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Das hörende Herz unter Führung des Geistes (Joh. 16, 13)

12 Noch vieles hätte ich euch zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, so wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.

Joh. 16, 13

Autor: Heinrich Langenberg, aus GuH

Geistesführung ist etwas, ohne das eine Erziehung der Gotteskinder zu Gottessöhnen gar nicht denkbar ist. Paulus sagt: „denn so viele auf Grund von Geist Gottes geführt werden, diese sind Söhne Gottes“ (Rö. 8, 14). Diese Führung auf Grund von Geist Gottes wird nur dem hörenden Herzen erkennbar. Die Gläubigen aller Zeiten haben Geistesführung gekannt, nur die Mittel und Formen der Führung sind verschieden, der jeweiligen Erziehungsstufe in der Geschichte des Reiches Gottes angemessen. Darin sehen wir ganz deutlich eine gewisse Entwicklungslinie von der niedrigeren Stufe, auf der sich Gott zur Führung der Seinen mehr äußerer Mittel bediente, bis hin zu der Stufe der reinen Geistesleitung auf dem Boden der neutestamentlichen Gemeinde Gottes. Die älteste Form der Führung ist wohl die der göttlichen Stimme, entweder unmittelbar oder mittelbar. Zu dem Volke Israel redete der Herr mitten aus dem Feuer (5. Mos. 4, 12). Das Volk hörte die Stimme der Worte, aber sie nahmen keine Gestalt wahr. Den jungen Samuel rief der Herr im Heiligtum unmittelbar bei seinem Namen, als er wachend auf seinem Lager lag (1. Sam. 3, 4). Es wurde auch eine Stimme aus dem Himmel gehört, als Jesus sich von Johannes im Jordan hatte taufen lassen: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Mt. 3, 17). Später auf dem Verklärungsberge vernahmen die Jünger eine ähnliche Stimme aus der sie überschattenden Wolke (Mt. 17, 5). Bei einer anderen Gelegenheit kam eine Stimme aus dem Himmel als Antwort auf Jesu Gebet (Joh. 12, 28). Die göttliche Stimme ist eine Form der Führung, die zu allen Zeiten vorkommt. Wir finden sie auch in dem Leben des Petrus und Paulus und vieler anderer Glieder der Gemeinde, Ähnlich verhält es sich auch mit der Führung durch Engel, entweder sichtbar oder unsichtbar. Hagar wird sichtbar von einem Engel des Herrn in der Wüste geführt (1. Mos. 16, 7 ff), ebenso Abraham, als er bei den Terebinthen Mamres war (1. Mos. 18). Dem Mose erschien der Engel des Herrn in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch und gab ihm Anordnung zur Rettung des Volkes Israel (2. Mos. 3, 2). Auch im Neuen Testament finden wir noch die Führung durch Vermittlung der Engel. Petrus wird durch einen Engel des Herrn aus dem Gefängnis befreit und herausgeführt (Apg. 12, 7). Auch unsichtbar sind Engel die Führenden, so schon bei Elieser, dem Abraham segnend sagt, dass der Herr Seinen Engel vor ihm her senden werde, damit er seinem Sohne Jakob ein Weib hole (1. Mos. 24, 7. 40). Dem Volke Israel gab der Herr die Verheißung: „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, um dich auf dem Wege zu bewahren und dich an den Ort zu bringen, den ich bereitet habe“ (2. Mos. 23, 20). Das auserwählte Bundesvolk bekam von Gott außerdem für seine Wanderung durch die Wüste ins gelobte Land hinein ein ganz wunderbares Zeichen der Führung in der Wolken- und Feuersäule (2. Mos. 13, 21). Ein so rein äußerliches und dabei so eigenartig gewähltes Mittel der Führung war dem Bedürfnis und der Erziehungsstufe des Volkes gerade angemessen. Selbst die heiligen Gottesmänner in Israel bedurften immer wieder der Unterstützung durch äuße re Zeichen in dem Geführtwerden. Deutlich tritt dieser Zug in Gideons Geschichte auf bei seiner Berufung zum Richteramt (Ri. 6, 17 – 21. 36 – 40). Selbst David, der Geliebte Gottes, bedurfte solcher Glaubensstützen (2. Sam. 5, 23. 24). David war es auch, der oft das Licht und Recht (Urim und Thummim) gebrauchte, um durch dieses von Gott angeordnete Mittel (2. Mos. 28, 30) den Willen Gottes bei wichtigen Entscheidungen zu erfragen (1. Sam. 23, 2 – 4; 30, 8; 2. Sam. 2, 1; 5, 19. 23; 1. Chr. 14, 10. 14). Bei den Magiern aus dem Morgenlande gebrauchte Gott sogar die Wissenschaft der Astrologie, um sie so zu führen, dass sie Jesum fanden (Mt. 2, 9). So sind die äußeren Zeichen und Mittel recht mannigfaltig, dem jeweiligen Auffassungsvermögen der zu Führenden angepasst. Eins der häufigsten Mittel war der Traum. „Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt, im Schlummer auf dem Lager, dann öffnet Er das Ohr der Menschen und besiegelt die Unterweisung, die Er ihnen gibt“ (Hi. 33, 15f). Wir finden Träume in diesem Sinne bei Abimelech (1. Mos. 20, 3. 4), Jakob (1. Mos. 28, 12), Joseph (1. Mos. 37, 6. 7), Pharao (1. Mos. 41), Gideon (Ri. 7, 13 ff), Salomo (1. Kn. 3, 5), Eliphas (Hi. 4, 12 ff), Nebukadnezar (Dan. 2 und 4), Daniel (Dan. 7, 1), Joseph von Nazareth (Mt. l, 20; 2, 13. 19. 22). Etwas Verwandtes waren die prophetischen Visionen, vermittelst deren Gott Seinen Willen zu erkennen gab. Zu Abraham geschah das Wort des Herrn in einem Gesicht (1. Mos. 15, 1). Und 4. Mos. 12, 6 – 8 lesen wir: „Wenn ein Prophet unter euch ist, dem will ich, der Herr, in einem Gesicht kundtun, in einem Traum will ich mit ihm reden. Nicht also mein Knecht Mose. Er ist treu in meinem ganzen Hause. Mit ihm rede ich von Mund zu Mund, und mittelst Schauens und nicht in Rätsel, und das Bild des Herrn schaut er.“ Bei den prophetisch begabten Menschen tritt immer der Geist als das führende Prinzip in den Vordergrund. Von Simson heißt es: „Der Geist des Herrn fing an, ihn zu treiben“ (Ri. 13, 25), und von Saul: „Der Geist Gottes wird über dich geraten, und du wirst mit ihnen weissagen und wirst in einen anderen Mann verwandelt werden. Und es soll geschehen, wenn dir diese Zeichen eintreffen, so tue, was deine Hand finden wird, denn Gott ist mit dir“ (1. Sam. 10, 6. 7). „Vom Heiligen Geist getriebene Menschen redeten von Gott aus“ (2. Petr, l, 21). Im Neuen Testament begegnet uns dann die reine Geistesführung. Dem greisen Simeon war von dem Heiligen Geiste ein göttlicher Ausspruch geworden, dass er den Tod nicht sehen solle, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Und er kam vermittelst des Geistes in den Tempel (Luk. 2, 26. 27). So wird auch Jesus selber von dem Geiste in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden (Mt. 4, 1), oder, wie es Lk. 4, l noch anschaulicher gesagt wird: „Jesus wurde vermittelst des Geistes 40 Tage in der Wüste geführt“, und Lk. 4, 14: „Jesus kehrte vermittelst der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück.“ Von grundlegender Bedeutung in der Entwicklung der Geistesführung ist die Führungsschulung der Jünger Jesu. Das ganze Leben der Jünger in Gemeinschaft mit Jesus war eine permanente Führungsschulung. Sie lernten von Ihm, was autoritäre Führung bedeutete, weil Sein Wille vollkommen mit dem Willen Seines Vaters gleichgeschaltet war. In demjenigen Kapitel, welches praktisch die größte Fülle von Anschauungsunterricht bietet, wie Jesus selber sich führen ließ (Gespräch mit der Samariterin), finden wir das bedeutsame Wort: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und Sein Werk vollbringe“ (Joh. 4, 34). Erkenntnis des Willens Gottes und restlose Hingabe an denselben gehört zu den wichtigsten Bestandteilen der Führung. Die Erziehung des Petrus ist hierfür ein besonders lehrreiches Beispiel. Ihm, dem impulsiven Jünger, der im Übereifer gern die Führung seines Lebens selber in der Hand behalten hätte, musste der Herr am Ende sagen: „Als du jünger warst, gürtetest du dich selber und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich leiten und hinbringen, wohin du nicht willst.“ (Joh. 21, 18.) So wie die Jünger das Hörschweigen von ihrem Meister gelernt haben, so auch das Geführtwerden. Die Schule Jesu bestand nicht im theoretischen Unterricht sondern in praktischer Übung, wobei das persönliche Vorbild ausschlaggebend war. „Ich kann nichts von mir selbst aus tun; so wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh. 5, 30; vergl. 6, 38). Jesus suchte nicht die Führung, sondern den Willen Gottes. Führung ist dann etwas Selbstverständliches, Ungesuchtes, Gegebenes, über allen Zweifel Erhabenes. Er wusste auf Grund dieser Führung genau, wann Seine Stunde zum Handeln gekommen war (Joh. 2, 4; 14, 30), und deshalb gab es in Seinem Leben ein göttliches Muss (Joh. 4, 4; 11, 6; Lk. 24, 26), dem Er freudig und willig folgte.

Das Ziel der Führungsschulung Jesu bei Seinen Jüngern war, diese für die Zeit Seiner Abwesenheit auf die Führung durch den Heiligen Geist vorzubereiten. Schon bei ihrer erstmaligen Aussendung durften sie etwas von dieser herrlichen Wahrheit lernen. Jesus sagte nämlich zu ihnen: „Ihr seid es nicht, die da sprechen, sondern der Geist eures Vaters, der in euch spricht‘ (Mt. 10, 20). Nach Seiner Hin wegnähme von dieser Erde sollte dann die Führerschaft des Heiligen Geistes ganz in den Vordergrund treten. Darauf weist folgendes Wort hin: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird Er euch vermittelst der ganzen Wahrheit den Weg leiten; denn Er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was irgend Er hören wird, wird Er reden, und das Kommende wird Er euch verkündigen“ (Joh. 16, 13). In einigen Handschriften lesen wir: „in die ganze Wahrheit hinein“, aber andere Handschriften haben: „in der oder vermittelst der ganzen Wahrheit“, wodurch zum Ausdruck gebracht werden soll, dass die ganze Wahrheit das Mittel der Geistesführung ist. Der Psalmist betet: „Leite mich in Deiner Wahrheit und lehre mich“ (Psalm 25, 5), und: „Leite mich auf dem Pfade Deiner Gebote; denn an ihm habe ich meine Lust“ (Psalm 119, 35). Salomo sagt von den Geboten Gottes, die der Sohn als Belehrung von seinen Eltern überliefert bekommt: „Wenn du einhergehst, wird sie (die Belehrung) dich leiten; wenn du dich niederlegst, wird sie über dich wachen; und erwachst du, so wird sie mit dir reden“ (Spr. 6, 22). Der Heilige Geist hat nun vielerlei Mittel bei Seinem Führen außer dem geschriebenen Worte Gottes, z. B. das Gewissen, die Vernunft, die Umstände, Gemeinde und Glaubensgemeinschaft Alle diese Mittel gehören mit zu der ganzen Wahrheit, vermittelst welcher der Heilige Geist uns den Weg leiten will. Selbstverständlich darf kein innerer Wider spruch zwischen den verschiedenen Mitteln bestehen, vor allem darf nichts einer klar erkannten Schriftaussage widersprechen. Die Schrift ist und bleibt höchste und letzte Instanz und Prüfstein für die Zuverlässigkeit der Geistesführung. „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt zu tun, was dir frommt, der dich leitet auf dem Wege, den du gehen sollst“ (Jes. 48, 17).

Führung im Leben des einzelnen und in der Gemeinschaft finden wir in wunderbarer Klarheit anschaulich dargestellt in der Apostelgeschichte. Als Petrus und Johannes zusammen hinaufgingen in den Tempel um die Stunde des Gebets (Apg. 3, 1), standen sie ganz unter Führung und konnten auch deshalb in den Umständen erkennen, wie sie mit dem lahmen Bettler vor der schönen Pforte des Tempels verfahren sollten. Philippus stand so sehr unter Geistesdisziplin, dass er sofort bereit war, aus einer überaus gesegneten Arbeit in Samarien sich herausführen zu lassen auf eine ganz einsame, öde Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt (Apg. 8, 26). Dort traf er den Finanzminister der äthiopischen Königin Kandace, und der Geist sprach zu ihm: „Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an!“ Besonders tief belehrend ist auch die Erfahrung des Petrus und des Kornelius (Apg. 10). Beide Männer werden gleichzeitig vom Geiste geführt, so dass sich ihre Wege kreuzen mussten. Beide wurden auf besondere Weise für diese Führung zubereitet, fanden sich aber erst dann recht, als außer der eigenartigen Führung durch äußere Umstände die innere Linie der Geistesführung erkennbar wurde. Diese innere Linie unterscheidet sich von der äußeren Führung dadurch, dass nicht bloß in der Ordnung der Umstände die wunderbar überwaltende Hand Gottes erkannt werden kann, sondern dass in der Harmonie tiefsten inneren Erlebens eine beglückende Begegnung stattfindet. In dem Leben des Apostels Paulus tritt die Geistesführung ganz besonders überzeugend hervor. Dieser Mann wurde gleich von Anbeginn seines neuen Lebens unter Führung gestellt. Auf seine Frage: „Wer bist Du, Herr?“ bekommt er die Antwort: „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Stehe jedoch auf und gehe in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst“ (Apg. 9, 6). Gleichzeitig erhält Ahanias in Damaskus die Anweisung durch den Geist, dem Saulus von Tarsus zu helfen, damit er völlig zu Christus geführt werde. Von diesem Augenblick anstand das ganze Leben des Apostels Paulus unter klar erkennbarer Geistesführung. Bei einem genauen Studium aller in Betracht kommenden Stellen ist deutlich eine bestimmte Entwicklung zu sehen zu immer reinerer, völligerer Führung. Als Paulus nach Jahren der stillen Sammlung von der Gemeinde in Antiochien mit Barnabas gemeinsam zum Dienst ausgesondert wurde, da war es der Heilige Geist, der diese Aufforderung an die Gemeinde richtete (Apg. 13, 2). Das war Geistesführung in der Gemeinschaft. „Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geiste, gingen hinab nach Seleucia usw.“ Der Heilige Geist führte auch, indem Er wehrte und die Geführten hinderte, in ihrem Eifer eigene Wege zu gehen, Es heißt: „Sie durchzogen aber Phrygien und die galatische Landschaft, nachdem sie von dem Heiligen Geiste gehindert worden waren, das Wort in der Asia zu reden; aber als sie gegen Mysien hinkamen, versuchten sie nach Bithynien zu reisen, und der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht“ (Apg. 16, 6. 7). Der Wille Gottes war, dass das Evangelium nach Europa kommen sollte. Wie ungeheuer viel hing doch von dieser Entscheidung ab für den ganzen weiteren Verlauf der Weltgeschichte, und wie wichtig war es, dass Paulus und seine Begleiter fähig und willig waren, geführt zu werden und dabei auf alle eigenen Pläne zu verzichten. In Korinth erlebte der Apostel später eine ähnliche, wichtige Entscheidung durch Geistesführung. „Als aber sowohl Silas als auch Timotheus aus Mazedonien her abkamen, wurde Paulus hinsichtlich des Wortes gedrängt und bezeugte den Juden, dass Jesus der Christus sei“ (Apg. 18, 5). Es handelte sich um eine entscheidende Wendung in der Missionspraxis des Apostels, weil die Juden sich mehr und mehr gegen das Evangelium verschlossen. Nicht ohne tiefe innere Beugung und Seelenkampf konnte Paulus unter der Führung ausharren, die scheinbar gegen seine heiligsten Gefühle ging, da er sein Volk glühend liebte. „Der Herr aber sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir Übles zu tun; denn ich habe ein großes Volk in der Stadt“ (V. 9. 10). Paulus erlebte nicht nur Teilführung, das heißt Führung mit einzelnen Erfahrungen, Schritt für Schritt, sondern auch Gesamtführung, das heißt, ihm wurde seine ganze Lebensaufgabe unter Geistesführung gezeigt (vgl. Apg. 9, 15. 16; 22, 14. 15). Aus dieser Erkenntnis heraus konnte Paulus auch in einer gewissen geistlichen Freiheit selbständig unter Führung handeln. Wir lesen: „Als dies aber erfüllt war, setzte sich Paulus in dem Geiste vor, nachdem er Mazedonien und Achaja durchzogen habe, nach Jerusalem zu reisen, und sprach: nachdem, ich dort gewesen bin, muss ich auch Rom sehen“ (Apg. 19, 21). Dieses Ziel schwebte ihm beständig vor, und er ließ sich durch nichts davon abbringen, selbst nicht durch die dringenden Bitten seiner besten Freunde (Apg. 20, 16; 21, 10- 14). Er bekannte: „und nun siehe, ich, gebunden auf Grund des Geistes, gehe nach Jerusalem, nicht wissend, was mir daselbst begegnen wird“ (Apg. 20, 22). Und Paulus ist nach Rom gekommen, wenn auch in Ketten. Gerade diesem Umstände verdanken wir einige seiner tiefsten Briefe, die uns das Geheimnis des Christus enthüllen. Die Begründung seines erstaunlich fruchtbaren Lebens liegt darin, dass Paulus von vornherein unter Führung gestellt wurde, indem folgende zwei Fragen all sein Denken und Handeln beherrschten: „Wer bist Du, Herr?“ und: „Was soll ich tun, Herr?“ (Apg. 22, 8. 10).

Uns wird nirgends in der Heiligen Schrift ein menschliches Vorbild gezeigt, das nicht uns ganz persönlich anginge. Selbst wenn wir bekennen müssen, dass wir keine Paulusse, Philippusse u. dergl. sind, so dürfen wir doch als einfache Kinder Gottes uns den ganzen Reichtum der herrlichen Wahrheit von der Geistesführung aneignen. „Denn so viele auf Grund von Gottes Geist geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (Rö. 8, 14), und: „Wenn ihr aber auf Grund von Geist Gottes geleitet werdet, so seid ihr nicht unter Gesetz“ (Gal. 5, 18). Das betrifft uns alle, die wir Kinder Gottes sind.

Wenn nun alles das, was hier in Form von Bibelstudien über fundamentale Schriftwahrheiten gezeigt worden ist, noch einmal zusammengefasst wird, so entsteht die brennende Frage: Wie wird dieses mir nun ganz persönlich zu einem beglückenden Besitz, wie werde ich praktisch ein vom Geiste Gottes ge führter Mensch, wie erhalte ich selber ganz klare und unzweideutige Führung des Geistes in allen Einzelheiten des Alltagslebens? Die richtige Beantwortung all dieser und ähnlicher Fragen hängt im letzten Grunde von der Lösung der Kardinalfrage ab, nämlich: Wie bekomme ich ein hörendes Herz? Hörschweigen und Führung sind aufs innigste miteinander verbunden, so dass tatsächlich eines nicht ohne das andere verwirklicht werden kann. Kein Hören ohne Schweigen und keine Führung ohne Hören. Wie es nun bei mir selber mit innerer Folgerichtigkeit vom Hören zum Geführtwerden kommt, das kann ich in Wahrheit nur lernen, wenn ich mein ganzes Personleben mehr und mehr unter die Disziplin des Geistes stelle. Es gibt nun keine bloß technische Schulung auf diesem Gebiet, wohl aber ein ganz wunderbares Erleben für jeden, der im Glauben bereit ist, mit letzter Ehrlichkeit und ganzem Ernst Entscheidungen zu wagen.

Aus der empfehlenswerten Schrift: Das hörende Herz. Brunnquell-Verlag. 72 Seiten