihm der Vater solches geoffenbart hatte, so dass der Sohn nie etwas von sich selber tat, sondern was er den Vater tun sah, das tat gleicherweise auch der Sohn.

Die Freude der Heiligen ist auch darin begründet, dass sie den Ausgang erkennen dürfen, den Gottes Wege mit dem Weltall nehmen. Nur ein völliger Durchblick vermittelt völlige Freude. Ohne diesen Durchblick in den Ratschluss und Vorsatz des Vaters ist unsere Freude nur sehr mangelhaft. Wie wenig wirklich frohe Menschen gibt es doch! Wie wenig Gläubige gibt es, die völlige Freude haben! Wie mangelhaft muss da der Einblick in den Willen Gottes sein! Und doch tut der Herr weder Großes noch Kleines, er habe denn zuvor sein Geheimnis seinen Knechten, den Propheten geoffenbart (Amos 3,7 u.a.). 

Wenn dies schon galt im Blick auf das, was in Israel und unter den Nationen der Erde  geschehen soll, wie viel mehr im Blick auf das, was er durch den Apostel der Nationen, der das Wort Gottes vollenden durfte (Kol. 1,25), hinsichtlich der Offenbarung seines Willens und seines Vorsatzes mit dem ganzen All uns kundtat (Eph. 1, 9-11).  (Vergleiche auch 1. Kor. 2, 6-16, besonders die Verse 9-12).

Wer sich auf Zukünftiges freuen will, muss eine begründete Hoffnung haben. Der Grund jeglicher wahren Hoffnung ist eine vorhandene Offenbarung. Ohne eine gewisse Kenntnis dieser Offenbarung kann man sich ihrer nicht freuen.  Deshalb ist es notwendig, dass der Gläubige, der sich nach wahrer und bleibender Freude sehnt, das Wort der Weissagung kennt, das feste prophetische Wort, das die unverbrüchlichen Verheißungen und Zusagen des Ewigtreuen enthält, der nicht lügen kann und niemals sein Wort bricht.

Wo die Verheißungen im Glauben ergriffen werden, machen sie den Glaubenden göttlicher Natur teilhaftig (2. Petr. 1,3.4). Gott aber ist Geist. Die Frucht des Geistes, die an ihm und an den Glaubenden gefunden wird, ist. Liebe,  F r e u d e ,  Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit (Gal. 5,22).  Wie sollte auch der selige Gott in den Glaubenden, in denen  e r  Wohnung gemacht hat, nicht die gleiche Frucht und Art wirken, die ihm selber eigen ist!

Wer den seligen Gott nicht als den kennt, der er in Wahrheit ist, kann seiner nicht würdig wandeln! – Wer den Herrn der Gemeinde, das Haupt seines Leibes, den Heiland und Erretter und Seligmacher nicht als den kennt, der da will, dass seine Freude in uns sei, damit unsere Freude völlig werde, wird sich nie recht freuen können und daher auch nie des Herrn würdig wandeln können (Joh. 15,11; 16,24; 17,13; 1. Joh. 1,4). –

Wer noch nicht ergriffen und erkannt hat, dass das Evangelium eine frohe Botschaft ist, eine Freudenbotschaft, die gar nichts mit Forderungen und Zuchtmeistern zu tun hat, der wird nur ein verfälschtes Evangelium mit gesetzlichen Zutaten und menschlich-seelischer Mischung bringen und weder selbst im Stande sein, würdig des Evangeliums zu wandeln, noch andere zu einem freudigen, des Evangeliums würdigen Wandel zu bewegen. –

Wer dazu die Herrlichkeit unserer Berufung nicht kennt, vermag auch nicht diese Gnadentat Gottes an uns durch einen würdigen Wandel zu verherrlichen.

Die Schrift aber fordert uns dazu auf, dies alles durch einen würdigen Wandel zu ehren, indem sie sagt:

wandelt würdig des Gottes (1. Thess. 2,12),

wandelt würdig des Herrn  (Kol. 1,10),

wandelt würdig des Evangeliums (Phil. 1,27),

wandelt würdig der Berufung  (Eph. 4,1).

Der Einzige, der den Vater durch einen Wandel völliger Freude verherrlichte, war der Herr selbst. In jener dunkelsten der Nächte, da Judas ihn verriet, dachte er nicht an sich und an die Schmach und Schande und Not, die Menschen ihm zu bereiten im Begriffe waren, sondern er dachte in seiner Liebe an die Seinen und liebte sie bis ans Ende (Joh. 13,1). Und als er zum letzen Mal in jener Stunde mit dem Vater redete (Joh. 17,1), da redete er alles zu dem Endzweck, dass sie seine Freude völlig in sich haben möchten (Joh. 17,13).

In jedem der großen Endkapitel redet er von der Freude (Joh. 15,11; 16,24; 17,13).  Er wusste, was ihnen in der Welt bevorstand, dass die Welt sie hassen und verfolgen und töten würde. Darum brauchten sie Kraft, um seiner und des Vaters würdig wandeln zu können. Kraft aber gibt es nur durch Freude. „Die Freude am Herrn ist meine Stärke“ (Neh. 8,10).

Äußeres Leid ohne das Gegengewicht innerer Freude macht mutlos und verzagt. Darum gab ihnen der Herr viel Freude zuvor, um sie zu befähigen, nachher in Würde durch das Leid hindurchgehen zu können. Er selbst aber ging in wundervoll erhabener Würde seinen Weg mit Freuden zu Ende und gab in seiner letzten Stunde vor dem Verrat seinen Jüngern alles an Freude, was in ihm selbst war. So wandelte er würdig des Gottes, der in hoher Freude und Gottseligkeit voll Wonne ruhte, weil der Sohn der Liebe ihn im Fleische kundmachte und offenbarte vor Engeln und Menschen.

In wunderbarer Würde ging auch seine eigene Mutter ihren Weg und wandelte schon vor seiner Geburt würdig des Herrn, den sie gebären sollte. Ehe der Herr ins Fleisch kam, empfing Maria die Verheißung, dass sie den Seligmacher gebären sollte. Zunächst war ihr diese Berufung so groß und unfassbar, dass sie sagte: „Wie wird dies sein, dieweil ich keinen Mann kenne?“ (Luk. 1,34.)  Als aber der Engel ihr die Gottesbotschaft aufschloss, da beugte sie sich in Demut vor Gott und sprach: „Siehe, ich bin des Herrn Magd; es geschehe mir nach deinem Worte“ (Vers 38). Und dann geht sie in erhabener Würde ihren schweren Weg, der ihr zunächst die Verkennung ihres eigenen Verlobten brachte, bis dieser durch göttliche Belehrung an ihrer Würde teilnehmen konnte (Matth. 1, 18-25), dann aber auch die schiefen Urteile des Unglaubens sowie die Kritik gesetzlich-frommer Kreise auf sie lenkte. Unbeirrt geht sie ihren Weg, und ihr Mund bekennt, was das überströmende Herz bewegt: „Mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes“ (Luk. 1,47). – Vorfreude auf den Herrn! Freude am Herrn! Darin lag für sie die Kraft, die Schmach zu tragen, die Unwissenheit und Unglaube ihr auferlegten.

Das Evangelium ist die Freudenbotschaft Gottes über seinen Sohn (Röm. 1, 1-3).  Wer eine Freudenbotschaft zu bringen hat, empfindet im Voraus die selige Freude, die seine Botschaft im Herzen des Empfängers erzeugen darf. Wenn der Freudenbote, der Evangelist, nicht selbst von dieser Botschaft so erfasst ist, dass Freude sein ganzes Wesen durchstrahlt und seine gesamte Verkündigung beherrscht, so wie der Herr in jener letzten Nacht seines Erdenwandels darauf bedacht war, seine Freude in seine Jünger zu ergießen und sie zu völliger Freude zu führen, dann ist er im besten Falle einer von den vielen Zehntausenden von Zuchtmeistern, die über den Glauben der armen Gemeindeglieder herrschen, aber er ist kein Mitarbeiter ihrer Freude, der sie zu völliger Freude führen kann, um sie dadurch zu befähigen, auch tiefstes Leid zu ertragen (1. Kor. 4,15; 2. Kor. 1,24).

Wo kein Geist der Freude herrscht, ist man wesensmäßig noch weit vom Reiche Gottes, so sehr man sich desselben in der Lehre vielleicht auch rühmen mag. Das Reich Gottes ist ein Freudenreich, es ist Friede und Freude im Heiligen Geiste. Der Heilige Geist wirkt als Frucht wahre, unvergängliche Freude (Gal. 5,22).

Wo diese Freude nicht gefunden wird, mag man sich ernstlich prüfen, ob man nicht in einer unklaren Mischung von Gesetz und Evangelium dahinlebt oder gar noch auf Gesetzesboden steht, wenigstens in der Praxis. Auf jeden Fall aber wandelt der Freudelose unwürdig des Evangeliums.

Die Freude am Herrn und der des Evangeliums würdige Wandel finden sich gerade da am meisten, wo man sie am wenigsten vermuten sollte, nämlich in den schwierigsten Lagen, in die ein Glaubender kommen kann. Inmitten größter Trübsale verlor Paulus nicht die Freude am Herrn. Im Kerker zu Rom kann er den Philippern, denen es geschenkt war, nicht nur an den Herrn zu glauben, sondern auch für ihn zu leiden, schreiben, dass er sich über alles freuen kann, sogar über die Verkündigung jener, die den Christus aus unlauteren Beweggründen predigten (Phil. 1,18). Fünfzehnmal redet er in diesem tiefsten Leidensbrief von Freude und Sich-freuen. Man vergleiche nur einmal Stellen wie Phil. 2, 17.18 und 4,4!  Darum auch Phil. 4,13!

In allem Leid und unter den widrigsten Umständen darf ein Gläubiger den herrlichen Endausgang alles Weltgeschehens im Auge behalten und dabei wissen, dass ihm persönlich alles zum Besten dient, dass aber auch das Gericht über alle Sünde und allen Unglaube dennoch hinausgeführt wird zum Siege. Er kennt seine Berufung (Eph. 1, 3-11; 4,1; 4,4; Röm. 8, 28-30; 1. Kor. 1,9), und er möchte würdig wandeln dieser Berufung und des Gottes, der ihn zu seiner eigenen Herrlichkeit berufen hat (Eph. 4,1; 1. Thess. 2,12).

Die Erkenntnis unserer hohen und herrlichen Berufung, die uns erst dann geschenkt wird, wenn wir an den Herrn gläubig geworden sind und außerdem Liebe zu allen Heiligen haben, ist ein Werk des Heiligen Geistes in uns. Nachdem der Geist uns Jesum als Herrn unseres Lebens offenbarte (durch welche Tätigkeit er sich als Herrengeist oder Geist des Herrn in uns kundtat), will er uns in seiner weiteren Tätigkeit als Geist der Weisheit und der Offenbarung zur Erkenntnis seiner (Gottes) selbst führen, damit wir mit erleuchteten Augen des Herzens erkennen und wissen, welches die Hoffnung ist, zu der der Vater der Herrlichkeit den herrlichen Sohn berief und in ihm auch uns, die er samt ihm gesetzt hat über alle Namen im jetzigen und zukünftigen Zeitlauf (Eph. 1, 15-23; 2, 1.6)

N u r  s o  wird auch die gleiche Größe der Kraftwirkung an uns, den Glaubenden offenbar, die am Sohne wirksam wurde, als der Vater ihn aus den Toten wiederbrachte (Eph. 1, 29.20). Nur so können wir würdig des Herrn wandeln und wachsend und fruchtbringend werden in jedem guten Werke (Kol. 1, 3-11). Nur so können wir mitten im tiefsten Leid in wunderbar erhabener Würde dem Kampfziel der Berufung nachjagen, der exanastasis, der Aus-heraus-Auferstehung aus den Toten (Phil. 3, 7-14).

Je größer das Leid ist, das vor einem Glaubenden liegt, um so mehr Freude braucht er vorher, um Kraft zu empfangen, würdig hineinzugehen in die ihm auferlegte Prüfung des Glaubens.  Freude befähigt zu einem würdigen Wandel!

Darum waren auch in den schwersten Zeiten die Heiligen am freudigsten.  Man schaue nur auf Paulus im Gefängnis oder auch auf die Heiligen in den Zeiten der Christenverfolgungen! Sie alle lernten es, was es bedeutet: „J e t z t  freue ich mich in den Leiden“ (Kol. 1,24).  Vor ihren Geistesaugen lag jenes Land, das der Unglaube nicht zu schauen vermag (2. Kor. 4,18; Hebr. 11,1; 11,7; 11,10; Joh. 8,56; Hebr. 11,20; Jud. 14,2; 2. Petr. 1,19; Offb. 1,3; Röm. 16. 25.26; 2. Kor. 3, 12.18; 4, 1.16.17; Röm. 8, 18-39).

Der Blick in die vor ihnen liegende Freude befähigte sie, alles vergängliche Leid des jetzigen Zeitalters für sie so gering zu achten, dass es überhaupt nicht in einen Vergleich gebracht werden kann mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns soll geoffenbart werden.

Wenn darum der Apostel der Leibesgemeinde, der Apostel der Nationen, Paulus, die Gläubigen und Heiligen zu ermahnen hat, dann ermahnt und ermuntert er sie im Blick auf ihre hohe Berufung (Eph. 4,1; 1. Kor. 6, 1-3 u. a.).  Nichts findet sich in einer solchen Ermahnung, was mit einer gesetzlichen Drohbotschaft etwas zu tun hätte. So heilig, wie die Freude ist, die ihn beseelt, so heilig ist auch der Ernst und die Würde, mit der er ermahnt. Er hat es in jener langen Zeit, da er selbst unter dem Zuchtmeister des Gesetzes seufzte, genügend erfahren, dass der Stock wohl Angst einjagen kann, so dass der Geängstigte in verzweifelten Anstrengungen seine letzte Kraft zermürbt, dass aber der Stock keine Kraft zu geben vermag. Kraft gibt es nicht durch Drohungen. Die gießen nur eine bleierne Schwere in die ohnehin schon schwachen Glieder. Kraft gibt es nur durch Freude! Und die Freude am Herrn ist unsre Stärke! Und die Botschaft, die wir einer sterbenden Welt zu verkündigen haben, ist keine Drohbotschaft, sondern eine Frohbotschaft, eine Freudenbotschaft, ist das Evangelium Gottes über seinen Sohn.

Wie aber soll der Geängstigte in schweren Zeiten bestehen, wenn er schon in den sogenannten Evangeliumsstunden mit Angst erfüllt wird?

Der Sohn Gottes, der hoch erhaben über jeden Einzelnen von uns war, erduldete das Schwerste für die vor ihm liegende  F r e u d e .  Die Glaubenden des Alten Bundes schauten hinaus auf das, was zukünftig war und überwanden die Welt in ihnen selbst und um sie herum. Wie viel mehr sollten die Glieder seines Leibes sich ihm gleichmachen lassen in allem, auch darin, für die vor ihnen liegende Freude alles zu erdulden.

Der Gott der Hoffnung erfülle euch (und uns) mit aller Freude!  (Röm. 15,13.)