Dazu ist auch Toten das Evangelium verkündigt worden (1. Petrus 4, 6)

„Denn dazu ist auch Toten das Evangelium verkündigt worden, dass sie gerichtet würden im Fleisch den Menschen gemäß, aber Gott gemäß lebten im Geist.“

‭‭1. Petrus‬ ‭4:6‬ ‭

Autor: Karl Geyer

Christi Fahrt ins Totenreich

„Denn auch Christus hat einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führte; und er wurde getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht durch den Geist, in welchem er auch hinging und den Geistern im Gefängnis verkündigte, die vor Zeiten sich weigerten zu glauben, als Gottes Langmut einstmals zuwartete in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in der wenige, nämlich acht Seelen, hindurchgerettet wurden durch das Wasser,“

‭‭1. Petrus‬ ‭3:18-20‬ 

„Darum heißt es: »Er ist emporgestiegen zur Höhe, hat Gefangene weggeführt und den Menschen Gaben gegeben«. Das [Wort] aber: »Er ist hinaufgestiegen«, was bedeutet es anderes, als dass er auch zuvor hinabgestiegen ist zu den Niederungen der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfülle.“

‭‭Epheser‬ ‭4:8-10‬ 

„Du bist zur Höhe emporgestiegen, hast Gefangene weggeführt; du hast Gaben empfangen unter den Menschen, auch den Widerspenstigen, damit Gott, der Herr, eine Wohnung habe.“

‭‭Psalmen‬ ‭68:19‬ ‭

„Die in Finsternis und Todesschatten saßen, gebunden in Elend und Eisen, weil sie den Worten Gottes widerstrebt und den Rat des Höchsten verachtet hatten, sodass er ihr Herz durch Unglück beugte — sie strauchelten, und niemand half ihnen. Da schrien sie zum Herrn in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Ängsten. Er führte sie heraus aus Finsternis und Todesschatten und zerriss ihre Fesseln. Sie sollen dem Herrn danken für seine Gnade und für seine Wunder an den Menschenkindern. Denn er hat eherne Türen zerbrochen und eiserne Riegel zerschlagen!“

‭‭Psalmen‬ ‭107:10-16

„Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,“

‭‭Philipper‬ ‭2:9-10

Man lese: 1. Petr. 3, 18-20; 4, 6; Eph. 4, 8-10; Psalm 68, 18 (Luther: 19); 107, 10-16; Phil. 2, 10. Nach dem Vorsatz Gottes soll das gesamte All unter ein Haupt zusammengefasst werden in dem Christus (Eph. l, 9. 10). Alle Knie sollen sich Ihm beugen, die der Himmlischen, der Irdischen und der Unterirdischen (Phil. 2, 10). Darum ging auch der Herr selbst durch diese drei Gebiete hindurch, machte den Vater kund und verkündigte den Himmlischen, denen auf Erden und denen im Totenreich, in den untersten Örtern der Erde, die frohe Botschaft. 

Das Vaterherz ist glückselig darüber, dass der Sohn Ihn so geoffenbart hat, dass Er gesehen wird von den Engeln, gepredigt unter den Nationen und ge-glaubt im Kosmos, in der Welt (1. Tim. 3, 16). Den Himmlischen wurde die frohe Botschaft zuerst verkündigt, ja, sie werden schon vor Seiner irdischen Geburt und dann bei der Geburt selbst als Künder Seines Kommens ausgesandt an die Menschen, an Maria, Zacharias, Elisabeth und die Hirten auf dem Felde. Den auf Erlösung wartenden Menschen verkündigte Er selbst das Evangelium und lässt es ihnen bis heute weiterverkündigen. Auch zu den Toten ging Er selbst hinab in den Hades und predigte ihnen ebenso die frohe Kunde, wie auch den Geistern im Gefängnis. 

Den Himmlischen predigte Er vor Seinem Herabfahren auf die Erde, den Irdischen während Seiner Anwesenheit hier unten und den Unterirdischen nach Seiner Auferstehung, bevor Er wieder hinauffuhr zum Vater. Nach Seiner Kreuzigung und Seinem Sterben lag Sein Leib zwei Tage im Grabe; Seine Seele war in dieser Zeit im Totenreich, Sein Geist aber beim Vater, in dessen Hände Er ihn befohlen hatte. Am dritten Tage wurde Christus durch die Kraft des Vaters lebendig gemacht, wie Ihm ja auch verheißen war, dass Seine Seele nicht im Hades bleiben noch Sein Leib die Verwesung sehen sollte (Apg. 2, 24-28). 

In diesem neuen Lebensgeiste ging Er nach Seiner Auferstehung hin und predigte den Geistern im Gefängnis. Dass Er erst nach Seiner Auferstehung bzw. erst lebendig gemacht nach dem Geiste hinging und predigte, zeigt klar und eindeutig, was von jenen Versuchen zu halten ist, diese Predigt dem Noah in den Mund zu legen. Zudem steht klar geschrieben: „Er predigte den Geistern, die einst in den Tagen Noahs ungehorsam gewesen waren.” Die Dauer dieser Predigt ist durch mehrere Schriftstellen klar festgelegt und begrenzt. Nach 1. Petri 3, 18-20 ging Er hin zu den Geistern im Gefängnis, nach-dem Er selbst lebendig gemacht war. (Vergl. hiermit auch Matth. 27, 53.) Weiter sagt uns Eph. 4, 8-10, dass Er vor Seinem Hinaufsteigen zuvor hinabgestiegen ist in die untersten Örter der Erde. (Vergl. hierzu auch Joh. 3, 13.) Die Predigt dauerte also insgesamt 40 Tage, und zwar von Ostern bis Himmelfahrt. Wiederholt erschien Er in dieser Zeit Seinen Jüngern, die hinter verschlossenen Türen versammelt waren. Dadurch deutete Er zugleich an, dass Ihn die „ehernen Riegel” der Finsternis und des Todesschattens nicht aufhalten konnten, seitdem Er dem Tode die Macht genommen und dieser die Schlüssel des Totenreiches an Ihn abgegeben hatte. Der Herr ging durch die von Ihm selbst geöffnete Tür aus und ein. Niemand konnte Ihn hindern. Welch ein Triumph! An diesem Sieg haben nun alle teil, zu denen Er spricht: „Ich gebe eine geöffnete Tür! Niemand schließt zu!” (Offb. 3, 7). 

Am Anfang Seines Dienstes, als Er in der Taufe symbolisch in den Tod hinab-stieg, war Er nach Seinem Heraufsteigen aus dem Wasser des Todes (Jordan heißt Todesstrom) 40 Tage in der Einöde der Wüste unter den wilden Tieren (Mark, l, 9-13). Am Schlüsse Seines Erdendienstes, als Er w e s e n h a f t den Tod erduldete, ging Er nach Seiner Auferstehung in die wesenhafte Öde des Totenreiches, und zwar ebenfalls 40 Tage. An beiden Stellen steht ausdrücklich, dass der Geist Ihn trieb bzw. dass Er im Geiste der Auferstehung hinging. Wunderbar kehrt in dem harmonischen Aufbau Seines Lebens das Ende zum Anfang zurück. Wer Symbolik zu lesen weiß, sieht schon an den 40 Tagen, die der Herr unter den wilden Tieren zubrachte, dass Er auch noch zu den Urbildern dieser Tiere, zu den Geistern im Abgrund gehen müsse, von deren Tiergestalt uns Offb. 9 und viele andere Stellen des Alten und Neuen Testamentes berichten. 

Die untersten Örter der Erde heißen Tartarus. (Siehe die Anmerkung zu 2. Petr. 2, 4 in der Elberfelder Übersetzung.) In diese Tiefen stürzte Gott jene Engel hinab (die bne elohim), die zur Zeit Noahs, des Predigers der Gerechtigkeit, sündigten, indem sie ihren ersten Zustand nicht bewahrten, sondern ihre eigene Behausung verließen und fremdem Fleische nachgingen (Jud. 6. 7; 1. Petr. 3, 18-20; 2. Petr. 2, 4, 5; 1. Mos. 6, 1-4; vergl. zu bne elohim [= Söhne Gottes] Stellen wie Hiob l, 6 ff.; 2, l ff.; 1. Kon. 22, 19-23; Ps. 8, 5 mit der Anmerkung in der Elberfelder Übersetzung; Hebr. 2, 7 u. a.). 

Auch über diese Hinausgestoßenen sinnt der Herr nach, damit sie nicht von Ihm verstoßen bleiben (2. Sam. 14, 14). Denn auch die Heerschar der Höhe in der Höhe, die in die Grube eingesperrt und wie Gefangene im Kerker eingeschlossen ist, soll in Gnaden heimgesucht werden an dem verheißenen Tag (Jes. 24, 21-23; 61, 1). Denn zu den Gefangenen soll die Botschaft gebracht werden: „Ihr seid frei!” (Jes. 61, 1; Luk. 4, 18). Und wie Er, der Herr selbst, den Vater kundgemacht hatte den Himmlischen und Irdischen, so machte Er Ihn auch den Unterirdischen kund, indem Er als der Auferstandene hinging, ihnen predigte und die ehernen Riegel zerbrach (1. Petr. 3, 19; 4, 6; Eph. 4, 8-10; Ps. 68, 18 [Luther 19]; 107, 10-16). 

Diese Botschaft der Freilassung (apolytroosis) erging sowohl an die gefange-nen Geister als auch an die verstorbenen Menschen (1. Petr. 3, 19; 4, 6). Der Erfolg dieser Predigt war gewaltig. Der Herr führte das Gefängnis gefangen und machte viele Gefangene, die Er dann in Seinem Triumphzug mit sich zur Höhe führte (Eph. 4, 8. 9). Wie reich ist doch dieser Ertrag der 40 Tage! Auf Erden glaubten nur wenige, als Er predigte, und das wird immer so sein. Denn der Weg ist schmal und die Pforte ist eng, damit kein Fleisch hindurchgehe und sich selbst überhebe. Im Hades aber ist das Geschöpf zerbrochen. Da hören viele. Selbst der reiche Mann braucht dort nur einen Augenblick (in des Wortes wahrster Bedeutung), nämlich so lange, als er seine Augen aufschlug, um das Verlorensein an diesem Orte zu erkennen und zum fürbittenden Sprecher für seine Brüder zu wer-den (Luk. 16, 23 ff.). Die Pforte auf Erden ist eng, die Pforten des Kosmos aber sind weit und hoch! „Bei Ihm sind die Ausgänge des Todes” (siehe auch 1. Sam. 2, 6!). 

Diese Predigt, die ihren Anfang durch den Herrn erhielt, findet ihre Vollendung durch die Leibesgemeinde. Er selbst machte ja in Lehre und Tun nur einen Anfang (Apg. 1,1; Hebr. 2, 3). Die Erfüllung aller Verheißungen, zu denen auch die gehört, den Gefangenen zu sagen, dass sie frei sein sollen, erfolgt durch uns, die Glieder der Leibesgemeinde (2. Kor. l, 20). 

Seit jener Predigt im Totenreiche sind wieder viele hinabgefahren, von denen die meisten noch nie etwas von Ihm hörten, die also viel weniger erfuhren als jene, denen Noah das kommende Gericht ankündigte. Ihnen dürfen wir einmal dienen. Denn wir müssen Ihm, dem Haupte, in allem gleichgemacht werden. Wie Er ist in der Welt, also auch wir! Darum sinnen auch wir darauf, wie Er es tut, dass der Verstoßene nicht von Ihm weg verstoßen bleibe, und freuen uns auf den Tag, wo wir den Letzten rufen dürfen, der drunten ist. Dann werden sich alle Knie Ihm beugen, auch die der Unterirdischen, und alle Zungen werden bekennen und sagen: „Nur im Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke” (Phil. 2, 9-11; Jes. 45, 22-24; Rom. 14, 11). Ja, zu Ihm werden umkehren und sich schämen alle, die wider Ihn entbrannt waren! Denn Er hat auch für die Widerspenstigen Gaben empfangen, damit Gott auch unter ihnen eine Wohnung habe (Ps. 68, 18).