Beiträge-Lichtpunkte

…darum habe ich dich auch bewahrt, daß du nicht gegen mich sündigst (1. Mose 20, 6)

3 Aber Gott kam nachts im Traum zu Abimelech und sprach zu ihm: Siehe, du bist des Todes wegen der Frau, die du genommen hast; denn sie ist die Ehefrau eines Mannes!4 Abimelech aber hatte sich ihr noch nicht genähert, und er sprach: Herr, willst du denn auch ein gerechtes Volk umbringen? 5 Hat er nicht zu mir gesagt: »Sie ist meine Schwester?« Und auch sie selbst hat gesagt: »Er ist mein Bruder!« Habe ich doch dies mit aufrichtigem Herzen und unschuldigen Händen getan!6 Und Gott sprach zu ihm im Traum: Auch ich weiß, daß du dies mit aufrichtigem Herzen getan hast; darum habe ich dich auch bewahrt, daß du nicht gegen mich sündigst, und darum habe ich es dir nicht gestattet, daß du sie berührst. 7 So gib nun dem Mann seine Frau wieder, denn er ist ein Prophet; und er soll für dich bitten, so wirst du am Leben bleiben. Wenn du sie aber nicht zurückgibst, so wisse, daß du gewiß sterben mußt samt allem, was dir gehört!8 Da stand Abimelech am Morgen früh auf und rief alle seine Knechte zusammen und sagte ihnen dies alles vor ihren Ohren; und die Leute fürchteten sich sehr. 9 Und Abimelech rief Abraham und sprach zu ihm: Warum hast du uns das angetan, und was habe ich an dir gesündigt, daß du eine so große Sünde auf mich und mein Reich bringen wolltest? Du hast nicht mit mir gehandelt, wie man handeln soll! 10 Und Abimelech fragte Abraham: In welcher Absicht hast du dies getan?11 Da sprach Abraham: Weil ich dachte: Es ist gar keine Gottesfurcht an diesem Ort, darum werden sie mich wegen meiner Frau umbringen! 12 Auch ist sie wahrhaftig meine Schwester; denn sie ist die Tochter meines Vaters, aber nicht die Tochter meiner Mutter, und so ist sie meine Frau geworden. 13 Und es geschah, als mich Gott aus dem Haus meines Vaters führte, da sprach ich zu ihr: Das mußt du mir zuliebe tun, daß du überall, wo wir hinkommen, von mir sagst: Er ist mein Bruder!14 Da nahm Abimelech Schafe und Rinder, Knechte und Mägde und schenkte sie Abraham und gab ihm seine Frau Sarah zurück. 15 Und Abimelech sprach: Siehe, mein Land steht dir offen; wo es dir gefällt, da laß dich nieder!

1. Mose 20, 3-15

21 So rühme sich nun niemand irgendwelcher Menschen; denn alles gehört euch: 22 es sei Paulus oder Apollos oder Kephas oder die Welt, das Leben oder der Tod, das Gegenwärtige oder das Zukünftige – alles gehört euch; 23 ihr aber gehört Christus an, Christus aber gehört Gott an.

1. Kor. 3, 21-23

12 Alles ist mir erlaubt – aber nicht alles ist nützlich! Alles ist mir erlaubt – aber ich will mich von nichts beherrschen lassen! 13 Die Speisen sind für den Bauch und der Bauch für die Speisen; Gott aber wird diesen und jene wegtun. Der Leib aber ist nicht für die Unzucht, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. 14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft.

1. Kor. 6, 12

Autor: Prof. E.F. Ströter – auszugsweise aus seinem Buch „Das 1. Buch Mose“

Es wäre verkehrt zu sagen, dass es damals nur einen Menschen gab, der etwas von Gott wusste, sondern es gab neben Abraham und Melchisedek auch einen Abimelech, mit dem Gott redete, der sich von Gott segnen lässt, bei dem also ein nicht geringes Maß von Gottesfurcht und –erkenntnis vorhanden ist. Er ist kein aufgeklärter Zweifler oder Leugner eines Lebens Gottes, trotzdem er ein Philister ist, sondern er beugt sich und anerkennt und ist gehorsam dem Worte Gottes, im Traum geschehen. Dass diese Offenbarung im Traum geschehen musste, daran war Abraham schuld, weil dieser Mann des Glaubens versagte. Wo der Haushalt des Glaubens versagt und nicht zur Wahrheit steht, da geht Gott Seinen eigenen Weg meisterlich über Abraham hinweg.

Auserwähltsein heißt nicht, das absolute Monopol aller Wahrheit zu haben. Das wäre ein sehr gefährlicher Wahn. Es ist nicht das erste Mal, dass er versagte, und zwar auf derselben Linie (Kap. 12).  Er hielt zurück mit der vollen Wahrheit. Es ist tief beschämend für uns, in gewissem Sinne freilich auch tröstlich zu sehen, dass unser Vater Abraham auch schwach war.

Ein Licht fällt von hier aus auf die so schmerzlichen Erscheinungen im Rahmen der Kirchengeschichte, auf dem Boden der Kinder dieser Welt, die alles sinnengemäß und erkenntnisweise sich aneignen wollen. Wenn der Mann des Glaubens aus Scheu, die ganze Wahrheit zu sagen, zurückhält, so geht Gott hoheitsvoll vor. Hätte Gott nicht eingegriffen, so wäre es fraglich geworden, ob Isaak der Sohn Abrahams oder Abimelechs gewesen wäre. Der Auserwählte hätte das nicht verhindert. Er gab sein rechtmäßiges Weib als seine Schwester aus und erhob nicht einmal Einspruch, als der Philister sein Weib von seiner Seite holen ließ.

Darin spiegelt sich ab eine der traurigsten Erscheinungen auf dem Boden des Haushalts, des Glaubens, dass der Same des Glaubens nicht nur keinen Einspruch erhoben hat dagegen, dass der Philister auf seine eigene Weise, auf einem ungöttlichen Wege in das Geheimnis des neuen Bundes hineindringen wollte, sondern dass der Haushalt des Glaubens diesem Philisterverfahren noch Vorschub geleistet hat.

Von Seiten der gläubigen Gemeine wird das, was rechtmäßiger Weise nur dem Haushalt des Glaubens gehört, den Kindern dieser Welt ohne Widerspruch überlassen zu natürlichem Erkennen, sie begünstigt sogar dieses von Gott nie gewollte Verfahren.

So hat man das ganze Gebiet der Erkenntnis Gottes in Christo der Philisterwissenschaft überliefert und nur gesagt: sie ist meine Schwester, nicht aber: sie ist mein Weib. Und dann hat man sich vom Philister nachher noch Vorwürfe machen lassen müssen. Da hat der Haushalt des Glaubens vollständig versagt wie Abraham.

Nur der Glaube hat das Recht, göttliche Dinge göttlich zu erkennen. Trotzdem hat man es zugelassen, dass man in weiten Kreisen glauben konnte, durch theologisches Studium könne man mit Umgehung des Toten Meeres und des Jordans hineinkommen in ein ganz neues Verhältnis mit Gott. Mit gutem Recht wendet man sich nun gegen den Haushalt des Glaubens: Ihr habt das über uns gebracht. – Wir wollen ehrlich bekennen, mitschuldig zu sein, weil wir der Welt gegenüber nicht ehrlich gewesen und nicht dabei geblieben sind, den Standpunkt beharrlich zu vertreten, dass es Dinge gibt, die der natürliche Mensch nicht erkennen kann.

Der Philister darf nie der Gatte der Sara werden und Kinder zeugen. Die ganze Art, wie man mit den Beziehungen Gottes zu der Menschheit in der Welt umgegangen ist, legt Zeugnis davon ab, dass Gott allein Recht behält und Er allein verhindert, was der Haushalt des Glaubens hätte verhindern sollen, aber nicht verhindert hat, weil er nicht sein ausschließliches Recht an diesen Dingen geltend machen wollte.

Noch eine andere Wahrheit, in der das hohe köstliche Vorrecht der Gläubigen uns so leuchtend entgegenstrahlt, begegnet uns hier, nämlich dass alle die Dinge, die außerhalb des Glaubens liegen, unser sind. Paulus sagt: „Alles ist euer“ (1. Kor. 5,22).  Der von Gott zurecht gewiesene Abimelech gibt schließlich Abraham nicht nur sein rechtmäßiges Weib zurück, d. h. er beugt sich nicht nur voll und ganz unter die Ordnung Gottes, er erkennt nicht nur das ausschließliche Recht des Vaters der Gläubigen auf Sara und was darin beschlossen ist, sondern er ist sogar im Stande, Abraham und Sara reich zu beschenken (Vers 14-16). 

Das will uns sagen, dass die natürliche Menschheit, wie sie gipfelt in dem Menschen, der erkenntnisweise auf eine hohe Stufe der Vollkommenheit gebracht wird, uns durch das natürliche Erkennen bereichern kann, wenn sie auch niemals im Stande ist, die Geheimnisse Gottes wirksam zu ergreifen, denn das ist nur möglich im Wege des Sterbens und Auferstehens. Den Eingang in die Dinge Gottes kann sie uns niemals erschließen; das ist allein dem Geiste Gottes vorbehalten.

Töricht indes wäre es, nicht anerkennen zu wollen, dass menschliche Kultur und Wissenschaft uns bereichern könnten. Aus einfachen Naturvorgängen können wir für göttliche Dinge manche Beleuchtung und Veranschaulichung gewinnen. Der Herr Selbst gibt uns hierin ein Beispiel, wie in den Lilien auf dem Felde, den Vögeln unter dem Himmel, dem Weizenkorn in der Erde. Solche Beispiele sind keine eigentlichen Schlüssel, die uns das Geheimnis Gottes erschließen, wohl aber Veranschaulichungen, die der Offenbarung nicht feindselig gegenüber stehen, sondern die einen großen Dienst tun können dem, der in keuscher Weise sich ihrer bedient.

Viele fragen: Inwieweit darf sich der Gläubige Dinge wie Wissenschaft, Kunst, Technik dienstbar machen, die außerhalb des Rahmens der eigentlichen Offenbarung, gleichwohl aber innerhalb der Schöpfung im Bereich der Allmacht und Herrschaft Gottes liegen.

So gewiss es nun wahr ist, dass die ganze Welt im Argen liegt, so gewiss ist es wahr, dass die ganze Schöpfung und alles, was auf dem boden der Menschheit sich zeigt, sofern es nicht ausgesprochen grundsätzlich gegen den erkannten Willen Gottes gerichtet ist, uns gehört, d. h. dass wir ein gutes Recht haben, es uns dienen zu lassen, wie z. B. die Erfindungen des Klaviers, der Buchdruckerkunst, und sogar der Presse, die sich mit Leib und Seele dem Teufel verschrieben hat. Wir haben sie nicht erfunden; nun sie einmal da sind, dürfen sie uns dienen. Da ist kein Gebiet menschlichen Könnens, das der Gemeine Gottes nicht dienen dürfte. Die Gefahr des Missbrauchs der Dinge liegt freilich auch nahe.

Paulus schreibt aber auch: „Alles ist mir erlaubt, doch nicht alles fördert mich! Alles ist mir erlaubt, doch ich werde mich durch nichts unter deren Vollmacht stellen lassen“ (1. Kor. 6,12).  Es kann also Umstände geben, unter denen es ein höheres Vorrecht des Glaubens ist, aus Rücksicht auf einen schwachen Bruder mich dessen zu enthalten, wozu ich ein unbestrittenes Recht habe. Das ist aber etwas anderes, als wenn ich mir ein Joch auferlege, das mir sagt: du darfst das nicht.

 So darf also der Philister den Haushalt des Glaubens beschenken.

Abimelech aber kommt nicht ohne Gericht zur Erkenntnis (Vers 18). Ja, Gott wird mit einer verkehrten Welt nicht ohne Gericht fertig; Er weiß sie aber zurechtzubringen zur Anerkennung von Tatsachen, die dem jeweiligen natürlichen Erkennen gegen den Strich gehen und gegen die es sich empört. Der Philister, d. h. der natürliche Mensch will alles seinem Erkennen gemäß erfassen, und darum lehnt er sich auf gegen Gottes Werkzeuge. Ihm ist kaum eine Wahrheit widerwärtiger als die der Erwählung. Aber er wird von Gott genötigt zu erkennen den Auserwählten Gottes, und dass es zwischen Abraham und Sara eine Ausschließlichkeit gibt, auf die er kein Recht hat. Er erkennt, dass es eine Auserwählung eines besonderen Haushaltes gibt und dass Gott mit Seinen Auserwählten besondere Pläne hat.

Der Philister kommt aber nicht nur zur Erkenntnis, sondern auch zur Anerkennung. Wir dürfen diese Linie verlängern. Unser Gott versteht auch, wo der Haushalt des Glaubens versagt hat, den Philister auf dieser Linie zur Erkenntnis und Anerkennung zu bringen.

Der Philisterkönig bringt seine Gaben dar und beugt sich damit unter den Rat Gottes. Dem Abraham aber wird die Tür aufgetan für eine Reihe von Segnungen, die mit Isaak beginnen. Nachdem Isaak geboren, kommt es zu den innigsten Beziehungen zwischen Abraham und Abimelech.