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Bitteres Wasser wird süß (2. Mo. 15, 22-25, 1. Kor. 10, 1-12)

22 Danach ließ Mose Israel vom Schilfmeer aufbrechen, daß sie zur Wüste Sur zogen; und sie wanderten drei Tage lang in der Wüste und fanden kein Wasser. 23 Da kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war sehr bitter. Daher nannte man es Mara. 24 Da murrte das Volk gegen Mose und sprach: Was sollen wir trinken?25 Er aber schrie zum Herrn, und der Herr zeigte ihm ein Holz; das warf er ins Wasser, da wurde das Wasser süß. Dort gab er ihnen Gesetz und Recht, und dort prüfte er sie;

2. Mose 15, 22-25

1 Ich will aber nicht, meine Brüder, daß ihr außer acht laßt, daß unsere Väter alle unter der Wolke gewesen und alle durch das Meer hindurchgegangen sind. 2 Sie wurden auch alle auf Mose getauft in der Wolke und im Meer, 3 und sie haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen und alle denselben geistlichen Trank getrunken; 4 denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der ihnen folgte. Der Fels aber war Christus.5 Aber an der Mehrzahl von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen; sie wurden nämlich in der Wüste niedergestreckt. 6 Diese Dinge aber sind zum Vorbild für uns geschehen, damit wir nicht nach dem Bösen begierig werden, so wie jene begierig waren.7 Werdet auch nicht Götzendiener, so wie etliche von ihnen, wie geschrieben steht: »Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um sich zu vergnügen«.8 Laßt uns auch nicht Unzucht treiben, so wie etliche von ihnen Unzucht trieben, und es fielen an einem Tag 23 000. 9 Laßt uns auch nicht Christus versuchen, so wie auch etliche von ihnen ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht wurden. 10 Murrt auch nicht, so wie auch etliche von ihnen murrten und durch den Verderber umgebracht wurden.11 Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder, und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben, auf die das Ende der Weltzeiten gekommen ist. 12 Darum, wer meint, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle!13 Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so daß ihr sie ertragen könnt.

1. Kor. 10, 1-12

Autor: Adolf Heller, auszugsweise nach seinem gleichnamigen Artikel “Gottes Wunder in der Wüste
Zu empfehlen ist hierzu u.a. der Vortrag von H. Stoye “65100 – H.Stoye – Durch die Wueste – von Mara nach Elim_2017-06-25.mp3

All das, was Israel dem Fleische nach erlebte, ist ein warnendes Vorbild, ein mahnendes Reden Gottes zu uns. In irgendeiner Form durchleben und durchleiden wir die gleichen Nöte und Versuchungen, wenn auch nur der Seele und dem Geiste nach. Es ist von grundlegender Bedeutung für unser praktisches Glaubensleben, daß der Apostel Paulus den Korinthern, also Nationen gleich uns, die Geschichte Israels im Lichte dieser inneren Zusammenhänge zeigt in 1. Kor. 10,1-11. “Alle diese Dinge”, also nicht nur das eine oder andere, sind Vorbilder (Typen) und sollen uns zur Ermunterung oder Ermahnung dienen. Sie sollen uns vor verderbenbringender, böser Lust bewahren. Denn auch für den Gläubigen besteht die Möglichkeit, Götzendiener zu werden, Unzucht zu treiben und gegen Gottes Führungen zu murren.

Damit wir nun vor den Irr- und Abwegen, auf die wir geraten können, bewahrt bleiben, lenkt der Apostel unsern Blick auf Gottes Wunder, die Israel in der Wüste erfuhr. Es sind Gnaden- und Gerichtswunder. Sie offenbaren einerseits die Undankbarkeit, Abtrünnigkeit und völlige Unfähigkeit des Volkes zu allem Guten und andererseits die Heiligkeit und Treue Gottes, der Seine Langmut und Geduld immer wieder enthüllt.

Beim Überdenken dieser Geschehnisse wollen wir nicht nur zurückschauen auf das, was war, sondern auch zu verstehen suchen, was alle diese Dinge uns in unsern augenblicklichen Kämpfen, Nöten und Versuchungen zu sagen haben. Neben diesem Rückblick ins geschichtliche und Einblick ins Persönliche wollen wir auch die prophetische Bedeutung der Wunder der Wüste erwähnen. Denn jedes Gotteswort, jede Gestalt und jedes Ereignis zielen auf Zukünftiges und enthüllen dem Glauben das, was einmal sein wird. Denn “das, was gewesen ist, ist das, was sein wird; und das, was geschehen ist, ist das, was geschehen wird. Und es ist gar nichts Neues unter der Sonne. Gibt es ein Ding, von dem man sagt: Siehe, das ist neu – längst ist es gewesen in den Aonen, die vor uns gewesen sind” (Pred. 1, 9.10).

In 2. Mose 15, 22-25 lesen wir: “Mose ließ Israel vom Schilfmeer aufbrechen, und sie zogen aus in die Wüste Sur; und sie wanderten drei Tage in der Wüste und fanden kein Wasser. Und sie kamen nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war bitter. Darum gab man ihm den Namen Mara (Bitterkeit). Und das Volk murrte wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken? Und er schrie zu dem Herrn, und der Herr wies ihm ein Holz; und er warf es in das Wasser, und das Wasser wurde süß.”

Nach der herrlichen Gnadenhilfe Gottes am Schilfmeer sang Israel das Lied Moses. Dieser Sang ist erhaben und wunderbar. Er enthält weder Klage noch Bitte, sondern besteht nur aus Dank und Anbetung. Er wird sogar noch am gläsernen Meer in Verbindung mit dem Lied des Lammes gesungen werden (Offb. 15, 3). Zum Inhalt hat er das Lob der Werke und Wege Gottes.

Nun geht es aber nach der Errettung aus Ägypten nicht sofort in das verheißene Land, darinnen Milch und Honig fließt, – nein, Gott führt das Volk in die große und schreckliche Wüste, in die wasserlose Hochebene Sur (auf deutsch: Mauer oder Mahner). Das war für das Volk eine unverständliche Wegleitung. Denn ihm war doch ein herrliches Land voller Früchte und Segnungen, ein reicher Gottesgarten versprochen worden! Und nun diese Enttäuschung!

Geht es uns nicht auch so im Leben? Nach Höhepunkten wunderbarer Segnung und Erquickung, Rettung und Durchhilfe führt unser Weg in heiße, steinige Wüsten, wo kein Wasser der Labsal sprudelt. So, wie Israel damals das Bitterwasser des Fluches zu kosten bekam, so sind auch in unsre Führungen gar manche Enttäuschungen, Spannungen und Leiden hineinverordnet. Freilich sehen wir hintennach, wie heilsam und notwendig alle diese schmerzlichen, bitteren Dinge waren! Aber wenn wir mitten drin stehen, so zerreißen sie uns schier das Herz vor unnennbarem Weh.

Was tat Israel? Es murrte! Machen wir es anders? Wohl kaum; sonst hätte ja Paulus nicht an die Korinther zu schreiben brauchen: “Murret auch nicht, gleichwie etliche von jenen murrten und von dem Verderber umgebracht wurden.”

Das Murren der Gläubigen ist eine viel schlimmere Sünde, verunehrt den Vater der Liebe und Treue viel mehr als irgendwelche Worte und Taten der Welt, die Gott nicht kennt. Der Murrgeist dämpft den Heiligen Geist und öffnet dem Verderber Tür und Tor.

Das grundlegende Teilziel, das die Gemeinde der Gegenwart jetzt erreichen soll, ist nicht eine besondere Leistung auf diesem oder jenem Gebiet, ist nicht absolute moralische Vollkommenheit und unantastbare Heiligkeit unsres Niedrigkeitsdaseins, sondern ist in den apostolischen Worten zusammengefaßt: “Danksaget in allem, denn dieses ist der Wille Gottes in Christo Jesu in bezug auf euch” (1. Thess. 5, 18).

Was wird in unsern Herzen ausgelöst, wenn wir nach Mara kommen, wenn Bitterkeit und Enttäuschung in unser Leben hereintreten: Danksagen oder Murren? Gott verlangt gewiß nicht, daß wir über jedes Leid himmelhoch jauchzen. Denn Er kennt uns ja viel besser, als wir uns selber kennen, und weiß, daß wir Fleisch sind. Aber wir dürfen und können alle Anliegen, auch die dunkeln und schmerzlichen, mit Danksagung vor Ihm kundwerden lassen. Wir brauchen uns von dem finstern, lähmenden Murr- und Sorgengeist nicht überwältigen zu lassen, wie Paulus in Phil. 4, 6 schreibt: “Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kund werden.”

Mose schrie in seiner Not zu Gott. Da wurde ihm ein Holz gezeigt, das er ins Wasser werfen sollte. Der Mann Gottes tat es, und – siehe da! – das Wasser wurde süß.

Kennst du dieses Holz, diesen Stab, der das ungenießbare Bitterwasser des Fluches in das köstliche Süßwasser der Segnung verwandelt? Ist dieses Holz – “verflucht ist, wer am Holze hängt!” – nicht ein Symbol des Kreuzes? Ist es nicht – “Dein Stecken und Stab trösten mich” – ein Abbild des Glaubens? Lernen wir doch, sooft wir auf unserm Pilgerwege an ein Mara gelangen, das Kreuz im Glauben hineinzuwerfen! Denn “alle diese Dinge” sind Vorbilder für uns und wurden geschrieben zu unsrer Ermunterung. Also haben wir es auch hier nicht mit einem willkürlichen einmaligen Ereignis ohne tiefere Bedeutung zu tun, sondern mit einem göttlichen Plan und Grundriß für unser persönliches Glaubensleben.

Alles, und sei es auch noch so schwer und schmerzlich, was wir im Blick aufs Kreuz und im Glauben nehmen, verwandelt sich in Segnung und Wohltat. Wohl uns, wenn wir das nicht nur theoretisch für wahr halten, sondern auch praktisch erfahren dürfen! Dann müssen wir nicht nur bei jeder Gelegenheit nicht mehr murren und klagen, sondern dürfen vielmehr dankend und anbetend durch alle Schwierigkeiten hindurchgehen.

Doch nicht allein in unserm persönlichen Leben vermag das Holz das Bitterwasser des Fluches in Süßwasser der Segnung zu verwandeln, auch hinsichtlich aller Nationen und der ganzen Kreatur wird sich das zu Gottes Zeit und Stunde zeigen. Christus wird kraft Seines Kreuzes dereinst die ganze Schöpfung erneuern. Denn Golgatha bedeutet die grundsätzliche Beseitigung von Schuld und Fluch und ist der Wendepunkt des Weltgeschehens. Darum rechnen auch die Kulturvölker, die ja in vielen Stücken unbewußt ihre eignen Propheten sind, ihr Zeitgeschehen vor und nach Christus oder sprechen doch klar von einer “Zeitenwende”!

Gott hätte Israel sofort Süßwasser geben oder das Bitterwasser durch eine Tat göttlicher Gnade in Süßwasser verwandeln können. Er tut es aber nicht, sondern läßt das Holz hineinwerfen. Holz ist ja in der Schrift auch ein oft gebrauchtes Bild des Menschentums. Man denke nur an Worte wie: “Ich sehe Menschen wie Bäume”, “So das geschieht am grünen Holz, was soll’s am dürren werden” u. a. m. Durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes wird aller Fluch in Segnung umgewandelt. Darum singt der Dichter anbetend:

“Seine Strahlen, voll und frei,
Machen auch die Schöpfung neu!”